InterviewDen Spagat hinbekommen

Reinhard Meyer, Schleswig-Holsteins Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie.
(Bildquelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein)
Herr Minister Meyer, Sie haben ein Gutachten zur Mobilität der Zukunft in Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben. Was hat Sie dazu veranlasst?
Wir haben eine große Aufgabe, wenn wir über die Organisation des ÖPNV in Schleswig-Holstein nachdenken. Nämlich: Wie bekommen wir in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein den Spagat hin zwischen der Versorgung im ländlichen Raum und einem angemessenen Angebot in der Metropolregion Hamburg? Je näher dran an Hamburg, desto höher die Zahl der Pendlerinnen und Pendler. Das sind schon sehr unterschiedliche Aufgaben, die man zueinander bringen muss. Deswegen ist es wichtig, mithilfe eines Gutachtens die zukünftigen Trends im Bereich der Mobilität – insbesondere die individuellen Kundenwünsche – zu erfragen, die ja auf die jeweilige Region bezogen unterschiedlich sind.
Welche politischen Maßnahmen können Sie aus dem Gutachten ableiten?
Wir wollen das Mobilitätsangebot flexibler, aber auch individueller gestalten, wobei letzteres insbesondere für den ländlichen Raum gilt. Wir wollen natürlich zukunftsfähige Technologien im Nahverkehr haben, das heißt, neue Antriebsformen, Elektrifizierung und E-Mobilität. Das Thema Umweltbelastung und wie man diese reduzieren kann, ist etwas, was viele Menschen interessiert. Wir brauchen im Urlaubsland Schleswig-Holstein aber nicht nur ein Angebot der Daseinsvorsorge für Pendlerinnen und Pendler. Sondern wir benötigen auch für die touristischen Regionen, für die vielen Gäste, die zu uns kommen, ein attraktives Angebot.
„Wir wollen das Mobilitätsangebot flexibler, aber auch individueller gestalten.”
Schleswig-Holstein ist vergleichsweise dünn besiedelt und es dominiert der Autoverkehr. Was tut das Land, um den Umstieg auf Elektromobilität zu fördern?
Es gibt eine Landesstrategie E-Mobilität, welche die Grundlage dafür legt, wie wir uns in Zukunft aufstellen wollen. Aber ich glaube, nicht nur die reine E-Mobilität spielt eine Rolle, sondern Hybridantriebe sind die Zukunft. Es geht beispielsweise nicht nur darum, im Straßenverkehr entsprechende Busse einzusetzen, sondern auch um alternative Antriebe bei Zügen. Im Nahverkehr können wir das durch entsprechende Ausschreibungen für die Netze steuern, die wir in Schleswig-Holstein dann an den Markt bringen – und das werden wir auch tun.
Wenn Sie eine Verkehrsvision für ihr Land entwerfen würden, wie sähe diese aus?
Zum einen würde ich mich freuen, wenn wir im Jahr 2028 zehn Jahre Nordtarif feiern würden. Das heißt: Es gilt ein Tarifsystem von Flensburg bis nach Hamburg, damit ganz Schleswig-Holstein davon profitiert. Mit Blick auf das Jahr 2030 stelle ich mir vor – und das werden wir erreichen –, dass alle Projekte im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans umgesetzt worden sind. Denn das ist enorm wichtig für die Infrastruktur in unserem Land. Und nicht zuletzt werden alle Landesstraßen ordentlich saniert sein, weil wir bis zum Jahr 2030 ein zukunftsfähiges Infrastrukturprogramm haben.
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