Dienstag, 26. Mai 2026

BaustellenatlasOnline koordinieren

[29.07.2020] Das Unternehmen infrest hat eine Portallösung entwickelt, mit der Baumaßnahmen visualisiert werden können. Mit dem Baustellenatlas sollen sich Kommunen sowie Ver- und Entsorgungsunternehmen besser abstimmen können – aber auch Bürger und Wirtschaft können davon profitieren.
Baustellenatlas gibt einen Überblick über die geplanten Maßnahmen.

Baustellenatlas gibt einen Überblick über die geplanten Maßnahmen.

(Bildquelle: infrest)

Für die Anwohner und Autofahrer sind sie ein Ärgernis, die öffentlichen Verkehrsbetriebe stellen sie vor große Herausforderungen und in der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung können sie zu Problemen führen: schlecht koordinierte Tiefbauarbeiten im Netzbereich, die ganze Straßenzüge und Stadtgebiete langfristig lahmlegen. Und sie verursachen oft unnötige Kosten, wenn verschiedene Betreiber öffentlicher Energieversorgungsnetze und privater Telekommunikationsnetze unkoordiniert zeitnah Aufgrabearbeiten realisieren.
Um diese Missstände zu beheben, hat das Berliner Unternehmen infrest – Infrastruktur eStrasse im Auftrag und in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern der Hauptstadt eine Internet-Portallösung entwickelt, die inzwischen deutschlandweit einsetzbar ist.
Der Baustellenatlas ermöglicht die Abstimmung zwischen Städten und Gemeinden sowie Ver- und Entsorgungsunternehmen. Dies geschieht über eine unkomplizierte Eintragung und Visualisierung von tagesaktuell anstehenden bis langfristig geplanten Baumaßnahmen im Portal mit der Darstellung des Status auf einer übersichtlichen Karte. Die Übersicht über anstehende Bauvorhaben, Wartungsarbeiten oder Infrastruktur-Ausbaumaßnahmen macht einen frühzeitigen Aufbau von Projektpartnerschaften möglich. Baumaßnahmen und Veranstaltungen verschiedener Akteure und Sparten werden auf der Karte in Layern beziehungsweise Ebenen angezeigt, die je nach Wunsch ein- und ausgeblendet werden können.

Direkter Zugang zu hinterlegten Bauinformationen

Den einzelnen Sparten, also unter anderem Strom, Gas, Wärme und Wasser, werden im System Farben zugewiesen. Dadurch können Netzbetreiber Überlappungen einfach erkennen. Anhand der Karte sind die genaue Länge sowie der Status der Baumaßnahme ersichtlich. Für jede Baustelle wird im System ein direkter Ansprechpartner im jeweiligen Unternehmen hinterlegt, der für eine Koordination der Bauplanung verantwortlich ist. Eine farbliche Statusanzeige informiert außerdem darüber, ob bereits eine Anfrage bezüglich einer möglichen Koordination gestellt wurde und ob diese schon bearbeitet worden ist. Auch die verkehrliche Betrachtung der Koordinierungen kann in einem Projekt im Portal nach Abstimmungen mit den Beteiligten gebündelt werden.
Der Baustellenatlas wird als Software as a Service (SaaS) ohne aufwendige und kostenintensive Software-Installation und -Administration bereitgestellt. Der Atlas verschafft den Nutzern ohne großen Vorlauf einen direkten und schnellen Zugang zu allen im System hinterlegten Bauinformationen. Die Daten zu den geplanten Arbeiten können von den teilnehmenden Netzbetreibern dabei entweder per Web-Feature-Service-Schnittstelle (WFS-Schnittstelle) aus den im Einsatz befindlichen Geo-Informationssystemen (GIS) oder als Shape-Daten in das System überführt werden.

