HessenEnergiegipfel tagt erneut

Zwei Prozent der hessischen Landesfläche sind für Windräder ausgewiesen.
(Bildquelle: Bernd Kasper / pixelio.de)
Schon im Vorfeld des zweiten hessischen Energiegipfels am 11. November 2015 haben Experten, Verbände und Parteien ihre Positionen klar gemacht. So hatte die hessische SPD-Landtagsfraktion zwei Wochen vor dem Energiegipfel Experten, Bürgerinitiativen und Kommunalpolitiker zu einer Energiekonferenz eingeladen, wie der SPD-Landesverband in einer Pressemeldung mitteilt. SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte im Anschluss: „Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird die schwarzgrüne Landesregierung ihre wenig ambitionierten Ziele bei der Energiewende nicht schaffen. Wir wollen, dass die Chancen der Energiewende genutzt werden. Dazu müssen Landesplanung und Genehmigungspraxis endlich besser werden. Wenn die Erneuerung von Windanlagen an akzeptierten Standorten blockiert wird, ist das ein schwerer Fehler. Außerdem müssen endlich der Verkehrssektor und der Wärmemarkt einbezogen werden. Wir erwarten von der schwarz-grünen Landesregierung nicht nur ein neues Treffen, sondern greifbare Entscheidungen.“ Auch aus Sicht der Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bleibt Hessen bei der Umsetzung der Energiewende hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der Ausbau der Windenergie komme zu langsam voran. In ihrem Eingangsreferat machte sie deutlich, dass die Energiewende auch ohne den Ausbau von Hochspannungsleitungen vorangeht. Viel wichtiger sei der Ausbau intelligenter Verteilnetze. Kemfert gehörte 2013 dem Kompetenz-Team von Thorsten Schäfer-Gümbel an.
Ziele von 2011 verfehlt
Auf dem im Jahr 2011 von Ministerpräsident Volker Bouffier begründeten Hessischen Energiegipfel hatten die Fraktionen des hessischen Landtags sowie Vertreter der Kommunen, der Wirtschafts- und Umweltverbände, der Gewerkschaften und der Industrie gemeinsam Ziele formuliert, die bis jetzt die strategische Basis der hessischen Energiepolitik bilden. Damals hatte sich Hessen zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 vollständig auf erneuerbare Energien in der Wärme- und Stromerzeugung umzustellen. Hauptenergieträger soll die Windkraft sein. Rund zwei Prozent der Landesfläche sollten für Windräder ausgewiesen werden. Nach Angaben der hessischen SPD werde dieses Ziel entweder gar nicht erreicht, oder nur auf schlechteren Flächen. Viele bestehende Windräder – etwa im Vogelsberg – dürften nicht durch neuere ersetzt werden. Auch sei die im Landesentwicklungsplan vorgeschriebene Mindestwindgeschwindigkeit von 5,75 Metern pro Sekunde nicht mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 kompatibel. Timon Gremmels, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, schlug vor, mindestens die Hälfte der Vorrangflächen auf windstarken Flächen mit einer Windgeschwindigkeit deutlich größer als sechs Meter pro Sekunde auszuweisen. Auch sollten kleinere Windparks von den geplanten Ausschreibungen ausgenommen werden. Das Versprechen von Schwarz-Grün, im Laufe der Wahlperiode Hessens den Erneuerbare-Energien-Anteil auf 25 Prozent zu verdoppeln, sei mehr als gefährdet. Von Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), dem hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, erwarte man eigene Konzepte anstatt immer nach Berlin zu zeigen. Gremmels und Schäfer-Gümbel sehen vor allem im Zwist zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium in Sachen Naturschutz versus Windenergie das größte Ausbauhemmnis für die Windkraft in Hessen. Schäfer-Gümbel teilte der dpa mit, dass die SPD trotz der Kritik am Energiegipfel teilnehmen werde. Die Beschlüsse dürften aber keinesfalls hinter die Abmachungen des Energiegipfels 2011 zurückfallen.
Konstruktiver Dialog
Die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hingegen erwartet konstruktive Beiträge. Martina Feldmayer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im hessischen Landtag hält im Rahmen einer Pressemeldung dagegen: „Wenn Verbände und Parteien ihre Vorschläge und Forderungen beim Treffen zur Debatte stellten, statt per Pressemitteilung schon vorab Kritik zu äußern, wäre das besser für das Klima im doppelten Sinne.“ Des Weiteren erklärt sie, das Energieminister Tarek Al-Wazir eine zielgerichtete Strategie zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Hessen verfolge. Die Hessen-Agentur begleite den Ausbau von Netzen und Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einem erfolgreichen Mediationsangebot und schaffe so mehr Akzeptanz vor Ort. Mit der Energie-Agenda 2020 fördere das Land zudem Energieeffizienzmaßnahmen wie die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude und Mietwohnungen, LED-Straßenbeleuchtung, Kraft-Wärme-Kopplung und die Beratung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Feldmayer weiter: „Sehr hilfreich wäre es aber auch, wenn der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Torsten Schäfer-Gümbel seinen Parteifreund, den Bundeswirtschaftsminister, bewegen könnte, konsequent die klimaschädliche Energieproduktion aus Kohle zu beenden und den Dreckschleudern unter den Kraftwerken nicht auch noch Geld hinterherzuwerfen.“ Unternehmer und Handwerker haben indessen den Landtag aufgefordert, sich für eine Senkung der Strompreise einzusetzen. Diese seien für viele Unternehmen auf ein nicht mehr vertretbares Maß gestiegen, schrieben die Verbände IHK, HHT und VHU in einem am Dienstag veröffentlichten Brief, berichtet die Hessenschau.
