Freitag, 8. Mai 2026

Baden-WürttembergPilotprojekt zum Laden von E-Autos gestartet

[24.03.2026] Das Pilotprojekt LadeFlexBW erprobt intelligentes, netz- und marktdienliches Laden privater Elektrofahrzeuge unter Alltagsbedingungen. Der Feldtest in Baden-Württemberg soll zeigen, wie sich dezentrale Flexibilität auch ohne Smart Meter wirtschaftlich nutzen lässt.

Das Pilotprojekt LadeFlexBW erprobt intelligentes, netz- und marktdienliches Laden privater Elektrofahrzeuge unter Alltagsbedingungen.

(Bildquelle: TransnetBW GmbH)

In Baden-Württemberg ist ein groß angelegter Feldtest zur intelligenten Steuerung von Ladevorgängen bei Elektrofahrzeugen gestartet. Wie die Projektpartner TransnetBW, Netze BW und Intelligent Energy System Services (IE2S) mitteilen, soll LadeFlexBW private E-Autos als flexible Bausteine in das Stromsystem integrieren – automatisiert, nutzerfreundlich und mit finanzieller Vergütung für die Teilnehmenden.

Im Unterschied zu vielen bisherigen Ansätzen setzt das Projekt nicht auf Simulationen, sondern auf reale Alltagsbedingungen. Private Nutzer laden ihre Fahrzeuge wie gewohnt, während im Hintergrund eine automatisierte Optimierung der Ladezeiten erfolgt. Ziel ist es, Lastspitzen zu glätten und Netzengpässe zu vermeiden, ohne den Komfort der Nutzer einzuschränken. „Die Bedeutung von Kleinstflexibilitäten für das Stromnetz nimmt mit der Umsetzung der Energiewende stetig zu“, sagt TransnetBW-Geschäftsführer Oliver Strangfeld.

Ein zentraler Innovationspunkt liegt im Verzicht auf intelligente Messsysteme. Der Feldtest läuft bewusst im heute weit verbreiteten Standardlastprofil-Umfeld. Damit soll gezeigt werden, dass netz- und marktdienliches Laden bereits unter den aktuellen regulatorischen und technischen Rahmenbedingungen möglich ist. Der Ansatz überbrückt damit eine zentrale Hürde der Energiewende, da der Smart Meter Roll-out in Deutschland bislang hinter den Anforderungen zurückbleibt.

Auch organisatorisch setzt das Projekt auf niedrige Einstiegshürden. Die Teilnahme ist unabhängig vom bestehenden Stromliefervertrag; ein Anbieterwechsel ist nicht erforderlich. Die Vermarktung der Flexibilität erfolgt getrennt von der Energielieferung. Für Endkunden entsteht so ein zusätzliches Erlösmodell: Sie werden dafür bezahlt, dass ihre Ladevorgänge zeitlich optimiert werden. „Wir schaffen ein Erlösmodell, das Nutzerinnen und Nutzer für etwas belohnt, das sie ohnehin tun“, erklärt IE2S-Geschäftsführer Dominique Gross.

Technisch kombiniert LadeFlexBW eine automatisierte Ladeoptimierung auf Basis von Netz- und Marktsignalen mit einer digitalen Plattform, die viele Fahrzeuge bündelt. Diese Aggregation ermöglicht es, auch kleine Flexibilitäten wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Architektur ist von Beginn an auf Skalierung ausgelegt und soll von zunächst einigen hundert auf perspektivisch mehrere zehntausend Fahrzeuge anwachsen.

Der Feldversuch richtet sich an private E-Autofahrer in Baden-Württemberg mit eigener Lade-Infrastruktur. Die gewonnenen Daten sollen nicht nur den Projektpartnern helfen, sondern auch Impulse für Politik und Regulierung liefern. Im Fokus stehen Fragen zu Netzentgelten, Marktmechanismen und der Integration wachsender Elektromobilität in ein zunehmend erneuerbares Energiesystem.





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