Stadtwerke HeidelbergKlimaschutz-Strategie für 2020

In Heidelberg soll in den kommenden Jahren deutlich weniger CO2 emittiert werden.
(Bildquelle: Cornerstone / pixelio.de)
Die Stadtwerke Heidelberg arbeiten seit vielen Jahren am Umbau der Energieversorgung und haben ihre Aktivitäten in diesem Jahr strategisch untermauert: Mit der Strategie 2020 und der daraus resultierenden Energiekonzeption 2020 wurden Klimaschutz und Nachhaltigkeit als wesentliche Leitlinien fest in der Geschäftsstrategie verankert.
Zu den wichtigsten Trends, die für eine erfolgreiche Marktpositionierung von Stadtwerken maßgeblich sind, gehört der steigende Wunsch der Gesellschaft nach Sicherheit und verantwortlichem Konsum. Aber auch marktwirtschaftliche Gründe auf der Beschaffungsseite sprechen für eine nachhaltige Ausrichtung der Geschäftsstrategie: Langfristig werden sich die Preise auf den Weltmärkten erhöhen durch eine Verknappung der Ressourcen bei steigender Nachfrage in den sich dynamisch entwickelnden Schwellenländern. In einem solchen Umfeld werden vor allem die Unternehmen wettbewerbsfähig sein, denen es gelingt, sich durch Eigenerzeugung und professionelles Beschaffungsmanagement eine größere Unabhängigkeit zu sichern. Die Eigenerzeugung wird bei den Stadtwerken Heidelberg daher künftig eine noch größere Rolle spielen als bisher.
Klimaschutz mit Konzept
Neben wirtschaftlichen Gründen ist auch die regionale Verankerung des Unternehmens für seine strategische Ausrichtung bestimmend. Die Stadtwerke sind zu hundert Prozent ein kommunales Unternehmen und damit der wichtigste Partner, um die Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen: Bis zum Jahr 2015 sollen in Heidelberg zwanzig Prozent weniger CO2 gegenüber dem Basisjahr 1987 emittiert werden. Der Anteil der Stadtwerke an diesem Ziel beträgt vierzig Prozent in den kommenden Jahren. Die vier wichtigsten Maßnahmen lauten:
– Ein kontinuierlicher Ausbau der hocheffizienten Fernwärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) trägt schon seit vielen Jahren zur CO2-Minderung in Heidelberg bei. Das Ausbaukonzept der Stadtwerke Heidelberg sieht eine weitere CO2-Minderung von knapp 14.000 Tonnen bis zum Jahr 2020 vor.
– Darüber hinaus plant das Unternehmen den Bau eines Holzheizkraftwerks, um die Wärmeversorgung verstärkt auf eine regenerative Basis zu stellen. Das Kraftwerk soll pro Jahr 80.000 Megawattstunden Wärme und 24.000 Megawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien produzieren und den CO2-Ausstoß jährlich um 30.000 Tonnen mindern. Der Spatenstich für das Kraftwerk wird noch im Dezember 2011 getan.
– Einen Beitrag zur höheren Eigenerzeugung soll künftig auch die Geothermie leisten. Das gut ausgebaute Fernwärmenetz in Heidelberg stellt das Rückgrat für die Nutzung der Erdwärme dar. Erste Prüfungen des Untergrunds wurden im Jahr 2010 abgeschlossen. Eine Prüfung des Untergrundprofils in drei Dimensionen per 3D-Seismik soll nun Sicherheit bei den nächsten Schritten geben. Prognostiziert wird eine CO2-Minderung von 17.000 Tonnen.