Vorteile für Netzbetreiber

Doch nicht nur die direkte Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern wird durch den Einsatz des Baustellenatlasses erleichtert. Auch die Kommunen können im System wichtige Informationen hinterlegen. So erlassen viele Gemeinden zum Beispiel nach Baumaßnahmen mit EU-Fördergeldern zeitlich begrenzte Aufgrabeverbote. Aber auch andere Detailinformationen zum Straßennetz sowie Angaben zum Wasser- und Naturschutz können von den Verantwortlichen der öffentlichen Verwaltungen direkt in das System eingespeist werden.
Das Gleiche gilt für wiederkehrende Nutzungen des öffentlichen Straßenraums, etwa durch Märkte, Straßen- und Stadtteilfeste sowie bei Fan-Meilen und anderen Großveranstaltungen.
Die genauen Termine und Zeiträume können im System hinterlegt werden und sind so jederzeit für alle Nutzer direkt ersichtlich. Neben den Kommunen profitiert auch der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) von den im Baustellenatlas bereitgestellten Informationen. Die Unternehmen können ihre Fahrpläne anhand der eingetragenen Baustellen leichter anpassen.
Gleichzeitig erhalten sie auch bei der Einrichtung von Umleitungen mehr Transparenz, wenn sie frühzeitig über verlässliche Informationen zu angrenzenden Baumaßnahmen verfügen.
Auch für die von den Baumaßnahmen betroffenen Bürger können die im System hinterlegten Informationen nutzbar gemacht werden. Für Städte und Gemeinden die zusätzlich das Baustelleninformationssystem (BIS) von infrest nutzen, ist es möglich, abgespeckte Daten aus dem Baustellenatlas direkt in das BIS zu übernehmen. Über eine kostenlose App werden den Bürgern dann, indem sie einfach eine genormte Bake im Baustellenbereich ad hoc einscannen, direkt vor Ort Informationen zur Baumaßnahme und ihrer Dauer angezeigt.

Hilfe beim Breitband-Ausbau

Eine wichtige Rolle kann das Portal zukünftig auch bei dem von der Bundesregierung forcierten Ausbau der Breitband-Netze spielen. Denn eine der größten Herausforderungen ist die Finanzierung der Tiefbaukosten. Diese machen durchschnittlich 80 Prozent der gesamten Investitionen aus. Es gibt allerdings Wege, diese vergleichsweise hohen Kosten durch Synergieeffekte deutlich zu reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Synergiepotenziale im Breitbandausbau – Mitverlegung und Baustellenkoordinierung“, die der TÜV Rheinland gemeinsam mit infrest vorgelegt hat.
Die TÜV-Studie zeigt, dass es erhebliches Potenzial zur Kosteneinsparung gibt, wenn in den Kommunen Masterpläne erarbeitet werden, die nicht nur den optimalen Trassenverlauf eines Leerrohrnetzes festlegen, sondern auch genaue Angaben zu deren Dimensionierung und technischen Spezifikationen machen. Projekttechnisches Potenzial zeigt sich nach Ansicht der Autoren auch darin, dass eine klar geregelte und zeitlich abgestimmte Planung bei der Mitnutzung zu vermindertem organisatorischen Aufwand und damit zu einem höheren Einsparpotenzial führt. Optimale Datengrundlage hierfür sieht der TÜV in der Nutzung eines Baustellenatlasses, wie ihn infrest anbietet.

Umleitungskataster geplant

Durch eine umfangreiche Suchmaske, die einfach zu bedienenden Koordinierungsfilter sowie komfortable Im- und Exportfunktionen stellt der Baustellenatlas schon jetzt eine leistungsfähige Komplettlösung dar, die ohne großen administrativen Aufwand von Kommunen und Netzbetreibern in Betrieb genommen werden kann. Doch beim bereits Erreichten soll es nicht bleiben. Das Unternehmen plant bereits weitere Ausbaustufen der Lösung. So ist ein Umleitungskataster in Vorbereitung, das im Laufe des Jahres fertiggestellt werden soll.

