Dienstag, 19. Mai 2026

Projekt Drive eChargedMinis elektrisieren München

[26.01.2012] Zur Erprobung von Elektrofahrzeugen und für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur haben die Partner BMW Group, Siemens und die Stadtwerke München das Projekt „Drive eCharged“ ins Leben gerufen. In diesem Rahmen wurde auch ein Ladesystem entwickelt, das mit einer Ladedose sowohl für Wechsel- als auch für Gleichstrom geeignet ist.
Projekt Drive eCharged: 40 MINI E waren auf Münchens Straßen unterwegs.

Projekt Drive eCharged: 40 MINI E waren auf Münchens Straßen unterwegs.

(Bildquelle: Siemens AG / Steffen Leiprecht)

Insgesamt zehn Monate lang, von September 2010 bis Juni 2011, waren 40 elektrisch angetriebene MINI E auf Münchens Straßen unterwegs. Dieser Feldversuch fand im Rahmen des Projektes „Drive eCharged“ statt, welches im März 2010 startete und durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert wurde. Zielsetzung war es, mehr über Elektromobilität im Verkehrsalltag von Münchner Stadtbewohnern, Pendlern und Flottenbetreibern zu erfahren. Mit der Idee, die Markteinführung von batteriebetriebenen Fahrzeugen und deren Ladeinfrastruktur in München voranzubringen, beteiligten sich die BMW Group, Siemens und die Stadtwerke München (SWM) als Verbundpartner an „Drive eCharged“.

40 saubere Elektroflitzer

Während die BMW Group 40 auf Elektroantrieb umgerüstete MINI E zur Verfügung stellte, lieferte Siemens die Technologie für die neue Generation der Stromtankstellen, die in Zukunft auch Schnellladefunktionen haben werden. Für die Stadtwerke München standen zunächst die Standortauswahl und der Aufbau der Ladesäuleninfrastruktur im Fokus, und anschließend der sichere und zuverlässige Betrieb. Zudem lieferten sie den regenerativ erzeugten Strom. Im September 2010 startete die aktive Phase des Projektes mit der Übergabe der Fahrzeuge an die ausgewählten Testfahrer. Zehn der sauberen Elektroflitzer hat das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Empfang genommen, um sie in der ambulanten Altenpflege einzusetzen. 26 MINIs gingen an Privatnutzer, die restlichen Autos übernahmen die SWM und Siemens. „Heute kommt Innovation auf die Straße. Mit dem Flottenversuch werden wir die Elektrofahrzeuge im Alltag unter realen Bedingungen testen. Damit wird deutlich sichtbar, dass Elektromobilität nicht mehr nur eine Zukunftsvision ist“, so der Parlamentarische Staatssekretär Andreas Scheuer anlässlich der Übergabe auf dem Odeonsplatz in München. Insgesamt legten die Elektrofahrzeuge im Rahmen des Modellversuchs bis Juni 2011 rund 300.000 Kilometer emissionsfrei zurück.

