Montag, 13. April 2026

BürgerbeteiligungKunden als Investoren

[13.04.2026] Mit ihrem Bürgerfinanzierungsmodell sammeln die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim zur Umsetzung der Energiewende benötigtes Kapital. Anleger profitieren dabei von attraktiven Zinsen. Diese Win-win-Situation war nur mit professioneller Unterstützung umsetzbar.

Die Biomethan-Energiezentrale Waldäcker III produziert jährlich etwa 39 Millionen Kilowattstunden Strom und rund 54 Millionen Kilowatt­stunden Wärme.

(Bildquelle: SWLB)

Baden-Württemberg hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und will bis spätestens 2040 klimaneutral werden. Da dem Heizen noch vor Verkehr und Strom die Rolle des größten Verbrauchers zukommt, ist die Wärmewende ein entscheidender Faktor auf diesem Weg. Das ist auch der Grund, warum das Ländle bei der kommunalen Wärmeplanung mehr auf die Tube gedrückt hat als andere Bundesländer. Die Städte Ludwigsburg und Kornwestheim waren entsprechend aktiv und haben ihre kommunalen Wärmeplanungen bereits Ende 2023 vorgelegt.

Für die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) bedeutet die Umsetzung einen hohen Kapitalbedarf: Für die Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur benötigt der regionale Umsorger rund eine Milliarde Euro. Neben dem Ausbau des Fernwärmenetzes, in das die SWLB bereits 2024 über neun Millionen Euro investiert haben, der Ertüchtigung des Stromnetzes, in die im selben Jahr mehr als 19 Millionen geflossen sind, und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur (rund elf Millionen Euro 2024) müssen weitere Anlagen gebaut und Maßnahmen ergriffen werden.

Gemeinsame Anstrengungen

Bei den SWLB ist man sich bewusst, dass die regionale Energie- und Wärmewende nur gemeinschaftlich gelingen kann. „Die Bürgerinnen und Bürger stehen im Mittelpunkt und helfen, die Energiewende umzusetzen, indem sie sich zu Prosumern entwickeln. Das heißt, sie haben eine eigene Photovoltaikanlage, einen Speicher, ein Energiemanagementsystem, eine Wallbox und vielleicht auch noch eine Wärmepumpe. All das wird miteinander vernetzt, und unsere Kunden werden gleichzeitig zu Erzeugern und Verbrauchern“, skizziert SWLB-Geschäftsführer Christian Schneider die Zukunft. Was auch erklärt, wieso die SWLB massiv investieren müssen – denn das Szenario setzt nicht nur klimaneutrale Energieerzeugungsanlagen, sondern auch stabile und flexible Netze sowie eine ausgereifte digitale Infrastruktur voraus.

Eigenkapitalbasis stärken

Doch woher das Geld nehmen? „Ein Großteil des benötigten Kapitals lässt sich auf dem klassischen Weg finanzieren, also über einen Bankkredit. Als Fundament hierfür ist allerdings eine solide Eigenkapitalbasis notwendig. Um diese zu stärken, haben wir uns entschieden, innovative Finanzierungsmodelle auf den Weg zu bringen – darunter mit SWLB KLIMA-Invest auch eine Bürgerfinanzierung“, erläutert Schneider. Ein Ansatz, der die Idee der Energiewende als Gemeinschaftsprojekt konsequent weiterdenkt: Die Bürgerinnen und Bürger sollen den Weg zur Klimaneutralität nicht nur als Prosumer, sondern mittels Genussrechten auch als Investoren begleiten.

