Dienstag, 17. März 2026

Künstliche IntelligenzAlgorithmus statt Bauchentscheidung

[10.02.2022] Auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Datenanalysen lassen sich in der Energiebranche vielseitig einsetzen. Die EVI Energieversorgung Hildesheim etwa nutzt KI für den gezielten Ausbau ihres Breitbandnetzes oder um passende Standorte für Ladesäulen festzulegen.
Darstellung der Potenzialanalyse für Lade-Infrastruktur für das Versorgungsgebiet der EVI Energieversorgung Hildesheim.

Darstellung der Potenzialanalyse für Lade-Infrastruktur für das Versorgungsgebiet der EVI Energieversorgung Hildesheim.

Geospin GmbH

Elektromobilität boomt. Nicht zuletzt aufgrund staatlicher Förderungen beim Kauf eines E-Autos ist die Zahl der Neuzulassungen von reinen Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden enorm gestiegen. Im Vergleich dazu kommt der Ausbau des Ladesäulennetzes aber nur langsam voran.
Anbieter von Ladesäulen stehen gleich vor mehreren Herausforderungen. Der Betrieb geht mit hohen Kosten einher und lohnt sich erst bei einer hohen Auslastung. Der Standort einer Ladesäule hat Auswirkungen auf die Auslastung wie auch auf die Nutzungshäufigkeit – und somit auf die Wirtschaftlichkeit. Entsprechend wichtig ist es, Standorte zu identifizieren, die möglichst häufig frequentiert werden und eine lange Ladedauer aufweisen. Hier kommt künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel.
Menschen bewegen sich in Städten mit spezifischen Mustern und Zielen. Das gilt auch bei der Nutzung von Lade-Infrastruktur. Gründe für die Nutzung einer Ladesäule lassen sich in der geografischen Umgebung finden. Mithilfe historischer Nutzungsdaten von Lade-Infrastruktur und externer Geodaten hat der Stadtwerkeverbund Thüga in Kooperation mit dem Unternehmen Geospin einen KI-Algorithmus entwickelt, der solche geografischen Nutzungsmuster erkennt. Als Trainingsgrundlage werden von circa 6.000 Ladepunkten in Deutschland jeweils die Nutzungsdaten der vergangenen sechs Monate verwendet.

Ladepunkte identifizieren

Hinsichtlich der externen Geodaten ist die Analyse der fußläufig erreichbaren Umgebung relevant. Zu den Einflussfaktoren gehören beispielsweise Points of Interest wie Parkplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Cafés oder Haltestellen des ÖPNV. Zusätzlich spielen Daten zur Bevölkerung wie die Bevölkerungsdichte oder die Altersstruktur eine Rolle.
Insgesamt berücksichtigt Geospin bei der so genannten Potenzialanalyse für Lade-Infrastruktur mehr als 800 Geodaten. Auf dieser Datenbasis berechnet der Algorithmus verlässlich deutschlandweit für jeden Standort die zu erwartende Auslastung eines Ladepunkts. Das ist auch für Regionen ohne Erfahrungswerte möglich. Der Algorithmus des Modells basiert dabei auf wissenschaftlich fundierten Methoden des maschinellen Lernens.
Die EVI Energieversorgung Hildesheim hat sich bereits im Juni 2020 entschieden, zur Identifikation weiterer Ladestandorte mit Geospin zusammenzuarbeiten. „Wir nutzen das interaktive Portal von Geospin als objektive Entscheidungsgrundlage für die Planung unserer öffentlichen und halböffentlichen Lade-Infrastruktur. Auch darüber hinaus sehen wir viel Potenzial und setzen das Portal bereits erfolgreich für die Bearbeitung anderer Themenfelder ein“, sagt Mustafa Sancar, Kaufmännischer Geschäftsführer der EVI.

