Samstag, 4. April 2026

DarmstadtAbwärme beheizt Staatstheater

[10.11.2021] Bis Ende 2022 soll das Staatstheater an das Darmstädter Fernwärmenetz angebunden werden. Das Land Hessen, das Staatstheater Darmstadt und ENTEGA STEAG Wärme (ESW) bringen das Projekt gemeinsam auf den Weg.
Mit der Anbindung des Staatstheaters Darmstadt ans Fernwärmenetz geht Hessen einen weiteren Schritt in Richtung klimaneutrale Landesverwaltung.

Mit der Anbindung des Staatstheaters Darmstadt ans Fernwärmenetz geht Hessen einen weiteren Schritt in Richtung klimaneutrale Landesverwaltung.

(Bildquelle: Lottermann and Fuentes)

Das Staatstheater Darmstadt soll bis Ende 2022 an das Darmstädter Fernwärmenetz angebunden werden. Wie das Hessische Ministerium für Finanzen mitteilt, kommt dann die Wärme für Bühnen, Zuschauerräume und Büros zum größten Teil aus der Abwärme des städtischen Müllheizkraftwerks, entsteht also aus der Müllentsorgung. Dadurch sinke der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid jährlich im Schnitt um rund 80 Prozent. Das entspreche circa 540 Tonnen weniger CO2, so viel, wie das Beheizen von etwa 110 Einfamilienhäusern verursache. Das Land Hessen, das Staatstheater Darmstadt und das Unternehmen ENTEGA STEAG Wärme (ESW) bringen das Projekt gemeinsam auf den Weg.
„Mit dem Anschluss des Staatstheaters an das Fernwärmenetz gehen wir einen weiteren Schritt hin zur CO2-neutralen Landesverwaltung. Das Land finanziert den Bau der Fernwärmetrasse mit rund 430.000 Euro“, sagt Finanzstaatssekretär Martin Worms. „Wir werden prüfen, ob dies auch für weitere Landesliegenschaften in Darmstadt sinnvoll ist und wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Die nachhaltige Fernwärmeversorgung ist ein zentraler Baustein des Versorgungskonzepts der CO2-neutralen Landesverwaltung. Rund 45 Prozent oder 289 Gigawattstunden des jährlichen Wärmebedarfs der Liegenschaften des Landes werden bereits durch umweltfreundliche Fernwärme gedeckt.“

Nachhaltigkeit gehört auch in den Heizkeller

Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, ergänzt: „Theater sind Orte der gesellschaftlichen Verständigung zu allen virulenten Themen. Hierzu gehören auch die Erderhitzung und ihre katastrophalen Folgen. Nachhaltigkeit ist längst ein Thema auf den Bühnen der Theater – und sie betrifft auch den Heizkeller. Bei der aktuellen Sanierung des Kleinen Hauses hat das Ziel der Klimaneutralität deshalb in Planung und Umsetzung einen hohen Stellenwert.“
Laut dem hessischen Finanzministerium dient die Erneuerung der Bühnentechnik des Kleinen Hauses mit einem Bauvolumen in Höhe von rund 51 Millionen Euro auch dem Ziel der Landesregierung, bis spätestens 2030 CO2-neutral zu werden. Vorangetrieben werde die Erneuerung vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).
„Wir haben bereits gute Erfahrungen mit Fernwärme gemacht“, fügt Dorn hinzu, „die ESW versorgt schon seit 2016 den gesamten Campus der Technischen Universität Darmstadt mit Wärme, Kälte und Strom, zu wesentlichen Teilen aus dem Müllheizkraftwerk Darmstadt. Beim Bau dieser Verbindung wurden auch das Klinikum Darmstadt und das Regierungspräsidium an das Müllheizkraftwerk angeschlossen.“
Darmstadts Kämmerer André Schellenberg erläutert: „Die Wissenschafts- und Digitalstadt Darmstadt, die gemeinsam mit dem Land Hessen Träger des Staatstheaters ist, begrüßt das Vorhaben. Der Ausbau der Fernwärmeversorgung ist auch für Darmstadt ein weiterer wesentlicher Baustein, um das Klimaschutzziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, zu erreichen. Durch die Fernwärmeanbindung des Staatstheaters ergibt sich innerhalb von Darmstadt das Potenzial, auch das Quartier Mollerstadt und die auf dem Marienplatz geplante Wohnbebauung mit Fernwärme zu erschließen.“

