Dienstag, 26. Mai 2026

Belectric DriveElektrisierend einfach

[15.12.2014] Für Elektroautos mangelt es nach wie vor an guter Lade-Infrastruktur. Das Unternehmen Belectric Drive demonstriert, wie das intelligente Ladesystem der Zukunft aussehen könnte. stadt+werk hat das Unternehmen im Innopark in Kitzingen besucht.
Yusuf Akdeniz demonstriert die Bedienung der Ladestationen von Belectric Drive.

Yusuf Akdeniz demonstriert die Bedienung der Ladestationen von Belectric Drive.

(Bildquelle: K21 media AG)

Auf den ersten Blick erinnert nichts an die Vergangenheit des Innovations- und Gewerbeparks Kitzingen (Innopark in Kitzingen). Dort, wo früher US-Soldaten ihre Truppenübungen durchführten, reihen sich heute Gewerbebetriebe aneinander. Dienstleistungen, Handel, Industrie – vieles ist hier vertreten. Nur vereinzelt ragen die Relikte früherer Tage in die Höhe: graue Gebilde aus Beton. „Das ist eine Panzerwaschanlage. Da haben die Amerikaner ihre Panzer geputzt“, erklärt Yusuf Akdeniz. Mit schwerfälligen Kettenfahrzeugen hat der 31-jährige Großkundenbetreuer beim Unternehmen Belectric Drive ansonsten aber wenig zu tun. Viel lieber sitzt er hinter dem Steuer eines schnittigen Sportwagens; in diesem Fall hinter dem eines Tesla Model S. „Dieses Fahrzeug ist ein Traum“, schwärmt er. „Wer einmal in solch einem Auto gesessen hat, will nicht mehr auf einen Benziner umsteigen.“ Etwas enttäuscht gibt Akdeniz dann zu bedenken, dass der Wagen nicht ihm, sondern seinem Chef gehört. Er selbst muss sich mit einem Renault ZOE als Firmenwagen begnügen – ebenfalls elektrisch versteht sich. Doch auch das sei schon etwas besonderes.

Klasse statt Masse

Akdeniz deutet damit etwas an, was derzeit auch die Politik in Berlin beschäftigt: Elektrofahrzeuge sind nach wie vor kein Produkt für die breite Masse, sondern eher die Ausnahme im Straßenverkehr. Laut Kraftfahrt-Bundesamt entfielen im Jahr 2014 nur rund 0,3 Prozent aller Neuzulassungen auf Elektrofahrzeuge. Rund 24.000 der elektrisch betriebenen Autos rollen derzeit über Deutschlands Straßen. Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, soll dieser Wert bis zum Jahr 2020 auf eine Million Fahrzeuge ansteigen. Impulse erhofft man sich durch das neue Elektromobilitätsgesetz (EmoG), das Sonderregelungen vorsieht. Wenn es im Februar 2015 in Kraft tritt, soll es Kommunen unter anderem ermöglichen, Parkplätze für Elektrofahrzeuge zu reservieren oder die Mitnutzung der Busspur zu erlauben. Zudem will die Bundesregierung steuerliche Anreize schaffen: Wer bis zum Jahr 2015 ein E-Auto kauft, soll zehn Jahre lang von der Kraftfahrzeug-Steuer befreit werden. All das soll dazu führen, den Umstieg auf die Elektromobilität für Bürger und Unternehmen so schmackhaft wie möglich zu machen.

Testfeld Innopark

Doch was nützen all die Privilegien, wenn es nach wie vor an einer flächendeckenden Infrastruktur für Elektrofahrzeuge fehlt, denkt sich Hansgeorg Molnar, Software-Entwicklungsingenieur bei der Firma Padcon, die im Innopark in Kitzingen Systemlösungen für Solarkraftwerke anbietet. Auch er fährt mit einem Renault ZOE zur Arbeit und ist ein bekennender Anhänger der Elektromobilität. „Meine Familie war anfangs recht kritisch eingestellt“, sagt er. „Mittlerweile sind sie aber hellauf von dem Fahrzeug begeistert. Unser Audi A6, den wir sonst benutzen, steht nur noch rum.“ Dass dies möglich ist, verdankt er auch dem ganzheitlichen Ladesystem von Belectric Drive. Insgesamt zehn Ladestationen hat das Unternehmen auf dem 55 Hektar großen Gelände des Gewerbeparks installiert und zur freien Verfügung gestellt. Das Angebot wird mittlerweile sowohl von den Mitarbeitern von Belectric Drive als auch von weiteren ansässigen Unternehmen im Innopark in Kitzingen ausgiebig genutzt.

