Mittwoch, 3. Juni 2026

Next Kraftwerke / Eco StorVertrag für Großbatteriespeicher in Förderstedt

[03.06.2026] Für ein Batteriespeicherprojekt in Sachsen-Anhalt haben Next Kraftwerke und Eco Stor eine langfristige Vermarktungsvereinbarung abgeschlossen. Die Anlage soll nach ihrer vollständigen Inbetriebnahme eine Leistung von 300 Megawatt erreichen.
Luftaufnahme einer ländlich geprägten Landschaft mit Feldern, Windkraftanlagen und einem Umspannwerk. In die Aufnahme ist eine Visualisierung eines großflächigen Batteriespeichers eingebettet: Mehrere Reihen von Speichercontainern und technische Anlagen sind auf zwei Arealen dargestellt, die über Straßen miteinander verbunden sind. Das Bild zeigt die geplante Integration eines Batterie-Großspeichers in die bestehende Energieinfrastruktur zur Speicherung und Bereitstellung von erneuerbar erzeugtem Strom.

Visualisierung des Energiespeichers in Förderstedt.

(Bildquelle: ECO STOR)

Next Kraftwerke und der Speicherspezialist Eco Stor haben ein fünfjähriges Flexibility-Tolling-Agreement für das Batteriespeicherprojekt Förderstedt vereinbart. Wie die Unternehmen mitteilen, bildet die Vereinbarung die wirtschaftliche Grundlage für den langfristigen Betrieb der Anlage. Demnach soll Next Kraftwerke voraussichtlich ab November 2026 den ersten von drei Speicherblöcken an den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten vermarkten. Zwei weitere Blöcke mit jeweils 100 Megawatt Leistung sollen anschließend folgen. Nach vollständiger Inbetriebnahme im kommenden Jahr soll die Anlage eine Leistung von 300 Megawatt und eine Speicherkapazität von mehr als 700 Megawattstunden erreichen.

Blindleistung für die Netzstabilität

Nach Angaben der Unternehmen reagiert der Speicher sowohl auf Preis- als auch auf Netzsignale. Er soll Strom bei hoher Erzeugung oder geringer Nachfrage aufnehmen und bei niedriger Erzeugung oder hoher Nachfrage wieder ins Netz einspeisen. Darüber hinaus soll die Anlage Frequenzschwankungen und kurzfristige Ungleichgewichte im Stromnetz ausgleichen sowie Blindleistung für die Netzstabilität bereitstellen.

Die Batterie ist laut Unternehmen für zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag ausgelegt. Rechnerisch könne sie rund 500.000 Haushalte für zwei Stunden oder 100.000 Haushalte für zehn Stunden mit Strom versorgen. Zudem sei die Anlage in der Lage, nach einem Stromausfall die Stromversorgung eigenständig wiederherzustellen.

Vermarktungsmodell Tolling-Agreement

Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht ein Vermarktungsmodell, das ein Tolling-Agreement für 80 Prozent der Leistung mit einer marktpreisorientierten Vergütung für die verbleibenden 20 Prozent kombiniert. Next Kraftwerke erhält dabei die Möglichkeit, die Batterie flexibel an verschiedenen Strom- und Regelenergiemärkten einzusetzen.

Wie die Unternehmen mitteilen, sind sogenannte Flexibility Purchase Agreements, auch Tolling-Modelle genannt, in Deutschland bislang noch wenig verbreitet. Solche Modelle könnten nach Unternehmensangaben die Finanzierung großer Batteriespeicherprojekte erleichtern. Vor dem Hintergrund energiepolitischer Diskussionen und regulatorischer Unsicherheiten sollen strukturierte Vermarktungsmodelle für mehr Planungssicherheit sorgen. Nach Einschätzung der Unternehmen schaffen klare Regelungen zur Risikoverteilung eine Grundlage für Investitionsentscheidungen in Speicherprojekte.

Neuer Standard in der Speichervermarktung

Für das Projekt wurde zudem eine flexible Netzanschlussvereinbarung mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz geschlossen. Dabei sollen Vorgaben wie Leistungssteigerungen und Grenzen bei Systemdienstleistungen in die Betriebsoptimierung einbezogen werden. Next-Kraftwerke-Chef Marc Rühs sagte: „Mit dem Tolling-Modell etablieren wir einen neuen Standard in der Speichervermarktung und schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Partner. Wir zeigen, wie modernste Optimierungsalgorithmen und intelligente Marktintegration zusammenwirken.“

Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor, erklärte: „Im Zentrum steht für uns die Verbindung technologischer Innovationskraft mit klar definierten betrieblichen Leitplanken. Indem wir netzseitige Anforderungen wie Rampengeschwindigkeiten oder die Bereitstellung von Regelreserve konsequent berücksichtigen, stellen wir einen netzdienlichen und zugleich marktorientierten Betrieb sicher.“





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