Donnerstag, 30. April 2026

VKUKurskorrektur beim Offshore-Ausbau gefordert

[28.01.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen fordert anlässlich des Nordsee-Gipfels eine Kurskorrektur beim Ausbau der Offshore-Windenergie. Ziel sei ein Ausbaupfad, der Systemkosten begrenzt, Netze besser auslastet und Investitionen wirtschaftlich tragfähig macht.

Der VKU fordert anlässlich des Nordsee-Gipfels eine Kurskorrektur beim Ausbau der Offshore-Windenergie.

(Bildquelle: akz/123rf)

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) verlangt einen Realitätscheck beim Ausbau der Windenergie auf See. Wie der VKU anlässlich des Nordsee-Gipfels mitteilt, müsse der Offshore-Ausbau stärker auf bezahlbaren Strom, effiziente Netznutzung und wirtschaftlich tragfähige Investitionen ausgerichtet werden. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing erklärte, Ziel sei ein Ausbau, „der bezahlbaren Strom liefert und Investitionen verantwortbar macht“. Dafür brauche es klare Leitplanken, darunter eine Begrenzung des Netzausbaus durch Überbauung, die Vermeidung von Verschattungseffekten zwischen Windparks sowie eine Reform der Ausschreibungsverfahren.

Warnung vor steigenden Systemkosten

Nach Angaben des Verbands erreichen die geplanten Investitionen in Offshore-Windkraft einschließlich Netzanbindung ein Volumen von mehreren hundert Milliarden Euro. Liebing zufolge müssten Offshore-Anlagen deutlich mehr Volllaststunden erzielen als moderne Windkraftanlagen an Land, um dieses Geschäftsmodell zu tragen. In der Praxis werde dieses Ziel jedoch häufig verfehlt. Gleichzeitig verzeichne die Branche starke Kostensteigerungen sowohl beim Ausbau der Übertragungsnetze als auch bei der Errichtung von Offshore-Anlagen. Diese Entwicklung betreffe nicht nur Deutschland, sondern sei europaweit und international zu beobachten. In der Folge scheiterten derzeit zahlreiche Projekte. Da der Netzausbau auf See und an Land eine zwingende Voraussetzung für zusätzliche Offshore-Leistung sei, warnt der VKU vor steigenden Systemkosten. Diese könnten sich laut Liebing über einen Zeitraum von 20 Jahren auf mehr als 200 Euro pro Megawattstunde summieren.

Ehrliche Bestandsaufnahme

Der Verband fordert daher eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine klare Priorisierung. Der Netzausbau solle auf unvermeidbare Projekte beschränkt bleiben, während die Auslastung bestehender Infrastruktur maximiert werde. Zudem spricht sich der VKU für wettbewerbsorientiertere Ausschreibungen aus, die auch kleineren Akteuren Marktzugang ermöglichen. Damit lasse sich das Risiko großer Projektbündel verringern, die bei einem Scheitern erhebliche Auswirkungen auf den Ausbaupfad hätten. Für die Deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone plädiert der Verband für eine system- und kosteneffiziente Planung.

Inhaltlich setzt der VKU auf Entzerrung statt weitere Verdichtung der Offshore-Flächen. Eine stärkere Koordinierung mit den Anrainerstaaten der Nordsee und gemeinsame Projekte könnten Erträge steigern und Netzkapazitäten besser nutzen. Liebing verwies darauf, dass gegenseitige Verschattung die Stromerträge spürbar mindere und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlagen beeinträchtige. Aus Sicht des VKU sei eine Zielgröße von 45 bis 50 Gigawatt installierter Leistung in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone realistisch und verantwortbar.

Richtige Weichenstellung

Positiv bewertet der Verband jüngste Schritte des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie der Bundesregierung. Die Vorgaben zur Überbauung von Netzanschlusspunkten und die stärkere Ausrichtung auf höhere Netzauslastung wertet der VKU als richtige Weichenstellungen. Nach Darstellung des Verbands zeigten diese Ansätze, dass Effizienzgewinne möglich seien, ohne den Ausbau allein über zusätzliche Flächen und Kapazitäten zu treiben.

Auch an Land sieht der VKU erheblichen Handlungsbedarf. Der Strom aus Offshore-Windparks gelange erst nach der Umspannung auf 110-Kilovolt-Verteilnetze und niedrigere Spannungsebenen zu den Verbrauchern. Diese Netze müssten vielerorts kurzfristig verstärkt werden. Der Verband fordert dafür schnellere und praxistauglichere Genehmigungsverfahren, insbesondere für die Ertüchtigung bestehender Trassen. Der Schwerpunkt solle auf der Modernisierung vorhandener Infrastruktur liegen, nicht auf dem Neubau zusätzlicher Leitungen.

Insgesamt wirbt der VKU für eine Offshore-Strategie, die technische Machbarkeit, wirtschaftliche Vernunft und europäische Abstimmung verbindet. Nach Darstellung des Verbands müsse die Energiewende nicht nur schneller, sondern vor allem bezahlbar und dauerhaft tragfähig umgesetzt werden.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik Windenergie
Mehrere moderne Windenergieanlagen stehen im Windpark Minfeld in einer offenen Agrarlandschaft. Die hohen Windräder drehen sich über Feldern und Wegen, im Hintergrund sind weitere Anlagen sowie eine leicht hügelige Landschaft zu erkennen.

JUWI: Repowering in Minfeld

[02.04.2026] Im Landkreis Germersheim sind zwei neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen worden. Sie ersetzen vier ältere Anlagen und werden deutlich mehr Strom erzeugen. Laut den Betreibern steigt der Ertrag des Windparks dadurch erheblich. mehr...

