PolitikVerbände positionieren sich zu aktuellen Gesetzentwürfen

Die Bundesregierung treibt parallel mehrere zentrale energiepolitische Vorhaben voran.
(Bildquelle: adobestock)
Die Bundesregierung treibt parallel mehrere zentrale energiepolitische Vorhaben voran, darunter das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG), die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie ein umfassendes Netzpaket. Im Zuge einer internen Frühkoordinierung sollen Streitfragen bereits vor der offiziellen Ressortabstimmung geklärt werden, dennoch regt sich früh Widerstand aus Verbänden und Teilen der Regierung.
Stellungnahmen zum StromVKG
Beim StromVKG sehen sowohl der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) als auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Notwendigkeit, steuerbare Kraftwerkskapazitäten rasch auszubauen. Der BDEW bewertet den Entwurf als wichtiges Signal für die Versorgungssicherheit und fordert zügige Ausschreibungen für H2-fähige Gaskraftwerke sowie klare Rahmenbedingungen etwa bei Sicherheitszahlungen und Pönalen. Kritisch sieht der Verband jedoch, dass Vorgaben für den Wasserstoffhochlauf erst nach ersten Ausschreibungen kommen sollen. Der VKU begrüßt zwar den Einstieg in einen Kapazitätsmarkt, warnt aber vor Wettbewerbsverzerrungen. Insbesondere der Ausschluss bestimmter Technologien und Standorte könne kleinere und kommunale Akteure benachteiligen und die Marktkonzentration erhöhen.
Differenzierte Bewertung der EEG-Novelle
Die EEG-Novelle wird differenziert bewertet. Der BDEW unterstützt die Beibehaltung der Ausbauziele und die Abschaffung der Förderung für kleine Photovoltaik-Dachanlagen unter 25 Kilowatt (kW), da diese zunehmend wirtschaftlich seien. Gleichzeitig fordert er pragmatische Lösungen bei der verpflichtenden Direktvermarktung und lehnt die geplante Übererlösabschöpfung als zu komplex ab. Der VKU sieht in der stärkeren Ausrichtung auf Kosteneffizienz einen richtigen Ansatz, kritisiert jedoch fehlende zusätzliche Ausschreibungsmengen für Wind an Land sowie zu geringe Ambitionen bei Biomasse. Deutlich schärfer äußert sich die Solarbranche: Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, die Kürzung der Solarförderung gefährde den Ausbau und zehntausende Arbeitsplätze. Insbesondere die geplante Abschaffung der Vergütung für eingespeisten Strom aus kleinen Dachanlagen und die verpflichtende Direktvermarktung könnten Investitionen massiv bremsen. Auch der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke (BDW) sieht sich betroffen: Die geplante Streichung der Einspeisevergütung für Anlagen unter 25 kW bedrohe mehr als die Hälfte der bestehenden kleinen Wasserkraftwerke und damit einen stabilisierenden Bestandteil der dezentralen Versorgung.
Fortschritte beim Netzpaket erkennbar
Beim Netzpaket erkennen BDEW und VKU Fortschritte bei der Steuerung von Netzanschlüssen und der besseren Nutzung knapper Kapazitäten. Beide Verbände begrüßen mehr Transparenz, Standardisierung und die Abkehr vom bisherigen Windhundprinzip. Zugleich fordern sie schnellere Genehmigungsverfahren und zusätzliche Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus. Kritisch sehen sie wie auch die Solarbranche den geplanten Redispatch-Vorbehalt. Dieser könnte dazu führen, dass Anlagenbetreiber in Engpassgebieten auf Entschädigungen verzichten müssen. Aus Sicht des VKU verlagert dies Risiken einseitig auf Erzeuger und erschwert Investitionen. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt sogar vor einem faktischen Ausbaustopp in großen Teilen Deutschlands, da Projekte unter diesen Bedingungen kaum finanzierbar wären.
Insgesamt zeigen die Stellungnahmen ein einheitliches Bild: Die Verbände unterstützen die strategische Stoßrichtung der Bundesregierung, fordern jedoch verlässliche Investitionsbedingungen, technologieoffene Ausschreibungen und praxistaugliche Regelungen. Ohne Nachbesserungen drohen aus ihrer Sicht Verzögerungen beim Ausbau erneuerbarer Energien, beim Netzausbau und bei der Sicherung der Stromversorgung.
BDEW/VKU: Stellungnahme zum Brandanschlag
[02.09.2026] Nach dem Angriff auf ein Umspannwerk in Turnow-Preilack haben sich BDEW und VKU zum Schutz Kritischer Energie-Infrastruktur geäußert. Beide Verbände fordern Konsequenzen, unterscheiden sich aber in der Frage, welche Rolle Staat und Betreiber beim Schutz der Stromnetze übernehmen sollen. mehr...
