Dienstag, 7. Juli 2026

NetzpaketVerbände sehen Nachbesserungsbedarf

[12.02.2026] Zum Referentenentwurf für das sogenannte Netzpaket nehmen weitere Branchenverbände Stellung. BDEW und BEE sehen Nachbesserungsbedarf und warnen vor Eingriffen in Planungssicherheit und Investitionsbedingungen.

Die Synchronisierung von Erzeugungs- und Netzausbau steht im Zentrum des Netzpakets.

(Bildquelle: adobestock)

Nachdem sich bereits unter anderem das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium und der Bundesverband WindEnergie kritisch zu den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums geäußert haben (wir berichteten), beziehen nun weitere Verbände Stellung zum Referentenentwurf für ein sogenanntes Netzpaket. Im Fokus stehen dabei Fragen der Planungssicherheit, der Ausgestaltung des Netzanschlusses und der Synchronisierung von Erzeugungs- und Netzausbau.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) will den Ausbau erneuerbarer Energien stärker am Zustand der Stromnetze ausrichten. Hintergrund sind zunehmende Engpässe in einzelnen Verteilnetzen: In Zeiten hoher Einspeisung müssen Anlagen abgeregelt werden; bislang erhalten Betreiber dafür Ausgleichszahlungen im Rahmen des Redispatch. Diese Kosten schlagen sich in den Netzentgelten nieder. Künftig sollen Netzgebiete, in denen mehr als drei Prozent des potenziell erzeugbaren Stroms wegen Engpässen nicht transportiert werden können, als „kapazitätslimitiert“ gelten. Für Neuanlagen in diesen Regionen ist vorgesehen, dass sie über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren keine Entschädigung erhalten, wenn ihr Strom nicht eingespeist werden kann. Zudem sind regional differenzierte Baukostenzuschüsse und neue Regelungen zur Kapazitätsvergabe geplant. Die Umsetzung soll im Rahmen einer EEG-Novelle erfolgen.

BDEW fordert ausreichend Zeit zur Konsultation

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert zunächst ausreichend Zeit zur Konsultation. Wie Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt, sei es richtig, dass das Ministerium mit Hochdruck an Verbesserungen im Netzanschluss arbeite. Die Branche brauche jedoch den im Koalitionsvertrag zugesagten Raum für eine fundierte Bewertung. Aus Sicht des BDEW müssen wirtschaftliche Planbarkeit für Erzeuger und Netzbetreiber sowie ein möglichst geringer administrativer Aufwand gewährleistet bleiben. Kritisch sieht der Verband insbesondere das vorgesehene Drei-Prozent-Kriterium für kapazitätslimitierte Leitungsabschnitte und den damit verbundenen Wegfall von Redispatch-Ausgleichszahlungen für bis zu zehn Jahre. Für Projektierer erneuerbarer Anlagen drohe dadurch ein Verlust an Planungssicherheit, zumal standortgebundene Technologien wie die Windenergie an Land nur eingeschränkt ausweichen könnten. Grundsätzlich unterstützt der BDEW jedoch einen weiter vorangetriebenen Netzausbau, mehr Transparenz über Netzkapazitäten sowie regional differenzierte Baukostenzuschüsse. Der Regulierungsrahmen müsse so weiterentwickelt werden, dass auch vorausschauende Netzausbaumaßnahmen erleichtert und Genehmigungsverfahren – insbesondere in den Verteilnetzen – beschleunigt würden.

BEE warnt vor mangelnder Finanzierung neuer Projekte

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) bewertet den Entwurf kritisch. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser zufolge greift die vorgesehene Einschränkung von Einspeise- und Anschlussvorrang in die Grundsystematik des EEG ein und gefährdet Investitions- und Planungssicherheit. Wenn Verteilnetzbetreiber jeweils eigene Verfahren zur Priorisierung von Netzanschlüssen entwickeln, drohten hunderte unterschiedliche Prozesse, was Transparenz und Planbarkeit erschwere. Besonders problematisch sei der geplante Redispatch-Vorbehalt in Gebieten mit mehr als drei Prozent Abregelung und der daran geknüpfte zehnjährige Entschädigungsverzicht. Dieser Zeitraum könne Finanzierungen für neue Projekte erheblich belasten. Zwar enthalte der Entwurf Ansätze für mehr Transparenz, etwa durch gemeinsame Internetplattformen und Informationspflichten zu Netzanschlusskapazitäten, doch fehlten aus Sicht des BEE verbindliche Durchsetzungsmechanismen. Heinen-Esser fordert daher eine Überarbeitung, die Netze als „Ermöglicher der Energiewende“ stärkt und den Ausbau erneuerbarer Energien nicht ausbremst.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Ein großer Mobilkran richtet auf einer Freifläche am Waldrand einen Gittermast einer Hochspannungsfreileitung auf. Mehrere Monteure begleiten die Montage, während weitere Mastsegmente am Boden bereitliegen. Über der Baustelle erstreckt sich ein blauer Himmel mit großen weißen Wolken.

TenneT: Bund steigt ein

[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...

