Samstag, 7. November 2026

AGFWKraftakt für die Fernwärmebranche

[14.06.2023] AGFW-Präsident Hansjörg Roll forderte auf dem Fernwärmegipfel, der Bund müsse mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr bis 2035 bereitstellen, um den Ausbau der Wärmenetze zu beschleunigen.
AGFW-Präsident Hansjörg Roll: Das Ziel einer vollständigen Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2045 ist grundsätzlich erreichbar.

AGFW-Präsident Hansjörg Roll: Das Ziel einer vollständigen Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2045 ist grundsätzlich erreichbar.

(Bildquelle: AGFW)

Anlässlich des Fernwärmegipfels, der diese Woche in Berlin stattfand (wir berichteten), hat AGFW-Präsident Hansjörg Roll an die Bundesregierung appelliert, die Rahmenbedingungen für die Fernwärme in Deutschland deutlich zu verbessern. Roll, Technikvorstand bei MVV Energie, sagte: „Unsere Unternehmen sind bereit, die Herausforderungen der Wärmewende anzugehen. Schon jetzt investieren die Versorger Jahr für Jahr hohe Summen in die Dekarbonisierung und den Ausbau ihrer Wärmenetze. Grüne Fernwärme kann und muss in Zukunft ein wesentliches Standbein für die klimaneutrale Wärmeversorgung in Deutschland sein.“

Fernwärme für die Hälfte aller Haushalte

Das Ziel einer vollständigen Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2045 sei grundsätzlich erreichbar. „Heute liegen wir bei der Fernwärme bei 30 Prozent. Zum Vergleich: Im gesamten deutschen Wärmemarkt liegt der Anteil bei durchschnittlich 18 Prozent. Perspektivisch kann die Hälfte aller Haushalte in den Städten mit Fernwärme versorgt werden“, zeigte sich der AGFW-Präsident überzeugt. Beides zusammen, der Um- und Ausbau in einem relativ überschaubaren Zeitraum, sei jedoch ein gewaltiger Kraftakt für Branche und Gesellschaft. Um diese Ziele zu erreichen, seien grundlegend andere Rahmenbedingungen notwendig.

Drei Milliarden Euro pro Jahr

Roll forderte eine Aufstockung der finanziellen Unterstützung für den Umbau im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze auf mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr bis 2035. Das bisher vorgesehene Fördervolumen von drei Milliarden Euro in vier Jahren sei nicht ausreichend. Zudem müssten strukturelle Hemmnisse in den Städten beseitigt werden, um den Aus- und Umbau der Fernwärme zu beschleunigen. Wichtig sei auch die Überarbeitung von Gesetzen und Verordnungen, um Widersprüche und Schwachstellen zu beseitigen, die den Ausbau der Fernwärme behindern. Roll betonte auch die Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Diese Technologie sei das Rückgrat vieler Fernwärmenetze und könne mit zukünftigen Brennstoffen wie Wasserstoff kompatibel sein.

Zufriedene Fernwärmekunden

Roll wies darauf hin, dass Fernwärmekunden laut Umfragen zu den zufriedensten Kunden im Wärmemarkt gehören. Es sei wichtig, die Rahmenbedingungen anzupassen, um die Zufriedenheit der Fernwärmekunden weiter zu steigern. Die Fernwärmebranche sei bereit, an tragfähigen Lösungen zu arbeiten. Abschließend betonte der AGFW-Präsident, dass der Fernwärmegipfel der Auftakt für eine engere Zusammenarbeit und einen regelmäßigen Austausch mit der Bundesregierung, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesbauministerium sei. Die Fernwärmebranche wolle ihren Beitrag zum Gelingen der Wärmewende leisten.



Stichwörter: Wärmeversorgung, AGFW


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Kommunale Wärmeplanung: Kommunikation bleibt entscheidend

[05.11.2026] 83 Prozent der Kommunen sehen zusätzlichen Kommunikationsbedarf bei der Wärmeplanung. Die Kommunikationsagentur trurnit Pressewerk empfiehlt, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einzubeziehen und klar zwischen Planungen und verbindlichen Zusagen zu unterscheiden. mehr...

München: Weniger Wärmebedarf im Netz

[03.11.2026] Im Münchner Stadtteil Freiham senken optimierte Heizungsanlagen und spezielle Wärmepumpen den Energiebedarf öffentlicher Gebäude. Nach Angaben des Herstellers varmeco ermöglichen niedrige Rücklauftemperaturen zugleich eine effizientere Nutzung des Geothermie-Fernwärmenetzes. mehr...