Bundesregierung: Eckpunkte für ein Wärmenetzpaket beschlossen
[28.08.2026] Die Bundesregierung hat Eckpunkte für ein neues Wärmenetzpaket beschlossen. Der geplante Rechtsrahmen soll Investitionen erleichtern und zugleich Preise sowie Verbraucherrechte neu regeln. mehr...
RWE/Amprion: Stromanbieter kritisieren geplante Übernahme
[19.08.2026] Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE stößt bei vier Ökostromanbietern auf Kritik. Sie fordern von der Bundesnetzagentur eine neue Prüfung, weil sie Risiken für Wettbewerb, Netzunabhängigkeit und den Zugang zu Flexibilitätsmärkten sehen. mehr...
Windenergie-auf-See-Gesetz: VKU fordert Ausbau mit Augenmaß
[19.08.2026] Der VKU fordert für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie mehr Wettbewerb und eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Stromertrag. Zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes schlägt der Verband unter anderem ein niedrigeres Ausbauziel und kleinere Ausschreibungsflächen vor. mehr...
Interview: Schocks absorbieren
[10.08.2026] Die Energiebranche fordert klare Regeln für den Schutz Kritischer Infrastrukturen. stadt+werk sprach mit Kerstin Andreae, BDEW, und Ingbert Liebing, VKU, über die Bedrohungslage und mögliche Wege zu höherer Sicherheit. mehr...
Verband Region Stuttgart: Ausbau der Stromnetze beschleunigen
[06.08.2026] Der Verband Region Stuttgart und zahlreiche Partner wollen den Ausbau der Stromnetze in der Region beschleunigen. Eine gemeinsame Absichtserklärung soll Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfachen und die Zusammenarbeit von Kommunen, Netzbetreibern und Stadtwerken stärken. mehr...
Bundesregierung: StromVKG verabschiedet
[04.08.2026] Das neue Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz schafft den Rahmen für zusätzliche flexible Stromkapazitäten. Es soll die Versorgung auch bei wachsendem Anteil erneuerbarer Energien und dem Kohleausstieg absichern. mehr...
EEG-Novelle/Netzanschlusspaket: Stellungnahmen zu Reformschritten
[29.07.2026] Das Bundeskabinett hat heute die Entwürfe für die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen. Energieverbände begrüßen den Reformkurs, verlangen im parlamentarischen Verfahren aber an zentralen Punkten Änderungen. mehr...
Thüringen: Energie-Anlagen schneller genehmigen
[28.07.2026] Thüringen will Genehmigungsverfahren für Industrie- und Energie-Anlagen weiter beschleunigen. Neue Vorgaben und organisatorische Maßnahmen sollen Investitionen sowie den Ausbau der Energie-Infrastruktur erleichtern, ohne den Umweltschutz zu schwächen. mehr...
Politik: Stellungnahmen zur EEG-Novelle und zum Netzanschlusspaket
[24.07.2026] Die Referentenentwürfe zur EEG-Novelle und zum Netzanschlusspaket stoßen bei Ländern und Verbänden auf ein geteiltes Echo. Während einige Akteure Nachbesserungen verlangen, sehen andere wichtige Fortschritte – fordern aber mehr Zeit und einen strukturierten Dialog vor dem Kabinettsbeschluss. mehr...
Sokratherm: Politische Entscheidungen verbessern Bedingungen für KWK
[22.07.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz und ein EuGH-Urteil stärken die Rahmenbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Entscheidungen könnten den Einsatz von Blockheizkraftwerken erleichtern und die anstehende Reform des KWK-Gesetzes beeinflussen. mehr...
EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche
[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...
Energiewende: Hybridlösungen statt neuer Lock-ins
[14.07.2026] Die Kraftwerksstrategie des Bundes setzt auf zentrale Großprojekte – doch die kommen zu spät und schaffen neue Abhängigkeiten. Kommunale Hybridlösungen aus KWK, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Speichern bieten einen schnelleren, resilienteren Weg. mehr...
Naturstrom: Weniger Negativpreise
[07.07.2026] An der Strombörse gab es im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Stunden mit negativen Preisen als im Vorjahr. Eine Analyse zeigt, warum die Preise trotz der globalen Energiekrise insgesamt stabil blieben und welche Rolle erneuerbare Energien und Flexibilität dabei spielen. mehr...
TenneT: Bund steigt ein
[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...












