StuttgartKlimaschutz zahlt sich aus

Landeshauptstadt Stuttgart: Laut Energie- und Klimaschutzbericht wurden die Klimaziele für 2023 leicht verfehlt. Die Stadt will nun nachsteuern.
(Bildquelle: 123rf.com)
Das Amt für Umweltschutz hat dem Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart den Energie- und Klimaschutzbericht 2024 präsentiert (wir berichteten). Demnach sank der Endenergieverbrauch im Jahr 2023 witterungsbereinigt auf rund 11.000 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a). Das sind 23 Prozent weniger als 1990.
Auch beim Primärenergieverbrauch gab es Fortschritte: Er liegt nun 51 Prozent unter dem Wert von 1990, während der Anteil erneuerbarer Energien auf 30 Prozent stieg. Die Treibhausgasemissionen sanken um 54 Prozent gegenüber 1990. Damit wurde das Ziel für 2023 jedoch leicht verfehlt – um 0,15 Prozent. Die Stadt will nun nachsteuern.
Weniger Erdgas, weniger Strom
Laut Bericht sind für die positive Entwicklung vor allem die warme Witterung, Aufrufe zum Energiesparen sowie ein gestiegener Anteil erneuerbarer Energien im Bundesstrommix ausschlaggebend. Der Erdgasverbrauch ging um elf Prozent zurück, der Stromverbrauch um fünf Prozent. Durch die damit verbundenen Einsparungen sank der CO₂-Ausstoß gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um fünf Prozent.
Trotz dieser Fortschritte wurden die Vorgaben des festgelegten CO₂-Reduktionspfads knapp verfehlt. So wurden 2023 rund 4.600 Tonnen CO₂ mehr ausgestoßen als erlaubt. Auch für das Jahr 2024 droht eine Überschreitung. Vorläufige Zahlen prognostizieren eine Reduzierung um 55 Prozent gegenüber 1990, erwartet werden jedoch 58 Prozent.
Der Bericht zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren. So sank der Energieverbrauch im Bereich Wohnen 2023 zwar um sieben Prozent, liegt aber nur sechs Prozent unter dem Wert von 1990, und die Einsparung je Bürger und je Wohneinheit fiel ebenfalls vergleichsweise gering aus. Das Amt für Umweltschutz sieht hier daher hohe Potenziale für weitere Reduktionen.
Unternehmen senken Verbrauch deutlich
Im Unternehmenssektor liegt der witterungsbereinigte Endenergieverbrauch inzwischen 64 Prozent unter dem Stand von 1990. Gegenüber dem Vorjahr wurden weitere sieben Prozent eingespart, insbesondere durch einen Rückgang des Erdgasverbrauchs um 20 Prozent. Der Sektor hat seinen CO₂-Ausstoß seit 1990 um 58 Prozent verringert. In Relation zur Bruttowertschöpfung und zur Zahl der Erwerbstätigen ist der Energiebedarf rückläufig.
Nach den pandemiebedingten Rückgängen ist der Energieverbrauch im Verkehrsbereich im Jahr 2023 erstmals wieder gestiegen – und zwar um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund hierfür ist ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, was auch die Verkehrszähldaten belegen. Seit 1990 konnte der Energieverbrauch in diesem Sektor dennoch um 25 Prozent gesenkt werden.
Wärmeversorgung weiterhin auf Erdgasbasis
Der Energieverbrauch bei der Wärmeversorgung ist 2023 um acht Prozent zurückgegangen. Sie basiert jedoch weiterhin vorwiegend auf Erdgas. Zwar verdoppelte sich die Zahl der installierten Wärmepumpen gegenüber dem Vorjahr, mit rund 300 Anlagen blieb sie aber weit unter dem Zielwert von jährlich 3.400 Anlagen. Die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen stieg auf 109 Megawatt-Peak und erreicht damit nahezu das Zielniveau.
Auch bei den städtischen Liegenschaften zeigt der Bericht Fortschritte. So sank der Heizenergiebezug um 8,4 Prozent und der Stromverbrauch um 1,8 Prozent. Der CO₂-Ausstoß ging um rund 790 Tonnen zurück und liegt nun 75,4 Prozent unter dem Niveau von 1990.
Die Zahl der Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien wurde von 258 auf 300 erhöht. Dazu zählen 220 Photovoltaikanlagen mit einem Ertrag von über 4.400 MWh pro Jahr, 24 Holzpellet-Anlagen und 23 Wärmepumpen. Der regenerative Anteil am Heizenergieverbrauch liegt bei 34,5 Prozent und am Stromverbrauch bei 12,8 Prozent. Das Amt für Umweltschutz setzt beim Ausbau verstärkt auf stadtinternes Contracting. Dadurch können Projekte schneller und gezielter umgesetzt werden; einige seien laut Stadt erst dadurch realisierbar geworden.
Einsparungen und Kostenentwicklung
Die Energiekosten der städtischen Gebäude beliefen sich im Jahr 2023 auf rund 96,4 Millionen Euro. Das sind etwa 12,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund hierfür war vor allem der gesunkene Strompreis. Der Wärmepreis hingegen stieg leicht. Beim Wasser gab es ebenfalls eine moderate Preissteigerung.
Die Gesamteinsparungen bei Energie und Wasser summieren sich für das Jahr 2023 auf rund 83 Millionen Euro. Darin enthalten sind 45,7 Millionen Euro bei der Wärmeversorgung, 29,4 Millionen Euro beim Strom und 7,8 Millionen Euro beim Wasserverbrauch. Zusätzliche Vergütungen und Tarifkosteneinsparungen beliefen sich auf 3,1 Millionen Euro.
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