Freitag, 19. Juni 2026

LüneburgNur noch Erneuerbare

[30.09.2020] Stadt und Landkreis Lüneburg streben die Vollversorgung durch erneuerbare Energien an. Die Agentur für Erneuerbare Energien hat die Stadt dafür im September als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet.
Wurde im September 2020 als Energiekommune des Monats ausgezeichnet: Lüneburg.

Wurde im September 2020 als Energiekommune des Monats ausgezeichnet: Lüneburg.

(Bildquelle: Lüneburg Marketing GmbH / Mathias Schneider)

Ein Zusammenschluss aus Landkreis, Stadt und Bürgerschaft schafft in Lüneburg die Grundlage für einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Jetzt hat die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) die Stadt für ihr jahrzehntelanges Engagement als Energie-Kommune des Monats September ausgezeichnet. Seit fast 30 Jahren engagiere sich die niedersächsische Mittelstadt in Klimainitiativen wie der Alianza del clima und unternehme kommunale Anstrengungen, um das Thema Nachhaltigkeit in der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft zum festen Bestandteil der kommunalen Identität zu machen, teilt die AEE mit.
Heute versorge sich der Landkreis zu 48 Prozent mit nachhaltiger Energie und Wärme. Stadt und Landkreis wollen aber noch mehr erreichen. Als 100 Prozent Erneuerbare-Energien-Region strebe der Landkreis bis 2030 eine autarke Wärme- und Stromversorgung durch erneuerbare Energien an. „Lüneburg steckt sich ein ambitioniertes Ziel. Die Wissenschaft macht deutlich, dass es möglich ist. Damit die Region erfolgreich ist, müssen der Landkreis und die Stadt miteinander sowie den Bürger kooperieren, um den Ausbau der Erneuerbaren voranzutreiben und die Akzeptanz zu sichern. Dass dies gelingen kann, hat die Region in den letzten Jahrzehnten gezeigt“, resümiert Robert Brandt, Geschäftsführer der AEE.

Klimaleitstelle koordiniert

Die Klimaleitstelle (KSL) hilft seit 2008 auch den Kommunen des Landkreises, ihre Energie- und Klimapolitik aufeinander abzustimmen, berichtet die AEE weiter. Sie fungiere als Schnittstelle zwischen den Kommunen, privaten Akteuren und den Bürgern. Hier laufen Projekte, wie Umweltprogramme für Unternehmer bis hin zu Aktionen in Schulen zusammen. Gleichzeitig baue die Leitstelle Netzwerke für bürgerschaftliche Initiativen auf. Die Stadt selbst ist in bundesweiten Netzwerken engagiert, etwa dem Netzwerk „Dialog Nachhaltige Stadt“. Für ihre Anstrengungen unter anderem im kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement erhielt die Kommune schon im Jahr 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Städte.
Nachhaltigkeit als kommunales Kulturgut soll auch in den nächsten Jahren das Erfolgsrezept in und um Lüneburg sein. 2020 sei die Hansestadt mit dem Projekt „Zukunftsstadt 2030″ in die dritte und für die Praxis entscheidende Phase gestartet. Lüneburg ist dabei eine von bundesweit acht Zukunftsstädten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden, die nachhaltige Stadtentwicklung soll mit 15 konkreten Ansätzen und Projekten vorangebracht werden. 1,5 Millionen Euro Fördergeld stehen im Projektzeitraum für die Umsetzung zur Verfügung.

