Montag, 18. Mai 2026

VKU/BDEWStellungnahme zu neuen Gesetzentwürfen

[18.05.2026] Die Bundesregierung vergangenen Mittwoch die Entwürfe für das Gebäudemodernisierungsgesetz und das neue Kraftwerksgesetz beschlossen. Der VKU und BDEW begrüßen die Signale für Wärme- und Versorgungssicherheit, sehen aber große Risiken bei Infrastrukturplanung, Wettbewerb und Investitionsbedingungen.

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) hat das Bundeskabinett vergangenen Mittwoch, 13. Mai, zwei zentrale Vorhaben für Wärme- und Stromwende auf den Weg gebracht. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bewerten beide Gesetzentwürfe grundsätzlich positiv, fordern aber rasch verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Infrastruktur.

Nach Einschätzung des VKU bringt das Gebäudemodernisierungsgesetz mehr Klarheit für die Wärmewende. Der Entwurf räume überbürokratische Vorgaben ab, etwa zu Übergangsfristen nach Heizungsausfällen, zu Wärmenetzanschlüssen oder zu Wasserstoff-Fahrplänen. Gleichzeitig warnt der Verband vor erheblichen Folgen für kommunale Wärmeplanung und Infrastrukturentwicklung. Die sehr kurze Anhörungsfrist reiche nicht aus, um die komplexen Wechselwirkungen mit anderen Regelwerken wie Wärmeplanungsgesetz, Energiewirtschaftsgesetz, EEG oder Energieeffizienzgesetz zu bewerten.

Paralleler Ausbau als kritisch

Der VKU sieht vor allem den parallelen Ausbau von Gas-, Strom- und Wärmenetzen kritisch. Kommunale Wärmepläne sähen vielerorts den Ausbau von Wärmenetzen vor, zugleich blieben Gasnetze bestehen und Stromnetze müssten für Wärmepumpen verstärkt werden. Drei parallele Wärmeinfrastrukturen seien weder volkswirtschaftlich sinnvoll noch für Verbraucher bezahlbar. Der Verband fordert deshalb eine stärkere Verzahnung von Netzentwicklungsplanung und kommunaler Wärmeplanung sowie eine Biomethanstrategie und ein weiteres Wärmepaket mit Änderungen am Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, an der AVBFernwärme-Verordnung und der Wärmelieferverordnung.

Konsistentes Gesamtbild gefordert

Auch der BDEW bewertet das Gebäudemodernisierungsgesetz als wichtigen Schritt für einfachere und verständlichere Regeln bei der Heizungsmodernisierung. Wie BDEW-Chefin Kerstin Andreae erklärt, müssten Dekarbonisierungspfad, Wärmeplanung und Infrastrukturentwicklung jedoch ein konsistentes Gesamtbild ergeben. Technologieoffenheit dürfe nicht dazu führen, dass wirtschaftlich sinnvolle Infrastrukturentscheidungen unterlaufen werden. Mehrfach-Infrastrukturen könnten die Kosten der Wärmeversorgung deutlich erhöhen.

Der Verband begrüßt zugleich, dass der Entwurf zentrale Vorgaben der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD aufgreift. Dazu zählen das Leitbild des Nullemissionsgebäudes, Vorgaben zur Nutzung von Solarenergie und angepasste Effizienzanforderungen. Parallel beschlossene Änderungen am Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) bewertet der BDEW ebenfalls positiv, kritisiert aber die vorgesehene Mindestleistung von 2,2 Kilowatt für Ladepunkte als deutlich höher als die europäische AFIR-Vorgabe.

StromVKG als Beitrag zur Versorgungssicherheit

Beim StromVKG sehen beide Verbände einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Das Gesetz soll neue steuerbare Kraftwerkskapazitäten schaffen, die einspringen, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen. Der VKU warnt allerdings davor, dass das Ausschreibungsdesign kleinere und mittlere Unternehmen benachteiligen könnte. Hohe finanzielle Sicherheiten, praxisferne Vertragsstrafen und kostenintensive technische Vorgaben erschwerten insbesondere Stadtwerken die Teilnahme.

Zudem kritisiert der VKU die weiter ungeklärte Zukunft des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG). Betreiber neuer KWK-Anlagen müssten sich zwischen StromVKG und KWKG entscheiden, obwohl die angekündigte Verlängerung des KWKG weiter ausstehe. Das schaffe Unsicherheit und bremse Investitionen. Der Verband fordert außerdem eine ausgewogene regionale Verteilung neuer Kraftwerkskapazitäten, damit Nord- und Ostdeutschland beim Kohleausstieg nicht benachteiligt werden.

BDEW drängt auf erste Ausschreibungen

Der BDEW drängt darauf, das StromVKG nun schnell durch das parlamentarische Verfahren zu bringen, damit erste Ausschreibungen noch 2026 starten können. Investoren benötigten frühzeitig klare und rechtssichere Rahmenbedingungen, um neue Kraftwerke, Speicher oder Flexibilitätsoptionen wirtschaftlich kalkulieren zu können. Die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission müsse deshalb möglichst vor Beginn der Ausschreibungen vorliegen.

