Second-Life-BatterienInnovation trifft Ressourceneffizienz

Vorbereitungen für das Projekt M5BAT am Test-Standort der RWTH Aachen.
(Bildquelle: RWTH Aachen University)
Das Energieunternehmen Uniper verfolgt ein klares Ziel: Bis zum Jahr 2040 soll das gesamte Geschäft klimaneutral werden. Dafür schließt das Unternehmen schrittweise seine Kohlekraftwerke, investiert in Wind- und Solarenergie sowie Wasserstoffprojekte und erforscht innovative Speichertechnologien. Die hauseigene Innovationsabteilung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie entwickelt Lösungen, die ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Tragfähigkeit vereinen.
Der Weg zur klimaneutralen Stromversorgung bringt ein zentrales Problem mit sich: Wind- und Solaranlagen erzeugen Strom nur dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Gleichzeitig steigt durch die Elektrifizierung von Verkehr und Industrie der Strombedarf kontinuierlich an. Um die Lücke zwischen schwankender Erzeugung und konstantem Bedarf zu schließen, spielen flexible Energiespeicher, insbesondere große Batteriesysteme, eine entscheidende Rolle.
Doch herkömmliche Lithium-Ionen-Batteriespeicher sind teuer in der Anschaffung und belasten die Umwelt bereits bei ihrer Herstellung erheblich. Für eine wirklich nachhaltige Energiewende müssen deshalb auch diese versteckten Umweltkosten – die sogenannten Scope-3-Emissionen der gesamten Lieferkette – reduziert werden. Zudem sind die Lieferketten geopolitischen Risiken unterworfen. Uniper ist sich dieser Herausforderungen bewusst und sucht proaktiv nach Lösungen, die Risiken mindern und gleichzeitig den Übergang zu sauberer Energie ermöglichen.
Speicher im Realtest
Seit 2016 engagiert sich Uniper mit dem in Betrieb befindlichen Batteriespeicher M5BAT in Aachen, um die Möglichkeiten und Grenzen von Großbatteriespeichern zu erforschen. Das Forschungsprojekt M5BAT entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH Aachen. Mit einer nominellen Leistung von sechs Megawatt (MW) und einer Kapazität von rund sechs Megawattstunden (MWh) konnte der Batteriespeicher seit Mitte 2017 im Primärregelleistungs- und Forschungsbetrieb aktiv am deutschen Strommarkt eingesetzt werden.
Die Forschung umfasst den effizienten Betrieb des Batteriespeichers M5BAT, Auswertungen zur Alterung von Batterien sowie die Entwicklung und Erprobung innovativer Steuerungsalgorithmen für neue Marktanwendungen. Seit diesem Jahr werden neue Trading-Algorithmen eingesetzt, um den Intraday-Handel und den sogenannten Multi-Use-Betrieb zu testen. Dadurch kann der Großspeicher noch effizienter auf verschiedenen Märkten genutzt werden. Außerdem werden zum ersten Mal Batterietechnologien innerhalb des Speichers ausgetauscht. So werden die alten Bleibatterieeinheiten durch neuartige Batterietechnologien ersetzt. Die bisherigen Lithium-Ionen-Batterien verbleiben in der Anlage. Diese haben trotz ihres Alters von rund acht Jahren ihre Lebensdauer noch längst nicht erreicht.
Weg zur stabilen Energieversorgung
Im Rahmen des Projekts UniSTA wurde auch ein erstes Batteriespeichersystem von STABL Energy am Forschungsstandort M5BAT installiert. Der 20-Fuß-Container mit 405 Kilowatt (kW) Leistung wird dort umfassend getestet, unter anderem auf Netzstabilität, Wirtschaftlichkeit und CO2-Einsparpotenzial. Dazu erklärt Arne Hauner, Director Innovation von Uniper: „Durch die Partnerschaft mit STABL Energy und die Nutzung ihrer fortschrittlichen Technologie wollen wir unsere Energiespeicherlösungen verbessern und einen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten.“
Batteriespeicher ebnen den Weg in eine stabile, nachhaltige Energieversorgung. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und oft in Kombination (Multi-Use) sinnvoll: von Peak Shaving zur Netzstabilisierung über Eigenverbrauchsoptimierung bis hin zu Strom-Trading am Spotmarkt. Erneuerbare Energien werden so besser planbar und wirtschaftlich nutzbar.
