Dienstag, 27. Oktober 2026

AnhörungChancen und Risiken von Erdkabeln

[15.10.2015] Bei einer Anhörung des Deutschen Bundestags warnten die Übertragungsnetzbetreiber vor höheren Kosten und Aufwänden bei der unterirdischen Verlegung von Stromnetzen. Kommunale Vertreter machten deutlich, dass die Akzeptanz für Leitungstrassen durch Erdkabel steige.
Freileitungsbau: Gleichstrom-Verbindungen sollen unter die Erde.

Freileitungsbau: Gleichstrom-Verbindungen sollen unter die Erde.

(Bildquelle: Amprion)

Über die Verlegung von Stromleitungen unter die Erde diskutierten gestern (14. Oktober 2015) Sachverständige in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag. Grundlage der Beratungen war der von der Bundesregierung eingebrachte Entwurf eines Gesetzes zur Änderung von Bestimmungen des Rechts des Energieleitungsbaus. Damit soll das unterirdische Verlegen von Höchstspannungsleitungen erleichtert werden (22344+wir berichteten).
Tjark Bartels, Landrat des niedersächsischen Landkreises Hameln-Pyrmont, erklärte vor dem Ausschuss, dass durch die Erdverkabelung eine hohe Akzeptanz des Trassenbaus zu erwarten sei. Für die Deutsche Umwelthilfe bezeichnete Peter Ahmels den Vorrang von Erdverkabelungen für Höchstspannungsgleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) in Siedlungsnähe als eine Verbesserung des Wohnumfeldschutzes. Außerhalb von Siedlungsgebieten seien Eingriffe in den Boden genau zu prüfen. „Wenn die Erdverkabelung keine bessere Lösung darstellt, muss auch weiter eine Freileitung möglich sein“, hieß es in der Stellungnahme der Umwelthilfe. Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände erklärte: „Die Erdverkabelung ist in der Regel mit geringeren Eingriffen in das Lebensumfeld der vom Netzausbau Betroffenen verbunden und stößt auf größere Akzeptanz vor Ort.“

Zeitverzögerung und Mehrkosten

Die Übertragungsnetzbetreiber wiesen auf Zeitverzögerungen bei der Umplanung und auf Kostensteigerungen hin. Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann erklärte, die für die Erdverkabelung von HGÜ-Leitungen notwendige Neuplanung könne zu einer Verzögerung von drei Jahren führen. Daher müssten Planung und Genehmigung von Leitungsbauprojekten erheblich beschleunigt werden. Am Beispiel der geplanten SuedLink-Trasse von Norddeutschland nach Bayern machte Hartmann die aus Sicht des Unternehmens zu erwartenden Mehrkosten deutlich: Bei einem Erdkabel-Anteil von 90 Prozent lägen die Baukosten bei acht bis neun Milliarden Euro statt bei drei Milliarden in der Variante mit Freileitungen.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion wies darauf hin, dass bei Erdkabeln mit größeren Ausfallzeiten zu rechnen sei. Je nach Störung könne eine Reparatur mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Nach Angaben von Amprion-Geschäftsführer Klaus Kleinekorte sind die Investitionskosten für Erdverkabelung bei normalen Stromnetzen mit Drehstromtechnik etwa vier- bis zehnmal so hoch wie bei Freileitungen. Bei Höchstspannungsgleichstrom-Leitungen liege der Faktor zwischen drei und acht.

Großer Eingriff in die Natur

Professor Lutz Hoffmann von der Universität Hannover machte auf erhöhte bauliche Aufwände aufmerksam: Die Teilverkabelung einer Freileitung erfordere zur Vermeidung eines Engpasses in der Regel ein zusätzliches paralleles Kabelsystem sowie einen zusätzlichen technischen, finanziellen und baulichen Aufwand für die Anlagen für den Übergang vom Erdkabel zur Freileitung. Klaus Kleinekorte wies auf die ökologischen Folgen der Erdverkabelung hin: „Der Eingriff in die Natur ist kein kleiner.“ Für den Bau eines Erdkabels werde eine 45 Meter breite Schneise geschlagen, von der nach Fertigstellung 25 Meter bleiben müsse. Laut deutscher Umwelthilfe sollte daher in Waldgebieten eher auf Freileitungen gesetzt werden.





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