Jürgen Besler

Besler, JürgenJürgen Besler ist seit 1992 in der Versorgungswirtschaft tätig und arbeitete zunächst bei der EMB Erdgas Mark Brandenburg in Potsdam. 2006 wechselte er zu der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg in Berlin. Seit 2010 ist Besler Geschäftsführer der infrest - Infrastruktur eStrasse GmbH sowie seit 2011 des infrest - Infrastruktur eStrasse e.V.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik
SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

IBM/Natuvion: Cloud-Umstieg beschleunigen

[26.05.2026] Das zentrale SAP-ERP-System (SAP ECC) wird ab 2027 nicht mehr gewartet. Um Energieversorgern den Umstieg auf die Cloud-Plattform SAP S/4HANA Utilities zu erleichtern, haben IBM und Natuvion deshalb eine Zusammenarbeit vereinbart. mehr...

Modernes Gebäude der Stadtwerke Hilden mit großer Glasfassade und silberner Metallverkleidung an einer ruhigen Straße bei sonnigem Wetter. Vor dem Eingangsbereich befinden sich Grünanlagen, kleine Bäume und ein gepflasterter Gehweg.

Stadtwerke Hilden: Neues CRM-System eingeführt

[21.05.2026] Die Suche nach einer neuen Ticketing-Lösung führte bei den Stadtwerken Hilden zur Einführung eines umfassenden CRM-Systems. mehr...

Elvaco: ISO-Zertifizierung erhalten

[20.05.2026] Elvaco hat die Zertifizierung nach ISO/IEC 27001 erhalten und stärkt damit sein Informationssicherheits-Management für Gebäude- und Energiedaten. Die Zertifizierung reagiert auf strengere EU-Vorgaben und wachsende Anforderungen an sichere Datenketten in vernetzten Metering- und Smart-Building-Systemen. mehr...

50Hertz: Netzsoftware als Open Source veröffentlicht

[18.05.2026] Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz stellt die Software ToOp zur Bewältigung von Netzengpässen als Open-Source-Projekt bereit. Nach Angaben des Unternehmens soll das Tool Netzbetreiber in Europa bei der Steuerung von Stromflüssen unterstützen. mehr...

nscharfe Aufnahme eines modernen Büro- oder Veranstaltungsraums. Im Vordergrund ist auf einer Glasfläche der Schriftzug „Future Energy Lab“ zu sehen. Im Hintergrund stehen mehrere verschwommene Personen an einem Stehtisch im Gespräch.

Cyber-Sicherheit: Den Ernstfall trainieren

[18.05.2026] Ein Übungskonzept soll die Sicherheit Kritischer Infrastrukturen erhöhen. Das Konzept für KRITIS-Betreiber wurde Fraunhofer IOSB-AST mit dem Future Energy Lab der Deutschen Energie-Agentur entwickelt. mehr...

Eine Drohne steht auf einem rot-weiß markierten Landeplatz am Straßenrand vor einem Servicefahrzeug von WEMAG Netz. Das Fahrzeug ist mit einer Leiter ausgestattet und parkt neben einer ländlichen Straße mit kahlen Bäumen und freiem Feld im Hintergrund. Die Szene wirkt sonnig und zeigt den Einsatz moderner Drohnentechnik zur Kontrolle von Stromnetzen.

WEMAG: Drohnen überwachen Stromnetze

[13.05.2026] Der Einsatz von Drohnen in der Energiebranche nimmt zu. Auch der Stromnetzbetreiber WEMAG Netz setzt auf die Flugsysteme, um Stromleitungen schneller zu kontrollieren und Schäden frühzeitig zu erkennen. mehr...

ASEW: Plattform für IoT-Angebote

[29.04.2026] Eine Informationsplattform für Anwendungen des Internet of Things soll kommunale Unternehmen, Betriebe und öffentliche Einrichtungen über bestehende Angebote informieren. Das Projekt mehrerer Stadtwerke wird von der ASEW koordiniert. mehr...

