SolarenergieVerstärkte Investitionen gefragt

In Deutschland decken über fünf Millionen Solaranlagen bereits mehr als 15 Prozent des Strombedarfs.
(Bildquelle: BSW-Solar)
In Deutschland produzieren mehr als fünf Millionen Solaranlagen sauberen und kostengünstigen Strom – und decken bereits über 15 Prozent des Strombedarfs. Bis 2030 soll die bundesweit installierte Solarleistung von derzeit rund 115 Gigawatt auf 215 Gigawatt noch einmal nahezu verdoppelt werden. Solarenergie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Einhaltung der Klimaschutzziele und senkt gleichzeitig die Stromkosten für Verbraucher, Gewerbe und Industrie um Milliarden. Für die nächste Stufe der Energiewende sind auch verstärkte Investitionen von Kommunen in Photovoltaik, Speicher und Solarthermie notwendig.
Solarenergie ist die günstigste und populärste Art der Stromerzeugung. Insgesamt summierten sich die solaren Einsparungen von Haushalten, Gewerbe und Industrie im Jahr 2024 auf rund sechs Milliarden Euro. Ein typischer Privathaushalt spart allein durch den bereits bestehenden Solaranteil im Strommix rund 50 Euro Energiekosten im Jahr, wie eine Analyse des Beratungsunternehmens enervis ergab. Wer eine eigene Solaranlage – idealerweise in Kombination mit einem Batteriespeicher – betreibt, kann noch deutlich höhere Einsparungen erzielen. Entsprechend beliebt ist Photovoltaik (PV) auch in der Bevölkerung: Vier von fünf Bürgern wünschen sich, dass das Tempo der solaren Energiewende aufrechterhalten oder noch gesteigert wird.
Ausbautempo steigern
Um die politisch gesetzten Klima- und Energieziele zu erreichen, muss das solartechnische Ausbautempo im Strom- und Wärmesektor noch gesteigert werden. Dies kann nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen gelingen. Auch verstärkte kommunale Anstrengungen sind dafür notwendig, die Potenziale der Solar- und Speichertechnologie für eine erfolgreiche und effiziente Energiewende im Strom-, Wärme- und Mobilitätssektor zu heben.
Statt im politischen Berlin für Verunsicherung durch Diskussionen über eine Kürzung oder Streichung der EEG-Förderung zu sorgen, sollte der Gesetzgeber weitere Marktbarrieren für eine noch systemdienlichere Integration von PV-Anlagen ins Stromnetz abbauen. Beihilferechtliche Blockaden sind endlich zu lösen, ohne die zahlreiche wichtige Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre nicht genutzt werden können – von der Förderung von Agri-PV-Anlagen über das Repowering von Gebäude-PV-Anlagen bis zur systemdienlichen Fahrweise von Batteriespeichern im Heimsegment.
Hochlauf erforderlich
Für die nächste Phase der Energiewende ist ein Hochlauf von inzwischen preiswert gewordenen Speicherkapazitäten von derzeit rund 25 Gigawattstunden (GWh) auf 100 GWh im Jahr 2030 erforderlich, um die Stromerzeugung mit dem -verbrauch in Einklang zu bringen, Stromspitzen in der Mittagszeit zu kappen und in Kombination mit modernen Energiemanagementsystemen den Netzausbaubedarf zu reduzieren. Damit Speicher ihr volles Potenzial für die Energiewende entfalten können, sind Netzanschlussverfahren zu beschleunigen, sollten Netzentgeltregeln künftig Anreize zur Systemdienlichkeit enthalten, müssen schnell massengeschäftstaugliche Prozesse geschaffen werden, unter anderem durch Digitalisierung bei den Netzbetreibern, und Speicher lösungsorientiert in den Redispatch integriert werden.
Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, müssen auch die Wärmenetze in Deutschland ausgebaut und dekarbonisiert werden. So können auf einen Schlag hunderte oder tausende Haushalte auf regenerative Wärme umgestellt werden. Hierbei kann die Kombination mit Wärmepumpen und anderen EE-Technologien eine wichtige Rolle spielen, was im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung noch mehr Beachtung finden sollte.
Solarthermische Freiflächenanlagen liefern CO₂-freie Wärme entweder direkt in das Wärmenetz oder in einen Wärmespeicher. Mit solchen Saisonalspeichern kann die im Sommer im Überfluss vorhandene Sonnenwärme auch für den Winter zwischengespeichert werden. Ein innovatives Projekt im hessischen Bracht kommt so auf über 70 Prozent solare Deckung – das bedeutet minus 98 Prozent CO₂ für alle angeschlossenen Gebäude.
Bisher setzen in Deutschland vor allem sogenannte Bioenergiedörfer auf Solarthermie, meist in Kombination mit Holzenergie. Die Solarwärme spart dabei wertvolle und nicht unendlich zur Verfügung stehende Biomasse ein. Doch auch im städtischen Kontext funktioniert Solarthermie: Die bisher größte Solarthermieanlage Deutschlands wird 2026 in Leipzig ans Netz gehen (wir berichteten). Mit 6,5 Hektar wird sie gut 20 Prozent des sommerlichen Wärmebedarfs der Großstadt liefern und gleichzeitig über 7.000 Tonnen CO₂ einsparen.
Vorbild öffentliche Hand
Mit der großen Anzahl an kommunalen Gebäuden und Unternehmen sowie der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand spielen Kommunen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende. Unter anderem durch gezielte Investitionen in Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden, beim kommunalen Wohnungsbau sowie der Planung von Wärmenetzen können sie ihren Beitrag leisten. Eine weitere Möglichkeit bietet die Installation von PV-Anlagen auf kommunalen Parkplätzen in Kombination mit Lade-Infrastruktur.