Hohe Auslastung erkennen

Die Potenzialanalyse für Lade-In­fra­struktur bietet Geospin über eine intuitive Web-Oberfläche an. Durch das Hinzufügen der Analyse auf der interaktiven Karte wird die voraussichtliche Auslastung eines Ladepunkts farblich dargestellt. „Wir können so schnell erkennen, in welchem Bereich unseres Versorgungsgebiets die prognostizierte Auslastung vergleichsweise hoch ausfällt“, erklärt Jan Rethmeier, der bei der Energieversorgung Hildesheim als Referent für Produkt-Management und Produktentwicklung zuständig ist. Die Analysewerte werden dabei nur für bebaute Gebiete ausgegeben, sodass sich der Versorger auf die relevanten Bereiche fokussieren kann.
Um den Ausbau der Lade-Infrastruktur planen zu können, musste die Energieversorgung Hildesheim zunächst analysieren, welche Parkplätze überhaupt als Standorte für Ladesäulen infrage kommen. Die entsprechenden Adressen wurden anschließend in der Web-Oberfläche hochgeladen und auf der interaktiven Karte betrachtet. „Die Zoom-Funktion sowie das Wechseln zur Satellitenansicht ermöglichen eine genaue Betrachtung der Parkplätze, die wir für weitere Ladepunkte in Betracht ziehen“, so Jan Rethmeier. „Für uns spielt auch eine Rolle, wo sich schon Ladestationen befinden. Nicht zuletzt deshalb, weil der Netzzugang bei der Planung und Umsetzung und somit dem wirtschaftlichen Erfolg einer Ladestation mitentscheidend ist. Daher haben wir uns die Standorte bereits existierender Ladestationen ebenfalls auf der interaktiven Karte anzeigen lassen. In Kombination mit der Potenzialanalyse für Lade-Infrastruktur und ihrer Filterfunktion lässt sich schnell erkennen, für welche der möglichen Parkplätze die höchste Auslastung zu erwarten ist. Das ist für uns besonders wichtig, denn wir möchten neue Ladepunkte dort bereitstellen, wo sie von den Nutzerinnen und Nutzern am dringendsten benötigt werden.“

Portal auch für Breitbandausbau einsetzbar

Nicht nur bei der Erweiterung der Lade-Infrastruktur, auch beim Breitbandausbau nutzt die Energieversorgung Hildesheim das Geospin-Portal. Nutzer können sich zum einen die Daten des Breitbandatlas des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr anzeigen lassen. Das erlaubt einen schnellen Überblick über den aktuellen Stand der Breitbandverfügbarkeit. Zum anderen steht im Portal eine Analyse bereit, die aufzeigt, wo sich besonders viele förderfähige Haushalte befinden. So lässt sich das schnelle Internet gezielt dort ausbauen, wo die Nachfrage am größten ist.
Die Möglichkeit, weitere Betrachtungen der Bebauung und Wohnsituation zu analysieren, nutzt die EVI, um gezielt die Verteilung von Ein- und Mehrfamilienhäusern in den einzelnen Stadtbereichen zu untersuchen. Potenziale sowie Chancen und Risiken lassen sich damit auf einfache Weise verifizieren. In Kombination mit den unzähligen weiteren Geodaten lassen sich direkte Rückschlüsse auf Bedarfe, Möglichkeiten, aber auch Einschränkungen in den Ausbauplänen ziehen.
„Wir sind davon überzeugt, dass Datenanalysen eine immer größere Rolle bei Unternehmensentscheidungen spielen werden“, sind sich Sancar und Rethmeier einig. „So lassen sich Bauchentscheidungen verifizieren und Fehlinvestitionen vermeiden.“

Dr. Christoph Gebele ist einer der Gründer des auf Location Intelligence spezialisierten Unternehmens Geospin und verantwortet dort Business Development, Marketing und Sales. Gebele hat in bislang 35 Projekten Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz (KI) und der Entwicklung von KI-Produkten gesammelt.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

Stadtwerke Lübeck: Erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen

[13.03.2026] Die Stadtwerke Lübeck haben ihr erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen, das sensible Daten künftig direkt vor Ort verarbeitet und speichert. Das Projekt soll die digitale Souveränität der Region stärken – und stößt schon zum Start auf große Nachfrage. mehr...

Nexiga: Plattform analysiert Strommarkt-Dynamiken

[05.03.2026] Das Unternehmen Nexiga bringt mit dem Hellbrise Monitor eine neue Datenplattform zur Analyse von Strommarkt-Dynamiken an den Start. Das Tool soll Einspeisespitzen, negative Preise und strukturelle Risiken der Energiewende transparent machen und richtet sich an Versorger, Netzbetreiber, Forschung und Politik. mehr...

VertiGIS: Vorarlberger Energienetze erneuert Geo-Informationssystem

[04.03.2026] Das Unternehmen Vorarlberger Energienetze stellt sein Geo-Informationssystem auf die dritte Generation um und setzt dabei auf Technologie von VertiGIS. Der Wechsel ist wegen des auslaufenden Altsystems bis 2028 zwingend und betrifft Datenqualität, Netzbetrieb und künftige KI-Anwendungen gleichermaßen. mehr...

Mitarbeiterin im Kundenzentrum der evm mit Headset vor zwei Monitoren im Büro, im Hintergrund eine gelbe Wand mit evm-Logo.

evm: KI-Chatbot entlastet Kundenservice

[03.03.2026] Das kommunale Unternehmen Energieversorgung Mittelrhein (evm) zieht eine Zwischenbilanz zum Einsatz seines KI-Chatbots Eva. Demnach wurden allein im Jahr 2025 mehr als 40.000 Gespräche geführt. mehr...