Testfahrer im Profil

Die Privatnutzer, die aus über 600 Bewerbungen ausgewählt wurden, waren zu drei Vierteln männlich und wiesen eine hohe Affinität zu Nachhaltigkeit und Technologie auf. Sie gaben an, den MINI E für tägliche Pendelfahrten einzusetzen. Ausschlaggebend für ihre Bewerbung war es, Erfahrung mit einer neuen Technologie machen zu wollen. Zudem sollten Mobilitätskosten gesenkt und der Umweltschutz unterstützt werden. Die überwiegend weiblichen Tester in der Flotte des Bayerischen Roten Kreuz erwarten hingegen insbesondere Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Denn diese sollten täglich bei mehreren Schichten für rund 100 Kilometer zum Einsatz kommen. Für sie spielte auch die Fahrzeuggröße aufgrund der schwierigen Parkplatzsituation in der Innenstadt eine wichtige Rolle. Zudem wurde ein reibungsloser Ladevorgang infolge des hohen Termindrucks gefordert.
Die Testfahrer gingen mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an den Start. So nahmen 96 Prozent der privaten Nutzer an, dass sie mit dem MINI E ihre täglichen Mobilitätsbedürfnisse erfüllen können. Grund für die positive Einschätzung ist das Image der BMW Group, die als Garant für die technische Ausgereiftheit gilt. Im Rahmen mehrerer Befragungen konnte eine durchschnittliche maximale Reichweite der Elektrofahrzeuge von 127 Kilometern ermittelt werden, was für 89 Prozent der Privatpersonen als ausreichend für die alltägliche Nutzung war. Die Mitarbeiter des BRK allerdings hatten anfänglich Bedenken bezüglich der Zuverlässigkeit der Fahrzeuge insbesondere hinsichtlich der Reichweite und des Stauraums. Diese wurden jedoch mehrheitlich nicht bestätigt. 82 Prozent der täglichen Fahrten konnten mit dem MINI E erledigt werden. Nur im Winter war die Nutzung aufgrund der reduzierten Reichweite und der höheren Ladefrequenz etwas eingeschränkt. Mit Blick auf das Aufladen der Fahrzeuge gab es beim Handling keinerlei Probleme. In 75 Prozent der Fälle wurde das Ladekabel direkt nach der Nutzung eingesteckt.
Das Laden betreffend ergab die Befragung der privaten Testfahrer, dass sie die Ladezeiten für den Alltag als praktikabel und angemessen bewerten. Fast alle Nutzer sahen den Ladevorgang als leicht erlernbar (92 Prozent) an und fühlten sich kompetent dabei (96 Prozent). 88 Prozent beurteilten das Laden an einer Ladestation (zu Hause oder an der Arbeitsstelle) sogar als angenehmer als die Fahrt zur Tankstelle. Jedoch weist das Handling des Kabels noch Verbesserungspotenzial auf. So empfanden es drei Viertel der Befragten als recht schwer und unhandlich. Des Weiteren wünschen sich die Nutzer, dass das Kabel künftig fest an der Wallbox oder an den öffentlichen Ladestationen installiert ist.

Kombiniertes Ladesystem

Nach dem erfolgreichen Flottenversuch in München konnten die Unternehmen Siemens und BMW einen weiteren Meilenstein durch die Entwicklung und Erprobung eines Ladesystems für Wechsel- und Gleichstrom mit nur einer Ladedose erreichen. Hierzu wurden ein BMW ActiveE mit modernster Antriebstechnologie sowie eine neue Gleichstrom-Ladesäule von Siemens aufeinander abgestimmt und der Typ-2-Stecker IEC 62196 eingesetzt. Damit wurde ein Ladesystem entwickelt und erprobt, das sowohl für Wechselstrom als auch für Gleichstrom kompatibel ist. Die Partner haben dabei einen neuen Maßstab beim Schnellladen mit Gleichstrom von Elektrofahrzeugen gesetzt und die durchschnittliche Ladezeit auf etwa 30 Minuten verkürzt.
Das benutzerfreundliche und zukunftsweisende Pilotsystem hat nach Angaben der Projektpartner viele Vorteile. So sind mit dem neuen Ladesystem die verschiedenen Stecker aufseiten der Infrastruktur sowie die unterschiedlichen Ladeklappen am Fahrzeug für das Wechsel- und Gleichstromladen nicht mehr notwendig. Der Kunde bedient künftig nur eine Ladeschnittstelle am Fahrzeug für sämtliche Ladearten. Des Weiteren wird durch die Verlagerung der Gleichrichter vom Fahrzeug in die Ladesäule eine Platz- und Gewichtsersparnis im Elektrofahrzeug ermöglicht. Somit werden Elektrofahrzeuge noch umweltfreundlicher. Zudem können Nutzer von Elektrofahrzeugen in naher Zukunft sowohl schnell öffentlich mit Gleichstrom als auch herkömmlich zu Hause mit Wechselstrom laden.
Für höhere Ströme haben die deutschen Automobilhersteller das Combined-Charging-System vorgestellt, das eine Erweiterung des im Projekt „Drive eCharged“ eingesetzten Ladesystems darstellt. Damit können alle verfügbaren Ladesorten bedient werden: einphasiges Laden mit Wechselstrom, schnelles Wechselstromladen mit Drehstromanschluss, Gleichstromladen für Haushalte oder ultraschnelles Gleichstromladen an Stromtankstellen. Bei den ersten serienmäßigen Elektrofahrzeugen von BMW soll diese Ladeschnittstelle bereitgestellt werden. So soll die Serienproduktion des rein elektrisch angetriebenen BMW i3 nach Unternehmensangaben im Jahr 2013 starten.

