MannheimPhosphorrecyclinganlage in Betrieb gegangen

Außenansicht der Mannheimer Phosphorrecyclinganlage
(Bildquelle: MVV)
In Mannheim ist eine Anlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm offiziell in Betrieb gegangen. Wie das Unternehmen MVV Energie mitteilt, ist die neue Phosphorrecyclinganlage direkt in die bestehende Thermische Abfallbehandlungsanlage der Konzerntochter MVV Umwelt auf der Friesenheimer Insel integriert.
Die Anlage nutzt bis zu 1.000 Grad Celsius heißes Rauchgas aus den Abfallkesseln, um Drehrohröfen zu beheizen. In einem geschlossenen Prozess führt das System die entstehenden Verbrennungsgase zurück, scheidet Schadstoffe ab und gewinnt den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor zurück. Laut Unternehmen lassen sich so bis zu 90 Prozent des enthaltenen Rohstoffs sichern. Die Verarbeitungskapazität liegt bei 135.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr, genehmigt sind bis zu 180.000 Tonnen.
Phosphor gilt als unverzichtbar für Düngemittel, die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion. Zugleich wächst seine Bedeutung für Batterien und die chemische Industrie. Da die globalen Lagerstätten begrenzt sind und Deutschland Phosphor bislang überwiegend importiert, rückt die Rückgewinnung aus kommunalem Klärschlamm in den Fokus. Dieser wird wegen enthaltener Schadstoffe inzwischen fast vollständig verbrannt, wodurch der Rohstoff bislang verloren ging.
Gabriël Clemens, Vorstandsvorsitzender von MVV, sprach von einem Meilenstein für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung in Mannheim und Baden-Württemberg. Um solche Anlagen wirtschaftlich zu betreiben, brauche es verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und eine zügige Umsetzung der Klärschlammverordnung.
Auch das Land sieht in dem Projekt einen strategischen Baustein. Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin von Baden-Württemberg, erklärte, Phosphorrecycling reduziere die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und stärke zugleich die Energiewende, da die Anlage klimaneutrale Wärme für die Region bereitstelle. Das Land Baden-Württemberg und die Europäische Union fördern das Projekt mit rund 6,4 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.
Nach Angaben von MVV handelt es sich um die erste kommerzielle Anlage in Deutschland, die Phosphor direkt aus Klärschlamm zurückgewinnt, ohne aufwendige nachgelagerte Verfahren. Zugleich erzeugt der Standort Strom und Fernwärme aus der thermischen Verwertung. Damit erweitert das Unternehmen sein Portfolio um einen weiteren Baustein für die regionale Wärmeversorgung und positioniert die Friesenheimer Insel als zentralen Energiestandort in der Metropolregion Rhein-Neckar.
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