Eine entscheidende Rolle kommt den Kommunen bei der Genehmigung von PV-Freiflächenanlagen zu, die sich einer hohen Akzeptanz erfreuen. So liegt laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien die Zustimmung zu einer PV-Freiflächenanlage bei Befragten, die bereits eine Anlage in der eigenen Nachbarschaft haben, bei 69 Prozent. Um diese Akzeptanz zu erhalten, ist es richtig, dass die Planungshoheit für neue PV-Freiflächenanlagen weiterhin größtenteils in den Kommunen liegt.
Widersprüchliche Vorgaben
Eine Herausforderung stellt allerdings die zunehmende Anzahl an Vorgaben auf kommunaler, regionalplanerischer sowie Landes- und Bundesebene dar, die sich zum Teil widersprechen. So soll die Anlagenzusammenfassung im EEG eine Konzentration von PV-Freiflächenanlagen an einem Standort verhindern – selbst wenn dies politisch in einer Kommune gewünscht ist und die baurechtliche Genehmigung weiterhin der Kommune obliegt.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Netzanschluss von neuen PV-Anlagen. Dabei werden bestehende Netze bisher teilweise kaum ausgelastet. Innovative Konzepte ermöglichen es, bestehende Netze effektiver zu nutzen, zum Beispiel indem mehrere Energie- und Speichertechnologien hinter dem gleichen Netzverknüpfungspunkt installiert werden (Überbauung). Auch Netztransparenzkarten und befristete Reservierungen von Netzanschlusspflichten können einen effizienteren Anschluss von PV-Anlagen und Speichern ermöglichen und dabei gleichzeitig die Anzahl der Netzanschlussanträge deutlich reduzieren. Kommunale Netzbetreiber können bereits heute mit eigenen Netztransparenzkarten und der Genehmigung zur Überbauung von Netzverknüpfungspunkten einen Beitrag dazu leisten.
• Homepage des Bundesverbands Solarwirtschaft
MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern
[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...
Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik
[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...
Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln
[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...
Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards
[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...
Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken
[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...
Hessen: Gesetzentwurf will Drohnenüberflüge ahnden
[02.10.2026] Hessen will das unbefugte Eindringen in Kritische Infrastruktur und nicht genehmigte Drohnenüberflüge mit einem neuen Straftatbestand ahnden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zum „gemeinschädlichen Hausfriedensbruch“ hat Justizminister Christian Heinz im Bundesrat vorgestellt. mehr...
Bundeswirtschaftsministerium: Eckpunkte für flexible KWK
[28.09.2026] Das Bundeswirtschaftsministerium will das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bis 2035 verlängern und die Förderung stärker auf flexible, systemdienliche Anlagen ausrichten. Die Energiewirtschaft begrüßt die grundsätzliche Richtung, fordert aber unter anderem eine längere Laufzeit und Nachbesserungen bei Fördersätzen und Modernisierungen. mehr...
Novelle des KWKG: Verbände fordern Nachbesserungen
[23.09.2026] BDEW, VKU und AGFW begrüßen die Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Nachbesserungsbedarf sehen die Verbände unter anderem bei Laufzeit, Fördersätzen und den Bedingungen für bestehende KWK-Anlagen. mehr...
Windenergie: Verbände fordern Südquote
[22.09.2026] Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land sind nach Angaben von Erneuerbaren-Verbänden nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern fordern deshalb Änderungen am Ausschreibungssystem und eine Südquote im EEG. mehr...
VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045
[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...
BDEW/VKU: Kritik am BNetzA-Entwurf
[17.09.2026] BDEW und VKU haben Nachbesserungen bei der geplanten Kapitalverzinsung für Gasnetzbetreiber gefordert. Aus Sicht der Verbände reichen die von der Bundesnetzagentur vorgesehenen Zinssätze nicht aus, um die notwendigen Investitionen in die Transformation der Gasnetze zu finanzieren. mehr...
Bitkom: Besserer Schutz von Stromnetzen gefordert
[10.09.2026] Angesichts mutmaßlicher Sabotageversuche auf die Strominfrastruktur fordert der Digitalverband Bitkom einen stärkeren Schutz des Energiesystems. Neben physischen Angriffen müssten dabei auch Cyber-Attacken stärker berücksichtigt werden. mehr...
BDEW: Besserer Schutz für Kritische Infrastrukturen
[08.09.2026] Der BDEW dringt auf bessere Rahmenbedingungen für den Schutz der Energieversorgung. Der Verband fordert unter anderem weniger öffentlich zugängliche Infrastrukturdaten, eine wirksamere Drohnenabwehr und einen staatlich finanzierten Resilienzfonds. mehr...
Energiewende-Digitalisierungs-Allianz: Gesetzentwurf soll Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen
[08.09.2026] Eine Allianz aus 17 Energieunternehmen fordert bundesweit einheitliche und digitale Verfahren für Netzanschlüsse und Netzbetrieb. Ein eigener Gesetzentwurf sieht 30 Maßnahmen vor – darunter finanzielle Ansprüche von Netznutzern, wenn Verteilnetzbetreiber gesetzliche Standards nicht einhalten. mehr...
Sachsen-Anhalt: Energiebranche mahnt Kontinuität an
[08.09.2026] Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen Verbände und Unternehmen vor einem Bruch in der Energiepolitik. BEE, BWE und LichtBlick verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der erneuerbaren Energien und fordern verlässliche Rahmenbedingungen für weitere Investitionen. mehr...
















