Samstag, 17. Oktober 2026

DigitalisierungVom Versorger zum Dienstleister

[23.08.2022] Die Energieversorger stehen vor einer Zeitenwende. Sie müssen nicht nur die Energiewende gestalten, sondern parallel optimierte Prozessabläufe schaffen. So können auch neue Geschäftsmodelle und zukunftsfähige Ideen mit Kooperationspartnern entwickelt werden.
Die Energieversorger stehen vor einer Zeitenwende. Sie müssen nicht nur die Energiewende gestalten

Die Energieversorger stehen vor einer Zeitenwende. Sie müssen nicht nur die Energiewende gestalten, sondern parallel optimierte Prozessabläufe schaffen.

(Bildquelle: NicoElNino/stock.adobe.com)

Die Welt der Energieversorger befindet sich im Umbruch. Das gilt längst nicht nur für die Umstellung auf erneuerbare Energien, sondern umfasst das gesamte Verständnis der Daseinsvorsorge. Die Ansprüche der Kunden wachsen über die reine Energieversorgung hinaus, die Digitalisierung des Geschäfts bietet neue Möglichkeiten, gleichzeitig drängen neue Wettbewerber jenseits der typischen Versorger auf den Markt. Für die Energiewirtschaft stellt sich in puncto Digitalisierung längst nicht mehr die Frage nach dem Ob oder Wann, sondern ganz zentral nach dem Wie. Wie können Unternehmen Digitalisierung so einsetzen, dass sie einen Mehrwert stiftet, neue Geschäftsmodelle ermöglicht und in ein grundlegendes Transformationskonzept passt?

Der digitale Kunde

Beim Blick auf digitale Prozesse wird es immer wichtiger, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden im Auge zu behalten, denn nicht nur die Endkunden wünschen sich eine umfassende Customer Experience. Auch seitens der gewerblichen Kunden steigt der Digitalisierungsdruck, klein- und mittelständische Unternehmen wünschen sich Angebote, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der Wandel vom passiven Abnehmer zum dynamischen Akteur bedeutet für Energieversorger: Sie müssen sich ebenso wandeln – vom Versorger zum Dienstleister.
Was hilft Versorgungsunternehmen auf diesem Weg? Der Blick über den Tellerrand wird immer wichtiger. Wer langfristig nicht nur reagieren will, sondern die Teilhabe an neuen Standards anstrebt, wird verstärkt auf Kooperationen setzen müssen, etwa mit angrenzenden Branchen wie der Wohnungswirtschaft, aber auch mit Dienstleistern aus dem Finanzwesen oder Technologieführern aus der IT. Hier heißt es, Synergieeffekte zu nutzen und branchenübergreifend nach Lösungen zu schauen, die etwa Hybridleistungen aus Bank- und IT-Services bündeln.
Die Aareal Bank Gruppe wird hier zum Digitalisierungspartner, der Energieversorger auf dem Weg zum Energiedienstleister 4.0 unterstützt. Schwerpunkt bei der Prozessoptimierung und der Digitalisierung ist hier beispielsweise der branchenübergreifende Zahlungsverkehr. Um in der Vielfalt der anstehenden Aufgaben den Überblick zu behalten, setzt die Aareal Bank dabei auf einen probaten Dreiklang der Prozessdigitalisierung. Dieser besteht aus der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, der Automatisierung verwandter Prozesse sowie der Visionierung zukünftiger Geschäftsoptionen. Was bei der Optimierung und Automatisierung unternehmenskritischer Prozesse beginnt, kann so auf lange Sicht Raum für frische Ideen und neue Geschäftsmodelle schaffen.

Produktentwicklung unter Digitalisierungsdruck

Digitalisierung betrifft nicht mehr nur das traditionelle Geschäft der Energieversorger. Der Digitalisierungsdruck auf Kundenseite beeinflusst zusätzlich die zukünftige Produktentwicklung aufseiten der EVU. Verbraucher und gewerbliche Kunden erwarten den gleichen Komfort wie etwa bei einer großen Shopping-Plattform. Neben dem Stromtarif möchten sie vielleicht ein Auto aus dem Carsharing mieten. Dabei erwarten sie eine breite Auswahl an Bezahlmöglichkeiten, die sie auch im Alltag nutzen. Automatisierte Interaktionen, etwa über Plattformlösungen im Zahlungsverkehr, optimieren diese Betriebsabläufe und sparen Ressourcen. Sie dienen beim digitalen Bezahlen als Schnittstellen und lassen sich oft reibungslos in die eigenen Systeme integrieren.
Die Aareal Exchange & Payment Platform (AEPP) beispielsweise bietet eine komfortable Lösung, die das ERP-System von Energieversorgern mit den jeweiligen Systemen externer Zahlungsanbieter wie PayPal verbindet. Die Plattform vereinfacht verschiedene Zahlungsarten – bar, online über Dienste oder mit diversen Kreditkarten – und integriert sie automatisch in das ERP-System. So wird es Energieunternehmen möglich, den Service-Anforderungen ihrer Kundschaft zuvorzukommen und die Infrastruktur auf diese Veränderungen vorzubereiten.