Mehrere Windräder stehen in einer offenen Landschaft und drehen sich im Licht der untergehenden oder aufgehenden Sonne. Im Vordergrund ist ein großes, gebogenes Bauteil einer Windenergieanlage zu sehen, das den Blick auf die Anlagen im Hintergrund teilweise einrahmt.

Bundesnetzagentur: Windkraft-Ausschreibung deutlich überzeichnet

[01.04.2026] Die Nachfrage nach neuen Windkraftprojekten in Deutschland bleibt hoch. So war die jüngste Ausschreibung mehr als doppelt überzeichnet. Branchenvertreter sehen darin ein Signal für zusätzliche Ausbaupotenziale. mehr...

Bau einer Windkraftanlage aus der Vogelperspektive: Ein Kran hebt Turmteile über einem Waldgebiet, Arbeiterinnen und Arbeiter sind am Fundament im Einsatz.

Bundesrat: Initiative für mehr Windkraft

[30.03.2026] Der Bundesrat hat eine Initiative zur Förderung der Windenergie an Land beschlossen. Noch im Jahr 2026 soll eine Sonderausschreibung über 5.000 Megawatt erfolgen. Mehrere Bundesländer unterstützen den Vorstoß. Auch vom BDEW kommt Zustimmung. mehr...

Uniper: Stadtwerke Wolfenbüttel erhalten Windstrom

[30.03.2026] Uniper liefert künftig Windstrom aus Niedersachsen exklusiv an die Stadtwerke Wolfenbüttel. Der Vertrag soll regionale Ökostromangebote stärken und zeigen, wie Post-EEG-Windparks wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. mehr...

NRW: Tool zur Artenschutzprüfung soll Genehmigungsverfahren verkürzen

[27.03.2026] Nordrhein-Westfalen führt ein digitales Tool ein, das Artenschutzprüfungen für Windenergieanlagen automatisiert erstellt. Das soll Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen und den Ausbau der Windkraft bei gleichbleibenden Schutzstandards beschleunigen. mehr...

Frankfurt am Main: Infrastruktur für Windpark entsteht

[25.03.2026] Mainova hat jetzt mit den Erschließungsarbeiten für den Windpark Schäferköppel im Norden Frankfurts begonnen. Das Projekt schafft die Grundlage für vier leistungsstarke Anlagen und soll ab 2027 regionalen Grünstrom liefern. mehr...

Badenova: Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz gestartet

[25.03.2026] Der Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz mit fünf Großanlagen startet mit der Fundamentierung. Das Projekt soll ab Ende 2026 klimafreundlichen Strom für rund 50.000 Menschen liefern und markiert einen wichtigen Schritt für die regionale Energiewende. mehr...

Trianel: Vier neue Windparks erworben

[23.03.2026] Trianel baut seine Windenergieaktivitäten aus und sichert sich vier neue Projekte mit rund 100 Megawatt Leistung. Die Kooperation mit BMR soll Entwicklung, Finanzierung und Betrieb bündeln und den Ausbau trotz schwieriger Rahmenbedingungen beschleunigen. mehr...

Windenergieanlage auf einer Waldlichtung im Schwarzwald, umgeben von dichtem Wald und Mittelgebirgslandschaft unter wolkigem Himmel.

Süddeutschland: Milliardenpotenzial durch mehr Windkraft

[12.03.2026] Eine aktuelle Studie plädiert für einen stärkeren Ausbau der Windenergie in Süddeutschland. Mehr Windkraftanlagen in Bayern und Baden-Württemberg könnten die Kosten im Stromsystem deutlich senken. Branchenverbände fordern deshalb eine Änderung der Förderregeln. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Stadtwerke Tübingen: Geplanter Windpark wird verkleinert

[02.03.2026] Die Stadtwerke Tübingen reduzieren den geplanten Windpark Rammert von 13 auf zehn Anlagen. Grundlage sind neue Windmessungen und Gutachten, die Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit einzelner Standorte neu bewerten. mehr...

Baden-Württemberg: KI soll Genehmigung von Windkraftanlagen beschleunigen

[26.02.2026] Baden-Württemberg beschleunigt die Genehmigung von Windkraftanlagen mit KI-gestützten Prüf- und Assistenzsystemen. Angesichts von mehr als 1.000 neuen Anträgen im Jahr 2025 und fast 1.800 Projekten in Planung soll die Digitalisierung Verfahren weiter verkürzen und Investitionen absichern. mehr...

50Hertz: Unterlagen für Seetrasse eingereicht

[17.02.2026] 50Hertz hat die Genehmigungsunterlagen für die Seetrasse des Offshore-Projekts Ostwind 4 vollständig eingereicht, darunter erstmals eine 525-Kilovolt-Hochspannungsgleichstromübertragung in der deutschen Ostsee. Damit startet das formelle Verfahren für den Netzanschluss eines Ein-Gigawatt-Windparks nordöstlich von Rügen und rückt die Realisierung des Vorhabens näher. mehr...

RWE: Hochzeitsvorbereitungen für Offshore-Umspannwerke

[12.02.2026] Zwei Offshore-Umspannwerke für das 1,6-Gigawatt-Nordseecluster sind in Saint-Nazaire fertiggestellt und bereit für den Einsatz vor der deutschen Küste. Mit der Installation der bis zu 2.500 Tonnen schweren Plattformen rückt die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts 2027 näher. mehr...

RWE: Stromabnahmevertrag mit Amazon geschlossen

[04.02.2026] RWE und Amazon haben einen Stromabnahmevertrag über 110 MW Offshore-Windenergie aus dem Projekt Nordseecluster B geschlossen. Der Vertrag stärkt den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland und unterstützt Amazons Ziel der CO2-Neutralität bis 2040. mehr...