Sonntag, 21. Juni 2026

VfEWNetz der Energiewende

[03.07.2015] Der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) hat mit Klaus Saiger einen neuen Präsidenten gewählt. Auf der Jahresversammlung forderte er mehr Investitionsanreize für den Netzausbau. Vor allem die Verteilnetze wurden diskutiert.
Klaus Saiger (links) folgt auf Rudolf Kastner als neuer Präsident des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW).

Klaus Saiger (links) folgt auf Rudolf Kastner als neuer Präsident des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW).

(Bildquelle: Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V.)

„Die Energiewende findet im Verteilnetz statt.“ Das sagte Netze BW Geschäftsführer Christoph Müller im Rahmen des Energieforums des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW). Am 1. Juli 2015 kamen die Verbandsmitglieder in Marbach am Neckar zu ihrer Jahrestagung zusammen. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Klaus Saiger, Geschäftsführer der FairNetz GmbH Reutlingen, zum neuen Verbandspräsidenten gewählt. Er folgt auf Rudolf Kastner, Vorstandsvorsitzender der EGT AG, der sich nach siebenjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellte. Er bleibe dem VfEW aber als Präsidiumsmitglied erhalten.

Bedeutung der Verteilnetze

Anlässlich seiner Wahl forderte Saiger eine stärkere Geschlossenheit bei der Umsetzung der Energiewende. Dem Netzausbau werde bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ob die Netze fit für die Zukunft sind, war zentrales Thema des Energieforums. Im Fokus standen die Verteilnetze. Denn die öffentliche Diskussion rund um den Netzausbau dominieren vor allem die Übertragungsnetze, so Helmfried Meinel (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerialdirektor des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. „Dabei dürfen wir die Verteilnetze nicht aus den Augen verlieren. Denn die Ausweitung dezentraler Erzeugungsanlagen führt vor allem in ländlichen Gebieten mit geringer Abnahme und hoher Erzeugung zu erheblichen Rückeinspeisungen in das vorgelagerte Netz, was den Ausbau der Verteilnetze erforderlich macht.“ Saiger ergänzt: „Etwa 90 Prozent aller Erneuerbare-Energien-Anlagen werden in den Verteilnetzen angeschlossen. Dies sind alleine in Baden-Württemberg über 210.000 Kilometer, welche von über 130 Unternehmen betrieben werden. Der Netzausbau ist notwendig, um die Erneuerbaren zu integrieren und der zunehmenden Dezentralität Rechnung zu tragen.“ Den Verteilnetzen in Baden-Württemberg widmet sich jetzt das Umweltministerium Baden-Württemberg. Laut Helmfried Meinel ist eine Verteilnetzstudie für Baden-Württemberg in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern geplant. „Schwerpunkt soll ein Szenario-Rahmen sein, auf dessen Grundlage der Ausbaubedarf der Verteilnetze genauer geplant werden kann. Außerdem soll untersucht werden, wie dezentrale Speicher den Ausbau beeinflussen und reduzieren können.“ Die Studie soll laut Meinel noch im Juli ausgeschrieben werden. Die Vergabe ist für Herbst geplant, erste Ergebnisse erwarte man im ersten Quartal 2016.

Gefahr der Komplexität

Geschlossenheit herrscht bei den am Netzausbau beteiligten Gruppierungen noch nicht. Das wurde vor allem in der Podiumsdiskussion deutlich. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will laut Jean-Marc Behringer, Referatsleiter Anreizregulierung, Vergleichsverfahren bei der BNetzA, den Netzbetreiber dazu bringen, innovativ zu sein und dennoch zu investieren. Das Plenum kritisierte die vorgeschlagenen Maßnahmen als nicht praktikabel – Wissenschaft und Tatsachen stehen einander entgegen. Der neue Verbandspräsident Saiger griff vor diesem Hintergrund in seinem Schlusswort die Komplexität der Thematik auf: „Die Technik wird immer komplexer, die Gesetze auch. Über Gesetze und Verordnungen, die der Normalbürger versteht, sind wir in unserer Branche bereits hinaus. Und wir laufen Gefahr, dass die Thematik so komplex wird, dass am Ende nur noch wenige Spezialisten verstehen, was eigentlich vor sich geht und dabei auch nicht mehr das Gesamtsystem im Blick haben. Deshalb meine Bitte an alle, an Politik, Behörden und Ministerien: Keep it simple soweit möglich.“



Stichwörter: Politik, Klaus Saiger, Netze, VfEW


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

BDEW Kongress 2026: Branche fordert Planungssicherheit

[11.06.2026] Die Energiebranche fordert von der Bundesregierung zügige Entscheidungen bei zentralen energiepolitischen Vorhaben. Beim BDEW Kongress 2026 warnten Verbandsvertreter vor Verzögerungen bei wichtigen Gesetzen und forderten mehr Planungssicherheit für Investitionen. mehr...