Claudia Schmidtkonz




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Elektromobilität
Zwei Menschen stehen an einer Ladesäule von Mainova neben einem Elektroauto mit Shell-Recharge-Logo. Die Frau hält ein Smartphone in der Hand, der Mann lehnt am Fahrzeug und zeigt eine Ladekarte. Die Szene zeigt das Laden eines Elektroautos im öffentlichen Raum.

Mainova: Kooperation mit Shell

[12.05.2026] Mit einer langfristigen Partnerschaft wollen die Unternehmen Shell Recharge und Mainova den Zugang zur Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ausbauen. Mainova-Kundinnen und -Kunden sollen über die Shell-App Rabatte und Zugang zu einem europaweiten Ladenetz erhalten. mehr...

Öffentliche Ladesäule der Stadtwerke Tübingen: Förderung durch den Bund ist laut BDEW zu bürokratisch.

BSI: Wie sicher ist die öffentliche Lade-Infrastruktur?

[08.05.2026] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat erstmals einen Bericht zur IT-Sicherheit öffentlicher Lade-Infrastruktur veröffentlicht. Die Analyse benennt Schwachstellen bei Protokollen, Software und Zertifikatsverwaltung und zeigt, warum vernetzte Ladesäulen zu einem kritischen Faktor der Verkehrswende werden. mehr...

Kornwestheim: Ladepunkte decken Bedarf ab

[08.05.2026] Kornwestheim verfügt bereits heute über genügend öffentliche Ladepunkte, um den prognostizierten Bedarf bis 2028 abzudecken. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bauen das Netz dennoch weiter aus und planen zusätzliche Standorte an stark frequentierten Orten wie dem Bahnhof. mehr...

Wiesbaden: Jahresbericht zeigt Wachstum der E-Mobilität

[08.05.2026] Wiesbaden zählt beim Anteil von Elektroautos und beim Ausbau öffentlicher Ladepunkte bundesweit zur Spitzengruppe. Ein neuer Jahresbericht der Stadt zeigt, wie stark die Elektromobilität wächst und welche Rolle kommunale Steuerung und neue Schnellladeangebote dabei spielen. mehr...

NTT DATA: E-Autos als mobile Stromspeicher

[08.05.2026] Bidirektionales Laden macht Elektroautos zu mobilen Stromspeichern für Haushalte, Unternehmen und Stromnetze. Nach Einschätzung von NTT DATA könnte die Technik Kommunen helfen, Netze zu stabilisieren, Energiekosten zu senken und die Energiewende schneller voranzutreiben. mehr...

Bindlach: E.ON nimmt Schnelllade-Standort in Betrieb

[27.04.2026] E.ON nimmt in Bindlach bei Bayreuth einen neuen Schnelllade-Standort mit bis zu 400 Kilowatt Leistung in Betrieb. Die Anlage ist Teil des Deutschlandnetzes und zeigt, wie Infrastruktur, Komfort und erneuerbare Energie beim Laden zusammenwachsen. mehr...

Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses mit mehreren an der Betonwand montierten Wallboxen. Ein blaues Elektroauto steht an einem Ladeplatz und ist mit einer Ladestation verbunden. Entlang der Wand verläuft eine sichtbare Stromschiene mit mehreren Anschlüssen für Ladepunkte.

Hager: Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser

[24.04.2026] Mit Blick auf das neue Förderprogramm des Bundesministeriums für Verkehr für Lade-Infrastruktur in Mehrparteienhäusern verweist Hager auf eigene Systeme für solche Anwendungen. Nach Angaben des Unternehmens richten sich die Lösungen an private, halböffentliche und öffentliche Einsatzorte. mehr...