Außerdem spricht sich der Verband dafür aus, das sogenannte 10-1-10-Stunden-Kriterium für Langzeitkapazitäten beizubehalten. Anlagen sollen nach spätestens einer Stunde wieder verfügbar sein und anschließend zehn Stunden durchgehend Strom liefern können. Bei Anlagenpools solle diese Vorgabe jedoch für den Gesamtpool gelten. Wie der VKU fordert auch der BDEW verhältnismäßige Sicherheiten und Pönalen, damit kleinere Marktakteure nicht vom Kapazitätsmarkt ausgeschlossen werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Mehrstöckiges Wohnhaus mit Holzfassade und großer Photovoltaikanlage auf dem Dach in einem grünen Wohngebiet. Das Gebäude verfügt über Balkone, große Fenster und eine Terrasse mit Sitzmöbeln. Im Hintergrund sind weitere Häuser, Bäume und eine hügelige Landschaft zu sehen.

Baden-Württemberg: Energiebranche begrüßt Koalitionsvertrag

[07.05.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sieht im neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU eine Grundlage für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Der Verband fordert zugleich ein konsequentes Vorgehen der künftigen Landesregierung. mehr...

Netzausbau: Neue Stromleitungen geplant

[04.05.2026] Die Bundesregierung will den Ausbau der Stromnetze beschleunigen und neue Leitungen planen. Ein Gesetzentwurf sieht 45 zusätzliche Projekte vor. Ziel sind mehr Planungssicherheit und geringere Kosten im Energiesystem. mehr...

Arbeiter in Schutzkleidung und Helmen steigen an einem hohen Strommast aus Metall hinauf, während sie an Hochspannungsleitungen arbeiten; der Himmel ist blau mit wenigen Wolken.

Energiewende: Kommunen profitieren

[30.04.2026] Viele Städte und Gemeinden erzielen laut einer Umfrage zusätzliche Einnahmen durch erneuerbare Energien. Gleichzeitig bremsen nach Angaben der Kommunen vor allem fehlende Netze und knappe Haushaltsmittel den weiteren Ausbau. mehr...

DStGB: Forderung nach autonomen Bussen

[30.04.2026] Deutschlands Kommunen verlangen deutlich mehr Geld für den Nahverkehr und drängen zugleich auf autonome Busse im ländlichen Raum. Hintergrund sind Rekorddefizite in den Haushalten, drohende Angebotskürzungen im ÖPNV und die Frage, wie Mobilität außerhalb der Ballungszentren künftig gesichert werden kann. mehr...

Politik: Verbände positionieren sich zu aktuellen Gesetzentwürfen

[24.04.2026] Die Gesetzentwürfe zu StromVKG, EEG und Netzpaket stoßen in der Branche auf breite Zustimmung und scharfe Kritik zugleich. Verbände warnen vor Investitionsrisiken und Ausbauhemmnissen, während die Bundesregierung unter Zeitdruck zentrale Weichen stellt. mehr...

Stadtwerke München: Nachbesserungen bei Energiegesetzen

[24.04.2026] Die Stadtwerke München unterstützen die geplanten Reformen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und beim Netzanschlussverfahren grundsätzlich, warnen jedoch vor schwächeren Investitionsanreizen und einem langsameren Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem in Städten. mehr...

Baden-Württemberg: 15-Punkte-Plan für künftige Landesregierung

[21.04.2026] Erneuerbaren-Verbände legen einen 15-Punkte-Plan für den Umbau der Energieversorgung in Baden-Württemberg vor. Der Katalog zielt auf schnelleren Ausbau, mehr Versorgungssicherheit und neue Impulse für Industrie und Verkehr – und setzt die künftige Landesregierung unter Handlungsdruck. mehr...

Gas- und Dampfkraftwerk der Stadtwerke Düsseldorf mit moderner Industriearchitektur, großem verglasten Turm und Schornstein auf dem Betriebsgelände bei Tageslicht.

BDEW: Mix bei Kraftwerksstrategie

[17.04.2026] Der BDEW spricht sich für mehrere Technologien zur Absicherung der Stromversorgung aus. Neben Gaskraftwerken nennt der Verband Batteriespeicher und flexible Stromnachfrage. Hintergrund ist die Debatte über das Ausschreibungsdesign der geplanten Kraftwerksstrategie. mehr...

BEE: Fossile Abhängigkeiten verringern

[14.04.2026] Der Bundesverband Erneuerbare Energie begrüßt die geplanten Entlastungen der Bundesregierung angesichts steigender Energiepreise. Zugleich fordert der Verband schnellere Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. mehr...

BDEW: Mehr Tempo bei Elektrifizierung

[13.04.2026] Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrüßt die Ergebnisse des Koalitionsausschusses zum Ausbau erneuerbarer Energien. Zugleich kritisiert der Verband die ausbleibende Senkung der Stromsteuer. mehr...

Umfrage: Mehrheit empfindet Energie-Abhängigkeit als Bedrohung

[10.04.2026] Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Abhängigkeit von Energieimporten als Bedrohung. Eine aktuelle Umfrage zeigt zugleich klaren Rückhalt für mehr erneuerbare Energien und Speicher – und stellt politische Pläne infrage. mehr...

Saarland: Gasspeicher-Strategie gefordert

[02.04.2026] Das Saarland fordert eine nationale Strategie für Gasspeicher, um sinkenden Füllständen und Marktunsicherheiten zu begegnen. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Preisrisiken wächst der Druck auf den Bund, rechtzeitig vor der nächsten Heizperiode zu handeln. mehr...

Bundesverband Erneuerbare Energie: Branche legt Maßnahmenpaket vor

[31.03.2026] Die Erneuerbaren-Branche legt ein eigenes Maßnahmenpaket für ein kostengünstiges und resilientes Energiesystem vor. Es reagiert auf umstrittene Gesetzesvorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium und zielt auf mehr Investitionssicherheit und geringere Systemkosten. mehr...

Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr

[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...