Samstag, 4. April 2026

NetzpaketVerbände sehen Nachbesserungsbedarf

[12.02.2026] Zum Referentenentwurf für das sogenannte Netzpaket nehmen weitere Branchenverbände Stellung. BDEW und BEE sehen Nachbesserungsbedarf und warnen vor Eingriffen in Planungssicherheit und Investitionsbedingungen.

Die Synchronisierung von Erzeugungs- und Netzausbau steht im Zentrum des Netzpakets.

(Bildquelle: adobestock)

Nachdem sich bereits unter anderem das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium und der Bundesverband WindEnergie kritisch zu den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums geäußert haben (wir berichteten), beziehen nun weitere Verbände Stellung zum Referentenentwurf für ein sogenanntes Netzpaket. Im Fokus stehen dabei Fragen der Planungssicherheit, der Ausgestaltung des Netzanschlusses und der Synchronisierung von Erzeugungs- und Netzausbau.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) will den Ausbau erneuerbarer Energien stärker am Zustand der Stromnetze ausrichten. Hintergrund sind zunehmende Engpässe in einzelnen Verteilnetzen: In Zeiten hoher Einspeisung müssen Anlagen abgeregelt werden; bislang erhalten Betreiber dafür Ausgleichszahlungen im Rahmen des Redispatch. Diese Kosten schlagen sich in den Netzentgelten nieder. Künftig sollen Netzgebiete, in denen mehr als drei Prozent des potenziell erzeugbaren Stroms wegen Engpässen nicht transportiert werden können, als „kapazitätslimitiert“ gelten. Für Neuanlagen in diesen Regionen ist vorgesehen, dass sie über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren keine Entschädigung erhalten, wenn ihr Strom nicht eingespeist werden kann. Zudem sind regional differenzierte Baukostenzuschüsse und neue Regelungen zur Kapazitätsvergabe geplant. Die Umsetzung soll im Rahmen einer EEG-Novelle erfolgen.

BDEW fordert ausreichend Zeit zur Konsultation

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert zunächst ausreichend Zeit zur Konsultation. Wie Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt, sei es richtig, dass das Ministerium mit Hochdruck an Verbesserungen im Netzanschluss arbeite. Die Branche brauche jedoch den im Koalitionsvertrag zugesagten Raum für eine fundierte Bewertung. Aus Sicht des BDEW müssen wirtschaftliche Planbarkeit für Erzeuger und Netzbetreiber sowie ein möglichst geringer administrativer Aufwand gewährleistet bleiben. Kritisch sieht der Verband insbesondere das vorgesehene Drei-Prozent-Kriterium für kapazitätslimitierte Leitungsabschnitte und den damit verbundenen Wegfall von Redispatch-Ausgleichszahlungen für bis zu zehn Jahre. Für Projektierer erneuerbarer Anlagen drohe dadurch ein Verlust an Planungssicherheit, zumal standortgebundene Technologien wie die Windenergie an Land nur eingeschränkt ausweichen könnten. Grundsätzlich unterstützt der BDEW jedoch einen weiter vorangetriebenen Netzausbau, mehr Transparenz über Netzkapazitäten sowie regional differenzierte Baukostenzuschüsse. Der Regulierungsrahmen müsse so weiterentwickelt werden, dass auch vorausschauende Netzausbaumaßnahmen erleichtert und Genehmigungsverfahren – insbesondere in den Verteilnetzen – beschleunigt würden.

BEE warnt vor mangelnder Finanzierung neuer Projekte

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) bewertet den Entwurf kritisch. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser zufolge greift die vorgesehene Einschränkung von Einspeise- und Anschlussvorrang in die Grundsystematik des EEG ein und gefährdet Investitions- und Planungssicherheit. Wenn Verteilnetzbetreiber jeweils eigene Verfahren zur Priorisierung von Netzanschlüssen entwickeln, drohten hunderte unterschiedliche Prozesse, was Transparenz und Planbarkeit erschwere. Besonders problematisch sei der geplante Redispatch-Vorbehalt in Gebieten mit mehr als drei Prozent Abregelung und der daran geknüpfte zehnjährige Entschädigungsverzicht. Dieser Zeitraum könne Finanzierungen für neue Projekte erheblich belasten. Zwar enthalte der Entwurf Ansätze für mehr Transparenz, etwa durch gemeinsame Internetplattformen und Informationspflichten zu Netzanschlusskapazitäten, doch fehlten aus Sicht des BEE verbindliche Durchsetzungsmechanismen. Heinen-Esser fordert daher eine Überarbeitung, die Netze als „Ermöglicher der Energiewende“ stärkt und den Ausbau erneuerbarer Energien nicht ausbremst.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Saarland: Gasspeicher-Strategie gefordert

[02.04.2026] Das Saarland fordert eine nationale Strategie für Gasspeicher, um sinkenden Füllständen und Marktunsicherheiten zu begegnen. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Preisrisiken wächst der Druck auf den Bund, rechtzeitig vor der nächsten Heizperiode zu handeln. mehr...