Teil einer Pilot-Gruppe

Der Intendant des Staatstheaters, Karsten Wiegand, sagt: „Es ist uns sehr wichtig, Klimaneutralität voranzutreiben und in möglichst vielen Bereichen des Theaterbetriebs nachhaltig zu denken und zu handeln. Als Teil einer Pilotgruppe von Kulturinstitutionen in einem Projekt der Bundeskulturstiftung wurden bereits vollumfängliche Verbrauchs- und Energieberechnungen durchgeführt. Strom sparen wir durch LED-Nachrüstung und Bewegungsmelder, die Werkstätten arbeiten an einem Konzept für wiederverwendbare Bühnenbildelemente, um den Materialverbrauch zu reduzieren, und ab dieser Spielzeit sind An- und Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Eintrittspreis enthalten.“
„Als nachhaltiger und ökologischer Energieversorger ist es uns wichtig, gemeinsam mit Partnern aus Politik und Wirtschaft dafür zu sorgen, dass unsere Region einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaneutralität leistet. Ich denke, wir sind hier – insbesondere auch in Darmstadt – auf einem sehr guten Weg“, sagt Andreas Niedermaier, Vorstand Personal und Infrastruktur der ENTEGA. „ENTEGA und STEAG arbeiten seit Jahren in dem Gemeinschaftsunternehmen ESW sehr vertrauensvoll und gut zusammen. Der Beschluss zur Anbindung des Staatstheaters Darmstadt ist ein weiterer Beweis für den Erfolg unserer Kooperation und den gemeinsamen Nachhaltigkeitsgedanken“, ergänzt Thomas Billotet, Geschäftsführer von ESW.

Fernwärmenetz jetzt 82 Kilometer lang

Nach Angaben des hessischen Finanzministeriums ist das Fernwärmenetz der ENTEGA in Darmstadt und Südhessen 81 Kilometer lang; ein Kilometer kommt mit der Anbindung des Staatstheaters Darmstadt hinzu. Es werde an das Fernwärmenetz Darmstadt-Nord angeschlossen, das sich im Wesentlichen aus der thermischen Abfallverwertung des Müllheizkraftwerks Darmstadt speist. Verbrauchsspitzen decke ein moderner Wärmespeicher der ENTEGA ab.
An das Fernwärmenetz der ENTEGA seien derzeit über 11.000 Privathaushalte, öffentliche Einrichtungen und Industrieunternehmen angebunden. Die gelieferte Fernwärme stamme hauptsächlich aus modernen Blockheizkraftwerken, die neben Strom auch nutzbare Wärme erzeugen, sowie aus dem Müllheizkraftwerk Darmstadt. So stehen aktuell rund 300 Millionen Kilowattstunden (kWh) klimaschonender thermischer Energie zur Verfügung. Zur Energieversorgung der TU Darmstadt und für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes innerhalb Darmstadts wurde 2015 die ESW gegründet, ein Gemeinschaftsunternehmen der ENTEGA (49 Prozent Gesellschafteranteile) und der STEAG New Energies (51 Prozent Gesellschafteranteile) mit Sitz in Darmstadt. ESW ist Vertragspartner des Landes Hessen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung
Mehrere Männer stehen und sitzen an einem großen Holztisch in einem repräsentativen Raum und unterzeichnen gemeinsam Dokumente. Zwei Männer sitzen in der Mitte und unterschreiben die Absichtserklärung, während andere Beteiligte daneben stehen und zuschauen. Im Hintergrund sind die Flaggen Deutschlands, der Europäischen Union und Polens zu sehen.

Stadtwerke Görlitz: Deutsch-polnisches Projekt United Heat

[01.04.2026] In Görlitz hat der Bau eines deutsch-polnischen Fernwärmeprojekts begonnen. Das Vorhaben sieht vor, die Wärmenetze von Görlitz und Zgorzelec zu verbinden und bis 2030 klimaneutral zu machen. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt mit rund 80 Millionen Euro. mehr...

Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr

[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...

Studie: Wärmenetze trotz knapper Kassen finanzieren

[25.03.2026] Eine neue Studie zeigt, wie Kommunen Wärmenetze trotz knapper Kassen finanzieren und wirtschaftlich betreiben können. Sie liefert konkrete Modelle, Planungswege und ein Berechnungstool – entscheidend angesichts milliardenschwerer Investitionen bis 2030. mehr...

Dresden: Intelligentes Fernwärmenetz in Betrieb gegangen

[23.03.2026] In Dresden-Friedrichstadt ist ein digital gesteuertes Fernwärmenetz mit modularer Großwärmepumpe in Betrieb gegangen. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Wärme und intelligente Datensteuerung für eine effizientere und klimafreundliche Versorgung kombinieren lassen. mehr...

