Samstag, 11. Juli 2026

TransnetBWWitterungseffekte nutzen

[12.06.2020] Bis 2023 will der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW seine Freileitungen im Netzgebiet witterungsabhängig betreiben. So können die Transportkapazitäten erhöht und für einen optimierten Netzbetrieb effizienter genutzt werden.
TransnetBW bereitet die Freileitung 3.0 vor.

TransnetBW bereitet die Freileitung 3.0 vor.

(Bildquelle: TransnetBW)

Den Netzausbau zu minimieren und das bestehende Netz bestmöglich auszunutzen, ist das Gebot der Stunde bei der Umgestaltung der Energieversorgung. Richtungsweisend ist dabei das NOVA-Prinzip: Netzoptimierung vor Netzverstärkung und diese vor einem weiteren Netzausbau. Ein Ausbau darf also erst geplant werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Freileitungen witterungsabhängig zu betreiben, trägt effektiv dazu bei, Ressourcen zu schonen. Deshalb arbeitet der süddeutsche Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW unter dem Projektnamen WAFB – kurz für witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb – daran, in seinem Netzgebiet ein so genanntes Freileitungs-Monitoring umzusetzen. Alexander Hofmann, Fachexperte zu diesem Thema bei TansnetBW, erklärt: „Wir greifen die Chancen der Digitalisierung auf, um den Netzausbau auf das Notwendigste zu reduzieren. Indem wir Witterungseffekte richtig ausnutzen, streben wir an, die Transportkapazität für Strom im bestehenden Netz um bis zu 20 Prozent zu verbessern.“

Natürliche Kühlwirkung

Das Ziel des witterungsabhängigen Freileitungsbetriebs besteht darin, die für Normbedingungen gemäß EN 50182 ausgelegten Freileitungen entsprechend der tatsächlich herrschenden Wetterlage zu betreiben. Denn die Übertragungsleistung von Freileitungen ist für eine Umgebungstemperatur von 35 Grad Celsius und eine Windgeschwindigkeit von 0,6 Metern pro Sekunde senkrecht zum Leiter genormt. „Mithilfe eines Monitorings an den Leitungen können wir uns die natürliche Kühlwirkung der Luft zunutze machen. Bei kaltem und windigem Wetter ist es möglich, die Leiterseile mit höherer Stromstärke zu belasten und damit zeitweise mehr Leistung zu übertragen“, so Alexander Hofmann. Zum Beispiel kann in den Wintermonaten von November bis Februar mehr Strom transportiert werden, wenn die Temperaturen unter den Normbedingungen liegen.
Damit das Ziel der vorübergehend erhöhten Übertragungskapazität erreicht werden kann, braucht es neben zuverlässigen Wetterprognosen auch spezifische Messsysteme. Deren Aufgabe ist es, jederzeit die tatsächlichen witterungsabhängigen Belastungsreserven der Stromkreise zu bestimmen. Zur Vorbereitung der dritten Phase des WAFB-Projekts (WAFB 3.0) ab 2023 werden diese Systeme gerade vom Übertragungsnetzbetreiber implementiert: An 253 Strommasten und 49 Umspannwerken im gesamten Netzgebiet bringt TransnetBW Wettersensoren und teils Direktmesssysteme an.

Repräsentative Messungen

Die besten Standorte für die repräsentativen Messungen der meteorologischen Informationen hat der Dienstleister energy & meteo systems für TransnetBW ermittelt. Dabei wurden die Wetterdaten der vergangenen Jahre analysiert sowie der genaue geografische Verlauf der Leitungen berücksichtigt.
Ab 2023 werden an diesen Stationen erstmals alle 15 Minuten lokale Messdaten erhoben, die in der TransnetBW-Hauptschaltleitung in Wendlingen zusammenfließen. „Die aktuellen Ist-Werte zu Temperatur und Windgeschwindigkeit setzen wir dann in Relation zu den erhaltenen Wetterprognosen und steuern so alle Stromkreise einzeln“, beschreibt Alexander Hofmann und ergänzt: „Mit WAFB 3.0 erfassen wir die Daten erstmalig auf lokaler Ebene und nicht wie bisher nur großräumig. Auf dieser Basis können wir die Netzbetriebsführung effektiv verbessern, ohne die Systemstabilität zu gefährden oder Engpässe zu riskieren.“ Die gewonnenen Daten sind auch für den Stromhandel nützlich. Denn in die Day-Ahead-Bedarfsplanung fließen unter anderem Wetterprognosen ein, die mit den lokalen Messdaten nachgeschärft werden können.

Simone Bierbrauer ist PR-Senior-Beraterin bei trurnit Pressewerk.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Thüga: Regler für mehr Solarstrom im Netz

[01.07.2026] Ein Pilotprojekt in Thüringen erprobt eine neue Technologie zur besseren Nutzung bestehender Stromnetze. Nach Angaben der Thüga kann ein neuer Mittelspannungslängsregler die Aufnahme von Photovoltaik-Strom deutlich erhöhen und so den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

Ein Techniker installiert ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) in einem Stromzählerkasten. Das digitale Messgerät mit Kommunikationsmodul wird in die bestehende Strominfrastruktur eingebaut und ermöglicht die automatische Erfassung und Übermittlung von Verbrauchsdaten.

Stadtwerke Düsseldorf / EnBW: Kooperation für intelligente Stromnetze

[22.06.2026] Die Stadtwerke Düsseldorf und EnBW Utility Services bauen ihre Zusammenarbeit bei intelligenten Messsystemen aus. Künftig umfasst die Partnerschaft auch das sogenannte CLS-Management zur Steuerung dezentraler Energieanlagen. mehr...

