Freitag, 5. Juni 2026

BDEWMehr Effizienz für Energiewende

[04.04.2025] Der BDEW fordert eine Kurskorrektur bei der Energiewende. Sie müsse effizienter, praxistauglicher und unbürokratischer werden.

Angesichts der laufenden Verhandlungen zwischen Union und SPD über die Ausgestaltung der Energiewende fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) einen pragmatischeren und effizienteren Kurs. Im Mittelpunkt stehen dabei der systemdienliche Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine realistischere Strombedarfsprognose sowie ein spürbarer Bürokratieabbau.

„Nachhaltigkeit und Resilienz sind zentrale Gründe, warum wir die Energiewende weiter vorantreiben müssen“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Dabei gilt es aber, die Kosten im Blick zu behalten, um den Wirtschaftsstandort langfristig zu stärken und die Akzeptanz zu sichern.“ Studien der vergangenen Wochen hätten zu Recht auf die wachsende Kostenproblematik hingewiesen, so Andreae. Die Politik müsse darauf mit einem klaren Kurswechsel reagieren – hin zu mehr Kosteneffizienz, Systemintegration und Bürokratieabbau.

Netzausbau zentral

Ein zentraler Punkt sei die Weiterentwicklung des Netzausbaus. Die Stromnachfrage habe sich in den vergangenen Jahren deutlich anders entwickelt als prognostiziert. „Die Netzausbauplanung muss sich an realistischen, kosten- und systemeffizienten Szenarien orientieren“, so Andreae. Die Bundesnetzagentur arbeitet derzeit gemeinsam mit der Branche an einer Überarbeitung des Netzentwicklungsplans. Ergänzend seien innovative Netzanschlusskonzepte erforderlich, bei denen verschiedene Technologien wie Windkraft, Photovoltaik und Speicher optimal zusammenwirken. Auch die gezielte Ansiedlung stromintensiver Verbraucher an netzdienlichen Standorten könne helfen, die Netzentgelte zu stabilisieren.

Der BDEW fordert darüber hinaus einen neuen Regulierungsrahmen für Energienetze. Dieser müsse insbesondere durch eine international wettbewerbsfähige Kapitalverzinsung Investitionen in die Infrastruktur attraktiver machen. Der Netzausbau sei für eine sichere und flexible Stromversorgung unverzichtbar – ohne attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen sei das Investitionstempo jedoch gefährdet.

Reformbedarf bei Offshore

Reformbedarf sieht der BDEW auch beim Offshore-Ausbau. Statt allein auf Gigawatt-Ziele zu setzen, müsse der tatsächliche Energieertrag pro investiertem Euro stärker in den Fokus rücken. „Offshore-Flächen sollten ertrags- und kostenoptimiert geplant werden. Eine Umstellung auf Ertragsziele in Terawattstunden ist denkbar“, so Andreae. Der Verband hat dazu bereits umfangreiche Vorschläge vorgelegt.

Ein besonderes Augenmerk legt der BDEW auf den Bürokratieabbau – bisher ein Versprechen ohne konsequente Umsetzung. „Zu bürokratische und kleinteilige Regelungen nehmen den Unternehmen die notwendigen Spielräume für die Energiewende“, kritisiert Andreae. Melde- und Berichtspflichten seien oft nicht zielführend und belasteten vor allem mittelständische Unternehmen erheblich. Hier brauche es mutige Vereinfachungen und spürbare Entlastungen.

Potenzial für Effizienzsteigerungen sieht der Verband auch bei der Ausgestaltung von Förderprogrammen. Diese müssten besser aufeinander abgestimmt und gezielter eingesetzt werden. „Doppelförderungen im Wärmesektor sollten vermieden, überflüssige Programme wie die Förderung von Ladesäulen gestrichen werden. Hier zeigt sich, dass der Markt zunehmend funktioniert“, betont Andreae.

Wasserstoff international aufstellen

Beim Thema Wasserstoff plädiert der BDEW für Tempo und internationale Zusammenarbeit. „Möglichst viel, möglichst schnell, möglichst günstig – das muss das Ziel sein“, so Andreae. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, eine europäische Wasserstoff-Allianz auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit anderen Industrie- und Energieverbänden sei dazu bereits ein Vorschlag formuliert worden.



Stichwörter: Politik, BDEW, Energiewende


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...

Titelbild des „Fortschrittsmonitors 2026 Energiewende“ von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu sehen ist eine Person mit Schutzhelm und Sicherheitsgeschirr, die auf dem Maschinenhaus einer Windenergieanlage sitzt und über eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Windrädern blickt. Links im Bild steht der Schriftzug „Fortschrittsmonitor 2026 Energiewende“ in einem farbigen Rahmen. Unten rechts sind die Logos von EY und BDEW platziert. Die Szene vermittelt den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland.

BDEW/EY: Fortschritte bei der Energiewende

[02.06.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung sind in Deutschland 2025 weiter vorangekommen. Das geht aus dem aktuellen Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY hervor. Gleichzeitig sehen die Herausgeber erheblichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. mehr...

EEG-Novelle: Bayern und Baden-Württemberg fordern Änderungen

[02.06.2026] Baden-Württemberg und Bayern fordern im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen und bessere Bedingungen für Projekte im Süden, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu stärken. mehr...

