Mittwoch, 22. Juli 2026

Offshore-WindkraftBranche fordert klare Weichenstellung

[24.07.2025] Viele Offshore-Windprojekte warten noch auf ihre Umsetzung. Die Branchenverbände sehen deshalb nun die Bundesregierung in der Pflicht, den rechtlichen Rahmen anzupassen, damit das Ausbauziel von 70 Gigawatt bis 2045 erreicht werden kann.

Montage eines Rotors in einem Windpark in der Nordsee.

(Bildquelle: Doti / Matthias Ibeler)

Zum Stichtag 30. Juni 2025 waren in Deutschland 1639 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 9,2 Gigawatt am Netz. Weitere Windparks mit knapp zwei Gigawatt befinden sich im Bau. Doch viele Projekte warten noch auf ihre Umsetzung. Die Branche sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Erhebung des Beratungsunternehmens Deutsche WindGuard im Auftrag mehrerer Branchenverbände und Organisationen. Laut Studie sind Projekte mit einer Gesamtleistung von 3,6 Gigawatt bereits final beschlossen. Weitere Vorhaben mit einer Leistung von 17,5 Gigawatt wurden zwar bezuschlagt, aber bislang nicht vergeben.

Jetzt fordern die Organisationen BWE (Bundesverband WindEnergie), BWO (Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore), VDMA Power Systems, WAB (Windenergie-Agentur), das WindEnergy Network sowie die Stiftung Offshore-Windenergie klare politische Signale. „Die Offshore-Windenergie spielt für das Gelingen der Energiewende eine zentrale Rolle. Die Branche muss sich auf den Erhalt des Ausbauziels von 70 Gigawatt bis 2045 verlassen können“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Investitionen absichern

Aus Sicht der Organisationen braucht es dringend ein Erlösmodell, das Planungssicherheit schafft. In der Diskussion sind unter anderem Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs). Dabei wird ein fester Abnahmepreis garantiert, der von öffentlichen Stellen ausgeglichen wird, falls der Marktpreis darunterliegt. Gleichzeitig sollten bilaterale Stromabnahmeverträge – Power Purchase Agreements (PPAs) – weiter möglich sein. Der rechtliche Rahmen müsse europaweit möglichst einheitlich gestaltet werden.

Die Realisierungsfristen für neue Anlagen seien zu kurz, kritisieren die Verbände. Betreiberinnen und Betreiber müssen derzeit innerhalb von sechs Monaten nach Fertigstellung des Netzanschlusses ihre Betriebsbereitschaft nachweisen. Künftig sollten es mindestens zwölf Monate sein. Damit lasse sich die Komplexität großer Windprojekte besser abbilden und unnötige Kosten bei der Netzanbindung vermeiden.

Ausschreibungen überarbeiten

Die jüngste Auktion brachte laut Pressemitteilung lediglich 180 Millionen Euro ein – deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Grund dafür seien laut Branchenverbänden ein zu hohes Risiko für Betreiberinnen und Betreiber sowie unflexible Vorgaben. Auch Engpässe in den Lieferketten wirken sich negativ aus.

Trotz Kritik wurde die Ausschreibung bereits zum dritten Mal nach denselben Regeln durchgeführt. Die reine Abfrage der Zahlungsbereitschaft sei weder investitionsfördernd noch marktgerecht, bemängeln die Organisationen. Auch die EU-Kommission lehne dieses Verfahren ab. Dass es nur noch zwei Bieter gab, sei ein weiteres Warnsignal. Die Forderung lautet: Eine grundlegende Reform des Auktionsverfahrens noch im laufenden Jahr.

Europaweit gleiche Bedingungen schaffen

Auf europäischer Ebene müsse ebenfalls gehandelt werden. Zentral sei die einheitliche Umsetzung des Net Zero Industry Acts, der Bürokratie abbauen und Investitionen fördern soll. Gleichzeitig brauche es faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Herstellerinnen und Hersteller sowie Zulieferer. Industriepolitische Unterstützung sei notwendig, um nicht hinter außereuropäische Anbieter zurückzufallen.

Auch der Schutz kritischer Infrastruktur steht im Fokus. Die Offshore-Windenergie sei systemrelevant, betonen die Verbände. Sicherheitslücken – etwa in der digitalen Steuerung – müssten vermieden werden. Dazu sollen die NIS2-Richtlinie der EU (Network and Information Security) sowie die CER-Richtlinie (Critical Entities Resilience) schnell und wirksam umgesetzt werden. Die Bundesregierung müsse den rechtlichen Rahmen so gestalten, dass die Wirtschaft ihren Beitrag zur Sicherheit leisten kann – planbar und rechtskonform, heißt es in der Mitteilung.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Windenergie

Baden-Württemberg: Ausbautempo für Windkraft steigern

[22.07.2026] Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg hat sich im ersten Halbjahr 2026 beschleunigt. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg reichen Tempo und Ausschreibungsergebnisse jedoch weiterhin nicht aus, um die Ausbauziele zu erreichen. mehr...

RWE: Repowering von Windpark

[21.07.2026] RWE ersetzt im Windpark Rethen-Vordorf in Niedersachsen drei Altanlagen durch drei deutlich leistungsstärkere Windräder. Nach dem Zuschlag der Bundesnetzagentur soll das Repowering die Erzeugungskapazität vervierfachen und den Ausbau der Windenergie am bestehenden Standort voranbringen. mehr...

