Cloud ComputingIn beiden Welten erfolgreich

Energieversorger benötigen eine IT, die unterschiedliche Geschäftsprozesse unterstützt.
(Bildquelle: Sikov/stock.adobe.com)
Mehr als 40 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland werden heute über erneuerbare Energien abgedeckt – Tendenz steigend. Diese Zahl steht nicht nur für ein gestiegenes Umweltbewusstsein, sondern auch für einen tiefgreifenden Wandel in der Energiebranche. So deckte im Jahr 1990 noch eine überschaubare Anzahl von Großkraftwerken nahezu 85 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs auf Basis von Braun- und Steinkohle sowie Kernenergie ab. Für viele Versorger bedeutet diese Entwicklung den Verlust ihrer marktdominanten Stellung, die sie als vormals kommunale Unternehmen oder Unternehmen mit Beteiligung der öffentlich-rechtlichen Hand innehatten. Der zunehmende Wettbewerbsdruck führte zu sinkenden Preisen. Dadurch sehen sich zahlreiche Energieversorgungsunternehmen gezwungen, über den Tellerrand hinauszublicken und neue Umsatzquellen zu generieren.
Druck zur Umorientierung
Einige weltweite, aber auch regionale Trends erhöhen den Druck, sich umzuorientieren. So sieht sich die Branche infolge der Digitalisierung gestiegenen Kundenerwartungen gegenüber. Gleichzeitig legen rechtliche Anforderungen, wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), hohe Maßstäbe beim Umgang mit Kundendaten an. Hinzu kommen Entwicklungen wie die zunehmende E-Mobilität, neue Mobilitätskonzepte, Smart Home und Smart City. Nicht zuletzt drängen immer mehr branchenfremde Unternehmen in die Energiewirtschaft: Konsumgüterhersteller etwa oder Telekommunikationsdienstleister, die ihre Angebote mit energiebezogenen Dienstleistungen flankieren.
Kerngeschäft automatisieren
Der tiefgreifende Wandel in der Branche führt zunehmend dazu, dass sich bestehende Geschäftsmodelle ändern oder gar obsolet werden. Eine Abkehr vom Kerngeschäft – der Erzeugung von Energie und den unmittelbar damit verbundenen Dienstleistungen wie Ablesung und Abrechnung – kommt für die meisten Unternehmen trotzdem nicht infrage.
Um im Bestandsgeschäft angesichts begrenzter Margen noch profitabel zu sein, setzen viele Energieversorger auf die Standardisierung und Automatisierung von Prozessen. Mithilfe intelligenter Technik wie Machine Learning lassen sich Prozesse wie die Marktkommunikation, die Erstellung von Bezugsabrechnungen oder die Ablesung weitgehend automatisieren und somit deutlich effizienter gestalten. Beispiel Abrechnungsprozess: Bei einer Million Kunden mit zwei Prozent fehlerhafter Abrechnungen entsteht ein enormer manueller Aufwand. Durch Automatisierung können Firmen solche Aufwände minimieren und so die Total Cost of Ownership entscheidend senken. Dadurch werden wiederum Kapazitäten für die Entwicklung von Innovationen frei.
Kundenwünsche frühzeitig erkennen
Unternehmen, die neue Wege gehen und die Chancen der Digitalisierung nutzen, um die aktuellen Marktanforderungen zu erfüllen, haben gute Aussichten zu wachsen und ihren Umsatz zu steigern. Dafür müssen sie allerdings zunehmend in der Lage sein, auf Echtzeiterkenntnisse zu reagieren. Ziel ist es, Kundenwünsche frühzeitig erkennen, um ihnen schnell personalisierte Produkte und Erfahrungen anbieten zu können.
Einige Energieanbieter konfektionieren Verträge bereits bis zur Losgröße 1 hinunter. Das bedeutet, dass direkte Nachbarn in derselben Straße am selben Wohnort unterschiedliche Angebote erhalten können, weil sie etwa verschiedenen Bezugsgebieten zugeordnet sind. Andere Anbieter verknüpfen Stromtarife mit dem Verkauf von Elektronikprodukten und werden so zum Multi-Service-Provider. Für neue Geschäftsmodelle wie diese ist eine ganz andere Flexibilität und Agilität notwendig.
Neue Ideen ausprobieren
Die Unternehmens-IT ist gefordert, über das Funktionieren des Commodity-Geschäfts hinauszudenken. Es gilt, Technologien bereitzustellen, mit denen die Fachabteilungen schnell und flexibel neue Ideen ausprobieren, verwerfen oder realisieren können. SAP gibt mit seinen Lösungen eine Antwort auf diese Herausforderung der dualen Utilities-Welt: Mit der neuen Anwendung SAP Cloud for Utilities können Kunden die Vorzüge einer stabilen, über zwei Jahrzehnte gereiften Lösung für das Bestandsgeschäft mit der Agilität und Flexibilität einer modernen Cloud-Suite kombinieren.