Bundesverband Erneuerbare Energie: Branche legt Maßnahmenpaket vor

[31.03.2026] Die Erneuerbaren-Branche legt ein eigenes Maßnahmenpaket für ein kostengünstiges und resilientes Energiesystem vor. Es reagiert auf umstrittene Gesetzesvorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium und zielt auf mehr Investitionssicherheit und geringere Systemkosten. mehr...

Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr

[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...

Gaspaket: Lob und Kritik von Branchenverbänden

[26.03.2026] Drei Branchenverbände bewerten den Gesetzentwurf zum Gas- und Wasserstoffbinnenmarkt grundlegend unterschiedlich. Ihre Stellungnahmen zeigen, wo es beim Umbau der Gasnetze zu Biomethan und Wasserstoff noch hakt und welche Nachbesserungen sie fordern. mehr...

Klimaschutzprogramm: Stellungnahmen von VKU, BSW-Solar und BDEW

[26.03.2026] VKU, BSW-Solar und BDEW haben das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung bewertet und fordern Nachbesserungen. Die Verbände sehen Fortschritte, warnen aber vor Umsetzungsdefiziten und widersprüchlichen Signalen für zentrale Sektoren der Energiewende. mehr...

Naturstrom: Umfrage zur Energiepolitik veröffentlicht

[18.03.2026] Eine große Mehrheit der Bevölkerung bewertet die Energiepolitik der Bundesregierung negativ und lehnt zentrale Reformpläne ab. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zeigen wachsende Skepsis gegenüber Solar- und Heizungsentscheidungen – mit möglichen Folgen für Investitionen und Akzeptanz der Energiewende. mehr...

Hauptverwaltung des Energieversorgers Badenova in Freiburg mit moderner Glasfassade, Eingangsbereich und Skulptur vor dem Gebäude.

Badenova: Forderungskatalog nach Landtagswahl

[13.03.2026] Nach der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg fordert der Energieversorger Badenova ein schnelleres Vorgehen bei der Energie- und Wärmewende. Das kommunale Unternehmen hat dazu ein Papier mit zwölf Punkten vorgelegt. Darin geht es unter anderem um Finanzierung, Genehmigungen, Wärmenetze und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. mehr...

KRITIS-Gipfel: Forderung nach stärkerer Resilienz

[11.03.2026] Energieverbände fordern eine stärkere Ausrichtung auf Resilienz und Schutz Kritischer Infrastrukturen in Deutschland. Anlass war der erste KRITIS-Gipfel, der gestern in Berlin stattfand. Dort berieten Vertreter der Branche, der Politik und der Bundeswehr über neue Bedrohungslagen und konkrete Schutzmaßnahmen. mehr...

Bundesverband Solarwirtschaft: Frontalangriff auf die Energiewende

[03.03.2026] Ein geleakter Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht die Streichung der Förderung für neue private Solaranlagen und eine Pflicht zur Direktvermarktung vor. Die Solarbranche warnt vor massiven Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und die Klimaziele. mehr...

bericht

Gebäudemodernisierungsgesetz: Städte sehen Hürden

[02.03.2026] Die ostdeutschen Städte arbeiten an der Wärmewende. Nun liegen Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz vor. Der Deutsche Städtetag begrüßt die Einigung, sieht jedoch noch offene Fragen und warnt vor Risiken für Investitionen und Klimaziele. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden

[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...

Baden-Württemberg: Land stellt 50 Millionen Euro für Elektrolyseure bereit

[25.02.2026] Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Förderprogramms für Elektrolyseure und stellt weitere 50 Millionen Euro für die regionale Wasserstofferzeugung bereit. Das Umweltministerium reagiert damit auch auf fehlende Vorgaben des Bundes und will den Aufbau lokaler Wasserstoff-Hubs beschleunigen. mehr...

Speicherbranche: Kritik an AgNes-Prozess

[24.02.2026] Die geplante Neuordnung der Netzentgelte im AgNes-Prozess stellt die bisherige Befreiung von Stromspeichern infrage. Vertreter der Speicherbranche warnen, dass ohne Vertrauensschutz Milliardeninvestitionen und bis zu 16 GW Batteriespeicherleistung auf der Kippe stehen. mehr...

Sachsen-Anhalt: Resilienz-Stab zum KRITIS-Schutz eingerichtet

[24.02.2026] Sachsen-Anhalt richtet einen ressortübergreifenden Resilienz-Stab zum Schutz Kritischer Infrastrukturen ein. Das neue Gremium soll angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter, Cyber-Angriffe und hybride Bedrohungen die Krisenvorsorge des Landes neu ordnen. mehr...