LichtBlick: Monopolanalyse warnt vor Marktkonzentration bei Ladesäulen

[22.04.2026] LichtBlick diagnostiziert in seiner Monopolanalyse 2026 eine starke Marktkonzentration an öffentlichen Ladesäulen mit dominierenden Einzelbetreibern. Die Studie sieht darin ein Risiko für Wettbewerb, Preise und Tempo der Elektromobilität – und schlägt ein alternatives Marktmodell vor. mehr...

BNM: Fachgipfel zur günstigeren Lade-Infrastruktur

[22.04.2026] Der Bundesverband Neue Mobilität treibt neue Konzepte für transparenteres und kostengünstigeres öffentliches Laden von Elektrofahrzeugen voran. Auf einem Fachgipfel in Berlin stellten Experten konkrete technische und regulatorische Ansätze vor, die Milliarden-Einsparungen ermöglichen könnten. mehr...

Fünf Elektroautos von Volkswagen stehen nebeneinander auf einem Parkplatz vor einem modernen Gebäude. Die Fahrzeuge sind in Rot, Blau, Weiß, Grau und Rot lackiert. Im Hintergrund sind Bäume und ein heller Himmel zu sehen.

BDEW: Starkes Jahr für die Elektromobilität

[16.04.2026] Die Elektromobilität in Deutschland ist nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Jahr 2025 deutlich gewachsen. Auch das erste Quartal 2026 habe den Trend fortgesetzt. mehr...

Drei weiße Wallboxen für Elektroautos sind an einer Innenwand montiert und über Kabelkanäle mit Sicherungskästen verbunden. An der mittleren Ladestation steckt ein Ladekabel. Die Wand ist grau und im unteren Bereich grün gestrichen.

Ladeinfrastruktur: Bund fördert Ladepunkte in Mehrparteienhäusern

[16.04.2026] Das Bundesministerium für Verkehr startet ein neues Förderprogramm für Ladeinfrastruktur an Mehrparteienhäusern. Dafür stehen bis zu 500 Millionen Euro bereit. Ziel ist laut Ministerium, den Zugang zu Lademöglichkeiten für Millionen Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern. mehr...

Vier Männer stehen vor drei neuen elektrischen Linienbussen der Stadtwerke Neuss auf einem Betriebshof und präsentieren die moderne, emissionsfreie Fahrzeugflotte.

Stadtwerke Neuss: Elektrobusse aus China

[10.04.2026] Die Stadtwerke Neuss haben sechs weitere Elektrobusse in Betrieb genommen. Die neuen Fahrzeuge ersetzen Dieselbusse und sollen den CO₂-Ausstoß deutlich senken. Insgesamt umfasst die Flotte nun 17 E-Busse. mehr...

Luftaufnahme einer modernen Busanlage der BVG in Berlin: Auf einem großflächigen Betriebshof stehen zahlreiche gelbe Elektrobusse in Reih und Glied an Ladeplätzen unter überdachten Infrastrukturen. Mehrere Funktionsgebäude mit begrünten Dächern und Solaranlagen umgeben das Gelände. Im Hintergrund verläuft ein Fluss mit Brücke, daneben erstrecken sich Grünflächen und die städtische Bebauung.

Berlin: Neuer Betriebshof für E-Busse

[07.04.2026] In Berlin-Treptow-Köpenick baut die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen neuen Betriebshof für Elektrobusse. Der Standort an der Köpenicker Landstraße soll 2027 in Betrieb genommen werden. Damit soll die wachsende E-Busflotte unterstützt werden. mehr...

Stuttgart: Neue Schnellladepunkte direkt am Straßenrand

[07.04.2026] In Stuttgart startet erstmals öffentliches Schnellladen für Elektroautos direkt am Straßenrand. Die neuen DC-Ladepunkte der Stadtwerke erweitern das Ladenetz deutlich und sollen den Umstieg auf Elektromobilität beschleunigen. mehr...

BMV: Mehrparteienhäuser sollen Lade-Infrastruktur erhalten

[26.03.2026] Das Bundesverkehrsministerium startet ein 500-Millionen-Euro-Programm für Lade-Infrastruktur in Mehrparteienhäusern. Damit soll der Ausbau privater Lademöglichkeiten deutlich beschleunigt werden – ein Engpass, der bislang viele am Umstieg auf E-Mobilität hindert. mehr...