SAP Cloud for Utilities konzentriert sich konsequent auf die Anforderungen der neuen digitalen Utilities-Welt und unterstützt insbesondere die Multi-Service-Kapazitäten der Versorgungsunternehmen. Entsprechend adressiert die Lösung die funktionalen Schwerpunkte einfache und schnelle Definition, Einführung, Vermarktung und Verkauf von Energie- und Nicht-Energieprodukten. Features, die als wesentliche Differenzierungsmerkmale gegenüber Wettbewerbern gelten. Der Launch der ersten ganzheitlichen Version von SAP Cloud for Utilities war für Ende 2020 geplant. Sie wird für die energiebezogenen Prozesse auf bestehende SAP-for-Utilities-Komponenten als Software as a Service aufbauen, die sich modular um zusätzliche Cloud-Services ergänzen lassen, wie zum Beispiel Marktkommunikation, E-Commerce oder subskriptionsbasierte Abrechnungen.
Zwei Varianten
Ende 2021 soll SAP Cloud for Utilities komplett als native End-to-End Cloud-Lösung verfügbar sein. Dann lassen sich auch die Kernprozesse der Energiewirtschaft – von der Abrechnung über das Messdaten-Management bis hin zum Vertragskontokorrent – alternativ zu SAP for Utilities in einer schlanken Public-Cloud-Lösung nutzen. Kunden können zudem weiterhin ihre bestehende On-premises-Lösung einsetzen: SAP wird auch künftig in SAP for Utilities investieren und die Lösung kontinuierlich weiterentwickeln.
Für welche Variante sich ein Kunde entscheidet, hängt von den jeweiligen Prioritäten ab: Welche Geschäftsfelder sind aktuell relevant? In welchem Bereich findet die Hauptgeschäftsaktivität statt? Unternehmen, die mit der On-premises-Lösung arbeiten und sich erste neue Geschäftsfelder erschließen, investieren womöglich zunächst besser in SAP Cloud for Utilities und ziehen das Commodity-Geschäft bei Bedarf nach. Vor jeder Investitionsentscheidung sollte beim Kunden auf jeden Fall eine Bestandsanalyse stehen. SAP hat dafür eigens Services und Modelle entwickelt, so etwa einen einfachen Transformationsleitfaden, der eine erste Orientierung für die strategische Ausrichtung der Unternehmens-IT bietet.
Perspektivisch spielt SAP Cloud for Utilities eine weit umfassendere Rolle als die einer reinen Unternehmenslösung: Die neue Lösung kann laut Anbieter SAP das digitale Rückgrat der Climate Economy sein. Denn nachhaltige Klimaziele lassen sich nur mithilfe neuer Dienstleistungen für einen effizienteren Energieeinsatz erreichen.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Januar/Februar 2021 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Thüga SmartService: KI-Plattform für Stadtwerke gestartet
[09.09.2026] Thüga SmartService hat mit SKIP eine speziell auf die Energiewirtschaft zugeschnittene Plattform für Künstliche Intelligenz entwickelt. Stadtwerke und Energieversorger sollen damit KI-Agenten für Wissensmanagement und Geschäftsprozesse einsetzen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. mehr...
cortility: KI automatisiert Standardanliegen
[03.09.2026] cortility und Pipeforce wollen Künstliche Intelligenz stärker für die automatisierte Bearbeitung von Kundenanliegen bei Energieversorgern einsetzen. Standardvorgänge wie Zählerstandsmeldungen, Umzüge oder Abschlagsfragen sollen sich damit weitgehend ohne manuelle Eingriffe verarbeiten lassen. mehr...
E-Rechnung: Versandpflicht wird ausgeweitet
[26.08.2026] Für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz verschärfen sich zum Jahreswechsel die Vorgaben für elektronische Rechnungen. Ab Januar 2027 müssen sie E-Rechnungen nach der europäischen Norm EN 16931 versenden. Ein Jahr später gilt die Vorgabe für alle Unternehmen. mehr...
KRITIS-Schutz: Resilienz ist Pflicht
[18.08.2026] Mit dem KRITIS-Dachgesetz sind Städte und Gemeinden unter Zugzwang: Bis Mai 2027 müssen Schutzkonzepte stehen. Doch zwischen gesetzlicher Pflicht und gelebter Resilienz klafft häufig noch eine gefährliche Lücke. mehr...