Das Ziel der Ausgabe vinkulierter Namensgenussrechte besteht darin, sowohl für die SWLB als auch für Investoren Nutzen zu schaffen. Den Stadtwerken dient diese Finanzierungsform zur Kapitalbeschaffung, Anleger profitieren von attraktiven Zinssätzen und unterstützen gleichzeitig ein nachhaltiges Projekt. Im Oktober hat das Unternehmen die erste Genussrechtstranche mit einem Emissionsvolumen von sechs Millionen Euro aufgelegt. Privatpersonen können Beträge zwischen 1.000 und 25.000 Euro investieren, Unternehmen und Institutionen steht die Möglichkeit offen, höhere Summen einzusetzen. Die Anlage wird über eine Laufzeit von fünf Jahren jährlich mit 3,25 Prozent verzinst, wobei SWLB-Kunden einen erhöhten Zinssatz von 3,75 Prozent pro Jahr erhalten.

Externe Anlagevermittler

Die Umsetzung der Bürgerfinanzierung ist einem Stadtwerk allerdings nicht ohne Unterstützung von außen möglich. „Der Gesetzgeber gibt vor, dass der Vertrieb einer Bürgerfinanzierung zwingend von einem externen Anlagevermittler über dessen Internet-Dienstleistungsplattform erfolgen muss. Weshalb wir uns mit der Dallmayer Consulting GmbH einen Partner ins Boot geholt haben, der nicht nur über die erforderliche Erlaubnis, sondern auch über jahrelange Erfahrung im kommunalen Bereich verfügt“, erläutert Bert Hoffmann, Geschäftsführer der SWLB-Tochtergesellschaft NEA.

Die erste Erkenntnis aus dieser Kooperation war, dass die mit ihrer Vielzahl an Sparten komplex strukturierten SWLB aus Gründen der Transparenz gut daran tun, ihre Bürgerfinanzierung über eine hundertprozentige Tochtergesellschaft abzubilden. Die eigens zu diesem Zweck gegründete SWLB Nachhaltige Erzeugungsanlagen GmbH (SWLB-NEA) hat die Aufgabe, innovative Energieerzeugungsanlagen sowie weitere Anlagen zur Unterstützung der Energiewende zu errichten und an ihre Muttergesellschaft zu verpachten. Erste Anlage im Portfolio der NEA ist die im Mai 2025 ans Netz gegangene Biomethan-Energiezentrale Waldäcker III. Im Bau befindet sich derzeit zudem der erste von fünf geplanten Batteriespeichern. Diese sollen nicht nur die regionale Integration erneuerbarer Energien stärken und für Resilienz sorgen, sondern künftig auch aktiv am Strommarkt und an Systemdienstleistungen teilnehmen und so neue Einnahmequellen schaffen.

Vergabe von Genussrechten

„Trotz gelegentlicher Bedenken von Verbraucherschützern haben wir uns für die Vergabe von Genussrechten entschieden, da diese mit ihrer festen Verzinsung ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis bieten“, so Hoffmann. Was im konkreten Fall auch sehr viel damit zu tun habe, dass die üblichen mit Genussrechten verbundenen Risiken durch die Vertragsgestaltung zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft massiv abgemildert werden: „Voraussetzung für die Auszahlung der Genussrechtszinsen ist ein positives Jahresergebnis der SWLB-NEA. Da zwischen den Gesellschaften vertraglich geregelt ist, dass die NEA ihre Kosten zuzüglich eines Gewinn- und Verwaltungskostenaufschlags an die SWLB weiterberechnen kann, ist ihr positives Ergebnis so lange sichergestellt, wie die kommunal getragene SWLB ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Blickt man auf deren Zahlen der vergangenen Jahre, gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass dies auf absehbare Zeit nicht der Fall sein könnte“, so Hoffmann weiter.

Erste Tranche erfolgreich

In der im Oktober gestarteten Tranche waren bis Ende Januar Genussrechte in Höhe von über vier Millionen Euro vergeben. „Da sich die Emissionsphase über die Jahreswende erstreckt hat, ist das aktuelle Ergebnis ein voller Erfolg. Trotz dunkler Jahreszeit und Feiertagsstress wurden in wenigen Wochen mehr als zwei Drittel des gewünschten Emissionsvolumens erreicht. Das spricht für das Vertrauensverhältnis zwischen dem Emittenten und der Bevölkerung und spiegelt die positive Resonanz durch die Ludwigsburger wider“, bilanziert Johann Dallmayer, Geschäftsführer der Dallmayer Consulting GmbH, mit Blick auf vergleichbare Bürgerfinanzierungsprojekte. 