Zwei Monteure in orangefarbener Schutzkleidung steigen an einem Hochspannungsmast aus Stahl empor. Im Hintergrund sind Stromleitungen vor blauem Himmel mit wenigen Wolken zu sehen.

BDEW: Schnellere Genehmigungen für den Netzausbau

[19.06.2026] Der BDEW hat Vorschläge zur Beschleunigung des Stromnetzausbaus vorgelegt. Nach Angaben des Verbands könnten Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und im Infrastruktur-Zukunftsgesetz dazu beitragen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Im Fokus stehen Vereinfachungen bei der Modernisierung bestehender Netze und bei Genehmigungsprozessen. mehr...

bne: Studie verweist auf Rekordrenditen bei VNB

[18.06.2026] Eine Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt Rekordrenditen bei Deutschlands größten Verteilnetzbetreibern. Gleichzeitig verschärfen sich die Probleme beim Netzausbau und bei neuen Netzanschlüssen für die Energiewende. mehr...

TransnetBW/EWE Netz: Energiewende-App bald in Niedersachsen verfügbar

[18.06.2026] Die Energiewende-App StromGedacht wird künftig auch im Netzgebiet von EWE Netz in Niedersachsen verfügbar sein. Die Kooperation mit TransnetBW erweitert das Konzept netzdienlichen Verbrauchs erstmals auf ein großes Verteilnetz und soll Verbraucher stärker in die Netzstabilisierung einbinden. mehr...

Mitnetz Strom: Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Planung

[16.06.2026] Mitnetz Strom setzt beim Bau einer neuen Hochspannungsleitung auf einen frühen und intensiven Dialog mit den Bürgern. Der Netzbetreiber will Konflikte vermeiden, die Feinplanung verbessern und Akzeptanz für den Ausbau der Energieinfrastruktur schaffen. mehr...

Netzanschluss: Software beschleunigt Berechnungen

[12.06.2026] Das Kölner Unternehmen envelio hat nach eigenen Angaben eine neue Technologie für die Berechnung von Stromnetzen entwickelt. Die Lösung soll Netzsimulationen erheblich beschleunigen und damit Netzanschlüsse schneller ermöglichen. mehr...

KIT: Transparenz für KI-gestützte Vorhersagen in Energiesystemen

[05.06.2026] KIT-Forschende haben mit SHAPformer eine Methode entwickelt, die KI-gestützte Vorhersagen für Energiesysteme nachvollziehbar macht. Die Lösung soll Transparenz bei kritischen Anwendungen wie Stromnetzsteuerung, Lastprognosen und Strompreisvorhersagen erhöhen und regulatorische Anforderungen erfüllen. mehr...

Hamburger Energienetze: Start von Fair-Grid-Projekt

[02.06.2026] Die Hamburger Energienetze führen mit Fair Grid ein neues Vergabeverfahren für große Stromanschlüsse ein. Das Projekt soll knappe Netzkapazitäten fair verteilen und reagiert auf den stark steigenden Leistungsbedarf durch Rechenzentren, Batteriespeicher und die Energiewende. mehr...

Smight/Thüga SmartService/Robotron: Vollständige Steuerkette umgesetzt

[06.05.2026] Smight, Thüga SmartService und Robotron haben eine vollständige Steuerkette nach §14a EnWG erstmals im Realbetrieb durchgängig umgesetzt. Damit steht Verteilnetzbetreibern eine standardkonforme End-to-End-Architektur zur Verfügung, die Netzengpässe automatisiert erkennt, marktseitig verarbeitet und steuernd auf Verbrauchseinrichtungen zugreift. mehr...

Pilotprojekt: Wärmepumpen entlasten Stromnetz

[27.04.2026] Wärmepumpen können als flexible Verbraucher aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Ein Pilotprojekt von Viessmann Climate Solutions mit Übertragungsnetzbetreibern zeigt erstmals unter Realbedingungen, wie sich Haushaltsgeräte ins Engpassmanagement integrieren lassen. mehr...

München: Supraleitung für Stromnetz soll kommen

[16.04.2026] Die Stadtwerke München und der Kabelhersteller NKT möchten ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ziel ist ein besonders leistungsfähiges Stromkabel im Zentrum der Stadt. Es könnte das weltweit längste supraleitende Hochspannungssystem werden. mehr...

bericht

Voltaris-Expertengespräch: Fachkräfte bleiben Engpass beim Smart-Meter-Roll-out

[15.04.2026] Der Einbau intelligenter Messsysteme in Deutschland nimmt Fahrt auf, bleibt aber hinter den langfristigen Zielen zurück. Das wurde bei einem digitalen Expertengespräch des Messdienstleisters Voltaris deutlich. Als größte Hürden nannten die Fachleute fehlende Montagekapazitäten, Datenqualität und technische Anbindung. mehr...

Elektriker installiert und verdrahtet Komponenten in einem geöffneten Zählerschrank mit Kabeln und Klemmenleisten

Hager: Zählerplätze für EnWG-Vorgaben

[09.04.2026] Seit 2024 gelten für leistungsstarke Stromverbraucher neue gesetzliche Anforderungen. Diese sollen dabei helfen, die Stromnetze bei steigender Belastung stabil zu halten. Der Hersteller Hager präsentiert dazu angepasste Lösungen für Zählerplätze. mehr...

Netzentwicklungsplan: Zweiten Entwurf bei Bundesnetzagentur eingereicht

[18.03.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber haben den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 veröffentlicht. Der Plan integriert nun auch das Szenario C und zeigt damit neue Perspektiven für den Ausbau des Höchstspannungsnetzes. mehr...