Dienstag, 11. August 2026

Energie-KommuneTangerhütte setzt auf Erneuerbaren-Mix

[11.08.2026] In Tangerhütte sind bereits Anlagen zur Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien mit einer Leistung von rund 261 Megawatt installiert. Es sind weitere Wind- und Solarprojekte geplant. Zugleich arbeitet die Stadt an einer nachhaltigen Wärmeversorgung und setzt auf einen großen neuen Batteriespeicher.

Tangerhütte setzt beim Ausbau erneuerbarer Energien vor allem, wie hier im Ortsteil Elversdorf, auf Wind- und Solarenergie. Weitere Anlagen und ein großer Batteriespeicher sind geplant.

(Bildquelle: Jan Schliefke)

Die Einheitsgemeinde Tangerhütte in Sachsen-Anhalt erweitert die Nutzung erneuerbarer Energien. Deswegen wurde sie von der Agentur für erneuerbare Energien (AEE) für den Monat August 2026 zur Energie-Kommune gekürt. Die rund 10.000 Einwohner zählende Stadt erstreckt sich über 295 Quadratkilometer und besteht aus 19 Ortschaften mit insgesamt 32 Ortsteilen.

In Tangerhütte sind derzeit Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom mit einer Nettonennleistung von rund 261 Megawatt installiert. Den mit Abstand größten Anteil hat die Windenergie mit 189,9 Megawatt. Photovoltaikanlagen kommen auf 66,3 Megawatt. Weitere 4,7 Megawatt entfallen auf Biomasse. Pro Einwohnerin und Einwohner sind somit rund 26 Kilowatt Leistung aus Wind- und Solarenergie installiert.

In der Einheitsgemeinde stehen derzeit 59 Windenergieanlagen. Weitere Anlagen könnten hinzukommen. So sieht ein Planungskonzept für eine rund 140 Hektar große Fläche zwischen Uchtdorf und Mahlpfuhl neun zusätzliche Windräder vor. Zusammen sollen sie eine Leistung von 64,8 Megawatt erreichen. Die geplanten Anlagen sollen 260 Meter hoch werden. Voraussetzung für den Bau ist die Erteilung der notwendigen Genehmigungen. Nach den derzeitigen Plänen könnten die Windräder ab 2031 in Betrieb gehen.

Mehr Sonnenenergie

Auch die Solarenergie soll ausgebaut werden. In Tangerhütte sind derzeit 889 Photovoltaikanlagen registriert. Dazu gehören Balkonkraftwerke sowie Anlagen auf Haus- und Hallendächern. Hinzu kommen Solarparks auf Freiflächen sowie sogenannte Agri-Photovoltaikanlagen. Bei ihnen wird eine Fläche sowohl landwirtschaftlich als auch zur Stromerzeugung genutzt.

Mehrere größere Solarprojekte befinden sich in Planung. In Tangerhütte ist eine 20-Megawatt-Anlage vorgesehen. In Uchtdorf soll ein weiterer Solarpark entstehen. Dieser soll deutlich größer werden als der bereits bestehende Solarpark mit sechs Megawatt Leistung auf elf Hektar.

Eine weitere geplante Anlage soll sich über rund 110 Hektar erstrecken. Die Leistung könnte bis zu 142 Megawatt betragen. Würde das Projekt verwirklicht, könnte es die derzeit installierte Leistung zur Erzeugung von erneuerbarem Strom in Tangerhütte um mehr als die Hälfte erhöhen.

Auch in Elversdorf soll die Solarenergie ausgebaut werden. Auf einer früher anderweitig genutzten Fläche ging dort im Mai 2018 eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit 750 Kilowatt Leistung in Betrieb. Elversdorf hat laut der Agentur 55 Einwohnerinnen und Einwohner.

Neben der Stromerzeugung spielt auf der Fläche auch die Artenvielfalt eine Rolle. Höchstens die Hälfte der Gesamtfläche wird gemulcht. Durch natürliche Aussaat sollen sich heimische Blühpflanzen verbreiten. Dadurch habe sich der Lebensraum für Insekten und eine örtliche Vogelpopulation entwickelt, so die AEE.