Stadtwerke Tübingen: Förderung für Großwärmepumpe erhalten

[20.03.2026] Die Stadtwerke Tübingen erhalten 23 Millionen Euro Förderung für eine Großwärmepumpe am Klärwerk. Damit gewinnt die Transformation der Fernwärme an Tempo und ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung rückt näher. mehr...

Von links: Wolf-Thomas Hendrich (Versorgungsbetriebe Hoyerswerda), Katrin Bartsch (Stadtwerke Weißwasser) und Michael Schiemenz (Städtische Werke Spremberg) unterzeichnen eine Vereinbarung.

Kooperation: Klimaneutrale Wärme in der Lausitz

[16.03.2026] Drei Stadtwerke aus der Lausitz treiben ihre Wärmewende voran. Die Unternehmen aus Weißwasser, Hoyerswerda und Spremberg haben einen Planervertrag für ein gemeinsames Projekt zur Transformation der Wärmeversorgung unterzeichnet. Das Ziel ist eine weitgehend dekarbonisierte Wärmeversorgung bis Mitte der 2030er Jahre. mehr...

BEE: Positionspapier empfiehlt Holzenergie für die Wärmeversorgung

[09.03.2026] Ein neues Positionspapier des Bundesverbands Erneuerbare Energie stellt Holzenergie als zentralen Baustein der Wärmewende dar. Angesichts geopolitischer Risiken und steigender Preise für Öl und Gas fordert der Verband, heimische Holzwärme stärker in der Wärmeversorgung zu berücksichtigen. mehr...

Jade Hochschule: Vereinheitlichung der kommunalen Wärmeplanung

[04.03.2026] Die Jade Hochschule will die kommunale Wärmeplanung in Niedersachsen mit einem landesweit einheitlichen Daten- und Methodenstandard harmonisieren. Ein neues, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Forschungsprojekt soll Kommunen schneller zu belastbaren Entscheidungen über Wärmenetze oder dezentrale Lösungen führen. mehr...

Saarland: Studie analysiert Wärmeversorgung

[04.03.2026] Eine neue Studie analysiert die Wärmeversorgung im Saarland und zeigt Wege zur klimaneutralen Wärmewende auf. Die Untersuchung soll Kommunen eine belastbare Grundlage für ihre Wärmeplanung bis 2045 liefern. mehr...

Region Mitte Niedersachsen: Förderung dreier Klimaschutz-Projekte

[02.03.2026] Die Zukunftsregion Mitte Niedersachsen fördert drei Projekte zu Mikrowärmenetzen, energetischer Sanierung und Abfallpädagogik mit rund 540.000 Euro. Die Bescheide übergab Landesbeauftragter Ottmar von Holtz in Rehburg-Loccum und setzte damit ein Signal für die interkommunale Zusammenarbeit in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. mehr...

Braunschweig: Holzheizkessel in Betrieb genommen

[27.02.2026] BS Energy und SH Kraft & Wärme haben im Braunschweiger Energie Effizienz Quartier Gliesmarode/Querum einen zweiten Holzheizkessel in Betrieb genommen. Mit der Leistungssteigerung um 50 Prozent wächst der Anteil erneuerbarer Wärme im Quartiersnetz weiter und das Ziel einer vollständig regenerativen Versorgung bis 2040 rückt näher. mehr...

Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden

[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...

Böhl-Iggelheim: Entstehung von kaltem Nahwärmenetz

[26.02.2026] In Böhl-Iggelheim entsteht an der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule ein kaltes Nahwärmenetz auf Basis von Erdsonden und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Das Projekt soll die kommunale Wärmeversorgung ab 2026 klimafreundlich sichern und perspektivisch ein ganzes Quartier einbinden. mehr...

Sechsstufige Wärmepumpenanlage „Energy Unit 2.0“ in der XL-Variante: Außen aufgestellte Luft/Wasser-Wärmepumpenmodule in schallgedämmter Einhausung vor einem Mehrfamilienhaus, teilweise mit geöffneten Schutzgittern.

Vaillant: XL-Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser

[23.02.2026] In Dortmund wurde erstmals eine sechsstufige Wärmepumpenanlage der XL-Variante in Betrieb genommen. Das System versorgt zwei Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren. Laut den Beteiligten spart es jährlich 20,5 Tonnen CO₂ ein. mehr...

Stadtwerke Lemgo: Beteiligungsvolumen für Großwärmespeicher ausgeschöpft

[20.02.2026] Das Beteiligungsvolumen für den Großwärmespeicher der Stadtwerke Lemgo ist binnen weniger Tage vollständig ausgeschöpft. Zwei Millionen Euro flossen in das Projekt zur klimaneutralen Wärmeversorgung und zeigen die breite Unterstützung für die Wärmewende vor Ort. mehr...