– Der Ausbau des Ökostrom-Angebots ist eine weitere zentrale Maßnahme für das Klimaschutzziel der Stadt Heidelberg. Die Stadtwerke bieten seit vielen Jahren ihren Ökostrom-Klassiker heidelberg energreen an, die Anzahl der Kunden stagniert jedoch bei 500. Erst ein neues Produkt, das sich gezielt an umweltengagierte und zugleich preissensible Kunden richtet, schaffte den Durchbruch: Die Vertriebsgesellschaft Stadtwerke Heidelberg Energie konnte damit innerhalb eines Jahres 4.000 Ökostrom-Kunden gewinnen. Rund um das Produkt gibt es bereits Effizienzangebote, die noch ausgebaut werden sollen. Dazu gehören auch Produkte und Services rund um die Elektromobilität. Denn 51 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushaltskunden gehen heute auf das Konto der Mobilität. Ein Teil davon wird künftig durch Elektromobilität abgedeckt – ein vielversprechendes Feld für Ökostrom.
100 Prozent Ökostrom ab 2017
Schon vor dem erneuten Regierungsausstieg aus der Atomkraft haben sich die Stadtwerke Heidelberg mit der Frage beschäftigt, ob alle Stromkunden künftig allein mit Ökostrom beliefert werden könnten. Der Anteil des Ökostroms im Strommix der Stadtwerke Heidelberg liegt schon seit Jahren deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt, der 2009 17 Prozent betrug. Der Anteil der Stadtwerke Heidelberg war mit 43 Prozent 2,5 Mal so hoch. Um den Anteil des Ökostroms weiter zu erhöhen, setzen die Stadtwerke Heidelberg in ihrer Energiekonzeption 2020 vor allem auf den Ausbau von dezentralen Erzeugungsanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Heidelberg verfügt über beste Voraussetzungen, um diese Anlagen in das Versorgungskonzept zu integrieren, denn das Fernwärmenetz bietet die erforderliche Infrastruktur, um die entstehende Wärme zu nutzen. Die Stadtwerke Heidelberg verfolgen in ihrer Energiekonzeption die Prämisse, ausschließlich regionale erneuerbare Energiequellen zu nutzen. Dazu zählen im ersten Schritt Holz und Tiefenwärme.
Dezentrale Anlagen geplant
Darüber hinaus planen die Stadtwerke den Bau von dezentralen Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Mehr als 35 Photovoltaikanlagen hat die Energiedienstleistungsgesellschaft Stadtwerke Heidelberg Umwelt bereits gebaut; in den kommenden Jahren soll deren Anzahl verdoppelt werden. Darüber hinaus hat das Unternehmen 15 Blockheizkraftwerke gebaut, sechs davon werden mit Klärgas betrieben. In der Strategie 2020 haben die Stadtwerke dieses Tätigkeitsfeld als Wachstumsmarkt identifiziert und investieren nun verstärkt in seinen Ausbau.
Verfügbare Holzressourcen sind in der Region allerdings ebenso begrenzt wie die Sonnenscheindauer bei Photovoltaikanlagen. Zwar wird sich der Ökostrom-Anteil an der Strombeschaffung wegen des steigenden Angebots von EEG-Ökostrom weiter erhöhen, doch wird nach Prognosen des Unternehmens ein Delta aus Graustrom, meist Kohle und Atomstrom, bei der Strombeschaffung bestehen bleiben. Um diese Lücke zu schließen, ist eine weitere Alternative gefragt. Die Stadtwerke Heidelberg prüfen zurzeit die Nutzung von Erzeugungsanlagen auf Gasbasis und mit Kraft-Wärme-Kopplung. Solche Anlagen sind nicht nur effizient, sondern auch äußerst flexibel einsetzbar und damit erforderlich, um erneuerbare Energien künftig effektiv in die Energiesysteme integrieren zu können. Die Berechnungen zeigen: Werden all diese Maßnahmen zusammengenommen, ist eine atomenergiefreie Stromversorgung schon ab dem Jahr 2017 realisierbar.
Finanzierung als Herausforderung
Die Stadtwerke Heidelberg haben sich viel vorgenommen. Neben dem Kraftakt, die Veränderungen im betrieblichen Alltag zu realisieren, stellt die Finanzierung dieser Pläne eine der größten Herausforderungen dar. Aus diesem Grund verfolgen die Stadtwerke sehr genau, welche Unterstützung die Landes- und Bundespolitik planen und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, um neue Modelle zur Realisierung der Energiewende vor Ort zu entwickeln.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November 2011 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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