Schon 112 Prozent erneuerbarer Strom

Wie der jährliche Bericht der KSL zum Stand der Energiewende zeigt, wurden im Jahr 2018 im Landkreis Lüneburg 776 Gigawattstunden erneuerbarer Strom produziert. Das entspreche 112 Prozent des Verbrauchs. Mit 74 Prozent stelle die Windenergie im Landkreis den größten Anteil des erneuerbaren Stroms, aber auch die Biomasseproduktion sei mit 217 GWh jährlich eine wichtige Energiequelle: Seit 1962 produziere die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) Strom aus Biogas. Heute versorge sich die AGL vollständig autonom mit erneuerbarem Strom und Wärme. Potenziale beim Ausbau privater Photovoltaik-Dachanlagen sollen das Bundesland, der Landkreis und die Stadt gemeinsam durch Programme wie den SolarCheck stemmen. Allein 2019 wurden 240 Beratungen durchgeführt. Besonders bemerkenswert sei hier der Beratungserfolg: So haben 40 Prozent der Beratenen ein Jahr später ein eigenes PV-Projekt umgesetzt oder gestartet.

Energieeffiziente kommunale Liegenschaften

Im Bereich der nachhaltigen Wärmeversorgung hat der Landkreis begonnen, Potenziale von über 3.500 GWh der oberflächennahen und Tiefengeothermie zu erschließen. Um den Ausbau auch mit Einsparungen im Bereich Wärme zu komplementieren, verfügt der Fachbereich Gebäudewirtschaft seit 2013 über eine dezidierte Sachbearbeitung für das Energie-Management. Um Sanierungen möglichst effizient umsetzen zu können, wurde 2016 ein Klimaschutzteilkonzept erstellt. Dieses gibt einen Überblick über den energetischen Sanierungsbedarf kommunaler Liegenschaften. Aktuell wurden 71 der rund 200 Liegenschaften untersucht. Priorisiert werden hier Gebäude mit hohem Energieverbrauch, geringen Denkmalschutzauflagen und generellem Umbaubedarf, um die notwendigen energetischen Sanierungen schnell umsetzen zu können.



Stichwörter: Klimaschutz, AEE, Lüneburg


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Energie-Kommune: Bremen will Klimaneutralität bis 2038

[15.06.2026] Bremen möchte seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2038 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. So sieht es die Klimaschutzstrategie des Landes vor. Dafür wurde sie jetzt von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) als Energie-Kommune des Monats Juni ausgezeichnet. mehr...

BEEKOMM: Thüringen erhält 1,6 Millionen Euro Förderung

[05.06.2026] Mit dem Projekt BEEKOMM unterstützt Thüringen Kommunen beim schnelleren Ausbau von Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik. Bund und Land stellen dafür Fördermittel bereit und finanzieren neue Beratungsangebote, die Planungsprozesse vor Ort beschleunigen sollen. mehr...

Netzwerk Altmühlfranken: Auszeichnung für Energie- und Wärmewendeprojekte erhalten

[03.06.2026] Das kommunale Klimaschutznetzwerk Altmühlfranken ist für seine interkommunale Zusammenarbeit bei Energie- und Wärmewendeprojekten ausgezeichnet worden. In drei Jahren entstanden 38 gemeinsame Konzepte und Projekte, die den Ausbau erneuerbarer Energien in der Region deutlich vorangebracht haben. mehr...

eueco: Neue Leitfadenreihe zur Bürgerbeteiligung veröffentlicht

[28.05.2026] eueco hat eine neue Leitfadenreihe für Bürgerbeteiligung an Projekten mit erneuerbaren Energien veröffentlicht. Hintergrund sind strengere Vorgaben, wachsender Finanzierungsdruck und der steigende Bedarf an standardisierten Beteiligungsmodellen für Kommunen, Stadtwerke und Projektierer. mehr...

Oberpfalz: Kommunales Klimaschutz-Netzwerk gegründet

[26.05.2026] In der Oberpfalz hat ein kommunales Klimaschutz-Netzwerk für den Ausbau erneuerbarer Energien seine Arbeit aufgenommen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt soll Städte und Gemeinden bei Speichertechnik, Netzausbau und Finanzierungsmodellen enger zusammenbringen. mehr...