Denn Solar- und Windanlagen erzeugen häufig Stromüberschüsse, deren Einspeisung sich für Kommunen und Unternehmen kaum noch lohnt. Speicher fangen diese Energie ab und stellen sie als Puffer zwischen Erzeugung und Verbrauch bedarfsgerecht zur Verfügung (Co-Location). Über atypische Netznutzung lassen sich Lastspitzen abfedern und steigende Netzentgelte reduzieren. Die zunehmende Volatilität der Strompreise eröffnet dank dynamischer Stromtarife ebenfalls neue Chancen: Durch intelligentes Trading können Stromkosten deutlich gesenkt und der Strombezug optimiert werden. In Phasen niedriger Preise – beispielsweise nachts oder bei hoher Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen – wird Strom günstig eingekauft und gespeichert, um ihn dann in teuren Hochpreisphasen selbst zu nutzen oder gewinnbringend zu verkaufen.
Zweite Chance für Batterien
Das Unternehmen STABL Energy aus München hat sich auf die Wiederverwendung sogenannter Second-Life- oder Second-Chance-Batterien spezialisiert, also Batteriemodule aus der Automobilproduktion, die zwar nicht mehr für E-Fahrzeuge geeignet, aber technisch noch voll funktionsfähig sind. Anstatt sie vorzeitig einem kostenintensiven und ressourcenaufwendigen Recycling zuzuführen, bietet der Einsatz von gebrauchten Fahrzeugbatterien in stationären Energiespeichern eine wirtschaftlich und ökologisch vielversprechendere Lösung.
Die modulare Multilevel-Wechselrichter-Technologie von STABL ermöglicht die effiziente und flexible Integration in Speichersysteme, denn im Gegensatz zu herkömmlichen Lösungen sorgt dieser technologische Ansatz dafür, dass Batterien mit unterschiedlichen State-of-Health-Stadien optimal zusammenarbeiten können – ganz ohne aufwendige Sortierung oder Anpassung.
„Statt Batterien zu recyceln, geben wir ihnen ein zweites Leben und verlängern ihre Lebensdauer in unseren Speichern. So leisten wir und unsere Kunden einen Beitrag zur Dekarbonisierung, denn Net-Zero beginnt vor allem mit ressourceneffizienter Energiespeicherung“, erläutert Nam Truong, CEO und Co-Founder von STABL Energy.
Zukunftsweisendes Modell
Für kommunale Entscheider bietet die Kooperation zwischen Uniper und STABL Energy ein zukunftsweisendes Modell: Sie zeigt, wie innovative Speicherlösungen wirtschaftlich, nachhaltig und skalierbar umgesetzt werden können. Gerade in Zeiten steigender Anforderungen an Netzstabilität und Versorgungssicherheit können kommunale Versorger von solchen flexiblen Speicherlösungen profitieren. Durch den Einsatz von Second-Life-Batterien entsteht zudem ein wichtiger Impuls für die Kreislaufwirtschaft – ein Aspekt, der in kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien zunehmend Gewicht erhält.
„Die Energiewende braucht mehr als nur neue Technologien: Sie braucht mutige Partnerschaften, die Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienz vereinen. Die Zusammenarbeit zwischen Uniper und STABL Energy ist ein Beispiel dafür, wie solche Allianzen gelingen“, betont Arne Hauner. „Die Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Projekt werden wir gezielt nutzen, um Stadtwerken und Industriepartnern wirtschaftlich optimierte Speicherlösungen anzubieten.“
Energiespeicherung: Großspeicher für Kohlerevier
[11.06.2026] Wie Speicher zum Strukturwandel beitragen können, zeigt ein Projekt, welches das Unternehmen Voltfang innerhalb von nur zwölf Monaten im ehemaligen Kohlerevier Alsdorf realisiert hat. Der Speicher ist wirtschaftlich rentabel und entlastet gleichzeitig das Netz. mehr...
VKU: Ausbau von Großbatteriespeichern gewinnt an Dynamik
[11.06.2026] Kommunale Energieversorger treiben den Ausbau von Großbatteriespeichern voran. Eine VKU-Umfrage zeigt hohe Investitionsbereitschaft, zugleich fordert der Verband bessere Rahmenbedingungen für den weiteren Hochlauf. mehr...
Next Kraftwerke / Eco Stor: Vertrag für Großbatteriespeicher in Förderstedt
[03.06.2026] Für ein Batteriespeicherprojekt in Sachsen-Anhalt haben Next Kraftwerke und Eco Stor eine langfristige Vermarktungsvereinbarung abgeschlossen. Die Anlage soll nach ihrer vollständigen Inbetriebnahme eine Leistung von 300 Megawatt erreichen. mehr...
Tauber Energy: Bau eines Batteriespeicher in Wertheim
[28.05.2026] Ein Batteriespeicher zur Stabilisierung des Netzes entsteht zur Zeit in Wertheim. Die Anlage von Tauber Energy hat eine Anschlussleistung von über 15 Megawatt. mehr...