Computergenerierte Ansicht eines umzäunten Umspannwerks mit zahlreichen Strommasten, Schaltanlagen und zwei Betriebsgebäuden in ländlicher Umgebung. Im Hintergrund sind Felder, Waldflächen und mehrere Windräder zu sehen. Oben rechts liegt ein türkisfarbenes Logo über dem Bild.

Siemens: Security-Dienst für Energie und Infrastruktur

[23.04.2026] Siemens Smart Infrastructure hat einen neuen Sicherheitsdienst für Energieversorger, Industrieunternehmen sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen vorgestellt. Die Lösung soll Cyber-Angriffe schneller erkennen und den Betrieb digitalisierter Anlagen absichern. Der erste Kunde in Deutschland sind die Hertener Stadtwerke. mehr...

interview

Interview: Ende-zu-Ende gut, alles gut

[23.04.2026] Anstatt eine Vielzahl an Einzeltools anzubieten, versteht sich die Lösungsplattform GY der Wilken Software Group als eine Art integriertes Betriebssystem. Im Interview mit stadt+werk erläutert Tobias Mann, Chief Customer Officer (CCO) der Wilken Software Group, wie GY Prozesse in der Energiewirtschaft zukunftsfähig organisiert. mehr...

Frankfurt (Oder): Stadtwerke setzen auf Echtzeit-Steuerung

[15.04.2026] Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) treiben die digitale Optimierung ihrer Energieanlagen voran. In Zusammenarbeit mit Data Cybernetics soll eine Software den Betrieb flexibler und wirtschaftlicher gestalten. Das Ziel ist eine automatisierte Steuerung in Echtzeit. mehr...

Collage zu Energieversorgung mit Heizungsregler, Wasserhahn, Stecker, Windrädern, Strommasten und Telekom- sowie Thüga-Logo.

Thüga: KI-Rahmenvertrag mit der Telekom

[15.04.2026] Das Stadtwerke-Netzwerk Thüga setzt auf KI-Anwendungen der Deutschen Telekom. Die Systeme sollen kommunale Energie- und Wasserdienstleister bei Standardaufgaben unterstützen. Nach Angaben der Unternehmen erfolgt die Datenverarbeitung ausschließlich im europäischen Rechtsraum. mehr...

Smight: Stromversorgung Greding führt Echtzeit-Monitoring ein

[08.04.2026] Die Stromversorgung Greding führt Echtzeit-Monitoring in ihren Ortsnetzstationen ein und digitalisiert damit ihr Verteilnetz. Der Schritt soll den Netzbetrieb angesichts wachsender Einspeisung und Lasten präziser steuern und gezieltere Investitionen ermöglichen. mehr...

rku․it: Fünf Energieversorger steigen auf Plattform um

[31.03.2026] Das Unternehmen rku․it bringt fünf Energieversorger gleichzeitig auf seine Plattform NextGen in den Produktivbetrieb. Der koordinierte Parallel-Go-live zeigt, wie skalierbar integrierte Cloud-Lösungen in der Energiewirtschaft heute umgesetzt werden können. mehr...

EWE: Eigenes SOC für IT- und OT-Systeme

[25.03.2026] Der Energie- und Telekommunikationskonzern EWE baut seine Cyber-Abwehr mit einem eigenen Security Operations Center für IT- und OT-Systeme aus. Das Angebot richtet sich bundesweit an Unternehmen und KRITIS-Betreiber und reagiert auf steigende Anforderungen durch NIS2, KI-gestützte Angriffe und komplexe Cloud-Umgebungen. mehr...

Advertorial: Forderungsmanagement auslagern

[19.03.2026] Der Fachkräftemangel zwingt Energieversorger zum Umdenken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Forderungsmanagement. Die Lösung: Ein spezialisierter Partner übernimmt die komplette Zahlungsabwicklung – von der ersten Buchung bis zum Inkasso. mehr...