Energieministerkonferenz: Geschlossenes Signal für die Energiewende

[27.05.2026] Die Energieministerkonferenz auf Norderney hat sich geschlossen für den weiteren Ausbau der Energiewende ausgesprochen und zugleich neue Maßnahmen für Versorgungssicherheit, Netzausbau und Kraftwerksplanung beschlossen. mehr...

GModG: BSW-Solar begrüßt Stärkung der Solarthermie

[19.05.2026] Das Bundeskabinett will Solarthermie im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz stärken und den Einsatz von Solarkollektoren beim Heizungstausch erleichtern. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet dadurch neue Impulse für den Wärmemarkt, kritisiert aber zugleich die geplante Deckelung des CO₂-Preises. mehr...

VKU/BDEW: Stellungnahme zu neuen Gesetzentwürfen

[18.05.2026] Die Bundesregierung vergangenen Mittwoch die Entwürfe für das Gebäudemodernisierungsgesetz und das neue Kraftwerksgesetz beschlossen. Der VKU und BDEW begrüßen die Signale für Wärme- und Versorgungssicherheit, sehen aber große Risiken bei Infrastrukturplanung, Wettbewerb und Investitionsbedingungen. mehr...

Mehrstöckiges Wohnhaus mit Holzfassade und großer Photovoltaikanlage auf dem Dach in einem grünen Wohngebiet. Das Gebäude verfügt über Balkone, große Fenster und eine Terrasse mit Sitzmöbeln. Im Hintergrund sind weitere Häuser, Bäume und eine hügelige Landschaft zu sehen.

Baden-Württemberg: Energiebranche begrüßt Koalitionsvertrag

[07.05.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sieht im neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU eine Grundlage für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Der Verband fordert zugleich ein konsequentes Vorgehen der künftigen Landesregierung. mehr...

Netzausbau: Neue Stromleitungen geplant

[04.05.2026] Die Bundesregierung will den Ausbau der Stromnetze beschleunigen und neue Leitungen planen. Ein Gesetzentwurf sieht 45 zusätzliche Projekte vor. Ziel sind mehr Planungssicherheit und geringere Kosten im Energiesystem. mehr...

Arbeiter in Schutzkleidung und Helmen steigen an einem hohen Strommast aus Metall hinauf, während sie an Hochspannungsleitungen arbeiten; der Himmel ist blau mit wenigen Wolken.

Energiewende: Kommunen profitieren

[30.04.2026] Viele Städte und Gemeinden erzielen laut einer Umfrage zusätzliche Einnahmen durch erneuerbare Energien. Gleichzeitig bremsen nach Angaben der Kommunen vor allem fehlende Netze und knappe Haushaltsmittel den weiteren Ausbau. mehr...

DStGB: Forderung nach autonomen Bussen

[30.04.2026] Deutschlands Kommunen verlangen deutlich mehr Geld für den Nahverkehr und drängen zugleich auf autonome Busse im ländlichen Raum. Hintergrund sind Rekorddefizite in den Haushalten, drohende Angebotskürzungen im ÖPNV und die Frage, wie Mobilität außerhalb der Ballungszentren künftig gesichert werden kann. mehr...

Politik: Verbände positionieren sich zu aktuellen Gesetzentwürfen

[24.04.2026] Die Gesetzentwürfe zu StromVKG, EEG und Netzpaket stoßen in der Branche auf breite Zustimmung und scharfe Kritik zugleich. Verbände warnen vor Investitionsrisiken und Ausbauhemmnissen, während die Bundesregierung unter Zeitdruck zentrale Weichen stellt. mehr...

Stadtwerke München: Nachbesserungen bei Energiegesetzen

[24.04.2026] Die Stadtwerke München unterstützen die geplanten Reformen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und beim Netzanschlussverfahren grundsätzlich, warnen jedoch vor schwächeren Investitionsanreizen und einem langsameren Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem in Städten. mehr...

Baden-Württemberg: 15-Punkte-Plan für künftige Landesregierung

[21.04.2026] Erneuerbaren-Verbände legen einen 15-Punkte-Plan für den Umbau der Energieversorgung in Baden-Württemberg vor. Der Katalog zielt auf schnelleren Ausbau, mehr Versorgungssicherheit und neue Impulse für Industrie und Verkehr – und setzt die künftige Landesregierung unter Handlungsdruck. mehr...

Gas- und Dampfkraftwerk der Stadtwerke Düsseldorf mit moderner Industriearchitektur, großem verglasten Turm und Schornstein auf dem Betriebsgelände bei Tageslicht.

BDEW: Mix bei Kraftwerksstrategie

[17.04.2026] Der BDEW spricht sich für mehrere Technologien zur Absicherung der Stromversorgung aus. Neben Gaskraftwerken nennt der Verband Batteriespeicher und flexible Stromnachfrage. Hintergrund ist die Debatte über das Ausschreibungsdesign der geplanten Kraftwerksstrategie. mehr...

BEE: Fossile Abhängigkeiten verringern

[14.04.2026] Der Bundesverband Erneuerbare Energie begrüßt die geplanten Entlastungen der Bundesregierung angesichts steigender Energiepreise. Zugleich fordert der Verband schnellere Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. mehr...