Dienstag, 5. Mai 2026

StrompreiseMehr Zeit für Kernkraft und Kohle?

[28.02.2022] Aufgrund der hohen Strompreise auch in Folge des Krieges gegen die Ukraine untersuchte enervis die Möglichkeit, ob Kernkraft- und Kohlekraftwerke länger laufen sollten.

Angesichts des Kernenergie- und Kohleausstiegs galt Erdgas als die Brückentechnologie im Stromsektor auf dem Weg in eine erneuerbare Energiewelt und Russland als zuverlässiger Partner von Erdgaslieferungen. In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen scheint dies in weite Ferne gerückt, so die Energieökonomen von enervis energy advisors. Plötzlich sind auch ein Weiterbetrieb der verbliebenen Kernkraftwerke und ein deutlich langsamerer Kohleausstieg denkbare Szenarien zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Basierend auf aktuellen Einschätzungen zur Strommarktentwicklung und unter Berücksichtigung von anhaltend hohen Gaspreisen sowie der Option des Weiterbetriebs von Kernkraftwerken und eines deutlich verzögerten Kohleausstiegs, hat enervis die Strompreisentwicklung am deutschen Großhandelsmarkt bis 2030 modelliert. „Unsere Prognosen zeigen, dass wir, bei langfristig hohen Gas- und CO2-Preisen auf dem Stand heutiger Notierungen, ein anhaltend hohes Strompreisniveau sehen werden. Gegenüber einer Referenz, in der von einem Gaspreisrückgang bis 2030 auf 25 Euro je Megawattstunde (MWh) ausgegangen wurde, verdoppelt sich der Jahresbase am Stromgroßhandelsmarkt auf etwa 140 bis 160 Euro/MWh“, sagt Mirko Schlossarczyk, Partner und Strommarktexperte von enervis.
Vor dem Hintergrund der Importabhängigkeit von russischem Erdgas wurde auch ein Szenario mit hohem Gaspreis bei gleichzeitigem Weiterbetrieb der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke und deutlich verzögertem Kohleausstieg betrachtet. Hier fällt der Preisanstieg gegenüber der Referenz etwas schwächer aus, der Jahresbase liegt jedoch in allen Prognosejahren teils immer noch deutlich über 110 Euro/MWh. Die CO2-Minderungsziele 2030 werden in keinem der beiden Szenarien erreicht. Der Erdgasverbrauch im Strommarkt ist in den Szenarien deutlich geringer als in der Referenz. „Wir sehen in beiden Szenarien einen Rückgang des Gasbedarfs im Strommarkt in der Größenordnung von jährlich bis zu 40 Prozent“, so Schlossarczyk weiter.





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