Plug and Play

Belectric Drive möchte Nutzern von E-Autos einen möglichst reibungslosen Ladevorgang ermöglichen und den Unternehmen gleichzeitig eine flexible Lösung zum Einsatz der Elektromobilität in die Hand geben. Das beginnt bereits beim Design der Ladeboxen. „Die Ladeboxen funktionieren nach dem Prinzip Plug and Play“, erklärt Akdeniz. Durch ihre kompakte Form seien sie nicht nur sehr platzsparend, sondern könnten auch innerhalb weniger Minuten ausgetauscht werden; sollte einmal etwas defekt sein oder die Anlage nicht mehr den aktuellen technischen Anforderungen entsprechen. Zudem sei es möglich, die Ladestation nach der Installation über ein Ferndiagnosesystem zu warten. „Dadurch reduzieren sich die Wartungs- und Servicekosten der Anlage um bis zu 70 Prozent“, versichert Akdeniz. Beim täglichen Einsatz kann der Betreiber über ein Online-Management-System die Ladeboxen nach Belieben per Mausklick überwachen und steuern und so beispielsweise zeitlich festgesetzte Tarife für jede Ladestation bestimmen. Von dem System profitiert laut Belectric Drive aber auch der Fahrzeugnutzer: Über ein Online-Portal wird in Echtzeit angezeigt, ob eine Ladebox gerade belegt ist – ein Dienst, der ebenso über Apps und Navigationssysteme in Anspruch genommen werden kann. Die Fahrzeugnutzer können dann bequem die nächstgelegene freie Ladebox ansteuern. #bild2
Die Ladestationen werden optional mit Strom aus Photovoltaikanlagen gespeist. Hierfür bietet Belectric Drive als Teil der Belectric-Unternehmensgruppe mehrere Lösungen an: Beim Solar-Carport-Ladebox-System wird der Strom aus einzelnen Modulen gewonnen, die auf der Überdachung der Ladestation angebracht sind. Ein stationärer Batteriespeicher nimmt den überschüssigen Solarstrom auf und gibt ihn bei Bedarf wieder ab. Alternativ bietet es sich an, den Strom von einer Freiflächenanlage zu beziehen. Beim Lade-Management setzt Belectric Drive auf die Optimierung des Eigenverbrauchs und Entlastung des Stromnetzes. Über einen eingebauten Ladebox-Controller kommunizieren die Ladesysteme zwischen Elektrofahrzeugen, regenerativen Erzeugungsanlagen und weiteren Verbrauchern und Erzeugern.

Flexible Abrechnung

Für Molnar sind solche Aspekte eher nebensächlich. Als Elektrofahrzeugnutzer ist er in erster Linie am eigentlichen Ladevorgang interessiert. Unkompliziert und schnell muss es sein. Und hier kann das Konzept von Belectric Drive durchaus punkten: „Es ist ein einfaches System. Da geht die Klappe auf und man steckt das Kabel rein – fertig. Auch die Kommunikation funktioniert“, sagt Molnar. Geladen werden kann wahlweise mit einem Schuko-Stecker oder dem europaweit genormten Ladestecker vom Typ 2, der kurze Ladezeiten ermöglicht. Die Abrechnung erfolgt bequem mittels SMS oder App über das Smartphone. Der Endnutzer bezahlt entweder über die Mobilfunkrechnung oder per Prepaid-Guthaben. Das System unterstützt zudem alle gängigen RFID-Karten. ChargeNow Ladekarten des Autoherstellers BMW oder die Intercharge App werden ebenfalls unterstützt. „Man braucht verschiedene Bezahlmöglichkeiten, weil es noch so viele Standards gibt“, begründet Akdeniz das breite Angebot. Früher sei es noch geläufig gewesen, dass Ladestationen nur in Verbindung mit einem Anbieter verwendet werden konnten. „Um Strom tanken zu können musste man beispielsweise zugleich Kunde des Energieversorgers sein, der die Ladestation betreibt“, erklärt Akdeniz. Das Bezahlen sei nun wesentlich flexibler und kundenfreundlicher. Einzig die Verwendung von Bargeld bleibt dem Nutzer verwehrt. Doch auch hier hat der Großkundenbetreuer die passende Lösung parat: Wer nicht weiß, wohin mit dem ganzen Kleingeld, der kann die Ladestation bei Bedarf auch als Werttresor verwenden. Ganz nebenbei wird das Smartphone geladen.