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), spricht auf der Bühne des BDEW-Kongresses 2026 an einem Rednerpult. Hinter ihr ist das Kongresslogo auf einer großflächigen, violett beleuchteten Bühnenwand zu sehen. Im Vordergrund stehen die roten Buchstaben des BDEW-Logos. Die Aufnahme zeigt ihren Auftritt während der Eröffnung der Fachveranstaltung.

BDEW Kongress 2026: Verband drängt auf schnelle Beschlüsse

[11.06.2026] Der BDEW fordert von der Bundesregierung ein abgestimmtes Energiepaket für 2026. Nach Ansicht des Verbands müssen mehrere zentrale Gesetzesvorhaben zügig beschlossen werden, um Investitionen in die Energieinfrastruktur abzusichern. mehr...

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche spricht auf dem BDEW-Kongress 2026 an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Hinter ihr zeigt eine überdimensionale Leinwand eine Nahaufnahme der Ministerin während ihrer Rede. Der Bühnenhintergrund ist in violetten und magentafarbenen Tönen gestaltet und trägt das Logo „BDEW Kongress 2026“.

BDEW Kongress 2026: Reiche wirbt für Energiekonsens

[11.06.2026] Auf dem BDEW Kongress setzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein Zeichen. Um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten, sei ein Energiekonsens zwischen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft notwendig. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn politische Ziele und energiewirtschaftliche Realität zusammengeführt würden. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...

Titelbild des „Fortschrittsmonitors 2026 Energiewende“ von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu sehen ist eine Person mit Schutzhelm und Sicherheitsgeschirr, die auf dem Maschinenhaus einer Windenergieanlage sitzt und über eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Windrädern blickt. Links im Bild steht der Schriftzug „Fortschrittsmonitor 2026 Energiewende“ in einem farbigen Rahmen. Unten rechts sind die Logos von EY und BDEW platziert. Die Szene vermittelt den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland.

BDEW/EY: Fortschritte bei der Energiewende

[02.06.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung sind in Deutschland 2025 weiter vorangekommen. Das geht aus dem aktuellen Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY hervor. Gleichzeitig sehen die Herausgeber erheblichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. mehr...

EEG-Novelle: Bayern und Baden-Württemberg fordern Änderungen

[02.06.2026] Baden-Württemberg und Bayern fordern im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen und bessere Bedingungen für Projekte im Süden, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu stärken. mehr...

Energieministerkonferenz: Geschlossenes Signal für die Energiewende

[27.05.2026] Die Energieministerkonferenz auf Norderney hat sich geschlossen für den weiteren Ausbau der Energiewende ausgesprochen und zugleich neue Maßnahmen für Versorgungssicherheit, Netzausbau und Kraftwerksplanung beschlossen. mehr...

GModG: BSW-Solar begrüßt Stärkung der Solarthermie

[19.05.2026] Das Bundeskabinett will Solarthermie im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz stärken und den Einsatz von Solarkollektoren beim Heizungstausch erleichtern. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet dadurch neue Impulse für den Wärmemarkt, kritisiert aber zugleich die geplante Deckelung des CO₂-Preises. mehr...

VKU/BDEW: Stellungnahme zu neuen Gesetzentwürfen

[18.05.2026] Die Bundesregierung vergangenen Mittwoch die Entwürfe für das Gebäudemodernisierungsgesetz und das neue Kraftwerksgesetz beschlossen. Der VKU und BDEW begrüßen die Signale für Wärme- und Versorgungssicherheit, sehen aber große Risiken bei Infrastrukturplanung, Wettbewerb und Investitionsbedingungen. mehr...

Mehrstöckiges Wohnhaus mit Holzfassade und großer Photovoltaikanlage auf dem Dach in einem grünen Wohngebiet. Das Gebäude verfügt über Balkone, große Fenster und eine Terrasse mit Sitzmöbeln. Im Hintergrund sind weitere Häuser, Bäume und eine hügelige Landschaft zu sehen.

Baden-Württemberg: Energiebranche begrüßt Koalitionsvertrag

[07.05.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sieht im neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU eine Grundlage für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Der Verband fordert zugleich ein konsequentes Vorgehen der künftigen Landesregierung. mehr...

Netzausbau: Neue Stromleitungen geplant

[04.05.2026] Die Bundesregierung will den Ausbau der Stromnetze beschleunigen und neue Leitungen planen. Ein Gesetzentwurf sieht 45 zusätzliche Projekte vor. Ziel sind mehr Planungssicherheit und geringere Kosten im Energiesystem. mehr...

Arbeiter in Schutzkleidung und Helmen steigen an einem hohen Strommast aus Metall hinauf, während sie an Hochspannungsleitungen arbeiten; der Himmel ist blau mit wenigen Wolken.

Energiewende: Kommunen profitieren

[30.04.2026] Viele Städte und Gemeinden erzielen laut einer Umfrage zusätzliche Einnahmen durch erneuerbare Energien. Gleichzeitig bremsen nach Angaben der Kommunen vor allem fehlende Netze und knappe Haushaltsmittel den weiteren Ausbau. mehr...