TübingenStadt will Klimaschutzprogramm fortsetzen

Die Stadt Tübingen will die Fernwärme, wie hier in der Südstadt, weiter ausbauen.
(Bildquelle: K21 media GmbH)
Der Tübinger Gemeinderat hat die Fortschreibung des Klimaschutzprogramms beschlossen und damit den Kurs der Stadt in Richtung Klimaneutralität bis 2030 bestätigt. Wie die Universitätsstadt Tübingen berichtet, berücksichtigt das überarbeitete Programm neue gesetzliche Vorgaben, die kommunale Wärmeplanung, technische Entwicklungen sowie die angespannte Haushaltslage und ergänzt die bisherigen Maßnahmen um neue Ziele.
Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) räumt ein, dass die vollständige Klimaneutralität bis 2030 unter den aktuellen Bedingungen voraussichtlich nicht erreichbar sein werde. Das Ziel bleibe jedoch maßgeblich, um fossile Energieträger möglichst schnell zu ersetzen und die Investitionen von Stadt und Stadtwerken entsprechend auszurichten. Zugleich verweist er auf den Beitrag der Bürgerinnen und Bürger, etwa durch den Einbau von Wärmepumpen, Solaranlagen oder energetische Sanierungen.
Wärmesektor im Mittelpunkt
Für Stadtwerke steht vor allem der Wärmesektor im Mittelpunkt. Mehr als die Hälfte des Endenergiebedarfs entfällt in Tübingen auf die Wärmeversorgung. Bis 2030 soll der jährliche Wärmebedarf von derzeit rund 900 Gigawattstunden um 20 Prozent sinken. Geplant sind zusätzliche Beratungsangebote, eine Weiterentwicklung der kommunalen Sanierungsförderung und energetische Gebäudesanierungen.
Grundlage für den Umbau der Wärmeversorgung ist der kommunale Wärmeplan aus dem Jahr 2023. Stadtverwaltung und Stadtwerke wollen daraus eine langfristige Ausbaustrategie entwickeln. Vorgesehen sind neue Wärmenetze, Konzepte für Gebiete ohne Fernwärmeanschluss sowie schrittweise Ausstiegs- und Umbaupläne für die Gasversorgung.
Die Stadtwerke planen, ihre Wärmenetze bis 2030 um rund elf Kilometer Transport- und Verteilleitungen zu erweitern. Dafür sind Investitionen von etwa 25 Millionen Euro vorgesehen. Unter anderem sollen die Netze in der Innenstadt, der Südstadt und der Alten Weberei miteinander verbunden sowie das Netz in Waldhäuser-Ost modernisiert werden. Langfristig streben die Stadtwerke eine jährliche Wärmeabgabe von mindestens 300 Gigawattstunden an.
Erdgas schrittweise ersetzen
Parallel dazu soll Erdgas in der Fernwärmeerzeugung schrittweise ersetzt werden. Als künftige Wärmequellen nennt das Programm große Wärmepumpen, Solarthermie-Anlagen, Heizwerke mit nachhaltig verfügbarem Restholz sowie die Nutzung von Wärme aus gereinigtem Abwasser der Kläranlage. In Gebieten ohne Wärmenetz setzt die Stadt auf den Austausch von Öl- und Gasheizungen, insbesondere durch Wärmepumpen, flankiert von Beratungs- und Förderangeboten.
Auch im Stromsektor formuliert das Programm konkrete Ziele. Trotz zusätzlicher Verbraucher wie Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge soll der Stromverbrauch für Beleuchtung, Pumpen, Geräte und IT-Anwendungen bis 2030 gegenüber 2020 um 80 Gigawattstunden pro Jahr sinken. Ein zentrales Vorhaben ist die vollständige Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik mit bedarfsgerechter nächtlicher Dimmung. Dafür werden nach heutigem Stand rund neun Millionen Euro veranschlagt.
Gleichzeitig wollen die Stadtwerke ihre Erzeugung aus erneuerbaren Energien deutlich ausbauen. Bis 2030 sollen eigene Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie Stromspeicher jährlich 600 Gigawattstunden Strom liefern. Geprüft werden außerdem weitere Beteiligungsmodelle für Bürgerinnen und Bürger. Innerhalb des Stadtgebiets sollen vor allem Dachflächen, bereits versiegelte Standorte und Mehrfachnutzungen wie Photovoltaik über Parkplätzen genutzt werden.
Vollständige Umstellung auf Elektrobusse
Im Verkehrsbereich setzt die Stadt auf einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie des Rad- und Fußverkehrs. Bis Ende 2027 sollen mehr als 60 Prozent der Stadtbusflotte batterieelektrisch unterwegs sein. Für 2030 ist die vollständige Umstellung auf Elektrobusse vorgesehen, die ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Für Fahrzeuge und Lade-Infrastruktur kalkuliert die Stadt derzeit mit Investitionen von knapp 100 Millionen Euro.
Weitere Maßnahmen betreffen den Ausbau von Lade-Infrastruktur und Carsharing-Angeboten sowie Verbesserungen im Busverkehr, darunter längere Betriebszeiten, günstigere Ticketangebote und zusätzliche Busbevorrechtigungen. Ergänzend sieht das Programm den weiteren Ausbau des Radwegenetzes und eine Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung vor.
Das Klimaschutzprogramm enthält außerdem Vorgaben zur sozialen Ausgewogenheit. Geplant sind zusätzliche Zuschüsse und Beratungsangebote für Haushalte mit geringem Einkommen sowie eine Vorbildrolle der Stadtverwaltung durch energieeffiziente Gebäude, erneuerbare Energieversorgung und nachhaltige Beschaffung. Die einzelnen Maßnahmen werden allerdings nicht automatisch umgesetzt. Für konkrete Projekte sind jeweils weitere Beschlüsse der politischen Gremien sowie die Bereitstellung der erforderlichen Finanz- und Personalmittel notwendig.
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