Vor diesem Hintergrund haben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim im Februar eine erneute Marketingkampagne gestartet, die erste Tranche dann aber zum Monatsende geschlossen. Hauptgrund dafür war, dass neue Tranchen erst mit einem Jahr Abstand nach Beendigung ihrer Vorgängertranchen gestartet werden können. „Auch wir bei den SWLB sind mit dem Erfolg der ersten Runde hochzufrieden. Allerdings wollten wir uns die Möglichkeit offenhalten, im Frühjahr 2027 eine neue Tranche mit an die Marktentwicklung angepassten Zinskonditionen ins Leben zu rufen“, blickt SWLB-Geschäftsführer Christian Schneider in die Zukunft.

Jens Nusser ist für die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH (SWLB) zuständig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Finanzierung
Hauptsitz des Stadtwerks am See in einem modernen, dreigeschossigen Bürogebäude mit grauer Fassade, umgeben von Bäumen und Grünflächen, mit Parkplatz und Firmenschild im Vordergrund.

Stadtwerk am See: Finanziell attraktive Geldanlage

[03.03.2026] Die Kunden des Stadtwerks am See in Konstanz haben die Möglichkeit, sich am Erfolg des gesamten Unternehmens zu beteiligen. Der kommunale Versorger gibt zehn Millionen Euro in Form von Genussrechten aus. mehr...

Visualisierung des Agri-Solarparks in Münster-Amelsbüren mit aufgeständerten Solarmodulen über landwirtschaftlicher Fläche; darunter wächst Getreide, ein Traktor fährt zwischen den Modulreihen bei tief stehender Sonne.

Stadtwerke Münster: Bürgerbeteiligung an Solarpark

[25.02.2026] Die Stadtwerke Münster bieten eine Bürgerbeteiligung an einem neuen Agri-Solarpark an. Das Projekt verbindet Stromerzeugung mit Landwirtschaft. Anlegerinnen und Anleger erhalten vier Prozent Zinsen pro Jahr bei einer Laufzeit von zehn Jahren. mehr...

VKU/BDEW: Stellungnahme zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur

[19.02.2026] Die Branchenverbände VKU und BDEW haben sich jetzt jeweils zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur zu möglichen Einspeisenetzentgelten positioniert. Beide Verbände begrüßen Reformschritte bei den Stromnetzentgelten, lehnen dynamische Einspeiseentgelte jedoch ab. mehr...

Bundesnetzagentur: Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt

[19.02.2026] Die Bundesnetzagentur hat jetzt Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Behörde Stromerzeuger ab 2029 systematisch an den Netzkosten beteiligen und dafür ein Kapazitätsentgelt sowie dynamische Einspeiseentgelte einführen will. mehr...

Sachsen: Förderbank unterstützt Energiewendeprojekte

[19.02.2026] Der Sachsenkredit Energie und Speicher der Sächsischen Aufbaubank finanziert Photovoltaik-, Windkraft- und Speicherprojekte in Sachsen. Wie das Instrument 2025 Investitionen von rund 1,2 Millionen Euro ermöglichte und was das für kommunale Infrastruktur bedeutet, zeigt das Beispiel Bad Muskau. mehr...

Marktoffensive Erneuerbare Energien: Vertragsmuster für virtuelle Power Purchase Agreements vorgelegt

[18.02.2026] Die Marktoffensive Erneuerbare Energien hat jetzt ein Vertragsmuster für virtuelle Power Purchase Agreements vorgelegt. Damit soll der bislang wenig verbreitete vPPA-Markt in Deutschland standardisiert und für Unternehmen rechtssicherer zugänglich werden. mehr...

Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim: Bürgerfinanzierungsmodell erreicht Schlussphase

[04.02.2026] Die Bürgerfinanzierung SWLB KLIMA-Invest der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim steuert auf die Schlussphase zu. Bis zum 1. März können sich Interessierte noch beteiligen, nachdem bereits über vier Millionen Euro gezeichnet wurden. mehr...

Screenshot der REWAG-Crowd-Website mit Startförderung: Links Text „Startförderung“ mit Erklärung zum 500-Euro-Starterbonus für die ersten fünf Projekte und grünem Button „Projekt starten“. Rechts ein Foto im Freien mit zwei Personen, die eine Raketen-Grafik und einen grünen Kreis mit „500 € Starterbonus“ hochhalten. Unten ein grüner Balken mit dem Hinweis „50.000 € noch im Fördertopf!“. (Bildquelle: www.rewag-crowd.de)

REWAG: Crowdfunding-Plattform gestartet

[03.02.2026] Ab sofort können Vereine und Initiativen aus Regensburg und der Region ihre gemeinnützigen Projekte online vorstellen. Wie die REWAG mitteilt, steht dafür ein Fördertopf in Höhe von 50.000 Euro bereit. Die Plattform soll lokale Vorhaben sichtbarer machen und sie finanziell unterstützen. mehr...

Schleswig-Holstein: Erhöhung des Bürgerenergiefonds

[20.01.2026] Schleswig-Holstein erhöht den Bürgerenergiefonds um weitere fünf Millionen Euro und stärkt damit die Finanzierung von Energieprojekten in Bürgerhand. Das Gesamtvolumen des Fonds steigt auf 15 Millionen Euro und soll neue Wind-, Solar- und Wärmeprojekte anschieben. mehr...

Niedersachsen: Gewerbesteueraufkommen für Offshore-Windparks gesichert

[07.01.2026] Niedersachsen ordnet die Gewerbesteuer für Offshore-Windparks neu und sichert damit dauerhaft hohe Einnahmen für seine Kommunen. Kern der Regelung ist die Zuweisung der Hebeberechtigung an Wilhelmshaven ab 2026, mit umfangreichen Umverteilungseffekten über den Kommunalen Finanzausgleich. mehr...

Kreis Freising: Floor-Vertrag für Batteriespeicher abgeschlossen

[18.12.2025] Ein Floor-Vertrag zwischen MVV Trading und der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land soll die Wirtschaftlichkeit eines neuen Batteriespeichers sichern. Das Konzept verbindet eine garantierte Mindestvergütung mit der flexiblen Vermarktung an Strom- und Regelenergiemärkten. mehr...

Hessen: Bürgschaftsrahmen für kommunale Energienetze

[25.11.2025] Hessen will kommunale Energienetze stärken und stellt dafür einen Bürgschaftsrahmen von bis zu einer Milliarde Euro bereit. Nach Angaben der Stadt Hanau soll das neue Programm Stadtwerken den Zugang zu Kapital erleichtern und Investitionen in Infrastruktur beschleunigen. mehr...

Mainz: Fördermittel ausgeschöpft

[24.11.2025] Das Mainzer Förderprogramm für Photovoltaik-Speicher ist beendet, die Mittel aus dem kommunalen Investitionsprogramm KIPKI sind vollständig vergeben. Rund 500.000 Euro ermöglichten den Bau hunderter Anlagen mit großer Solar- und Speicherkapazität. mehr...

SWLB: Bürgerfinanzierungsmodell trifft auf hohe Nachfrage

[20.11.2025] Das Bürgerfinanzierungsmodell SWLB KLIMA-Invest hat kurz nach dem Start die Marke von fünf Millionen Euro erreicht. Für weitere Anleger steht laut Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim noch knapp ein Millionbetrag bereit. mehr...