Mittwoch, 22. April 2026

Rheinland-PfalzKläranlagen erzeugen eigenen Strom

[22.04.2026] Kläranlagen zählen zu den größten Stromverbrauchern kommunaler Betriebe. Zugleich bauen viele Kommunen nach Angaben der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz ihre Anlagen zu eigenen Energieproduzenten aus. Beispiele aus der Vordereifel, Schweich und Zweibrücken zeigen, wie Photovoltaik und Speichertechnik Energiekosten senken können.
Blick über ein rechteckiges Becken der Kläranlage der Verbandsgemeindewerke Vordereifel mit ruhiger Wasseroberfläche. Daneben verläuft ein weiteres leeres Betonbecken mit technischen Schienen und Räumvorrichtungen. Im Vordergrund befinden sich Metallgitterstege und Geländer, rechts ein Zaun mit integrierten Solarmodulen. Im Hintergrund stehen mehrere schwarze Behälter sowie kahle Bäume unter blauem Himmel.

PV-Zaun an der Kläranlage Zweibrücken: Ein Großteil des Energiebedarfs wird durch Eigenproduktion gedeckt.

(Bildquelle: Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz)

Nach Angaben der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz müssen Kommunen ihre Kläranlagen durch die EU-Kommunalabwasserrichtlinie bis 2045 energieneutral betreiben. „Deshalb müssen sie aktiv werden. Wir unterstützen sie dabei“, sagte Alexander Ehl von der Agentur. Die Abwasserreinigung bleibt demnach ein hoher Kostenfaktor. Pumpen, Belüftung und Schlammbehandlung liefen rund um die Uhr und verursachten auch bei kleineren Anlagen einen jährlichen Strombedarf von mehreren hunderttausend Kilowattstunden. Die Kosten lägen bei Zehntausenden bis Hunderttausenden Euro pro Jahr.

Verschiedene Systeme an neuen Kläranlagen

Die Verbandsgemeindewerke Vordereifel setzen nach eigenen Angaben an neun Klär- und Pumpwerkstandorten auf verschiedene Systeme. Dazu zählen Dach-Photovoltaik, Solartracker, steckerfertige Solaranlagen und Batteriespeicher. Bei einem jährlichen Strombedarf von rund 600.000 Kilowattstunden spare der Betrieb bereits heute einige Zehntausend Euro pro Jahr ein. Geplant sei dort zudem ein Projekt mit einer jährlichen Stromerzeugung von rund 16 Millionen Kilowattstunden, die vor Ort genutzt werden könne. Außerdem seien drei weitere Tracker-Systeme, zusätzliche Batteriespeicher und ein elektrischer Allrad-Transporter in Umsetzung.

Photovoltaikanlagen auf allen Gebäuden

Der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken nutzt nach eigenen Angaben Photovoltaikanlagen auf allen Kläranlagen-Gebäuden sowie einen Solarzaun. Der Erdgasanschluss sei bereits stillgelegt worden. „Der jährliche Strom- und Wärmebedarf von rund 1,1 Millionen Kilowattstunden wird bereits heute zu einem großen Teil (80 Prozent) durch Eigenproduktion gedeckt“, sagte Patrick Raguse vom Betrieb. Ein Klärgas-Blockheizkraftwerk erzeuge dort jährlich rund 800.000 Kilowattstunden Strom, Solarkollektoren weitere 100.000 Kilowattstunden. Das entspreche einer Einsparung bei den Stromkosten von rund 260.000 Euro im Jahr. Ein Batteriespeicher mit 233 Kilowattstunden Kapazität gleiche Schwankungen aus. Weitere Maßnahmen sollen laut Mitteilung die vollständige Eigenstromversorgung sichern.

Ersparnis von 180.000 Euro

Die Verbandsgemeindewerke Schweich setzen nach eigenen Angaben ebenfalls auf Photovoltaik. An der Gruppenkläranlage Leiwen erzeugten zwei Anlagen mit zusammen 566 Kilowatt-Peak rund 600.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr und damit mehr als die Anlage benötige. Überschüssiger Strom werde auf andere Liegenschaften verteilt. Jannik Schmitt von den Verbandsgemeindewerken Schweich erklärte, zusätzliche Photovoltaikanlagen und Windenergie seien geplant. Bereits heute fielen die Kosten für zugekauften Netzstrom durch die Eigenproduktion jährlich um etwa 180.000 Euro geringer aus.





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