WEMAG: Wechsel auf S/4HANA-Plattform

[03.03.2026] Die WEMAG-Gruppe hat ihre IT-Systeme grundlegend umgestellt. Nach einer Projektzeit von 18 Monaten nutzt das Unternehmen nun die S/4HANA-Plattform von Thüga SmartService. Dabei wurden 92 Buchungskreise und knapp 500 Nutzerinnen und Nutzer migriert. mehr...

bericht

Plattformstrategie: Hybrid denken, souverän handeln

[26.02.2026] Die Erlanger Stadtwerke sind mit Microsoft 365 auf eine Plattform umgestiegen, die Mitarbeitende spürbar entlastet und die Zusammenarbeit effizienter gestaltet. Im Sinne der digitalen Souveränität wurde für die Softwarearchitektur ein hybrider Ansatz gewählt. mehr...

Wuppertaler Stadtwerke: IT-Partnerschaft mit rku․it besiegelt

[23.02.2026] Die Wuppertaler Stadtwerke bauen ihre IT mit der NextGen-Plattform von rku.it aus. Die strategische Partnerschaft soll Prozesse im SAP-Umfeld modernisieren und den kommunalen Versorger langfristig digital absichern. mehr...

cortility: Zusatzmodule an SAP S/4HANA angepasst

[20.02.2026] Das Unternehmen cortility hat mehrere Zusatzmodule für SAP S/4HANA Utilities überarbeitet. Die Lösungen nutzen die neue Systemarchitektur und lassen sich ohne große Anpassungen integrieren. Weitere Erweiterungen sind angekündigt. mehr...

Salesfive: CRM-Vorlage für Stadtwerke

[20.02.2026] Die Energieversorgung Oberhausen und Salesfive präsentieren eine CRM-Lösung für Stadtwerke. Die auf Praxiserfahrungen basierende Vorlage soll den Kundenservice schneller und effizienter machen. Laut den Unternehmen ist der Start innerhalb weniger Wochen möglich. mehr...

Martin: Umstieg auf Stackable Data Platform

[18.02.2026] Das Unternehmen Martin für Umwelt- und Energietechnik analysiert Betriebsdaten seiner Waste-to-Energy-Anlagen mit der Stackable Data Platform zentral in einer Open-Source-Umgebung. Damit will das Unternehmen Emissionen präziser steuern, Wartungen vorausschauend planen und als Teil Kritischer Infrastruktur datensouverän bleiben. mehr...

Visualisierung einer Energiehandels-Software vor einem Windpark bei Sonnenuntergang: Links ist ein digitales Dashboard mit Diagrammen, Kurven und Tabellen zu Stromdaten zu sehen, rechts erstrecken sich mehrere Windkraftanlagen. Rote, leuchtende Datenlinien durchziehen die Landschaft und symbolisieren die digitale Vernetzung und Steuerung erneuerbarer Energien.

Kisters: Neue Plattform für den Energiehandel

[12.02.2026] Das Unternehmen Kisters präsentiert auf der E-world energy & water 2026 eine neue Software für das Portfoliomanagement. Die Lösung richtet sich an Energiehändler, Stadtwerke und Dienstleister. Sie soll Prozesse automatisieren und den Handel mit Strom und Gas effizienter machen. mehr...

bericht

Klimamanagement: Software und Beratung aus einer Hand

[11.02.2026] Der IT-Dienstleister regio iT unterstützt Kommunen mit einem modularen Lösungspaket bei Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien. Es handelt sich um eine synergetische Kombination aus IT-gestütztem Datenmanagement, strategischer Beratung und effizienter Beschaffung. mehr...

ITC: KI-Werkzeugkasten vorgestellt

[30.01.2026] ITC hat einen cloudbasierten KI-Werkzeugkasten für Stadtwerke und Energieversorger vorgestellt, der sofort einsetzbare Funktionen für Kundenservice, Prozessautomatisierung und Energiemanagement bündelt. Ziel ist es, technische Hürden abzubauen und Künstliche Intelligenz als praktisches Arbeitsmittel im Tagesgeschäft einzuführen. mehr...

Stadtwerke Eberbach: Umstieg auf Kraftwerk-Plattform

[29.01.2026] Die Stadtwerke Eberbach ersetzen ihr bisheriges SAP-System durch die Kraftwerk-Plattform auf Basis von Microsoft Business Central. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die Möglichkeit, alle energiewirtschaftlichen Prozesse auf einer durchgängigen Softwarelösung abzubilden. mehr...

GABO IDM: Zunehmende Bedeutung von Digitalen Informationszwillingen

[27.01.2026] Digitale Informationszwillinge sollen ungeplante Stillstände in Energieanlagen deutlich verkürzen und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen. Nach Angaben der GABO IDM bündeln sie technische Daten, Dokumentation und Prozesse in einer zentralen, webbasierten Plattform. mehr...