Großer Solarpark mit langen Reihen von Photovoltaikmodulen vor mehreren Windenergieanlagen. Die Anlage erstreckt sich über eine offene Landschaft unter einem wolkigen Himmel und veranschaulicht die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung.

BDEW/ZSW: BDEW/ZSW

[02.07.2026] Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil an der Stromversorgung in Deutschland erreicht. Vorläufigen Berechnungen von ZSW und BDEW zufolge stammten 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Gedämmte Fernwärmeleitungen verlaufen in mehreren Bögen über das Außengelände einer Energieanlage. Die groß dimensionierten silberfarbenen Rohre führen entlang eines modernen Technikgebäudes und veranschaulichen die Infrastruktur eines Wärmenetzes.

Städtetag / VKU: Verlässliche Regeln für die Wärmeplanung

[01.07.2026] Zum Stichtag für die Veröffentlichung kommunaler Wärmepläne fordern der Deutsche Städtetag und der Verband kommunaler Unternehmen ein umfassendes Wärmepaket der Bundesregierung. Nach Angaben beider Verbände sorgen geplante Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz für Unsicherheit bei Kommunen und Stadtwerken. mehr...

Energieeffizienzgesetz: Stellungnahmen zur Gesetzesnovelle

[26.06.2026] Die Bundesregierung hat die Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen und mehrere Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren angepasst. Verbände aus Digitalwirtschaft und Energiewirtschaft begrüßen den Abbau von Bürokratie, sehen aber weiterhin Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Regelungen. mehr...

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

BDEW Kongress 2026: Branche fordert Planungssicherheit

[11.06.2026] Die Energiebranche fordert von der Bundesregierung zügige Entscheidungen bei zentralen energiepolitischen Vorhaben. Beim BDEW Kongress 2026 warnten Verbandsvertreter vor Verzögerungen bei wichtigen Gesetzen und forderten mehr Planungssicherheit für Investitionen. mehr...

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), spricht auf der Bühne des BDEW-Kongresses 2026 an einem Rednerpult. Hinter ihr ist das Kongresslogo auf einer großflächigen, violett beleuchteten Bühnenwand zu sehen. Im Vordergrund stehen die roten Buchstaben des BDEW-Logos. Die Aufnahme zeigt ihren Auftritt während der Eröffnung der Fachveranstaltung.

BDEW Kongress 2026: Verband drängt auf schnelle Beschlüsse

[11.06.2026] Der BDEW fordert von der Bundesregierung ein abgestimmtes Energiepaket für 2026. Nach Ansicht des Verbands müssen mehrere zentrale Gesetzesvorhaben zügig beschlossen werden, um Investitionen in die Energieinfrastruktur abzusichern. mehr...

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche spricht auf dem BDEW-Kongress 2026 an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Hinter ihr zeigt eine überdimensionale Leinwand eine Nahaufnahme der Ministerin während ihrer Rede. Der Bühnenhintergrund ist in violetten und magentafarbenen Tönen gestaltet und trägt das Logo „BDEW Kongress 2026“.

BDEW Kongress 2026: Reiche wirbt für Energiekonsens

[11.06.2026] Auf dem BDEW Kongress setzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein Zeichen. Um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten, sei ein Energiekonsens zwischen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft notwendig. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn politische Ziele und energiewirtschaftliche Realität zusammengeführt würden. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...

Titelbild des „Fortschrittsmonitors 2026 Energiewende“ von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu sehen ist eine Person mit Schutzhelm und Sicherheitsgeschirr, die auf dem Maschinenhaus einer Windenergieanlage sitzt und über eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Windrädern blickt. Links im Bild steht der Schriftzug „Fortschrittsmonitor 2026 Energiewende“ in einem farbigen Rahmen. Unten rechts sind die Logos von EY und BDEW platziert. Die Szene vermittelt den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland.

BDEW/EY: Fortschritte bei der Energiewende

[02.06.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung sind in Deutschland 2025 weiter vorangekommen. Das geht aus dem aktuellen Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY hervor. Gleichzeitig sehen die Herausgeber erheblichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. mehr...

EEG-Novelle: Bayern und Baden-Württemberg fordern Änderungen

[02.06.2026] Baden-Württemberg und Bayern fordern im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen und bessere Bedingungen für Projekte im Süden, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu stärken. mehr...

Energieministerkonferenz: Geschlossenes Signal für die Energiewende

[27.05.2026] Die Energieministerkonferenz auf Norderney hat sich geschlossen für den weiteren Ausbau der Energiewende ausgesprochen und zugleich neue Maßnahmen für Versorgungssicherheit, Netzausbau und Kraftwerksplanung beschlossen. mehr...

GModG: BSW-Solar begrüßt Stärkung der Solarthermie

[19.05.2026] Das Bundeskabinett will Solarthermie im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz stärken und den Einsatz von Solarkollektoren beim Heizungstausch erleichtern. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet dadurch neue Impulse für den Wärmemarkt, kritisiert aber zugleich die geplante Deckelung des CO₂-Preises. mehr...