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EnzkreisMitstreiter gesucht

[21.05.2013] Mit der Teilnahme am European Energy Award (eea) hat der Enzkreis aufs richtige Pferd gesetzt, ist Landrat Karl Röckinger überzeugt und hofft, dass durch die Auszeichnung möglichst viele Gemeinden im Kreis für das Thema Klimaschutz gewonnen werden können.
Karl Röckinger

Karl Röckinger

Karl Röckinger (parteilos) ist seit Juli 2003 Landrat des Enzkreises. Er hat Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg studiert. Röckinger ist seit 1979 beim Landratsamt Enzkreis beschäftigt, ab 1985 bis zu seiner Wahl als Kommunaler Dezernent fü

(Bildquelle: Enzkreis)

Herr Röckinger, aus welchen Gründen engagieren Sie sich für die Themen Energie und Klimaschutz und welche Bedeutung hat der European Energy Award für den Enzkreis?

Für mich gibt es keine Alternative zur Energiewende, und dazu möchten wir als Enzkreis unseren Beitrag leisten. Dieses große Zukunftsthema als Landkreis anzugehen, ist allerdings nicht einfach. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der European Energy Award das richtige Instrument ist, um zu sehen, wo wir stehen und um zu definieren, wo wir hinwollen und wie wir unsere Ziele erreichen können. Die Auszeichnung in Gold war für uns eine tolle Bestätigung, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben. Der Preis wirkt natürlich auch nach außen in Richtung unserer Gemeinden und der Kreispolitiker, die wir für dieses wichtige Thema gewinnen wollen. Vor allem aber bedeutet der European Energy Award einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess auf dem Weg hin zu unserem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Durch den eea haben wir es geschafft, dass Aspekte des Klimaschutzes und Energiefragen nun bei allen Entscheidungen mehr Gewicht haben.

„Wir machen seit vielen Jahren eine Politik, die auf kurzfristige Effekthascherei verzichtet.“
Wie hat es der Kreis geschafft, aus dem Stand heraus den Goldstatus zu erreichen?

Der Enzkreis versucht seit vielen Jahren, eine Politik zu machen, welche die Schöpfung bewahrt und auf kurzfristige Effekthascherei verzichtet. Insofern hatten wir in vielen Bereichen eine gute Ausgangsposition. Dass wir auf Anhieb ganz vorne dabei waren, liegt aus meiner Sicht an folgenden Faktoren: Wir verfügen über ein engagiertes Team, das dieses große Projekt in kurzer Zeit stemmen konnte und viel Eigeninitiative, Tatkraft und Kreativität gezeigt hat. Unser Umweltdezernent und unsere Klimaschutzbeauftragte leisteten ein gutes Projekt-Management, und wir hatten von Anfang an den nötigen Ehrgeiz.

Wie schwierig ist es, die kreisangehörigen Kommunen zum Mitmachen zu motivieren?

Wir haben das Glück, dass eine der besten eea-Kommunen, die Gemeinde Wiernsheim, zum Enzkreis gehört. Als zweite Gemeinde im Kreis ist Engelsbrand, mein Wohnort, mit uns in den eea gestartet und wurde mittlerweile ebenfalls ausgezeichnet. Andere Kommunen überlegen bereits, ob sie sich beteiligen sollen. Insgesamt ist das Thema bei uns jedoch noch recht neu und zu wenig bekannt. Wir legen deshalb großen Wert auf Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit, um möglichst viele Kommunen zum Mitmachen zu bewegen. Denn die Städte und Gemeinden sind die Hauptakteure der Energiewende. Die Fraktionen waren bei der Preisverleihung in Brüssel dabei, mit den Bürgermeistern werden wir im Oktober eine Exkursion nach Oberschwaben und Vorarlberg machen, um zu zeigen, wie weit andere Kommunen sind und um von diesen zu lernen.

Woran orientieren Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Energie- und Klimaschutzpolitik?

Wir orientieren uns an den Anforderungen des eea und an den Vorgaben im geplanten Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg. Im Vorgriff darauf haben wir unser eigenes Klimaziel so formuliert, dass wir die CO2-Emissionen bis 2020 um 25 Prozent reduzieren möchten, bis 2050 wollen wir klimaneutral sein. Das Klimaziel ist nun Teil unseres Leitbildes und damit verbindlich. Der eea definiert europäisch einheitliche Anforderungen, die es erlauben, uns mit anderen Kommunen zu vergleichen und vom Besseren zu lernen. Wir stehen seither zum Beispiel in engem Kontakt mit den beiden Pilotlandkreisen Ravensburg und Böblingen.

Welche Ziele hat sich der Enzkreis für die Zukunft gesteckt?

Wir möchten bei allem, was wir tun, immer in drei Schritten denken und handeln: Wie können wir erstens CO2 vermeiden, zweitens CO2 vermindern und drittens CO2 kompensieren? Als Landkreis wollen wir einen eigenen Beitrag leisten sowie Vorbild und Vorreiter sein. Uns ist bewusst, dass wir beim Thema Klimaschutz möglichst viele Mitstreiter brauchen und weit über unseren Tellerrand hinausschauen müssen. Deshalb vernetzen wir uns beispielsweise mit Nachbarkreisen, den Regionalverbänden und den Energieversorgern und versuchen möglichst viele Akteure an einen Tisch zu bekommen. Wir werden jedenfalls alles dafür tun, um den Gold-Standard zu halten. Dies erfordert große Anstrengungen, weil die Anforderungen in diesem Jahr gestiegen sind. 2015 wird die nächste Zertifizierung sein, dazwischen finden jährliche Re-Audits statt.

Welche Unterstützung für die kommunale Energiewende würden Sie sich vonseiten der Bundesregierung wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass klare Ziele gesetzt und diese stringent und beherzt realisiert werden. Der Klimawandel duldet keinen Aufschub. In Verantwortung für die nachfolgenden Generationen sollte man schnell handeln und eindeutige Weichen stellen. Der momentane Kurs verunsichert viele. Auch in der Politik sollte man bei diesem drängenden Thema an einem Strang ziehen. Wenn Deutschland die Energiewende schafft, dann hat das weltweit eine große Signalwirkung.

Interview: Bettina Schömig

Karl, RöckingerKarl Röckinger (parteilos) ist seit Juli 2003 Landrat des Enzkreises. Er hat Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg studiert. Röckinger ist seit 1979 beim Landratsamt Enzkreis beschäftigt, ab 1985 bis zu seiner Wahl als Kommunaler Dezernent für Soziales, Jugend und Verkehr.



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