Ladekonzept kommt an

Belectric Drive bietet das Ladekonzept mit integriertem Online-Portal, individueller Abrechnungsmöglichkeit und Schließfachfunktion auch für Elektro-Fahrräder an – als einziger Anbieter in Deutschland überhaupt, versichert Akdeniz. Dass das Konzept aufgeht, zeigen die Statistiken: 300 Ladepunkte hat das Unternehmen mittlerweile europaweit installiert. Mehr als 10.000 Ladevorgänge wurden bislang registriert. „Wir stellen fest, dass die Elektromobilität bereits im Alltag angekommen ist. Es läuft – und das sieht man“, sagt Akdeniz. „Wichtig ist nur, dass die Leute auch weiterhin in diese Richtung denken.“

Marc Tosenberger




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Elektromobilität
Zwei Menschen stehen an einer Ladesäule von Mainova neben einem Elektroauto mit Shell-Recharge-Logo. Die Frau hält ein Smartphone in der Hand, der Mann lehnt am Fahrzeug und zeigt eine Ladekarte. Die Szene zeigt das Laden eines Elektroautos im öffentlichen Raum.

Mainova: Kooperation mit Shell

[12.05.2026] Mit einer langfristigen Partnerschaft wollen die Unternehmen Shell Recharge und Mainova den Zugang zur Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ausbauen. Mainova-Kundinnen und -Kunden sollen über die Shell-App Rabatte und Zugang zu einem europaweiten Ladenetz erhalten. mehr...

Öffentliche Ladesäule der Stadtwerke Tübingen: Förderung durch den Bund ist laut BDEW zu bürokratisch.

BSI: Wie sicher ist die öffentliche Lade-Infrastruktur?

[08.05.2026] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat erstmals einen Bericht zur IT-Sicherheit öffentlicher Lade-Infrastruktur veröffentlicht. Die Analyse benennt Schwachstellen bei Protokollen, Software und Zertifikatsverwaltung und zeigt, warum vernetzte Ladesäulen zu einem kritischen Faktor der Verkehrswende werden. mehr...

Kornwestheim: Ladepunkte decken Bedarf ab

[08.05.2026] Kornwestheim verfügt bereits heute über genügend öffentliche Ladepunkte, um den prognostizierten Bedarf bis 2028 abzudecken. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bauen das Netz dennoch weiter aus und planen zusätzliche Standorte an stark frequentierten Orten wie dem Bahnhof. mehr...

Wiesbaden: Jahresbericht zeigt Wachstum der E-Mobilität

[08.05.2026] Wiesbaden zählt beim Anteil von Elektroautos und beim Ausbau öffentlicher Ladepunkte bundesweit zur Spitzengruppe. Ein neuer Jahresbericht der Stadt zeigt, wie stark die Elektromobilität wächst und welche Rolle kommunale Steuerung und neue Schnellladeangebote dabei spielen. mehr...

NTT DATA: E-Autos als mobile Stromspeicher

[08.05.2026] Bidirektionales Laden macht Elektroautos zu mobilen Stromspeichern für Haushalte, Unternehmen und Stromnetze. Nach Einschätzung von NTT DATA könnte die Technik Kommunen helfen, Netze zu stabilisieren, Energiekosten zu senken und die Energiewende schneller voranzutreiben. mehr...

Bindlach: E.ON nimmt Schnelllade-Standort in Betrieb

[27.04.2026] E.ON nimmt in Bindlach bei Bayreuth einen neuen Schnelllade-Standort mit bis zu 400 Kilowatt Leistung in Betrieb. Die Anlage ist Teil des Deutschlandnetzes und zeigt, wie Infrastruktur, Komfort und erneuerbare Energie beim Laden zusammenwachsen. mehr...

Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses mit mehreren an der Betonwand montierten Wallboxen. Ein blaues Elektroauto steht an einem Ladeplatz und ist mit einer Ladestation verbunden. Entlang der Wand verläuft eine sichtbare Stromschiene mit mehreren Anschlüssen für Ladepunkte.

Hager: Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser

[24.04.2026] Mit Blick auf das neue Förderprogramm des Bundesministeriums für Verkehr für Lade-Infrastruktur in Mehrparteienhäusern verweist Hager auf eigene Systeme für solche Anwendungen. Nach Angaben des Unternehmens richten sich die Lösungen an private, halböffentliche und öffentliche Einsatzorte. mehr...