Trianel: Batteriepark hat letzte Genehmigungen erhalten
[21.05.2026] Der geplante Batteriepark in Waltrop hat die letzten Genehmigungen für einen 900-MW-Großspeicher erhalten. Das Milliardenprojekt der Partner Trianel, Luxcara und BKW rückt damit näher an den Baustart, stößt aber auf Unsicherheit durch die Debatte um Netzentgelte für Speicher. mehr...
Furo: Softwareplattform für Batteriespeicher
[19.05.2026] Das Münchner Softwareunternehmen Furo bringt eine Plattform auf den Markt, die Planung, Echtzeitsteuerung und Energiehandel für Batteriespeicher in einem System vereint. Die Lösung soll Industrieunternehmen helfen, Speicher ab 150 kW deutlich wirtschaftlicher zu betreiben und schneller zu amortisieren. mehr...
BayWa r.e.: Übernahme von Deutschlands größtem Batteriespeichersystem
[13.05.2026] BayWa r.e. übernimmt den Betrieb von Deutschlands größtem Batteriespeichersystem in Alfeld mit 137 MW Leistung und 282 MWh Kapazität. Der Vertrag mit dem dänischen Investor Scale Fund markiert für das Unternehmen den Einstieg in den Betrieb eigenständiger Großspeicher und zeigt die wachsende Bedeutung solcher Anlagen für die Netzstabilität. mehr...
Trianel: Greentech nimmt Batteriegroßspeicher in Betrieb
[12.05.2026] greentech hat für Trianel in Groß Laasch einen netzgekoppelten Batteriegroßspeicher mit 27 MWh Kapazität in Betrieb genommen. Die Anlage kombiniert Photovoltaik und Speicher an einem gemeinsamen Netzanschluss und soll die Netzstabilität erhöhen. mehr...
NTT DATA: E-Autos als mobile Stromspeicher
[08.05.2026] Bidirektionales Laden macht Elektroautos zu mobilen Stromspeichern für Haushalte, Unternehmen und Stromnetze. Nach Einschätzung von NTT DATA könnte die Technik Kommunen helfen, Netze zu stabilisieren, Energiekosten zu senken und die Energiewende schneller voranzutreiben. mehr...
BSW-Solar: Markt für stationäre Batteriespeicher wächst
[07.05.2026] Deutschlands Markt für stationäre Batteriespeicher wächst so stark wie nie zuvor: Im ersten Quartal kamen mehr als zwei Gigawattstunden neue Kapazität hinzu. Der Rekordzubau verschärft die Debatte um die künftige Stromversorgung, weil Speicher bei Netzstabilität und Kraftwerksplanung eine immer größere Rolle spielen. mehr...
Bremen: Batteriespeicher im Hafen geplant
[04.05.2026] In Bremen soll ein großer Batteriespeicher entstehen. Das Projekt ist auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks im Industriehafen geplant und soll bis Anfang 2028 fertig sein. mehr...
Kaiserslautern: Photovoltaikanlagen erhalten Batteriespeicher
[04.05.2026] Kaiserslautern rüstet mehrere städtische Gebäude mit Batteriespeichern für bestehende Photovoltaikanlagen aus. Die zusätzlichen Speicher sollen den Eigenverbrauch deutlich steigern, Energiekosten senken und sind Teil eines größeren kommunalen Klimaschutzprogramms. mehr...
Studie: Hürden für Quartierspeicher
[29.04.2026] Ein Forschungsprojekt unter Leitung der TH Köln hat untersucht, wie gemeinschaftliche Batteriespeicher in Neubaugebieten genutzt werden können. Nach Angaben der Hochschule ist der technische Betrieb möglich. Neue gesetzliche Vorgaben erschwerten jedoch die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen. mehr...
Sachsen-Anhalt: Neues Umspannwerk mit Großspeicher
[29.04.2026] In Klostermansfeld soll ein neues 380-Kilovolt-Umspannwerk mit angeschlossenem Batteriespeicher entstehen. Nach Angaben von WT Energiesysteme ist der Baustart für Anfang 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2028. mehr...
Wilhelmshaven: Bau von Batteriespeicher begonnen
[22.04.2026] In Wilhelmshaven hat der Bau eines Batteriespeichers mit 50 MW Leistung und 100 MWh Kapazität begonnen. Das Projekt von Uniper und NGEN soll das Stromnetz stabilisieren und die Integration erneuerbarer Energien voranbringen. mehr...