Netzausbau: Neue Stromleitungen geplant
[04.05.2026] Die Bundesregierung will den Ausbau der Stromnetze beschleunigen und neue Leitungen planen. Ein Gesetzentwurf sieht 45 zusätzliche Projekte vor. Ziel sind mehr Planungssicherheit und geringere Kosten im Energiesystem. mehr...
Energiewende: Kommunen profitieren
[30.04.2026] Viele Städte und Gemeinden erzielen laut einer Umfrage zusätzliche Einnahmen durch erneuerbare Energien. Gleichzeitig bremsen nach Angaben der Kommunen vor allem fehlende Netze und knappe Haushaltsmittel den weiteren Ausbau. mehr...
DStGB: Forderung nach autonomen Bussen
[30.04.2026] Deutschlands Kommunen verlangen deutlich mehr Geld für den Nahverkehr und drängen zugleich auf autonome Busse im ländlichen Raum. Hintergrund sind Rekorddefizite in den Haushalten, drohende Angebotskürzungen im ÖPNV und die Frage, wie Mobilität außerhalb der Ballungszentren künftig gesichert werden kann. mehr...
Politik: Verbände positionieren sich zu aktuellen Gesetzentwürfen
[24.04.2026] Die Gesetzentwürfe zu StromVKG, EEG und Netzpaket stoßen in der Branche auf breite Zustimmung und scharfe Kritik zugleich. Verbände warnen vor Investitionsrisiken und Ausbauhemmnissen, während die Bundesregierung unter Zeitdruck zentrale Weichen stellt. mehr...
Stadtwerke München: Nachbesserungen bei Energiegesetzen
[24.04.2026] Die Stadtwerke München unterstützen die geplanten Reformen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und beim Netzanschlussverfahren grundsätzlich, warnen jedoch vor schwächeren Investitionsanreizen und einem langsameren Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem in Städten. mehr...
Baden-Württemberg: 15-Punkte-Plan für künftige Landesregierung
[21.04.2026] Erneuerbaren-Verbände legen einen 15-Punkte-Plan für den Umbau der Energieversorgung in Baden-Württemberg vor. Der Katalog zielt auf schnelleren Ausbau, mehr Versorgungssicherheit und neue Impulse für Industrie und Verkehr – und setzt die künftige Landesregierung unter Handlungsdruck. mehr...
BDEW: Mix bei Kraftwerksstrategie
[17.04.2026] Der BDEW spricht sich für mehrere Technologien zur Absicherung der Stromversorgung aus. Neben Gaskraftwerken nennt der Verband Batteriespeicher und flexible Stromnachfrage. Hintergrund ist die Debatte über das Ausschreibungsdesign der geplanten Kraftwerksstrategie. mehr...
BEE: Fossile Abhängigkeiten verringern
[14.04.2026] Der Bundesverband Erneuerbare Energie begrüßt die geplanten Entlastungen der Bundesregierung angesichts steigender Energiepreise. Zugleich fordert der Verband schnellere Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. mehr...
BDEW: Mehr Tempo bei Elektrifizierung
[13.04.2026] Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrüßt die Ergebnisse des Koalitionsausschusses zum Ausbau erneuerbarer Energien. Zugleich kritisiert der Verband die ausbleibende Senkung der Stromsteuer. mehr...
Umfrage: Mehrheit empfindet Energie-Abhängigkeit als Bedrohung
[10.04.2026] Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Abhängigkeit von Energieimporten als Bedrohung. Eine aktuelle Umfrage zeigt zugleich klaren Rückhalt für mehr erneuerbare Energien und Speicher – und stellt politische Pläne infrage. mehr...
Saarland: Gasspeicher-Strategie gefordert
[02.04.2026] Das Saarland fordert eine nationale Strategie für Gasspeicher, um sinkenden Füllständen und Marktunsicherheiten zu begegnen. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Preisrisiken wächst der Druck auf den Bund, rechtzeitig vor der nächsten Heizperiode zu handeln. mehr...
Bundesverband Erneuerbare Energie: Branche legt Maßnahmenpaket vor
[31.03.2026] Die Erneuerbaren-Branche legt ein eigenes Maßnahmenpaket für ein kostengünstiges und resilientes Energiesystem vor. Es reagiert auf umstrittene Gesetzesvorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium und zielt auf mehr Investitionssicherheit und geringere Systemkosten. mehr...
Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr
[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...
Gaspaket: Lob und Kritik von Branchenverbänden
[26.03.2026] Drei Branchenverbände bewerten den Gesetzentwurf zum Gas- und Wasserstoffbinnenmarkt grundlegend unterschiedlich. Ihre Stellungnahmen zeigen, wo es beim Umbau der Gasnetze zu Biomethan und Wasserstoff noch hakt und welche Nachbesserungen sie fordern. mehr...
Klimaschutzprogramm: Stellungnahmen von VKU, BSW-Solar und BDEW
[26.03.2026] VKU, BSW-Solar und BDEW haben das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung bewertet und fordern Nachbesserungen. Die Verbände sehen Fortschritte, warnen aber vor Umsetzungsdefiziten und widersprüchlichen Signalen für zentrale Sektoren der Energiewende. mehr...