LichtBlick: Monopolanalyse warnt vor Marktkonzentration bei Ladesäulen

[22.04.2026] LichtBlick diagnostiziert in seiner Monopolanalyse 2026 eine starke Marktkonzentration an öffentlichen Ladesäulen mit dominierenden Einzelbetreibern. Die Studie sieht darin ein Risiko für Wettbewerb, Preise und Tempo der Elektromobilität – und schlägt ein alternatives Marktmodell vor. mehr...

BNM: Fachgipfel zur günstigeren Lade-Infrastruktur

[22.04.2026] Der Bundesverband Neue Mobilität treibt neue Konzepte für transparenteres und kostengünstigeres öffentliches Laden von Elektrofahrzeugen voran. Auf einem Fachgipfel in Berlin stellten Experten konkrete technische und regulatorische Ansätze vor, die Milliarden-Einsparungen ermöglichen könnten. mehr...

Fünf Elektroautos von Volkswagen stehen nebeneinander auf einem Parkplatz vor einem modernen Gebäude. Die Fahrzeuge sind in Rot, Blau, Weiß, Grau und Rot lackiert. Im Hintergrund sind Bäume und ein heller Himmel zu sehen.

BDEW: Starkes Jahr für die Elektromobilität

[16.04.2026] Die Elektromobilität in Deutschland ist nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Jahr 2025 deutlich gewachsen. Auch das erste Quartal 2026 habe den Trend fortgesetzt. mehr...

Drei weiße Wallboxen für Elektroautos sind an einer Innenwand montiert und über Kabelkanäle mit Sicherungskästen verbunden. An der mittleren Ladestation steckt ein Ladekabel. Die Wand ist grau und im unteren Bereich grün gestrichen.

Ladeinfrastruktur: Bund fördert Ladepunkte in Mehrparteienhäusern

[16.04.2026] Das Bundesministerium für Verkehr startet ein neues Förderprogramm für Ladeinfrastruktur an Mehrparteienhäusern. Dafür stehen bis zu 500 Millionen Euro bereit. Ziel ist laut Ministerium, den Zugang zu Lademöglichkeiten für Millionen Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern. mehr...

Vier Männer stehen vor drei neuen elektrischen Linienbussen der Stadtwerke Neuss auf einem Betriebshof und präsentieren die moderne, emissionsfreie Fahrzeugflotte.

Stadtwerke Neuss: Elektrobusse aus China

[10.04.2026] Die Stadtwerke Neuss haben sechs weitere Elektrobusse in Betrieb genommen. Die neuen Fahrzeuge ersetzen Dieselbusse und sollen den CO₂-Ausstoß deutlich senken. Insgesamt umfasst die Flotte nun 17 E-Busse. mehr...

Luftaufnahme einer modernen Busanlage der BVG in Berlin: Auf einem großflächigen Betriebshof stehen zahlreiche gelbe Elektrobusse in Reih und Glied an Ladeplätzen unter überdachten Infrastrukturen. Mehrere Funktionsgebäude mit begrünten Dächern und Solaranlagen umgeben das Gelände. Im Hintergrund verläuft ein Fluss mit Brücke, daneben erstrecken sich Grünflächen und die städtische Bebauung.

Berlin: Neuer Betriebshof für E-Busse

[07.04.2026] In Berlin-Treptow-Köpenick baut die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen neuen Betriebshof für Elektrobusse. Der Standort an der Köpenicker Landstraße soll 2027 in Betrieb genommen werden. Damit soll die wachsende E-Busflotte unterstützt werden. mehr...

Stuttgart: Neue Schnellladepunkte direkt am Straßenrand

[07.04.2026] In Stuttgart startet erstmals öffentliches Schnellladen für Elektroautos direkt am Straßenrand. Die neuen DC-Ladepunkte der Stadtwerke erweitern das Ladenetz deutlich und sollen den Umstieg auf Elektromobilität beschleunigen. mehr...

BMV: Mehrparteienhäuser sollen Lade-Infrastruktur erhalten

[26.03.2026] Das Bundesverkehrsministerium startet ein 500-Millionen-Euro-Programm für Lade-Infrastruktur in Mehrparteienhäusern. Damit soll der Ausbau privater Lademöglichkeiten deutlich beschleunigt werden – ein Engpass, der bislang viele am Umstieg auf E-Mobilität hindert. mehr...