Heidelberg: Bürgerentscheid pro Windenergie

[15.07.2026] Die Bürgerinnen und Bürger Heidelbergs haben sich in einem Bürgerentscheid mehrheitlich für die Entwicklung des Lammerskopfs als Standort für Windenergieanlagen ausgesprochen. Mit Erreichen des gesetzlichen Quorums ist das Ergebnis bindend. mehr...

bericht

Dardesheim: Glücksfall Windpark

[13.07.2026] Windenergie schafft Akzeptanz, wenn ihre Wertschöpfung vor Ort ankommt. Der BürgerEnergiePark Druiberg in Dardesheim zeigt, wie kommunale Förderung, Bürgerstrom und finanzielle Beteiligung ein nahezu konfliktfreies Repowering-Projekt möglich machen. mehr...

Kreis Reutlingen: Windpark Gomadingen ans Netz gegangen

[13.07.2026] Der Windpark Gomadingen mit fünf Windenergieanlagen ist ans Netz gegangen und verfügt über eine installierte Leistung von rund 31 Megawatt. Das Projekt versorgt rechnerisch rund 21.500 Haushalte mit Strom und zeigt, wie kommunale Beteiligung und regionale Wertschöpfung den Ausbau der Windenergie unterstützen. mehr...

Stadtwerke Lübeck/STAWAG: Windpark in Betrieb gegangen

[10.07.2026] Die Stadtwerke Lübeck und die STAWAG haben den Windpark Rohlsdorf in Ostholstein mit vier Nordex-Anlagen und 20,1 MW Leistung in Betrieb genommen. Das Gemeinschaftsprojekt liefert künftig rund 53 Millionen kWh Ökostrom pro Jahr und markiert den weiteren Ausbau des gemeinsamen Windportfolios in Schleswig-Holstein. mehr...

Frankfurt am Main: Baustart von Windpark

[08.07.2026] Der vor den Toren der Stadt Frankfurt am Main gelegene Windpark Schäferköppel geht mit vier Windenergieanlagen in die Bauphase. Das Gemeinschaftsprojekt von Mainova, Kommunen und Bürgerenergiegenossenschaft soll die regionale Energiewende voranbringen und setzt auf kommunale sowie finanzielle Bürgerbeteiligung. mehr...

RWE: Kontrollzentrum für Offshore-Windpark eröffnet

[02.07.2026] RWE hat in Jemgum ein neues Kontrollzentrum für den Betrieb seiner Offshore-Windparks eröffnet. Von dort aus steuert das Unternehmen künftig Anlagen in Deutschland und Kontinentaleuropa rund um die Uhr und schafft zugleich zusätzliche Arbeitsplätze in der Region. mehr...

Netzanbindungsprojekt Ostwind 4: Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet

[17.06.2026] Für das Netzanbindungsprojekt Ostwind 4 hat die Öffentlichkeitsbeteiligung für die Abschnitte Küstenmeer und Land begonnen. Bis zum 24. Juli 2026 können Betroffene Stellungnahmen einreichen und damit Einfluss auf ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Offshore-Windenergie in der Ostsee nehmen. mehr...

RWE: Erste Windturbine für Nordseecluster installiert

[16.06.2026] RWE hat die erste Windturbine des Offshore-Projekts Nordseecluster vor der deutschen Küste installiert. Das 1,6-Gigawatt-Vorhaben soll ab 2027 schrittweise Strom für Industrie und Energiewende liefern und erreicht nun einen wichtigen Meilenstein. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

EEG-Novelle: Bayern und Baden-Württemberg fordern Änderungen

[02.06.2026] Baden-Württemberg und Bayern fordern im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen und bessere Bedingungen für Projekte im Süden, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu stärken. mehr...

Zwei Monteure in Schutzkleidung stehen auf einer angehobenen Arbeitsplattform und begleiten die Montage eines Rotorblatts einer Windkraftanlage. Das lange Rotorblatt wird von einem großen Kran in Position gebracht. Rechts im Bild ist der gelbe Ausleger des Krans zu sehen. Der helle, bedeckte Himmel bildet den Hintergrund der Arbeiten in großer Höhe.

Energieministerkonferenz: Länder bekräftigen Unterstützung für Windkraft

[01.06.2026] Die Energieministerinnen und -minister der Länder haben sich für die Fortsetzung des Windenergieausbaus ausgesprochen. Nach Angaben des Bundesverbands WindEnergie bekräftigten sie die bestehenden Ausbauziele und lehnten einen geplanten Redispatch-Vorbehalt ab. Zudem sprachen sie sich für einen stärkeren Ausbau der Windkraft in Süddeutschland aus. mehr...

KEA-BW: Kostenlose Ersteinschätzung des Windenergiepotenzials

[27.05.2026] Die KEA-BW bietet Kommunen in Baden-Württemberg eine kostenlose Ersteinschätzung ihres Windenergiepotenzials an. Das neue Angebot soll Städten, Gemeinden und Landkreisen helfen, Vorrangflächen besser zu bewerten und Windkraftprojekte früher zu steuern. mehr...

Branchentag Windenergie NRW: Energiewende mit System

[27.05.2026] Der 18. Branchentag Windenergie NRW stellt die Systemfragen der Energiewende in den Mittelpunkt. Am 30. Juni und 1. Juli 2026 diskutieren Politik, Industrie und Energiewirtschaft in Neuss über Netze, Speicher, KI, Finanzierung und die Rolle der Windenergie im künftigen Energiesystem. mehr...