Stadtwerke Bochum: Fernwärmeausbau und Wärmepumpen geplant

[02.11.2026] Nach dem Beschluss der kommunalen Wärmeplanung konkretisiert Bochum die nächsten Schritte für den Umbau der Wärmeversorgung. Die Stadtwerke wollen das Fernwärmenetz ausbauen und das Stromnetz auf den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen vorbereiten. mehr...

Fraunhofer IEG: Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt Prozessdampf

[30.10.2026] Im Papierwerk von Felix Schoeller in Weißenborn wird eine Hochtemperatur-Wärmepumpe erprobt, die industrielle Abwärme zur Dampferzeugung nutzt. Erste Betriebsergebnisse zeigen, wie sich dadurch der Erdgasverbrauch und die CO₂-Emissionen senken lassen. mehr...

enercity: Gemeinschaftsunternehmen gegründet

[27.10.2026] enercity Contracting und Stadt.Energie.Speicher wollen den Einsatz von Großwärmepumpen in Nah- und Fernwärmenetzen vorantreiben. Das gemeinsame Unternehmen EnerSes Wärme soll insbesondere Stadtwerke und Kommunen bei der Umstellung auf erneuerbare Wärme unterstützen. mehr...

Kreis Karlsruhe: Schule stellt Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien um

[26.10.2026] Der Landkreis Karlsruhe will die Wärmeversorgung der Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. Das rund 1,9 Millionen Euro teure Projekt soll die CO₂-Emissionen der Wärmeerzeugung um 95 Prozent senken und wird vom Bund gefördert. mehr...

Hamburg: enercity versorgt neuen Stadtteil

[20.10.2026] enercity übernimmt die Wärme- und Kälteversorgung des neuen Hamburger Stadtteils Grasbrook. Bereits zum Versorgungsstart 2031 sollen mehr als 90 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien und industrieller Abwärme stammen. Bis 2040 ist eine vollständig klimaneutrale Versorgung geplant. mehr...

Wärmenetze: Banken sehen hohe Finanzierungsrisiken

[19.10.2026] Banken schätzen die Finanzierung von Wärmenetzen als riskanter ein als die von Stromnetzen. Eine Studie des Fraunhofer ISI zeigt, welche Hürden beim Ausbau der Fernwärme bestehen und wie sich die Finanzierung erleichtern lässt. mehr...

Oldenburg: Wärmewende-Beirat nimmt Arbeit auf

[19.10.2026] In Oldenburg hat ein Beirat zur Begleitung der kommunalen Wärmewende seine Arbeit aufgenommen. Das Gremium soll Empfehlungen erarbeiten, wie die Stadt ihre Wärmeversorgung klimaneutral gestalten und dabei soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen kann. mehr...

Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt

[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm: Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen

[12.10.2026] Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm beginnen Mitte Oktober mit Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen an der Donau. Die Anlagen sollen ab 2027 regenerative Wärme für die Fernwärmeversorgung liefern. mehr...

Meersburg: Wärme aus dem Bodensee

[12.10.2026] Baden-Württemberg will landeseigene Gebäude in Meersburg künftig mit Wärme aus dem Bodensee versorgen. Insgesamt 13 Liegenschaften sollen schrittweise an das geplante Seewärme-Netz angeschlossen werden. mehr...

Stuttgart: Stadtwerke prüfen neues Wärmenetz in Feuerbach

[12.10.2026] Die Stadtwerke Stuttgart prüfen den Aufbau eines Wärmenetzes in Feuerbach, das zwischen 2030 und 2035 entstehen könnte. Eigentümer und Unternehmen können bereits jetzt unverbindlich ihr Interesse an einem Anschluss bekunden. mehr...

Dresden: Wärmeplan beschlossen

[07.10.2026] Der Dresdner Stadtrat hat den kommunalen Wärmeplan beschlossen und dabei Prüfgebiete ausgeweitet sowie den Maßnahmenplan angepasst. Mit dem Digitalen Energielotsen setzt die Stadt bereits eine Maßnahme um, die Gebäudeeigentümer bei Fragen zu Wärmeversorgung, Sanierung und Heizungstausch unterstützen soll. mehr...

N-Ergie: Genehmigung für Altholz-Heizkraftwerk

[05.10.2026] N-Ergie hat die Genehmigung für ein neues Altholz-Heizkraftwerk am Standort Nürnberg-Sandreuth erhalten. Die Anlage soll ab Ende 2029 Strom und Fernwärme erzeugen und bis zu 40 Megawatt thermische Leistung bereitstellen. mehr...