Vom Prozess zur Vision

Automatisierte Prozesse helfen nicht nur Ressourcen zu sparen, sie setzen zudem Innovationspotenzial frei. Auch, weil mit den digitalisierten Prozessen wertvolle Kundendaten strukturiert nutzbar gemacht werden. Diese Daten befeuern die digitale Weiterentwicklung, daher müssen Kundinnen und Kunden mit neuen Bedürfnissen und einem veränderten Kaufverhalten ins Zentrum aller Überlegungen rücken. Branchenkenner wissen: Kooperation ist hierfür unabdingbar.
Angesichts steigender Ansprüche in Sachen digitaler Services ist auch auf dem Gebiet der IT intensive Kooperation angesagt. Um den Spagat zwischen traditionellem Geschäft und dessen Ausbau erfolgreich zu meistern, braucht es die Unterstützung von IT-Spezialisten, die beide Seiten verstehen: die technologische wie auch den Energiemarkt. IT-Dienstleister der Versorgungswirtschaft setzen Systeme auf, die standardisierte Services im Bereich des klassischen Commodity Business liefern und zeitgleich Flexibilität im Einsatz von neuen individuellen Tools und Lösungen ermöglichen.

Ziel: Digitalisierungs-Enabler

Für die Energieversorger ist die Zeit des reinen Versorgens und der Insellösungen vorbei. Traditionelle Geschäftsfelder verschmelzen zunehmend mit anderen Branchen zu neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen. Beste Bedingungen also für den Start in das unbekannte Territorium neuer digitaler Grundprozesse. Die Prozess­optimierung eröffnet den Weg, um traditionelle Geschäftsmodelle zu überdenken und zukunftsfähige Ideen mit Kooperationspartnern wie der Wohnungswirtschaft zu entwickeln – etwa als Wegbereiter der Smart City. Die Aareal Bank Gruppe begleitet diese Transformation mit probaten Prozess- und Software-Lösungen. Strukturierte, standardisierte IT-Lösungen ermöglichen dabei nicht nur optimierte Prozessabläufe, sondern bilden die Basis für eine gesamtheitliche Digitalisierungsstrategie. So aufgestellt können sich Energieversorger als wertvolle Digitalisierungs-Enabler in angrenzenden Branchen, etwa der Wohnungswirtschaft, ­positionieren.

Andreas Beckmann

Der Autor, Andreas BeckmannAndreas Beckmann arbeitet bei der Aareal Bank AG in Wiesbaden im Bereich Key Accounts / Solution Sales.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

EnBW: Energiewelt-App überarbeitet

[16.10.2026] Die EnBW hat ihre Kunden-App überarbeitet und um neue Funktionen zur Verbrauchsüberwachung und Steuerung von Energieanlagen erweitert. Die Anwendung integriert nun auch ein Heim-Energie-Management-System, mit dem sich unter anderem Wärmepumpen und Elektroautos steuern lassen. mehr...

Schleupen/Hansen: Zusammenarbeit verlängert

[16.10.2026] Die Softwareunternehmen Schleupen und Hansen Technologies setzen ihre Zusammenarbeit im Energiedatenmanagement für weitere fünf Jahre fort. Mehr als 80 Energieversorger mit über drei Millionen Messstellen nutzen die gemeinsame Lösung bereits. mehr...

Cyber-Sicherheit: Risiken für Wind- und Solarparks

[13.10.2026] Eine neue Studie hat Tausende über das Internet erreichbare Systeme im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks identifiziert. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland warnt vor wachsenden Risiken für die Energieversorgung durch die zunehmende Dezentralisierung. mehr...

Stadtwerke Flensburg: Instandhaltung auf neue Softwarelösung umgestellt

[06.10.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben ihre mobile Instandhaltung auf eine neue Softwarelösung umgestellt. Das Maintenance Portal von argvis soll papierbasierte Abläufe ersetzen und die Arbeit in Netzen, Erzeugung und Service auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. mehr...

