EnergielandschaftenDem Wandel begegnen
Die Befreiungshalle Kelheim ist für Windkraftanlagen tabu.
(Bildquelle: Werner Neunherz / pixelio.de)
Deutschlands Kulturlandschaften stehen vor vielfältigen Veränderungen: Die demografischen Veränderungen innerhalb der Bevölkerung sowie der Klimawandel führen zu neuen Strategien in der Landnutzung und rufen zugleich Anpassungsleistungen hervor. Auch die Energiewende wirkt sich auf das Landschaftsbild aus – weithin sichtbare Windfarmen, Freiland-Photovoltaikanlagen, großflächige Mais- und Rapsfelder sowie der Anbau neuer Kulturpflanzen zur Biomasseproduktion machen dies bereits heute deutlich. Wie den Veränderungen am besten begegnet werden kann, hinterfragen derzeit mehrere Forschungseinrichtungen in Deutschland. So hat beispielsweise das Institut für Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Auftrag des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit ein Zonierungskonzept für den Naturpark Altmühltal erarbeitet. Wie aus einer Pressemitteilung der Bundesregierung hervorgeht, soll ermittelt werden, wo sich Windkraftanlagen so aufstellen lassen, dass sie den Charakter der Region möglichst nicht verändern. Um die Gegend weiterhin attraktiv für Besucher zu gestalten, legte das Forscher-Team zunächst Gebiete fest, in denen keine Windräder stehen dürfen. Als Orientierung für solche Tabuzonen dienten wichtige Denkmäler wie die Befreiungshalle in der Stadt Kelheim. Weitere Tabuzonen entstanden durch die Vorkommen sensibler Tierarten und durch den Verlauf der Täler. Daraufhin wurden Sichtbarkeitsgrenzen ermittelt. „Ziel ist es, dass man die Windräder soweit von den Tal-Kanten wegstellt, dass man sie aus dem Tal-Grund heraus nicht mehr sieht“, erklärt Professor Markus Reinke von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Je nach Beschaffenheit des Tals variieren die Abstände an den Tal-Kanten. „Denn aus weiten Tälern sehe ich flach heraus, das heißt, die Windräder müssen weiter nach hinten rücken. Aus engen, tiefen Tälern schaue ich steil heraus. Dort können die Windräder auch etwas an die Oberkante der Täler heranrücken“, so der Wissenschaftler. Auf Grundlage dieses Zonenkonzepts haben im Laufe des Jahres 2013 die Landkreise und Bezirke in der Region die Naturparkverordnung geändert.
Akzeptanz für Veränderung
Mit Steuerungsmöglichkeiten der Raum- und Landschaftsplanung befasst sich auch das Institut für Landschaftsarchitektur der Technischen Universität Dresden. In den drei Modellregionen Oderland-Spree, Donauwald sowie Ostwürttemberg wurden Ansätze und Strategien zum Umgang mit den gegenwärtigen Veränderungen im Landschaftsbild erprobt. In der Region Oderland-Spree ging es etwa um die Frage, wie gemeinsames Handeln und gesellschaftliche Akzeptanz von Wandlungsprozessen geschaffen werden kann. Dresdner Studenten haben dazu Kulturlandschaftswandelkarten erstellt, um landschaftliche Veränderungen für die Bürger besser zu verdeutlichen. Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens wurden laut der Technischen Universität Dresden am 22. und 23. Oktober 2014 auf einer internationalen Abschlusstagung in Frankfurt am Main präsentiert.
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