Die bestehende Solaranlage soll um 9,8 Hektar und 13 Megawatt Leistung erweitert werden. Bereits 2023 wurden die Einwohnerinnen und Einwohner dazu befragt. Aus den Gesprächen sind verschiedene Vorschläge entstanden. Dazu zählen finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten, Hilfen für örtliche Vereine und die Feuerwehr sowie Maßnahmen für Natur und Landschaft.

Mitinitiator Jan Schliefke verweist auf die Zustimmung aus Teilen des Ortes. Die positive Resonanz unterstütze die weitere Planung der Anlage mit 13 Megawatt Leistung.

Das Vorhaben hat allerdings noch eine kommunalpolitische Hürde zu nehmen. In der Veröffentlichung heißt es, der zuständige Ortschaftsrat habe wegen persönlicher Bedenken bislang keinen positiven Beschluss gefasst.

Biomasse im BHKW

Neben Wind- und Solarenergie nutzt Tangerhütte auch Biomasse. Derzeit erzeugen sieben Blockheizkraftwerke in Lüderitz, Uchtdorf, Schönwalde, Grieben und Bellingen daraus Strom und Wärme. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt gleichzeitig elektrische Energie und nutzbare Wärme.

In Grieben ist ein weiteres Blockheizkraftwerk geplant. Es soll eine elektrische Leistung von 2,1 Megawatt und eine thermische Leistung von 2,2 Megawatt erreichen.

Das Dorf Schernebeck strebt eine weitgehend eigenständige Versorgung mit erneuerbaren Energien an. Ein Förderverein arbeitet an der Umsetzung dieses Ziels. Geplant ist unter anderem der Bau einer Agri-Photovoltaikanlage auf einer Fläche von sieben Hektar. Außerdem soll eine große Wärmepumpe Wärme in ein neu verlegtes Nahwärmenetz einspeisen. Vorgesehen sind zudem ein 0,7 Hektar großes Solarthermiefeld und möglicherweise ein mit Holzhackschnitzeln betriebenes Blockheizkraftwerk.

Gleichzeitig beschäftigt sich Tangerhütte mit der künftigen Wärmeversorgung der gesamten Einheitsgemeinde. Die Kommune hat dafür eine Förderung erhalten. Ziel ist es laut der Agentur, bis zum Jahr 2045 eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu erreichen.

Der Wärmebedarf in Tangerhütte liegt demnach bei 136 Gigawattstunden pro Jahr. Eine Gigawattstunde entspricht einer Million Kilowattstunden. Derzeit beruhen 63 Prozent der Wärmeversorgung auf Erdgas. Damit sind jährlich rund 33.800 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen verbunden.

Laut den untersuchten Szenarien könnte der Wärmebedarf bis 2035 um 55 Gigawattstunden pro Jahr sinken. Das entspräche einem Rückgang um rund 40 Prozent. Als Gründe werden in der Veröffentlichung energetische Sanierungen, ein verstärkter Einsatz erneuerbarer Energien und die demografische Entwicklung genannt. Bei der künftigen Versorgung sollen Wärmepumpen und Fernwärme eine größere Rolle spielen.

Spatenstich für Strompeicher

Auch Stromspeicher werden ausgebaut. In Tangerhütte sind derzeit 374 Speicher mit einer Gesamtnettonennleistung von 1,9 Megawatt installiert. 87 davon haben weniger als zwei Kilowatt Leistung. Weitere 224 Speicher liegen zwischen zwei und 9,9 Kilowatt, 63 Speicher erreichen mindestens zehn Kilowatt.

Am 15. Juli 2026 fand zudem der Spatenstich für einen größeren Batteriespeicher statt. Das System soll eine Leistung von 15 Megawatt und eine Speicherkapazität von 30 Megawattstunden erreichen. Es soll überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen zeitweise aufnehmen. Dadurch sollen Schwankungen verringert und das regionale Stromnetz entlastet werden. Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm bezeichnete den Speicher als „wichtigen Baustein“, um erneuerbaren Strom besser in das Energiesystem einzubinden.





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