Maingau: Portfoliomanagement in der Cloud
[14.08.2026] Maingau hat sein Portfolio-Management auf eine Cloud-Lösung von Kisters umgestellt. Damit will der Energieversorger Handelsprozesse stärker automatisieren und weitere Funktionen in die Systemlandschaft integrieren. mehr...
Kundenservice: Vom Antrag zur Lösung
[13.08.2026] Stadtwerke können ihre Kundenservices mit durchgängigen End-to-End-Prozessen effizienter gestalten. Standardisierte Abläufe, intelligentes Routing und KI sollen Bearbeitungszeiten verkürzen und Mitarbeitende entlasten – entscheidend bleibt dabei die Verbindung von Technik, Daten und Menschen. mehr...
kraftwerk Software Gruppe: Joules erhält KI-Funktionen
[13.08.2026] Die kraftwerk Software Gruppe hat die Software Joules erweitert. Das aktuelle Release bringt KI-gestützte Funktionen für verschiedene Arbeitsabläufe sowie ein neu aufgebautes Kunden-, Lead- und Servicemanagement. mehr...
IT-Infrastruktur: Vollumfassende Integration
[11.08.2026] Neue digitale Angebote und gesetzliche Anforderungen überfordern die IT-Landschaften der Stadtwerke zunehmend. Insbesondere bei systemübergreifenden Prozessen reichen punktuelle Integrationen nicht mehr aus. Gefragt sind vielmehr durchgängige Prozessketten, die verteilte Anwendungen zuverlässig verbinden. mehr...
cortility: EDM-Kooperation mit endica
[11.08.2026] Das Unternehmen cortility überträgt die bislang von endica eingesetzten Lösungen für das Energiedatenmanagement auf SAP S/4HANA Utilities. Damit soll das Energiedatenmanagement für Strom und Gas auch in der neuen Systemlandschaft von endica verfügbar sein. mehr...
Kraftwerk Software Gruppe: Neue KI-gestützte Wissensplattform vorgestellt
[24.07.2026] Die Kraftwerk Software Gruppe hat mit der Lösung kraftwerk.Knowledge eine KI-gestützte Wissensplattform für Versorgungsunternehmen vorgestellt. Sie soll Stadtwerke bei der Dokumentation, der Einhaltung regulatorischer Vorgaben und der schnellen Suche nach Fachinformationen unterstützen. mehr...
Civitas Connect: Offene digitale Basisinfrastrukturen
[20.07.2026] Ein offener Brief fordert, bestehende offene Daten- und Integrationsplattformen stärker in die föderalen Digitalstrukturen einzubinden. Laut Initiator Civitas Connect richtet sich die Initiative an Bund, Länder und weitere zuständige Gremien. Kommunen, öffentliche Unternehmen und andere Organisationen können sich der Erklärung bis Ende September anschließen. mehr...
cortility: SAP-Umstellung bleibt eine Herausforderung
[17.07.2026] Mit dem Ende des Supports für SAP R/3 Ende 2027 wächst der Zeitdruck für Energieversorger. Nach Einschätzung des IT-Dienstleisters cortility werden jedoch zahlreiche Unternehmen den Termin nicht einhalten können. mehr...
enercity: Test für KI-Energie-Assistenten
[16.07.2026] enercity hat die Testphase eines KI-Energie-Assistenten gestartet, der Kundinnen und Kunden die Verwaltung ihres Energievertrags direkt über ChatGPT ermöglichen soll. Nach Angaben des Unternehmens können unter anderem Vertragsdaten eingesehen, Rechnungen abgefragt und Zählerstände übermittelt werden. mehr...
Stadtwerke Baden-Baden: Neue GIS-Plattform für alle Versorgungssparten
[10.07.2026] Die Stadtwerke Baden-Baden stellen ihre Geoinformations- und Netzsysteme schrittweise auf eine neue webbasierte Plattform um. Nach Angaben von VertiGIS soll damit eine integrierte Arbeitsumgebung für die Sparten Strom, Gas, Wasser und Fernwärme entstehen. mehr...
Mahnwesen: Lücke im SAP-System
[09.07.2026] Stadtwerke, die SAP im Mahnwesen einsetzen, müssen Mahngebühren manuell verbuchen. Das kostet wertvolle Arbeitszeit und birgt die Gefahr von Fehlbuchungen und Compliance-Risiken. Eine SAP-basierte Erweiterung automatisiert den Prozess und beseitigt diese Schwachstelle. mehr...