Soluvia: Abrechnungsplattform für Stadtwerke eröffnet

[29.09.2026] Soluvia Energy Services bietet seine Abrechnungsplattform SESuite erstmals Energieversorgern außerhalb des MVV-Energie-Konzerns an. Das Full-Service-Angebot richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Versorger, die ihre Abrechnungssysteme ablösen oder neu aufstellen wollen. mehr...

data analytics institute: Neuer Konsortialpartner von energy data-X

[28.09.2026] Das data analytics institute wird Konsortialpartner von energy data-X und bringt seinen Datenraum HEAT-X für die kommunale Wärmeplanung ein. Damit sollen Daten aus Strom- und Wärmesektor künftig über eine gemeinsame Infrastruktur verknüpft werden. mehr...

Greenflash: Dezentrale Energiesysteme in Echtzeit steuern

[25.09.2026] Greenflash hat mit Greencore AI eine Software zur Echtzeitsteuerung dezentraler Energiesysteme entwickelt. Sie soll Erzeugung, Speicherung und Verbrauch anhand von Prognosen und aktuellen Marktdaten wirtschaftlich aufeinander abstimmen. mehr...

items: ITS Group übernimmt Fernwärme-Software

[24.09.2026] items überträgt seine Fernwärme-Software Grid Insight: Heat zum 1. November 2026 an die ITS Group. Mit der Software wechselt auch das zuständige Team zum Dortmunder Unternehmen. mehr...

G&W Software: Unterstützung bei Investitionsentscheidungen

[21.09.2026] Der Umbau der Energieversorgung stellt Versorger vor langfristige Investitionsentscheidungen bei Gas-, Wärme- und Stromnetzen. Die Software CaliforniaX soll dabei helfen, unterschiedliche Szenarien zu kalkulieren und Infrastrukturprojekte auf ihre Wirtschaftlichkeit zu prüfen. mehr...

GISA: Stadtwerke Bonn modernisieren Data Warehouse

[17.09.2026] Die Stadtwerke Bonn haben ihr bisheriges SAP Business Warehouse durch eine neue Plattform auf Basis von SAP BW/4HANA ersetzt. Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister GISA wurde die Analytics-Landschaft des kommunalen Unternehmens neu aufgestellt. mehr...

Thüga SmartService: KI-Plattform für Stadtwerke gestartet

[09.09.2026] Thüga SmartService hat mit SKIP eine speziell auf die Energiewirtschaft zugeschnittene Plattform für Künstliche Intelligenz entwickelt. Stadtwerke und Energieversorger sollen damit KI-Agenten für Wissensmanagement und Geschäftsprozesse einsetzen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. mehr...

cortility: KI automatisiert Standardanliegen

[03.09.2026] cortility und Pipeforce wollen Künstliche Intelligenz stärker für die automatisierte Bearbeitung von Kundenanliegen bei Energieversorgern einsetzen. Standardvorgänge wie Zählerstandsmeldungen, Umzüge oder Abschlagsfragen sollen sich damit weitgehend ohne manuelle Eingriffe verarbeiten lassen. mehr...

Illustration eines Laptops, aus dessen Bildschirm eine Rechnung in Papierform ausgegeben wird. Die Darstellung symbolisiert den digitalen Rechnungsversand.

E-Rechnung: Versandpflicht wird ausgeweitet

[26.08.2026] Für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz verschärfen sich zum Jahreswechsel die Vorgaben für elektronische Rechnungen. Ab Januar 2027 müssen sie E-Rechnungen nach der europäischen Norm EN 16931 versenden. Ein Jahr später gilt die Vorgabe für alle Unternehmen. mehr...

bericht

KRITIS-Schutz: Resilienz ist Pflicht

[18.08.2026] Mit dem KRITIS-Dachgesetz sind Städte und Gemeinden unter Zugzwang: Bis Mai 2027 müssen Schutzkonzepte stehen. Doch zwischen gesetzlicher Pflicht und gelebter Resilienz klafft häufig noch eine gefährliche Lücke. mehr...

Maingau: Portfoliomanagement in der Cloud

[14.08.2026] Maingau hat sein Portfolio-Management auf eine Cloud-Lösung von Kisters umgestellt. Damit will der Energieversorger Handelsprozesse stärker automatisieren und weitere Funktionen in die Systemlandschaft integrieren. mehr...