Baden-Württemberg: Zum letzten Mal erhalten Kommunen den European Energy Award

[15.05.2026] Baden-Württemberg hat acht Kommunen mit dem European Energy Award ausgezeichnet, der in Deutschland nun ausläuft. Neue Klimaschutzmanagement-Systeme sollen den Übergang sichern und Kommunen beim Ausbau ihrer Klimaschutzmaßnahmen weiter unterstützen. mehr...

Bad Berleburg: Energie-Kommune mit Wind, PV und Verkehrswende

[13.05.2026] Die Stadt Bad Berleburg wurde von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zur „Energie-Kommune des Monats Mai 2026“ gekürt. Die nordrhein-westfälische Kommune setzt auf Windkraft, Photovoltaik und neue Mobilitätskonzepte. Ihr Ziel ist es, bis 2035 treibhausgasneutral zu sein. mehr...

Klimakommune Deutschland: Neues Programm für kommunalen Klimaschutz vorgestellt

[12.05.2026] Der Verein Klimakommune Deutschland hat ein neues Programm für kommunalen Klimaschutz und die Umsetzung der Energiewende vorgestellt. Nach dem Aus des European Energy Award sollen Städte, Gemeinden und Landkreise damit wieder ein strukturiertes Instrument für Klimastrategien und Emissionsminderung erhalten. mehr...

Bundeswirtschaftsministerium: Wettbewerb für klimafreundliche Quartiere

[06.05.2026] Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat einen neuen Innovationswettbewerb für Energiequartiere gestartet. Ziel ist es, bestehende Stadtteile effizienter, widerstandsfähiger und klimaverträglicher zu machen. Bewerbungen sind bis zum 2. Oktober 2026 möglich. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Hochschulen legen CO2-Bilanz vor

[28.04.2026] Nordrhein-Westfalens Hochschulen legen erstmals eine gemeinsame, landesweite CO2-Bilanz nach einheitlichen Standards vor. Die Daten aus 30 öffentlich-rechtlichen Einrichtungen zeigen, wo Emissionen entstehen, welche Maßnahmen bereits greifen und warum daraus nun ein dauerhaftes Klimamonitoring folgt. mehr...

Wuppertaler Stadtwerke: Podcast-Folge zu kommunalen Transformationsprozessen

[28.04.2026] Die Wuppertaler Stadtwerke widmen eine neue Podcast-Folge der Frage, wie Kommunen lokale Transformationsprozesse trotz knapper Mittel steuern können. Im Gespräch mit Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff geht es um Zielkonflikte bei Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaschutz – und um politische Strategien, die vor Ort tragfähig bleiben. mehr...

dena Energy Award: Bewerbungsphase eröffnet

[22.04.2026] Der dena Energy Award startet zum 20-jährigen Bestehen mit neuem Namen und erweitertem Fokus auf Dekarbonisierung. Unternehmen können sich bis Juni 2026 mit messbaren Effizienz- und Klimaschutzprojekten bewerben, die als Vorbild dienen. mehr...

Helmstedt: Energie-Kommune auch dank Bürgerförderung

[21.04.2026] Die Stadt Helmstedt treibt den Wandel ihrer Energieversorgung voran. Eine neue Wärmeplanung, große Projekte für Windkraft und Speicher sowie Bürgerförderung stehen im Mittelpunkt. Dafür erhält die Kommune eine bundesweite Auszeichnung. mehr...

Görlitz: Fahrplan für die klimaneutrale Stadt

[20.04.2026] Nach vier Jahren endet das Projekt TRUST in Görlitz mit mehreren Handlungsempfehlungen für den Weg zur Klimaneutralität. Die Ergebnisse stellte das Interdisziplinäre Zentrum für transformativen Stadtumbau Ende März im Rathaus vor. mehr...

Wolfsburg: Klimaneutrale Verwaltung bis 2040

[14.04.2026] Die Stadt Wolfsburg hat ein Konzept zur Klimaneutralität ihrer Verwaltung vorgelegt. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2040 deutlich zu senken. Nun soll das Papier in die politischen Gremien eingebracht werden. mehr...