Freitag, 9. Oktober 2026

Landkreis Cochem-ZellVorzeigeadresse in Sachen Klimaschutz

[12.08.2021] Die Energieagentur Rheinland-Pfalz hat nach der aktuellen Bilanz der vom Landkreis Cochem-Zell betriebenen Klimaschutzmaßnahmen gefragt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mit vereinten Kräften zu mehr Nahwärmeverbünden im Kreis Cochem-Zell. Eine tragende Figur dabei ist Dirk Barbye (ganz links).

Mit vereinten Kräften zu mehr Nahwärmeverbünden im Kreis Cochem-Zell. Eine tragende Figur dabei ist Dirk Barbye (ganz links).

(Bildquelle: Kreisverwaltung Cochem-Zell)

In Sachen Klimaschutz gilt der rheinland-pfälzische Landkreis Cochem-Zell als Vorzeigeadresse. Wie die Energieagentur Rheinland-Pfalz berichtet, erhielt die Gebietskörperschaft bereits 2014 den European Energy Award. Inzwischen sei sie auch zur Bioenergie-Region avanciert und das Bundesumweltministerium habe Cochem-Zell im Rahmen des Förderprogramms „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ für sein herausragendes Engagement ausgezeichnet. Schon 2008 habe der Kreistag beschlossen, -Emissions-Landkreis zu werden.
Die Energieagentur hat nun nach der aktuellen Bilanz gefragt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der aktuelle Energiespiegel sehen lassen kann: Der Stromverbrauch im Landkreis Cochem-Zell werde schon zu 190 Prozent durch Ökostrom gedeckt (Stand 2019). Er stamme zu jeweils 40 Prozent aus Wind- und Wasserkraft. Den Rest steuern Photovoltaik-Anlagen (12 Prozent) und Biomasse bei (acht Prozent). Inzwischen seien immerhin schon mehr als 500 Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge kreisweit im Einsatz.

Potenzial von bis zu 500 Gebäuden

Laut Energieagentur erzeugt der Landkreis Cochem-Zell mit seinen Anstrengungen, Nahwärmeverbünde in Dörfern mit gemeinschaftlichem, dorfübergreifendem Quartiersmanagement (Ermittlung Gebäudepotenzial mit Einsparpotenzial) zu koppeln. Nicht ohne Grund: Im Wärmesektor werden circa 60 Prozent der Endenergie verbraucht, und hier entstehen etwa über 50 Prozent der Treibhausgase. Auch wenn gegenwärtig erst in drei Kommunen Dorfwärmenetze Realität werden, gelte ein Anschluss von bis zu 500 privaten, gewerblichen und kommunalen Gebäuden als realistisch. Je nach Größe der Kommune seien CO2-Einsparungen in der Größenordnung von jährlich 750 bis 1.400 Tonnen wahrscheinlich.
Neben diesen Dorfwärmenetzen seien in den letzten Jahren auch mehrere kleinere Nahwärmeverbünde entstanden. Beispielhaft dafür stehen die Grünschnitt-Heizungsanlagen in den Schulzentren Zell und Kaisersesch. Hier werde der regional anfallende Grünschnitt energetisch in einem Stromkreislauf und in Verbindung mit Solarthermie-Anlagen genutzt.

Rund 20 Millionen Euro Investitionsvolumen

Vor dem Hintergrund des neuen Landesförderungsprogramms ZEIS (mit einer höheren Förderquote) sollen fünf weitere Kommunen Interesse an einem Dorfwärmeprodukt angemeldet haben. Damit wäre ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro verbunden. Jeder Teilnehmer erhalte übrigens einen Highspeed-Glasfaseranschluss dazu.
Als Treiber der Nahwärmeprojekte gelten die Energieagentur unser-klima-cochem-zell (mit dem Projekt Cochem-Zeller-Energiedorf) und die Kreiswerke Cochem-Zell (mit eigenem Betriebszweig Nahwärme). Dirk Barbye bilanziert: „Im Ergebnis können wir den Bürgerinnen und Bürgern eine günstige, klimafreundliche Wärmeversorgung anbieten.“ Als Leiter des Fachbereichs Kreis-Entwicklung und Klimaschutz bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell weiß Barbye natürlich, dass es stets projektbezogene Verbesserungspotenziale gibt. „Aber dies ist auch immer der bestehenden Förderkulisse geschuldet. Heute gibt es passgenauere Förderprogramme.“

Pandemie kontra Masterplan?

Barbye hofft, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie das Umsetzen der Energieziele im Landkreis nicht bremsen. Dann blieben die Zielvorgaben im aktuellen „Masterplan 100 % Klimaschutz für Cochem-Zell“ bestehen: Halbierung des Endenergiebedarfs bis 2050 und Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis zu diesem Zeitpunkt um 95 Prozent gegenüber 1990. Bereits zwischen 1990 und 2014 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) konnte der CO2-Ausstoß von annähernd 890.000 Tonnen um 32 Prozent auf rund 600.000 Tonnen jährlich gesenkt werden.
Ein Schlüsselfaktor zum Erreichen der Klimaziele ist Barbye zufolge das konsequente Einbinden der Bevölkerung, nicht zuletzt der politisch motivierten Jugend (wie die Fridays for trees-Bewegung im Landkreis Cochem-Zell).





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