Montag, 30. März 2026

Nordrhein-WestfalenStark machen für den Klimaschutz

[10.11.2011] Nordrhein-Westfalen will Technologieführer bei erneuerbaren Energien werden. Wie das gehen soll, erläutert Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes.

Herr Minister, im Sommer dieses Jahres waren Sie auf einer Klimaschutz-Tour durch Nordrhein-Westfalen. Was haben Sie auf der Reise gelernt?

Dass viele Unternehmen beim Thema Klimaschutz und Treibhausgas-Reduzierung weiter sind, als manche glauben. Allein die Industrie in Nordrhein-Westfalen hat teilweise den Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert. Es gibt auch viele Unternehmen, die den Klimaschutz als Wachstums-Chance entdeckt haben, mittelständische Maschinenbauer etwa, aber auch Großkonzerne wie Siemens. Ökologie und Ökonomie sind also keine Gegensätze, auch wenn das viele Verbände immer noch propagieren.

Ist das Land Nordrhein-Westfalen für die Energiewende gerüstet?

Ja. Wir haben eine gute Ausgangsposition. Nordrhein-Westfalen ist das Herzstück der deutschen Industrie. Wir sind stark im Maschinenbau, bei Stahl und anderen Metallen, stark im Anlagenbau und in der chemischen Industrie. Das sind die besten Voraussetzungen, um gemeinsam eine weitere, vor uns liegende Herausforderung zu meistern: NRW soll zum Technologieführer bei erneuerbaren Energien werden. Das ist unser Ziel.

„In Nordrhein-Westfalen setzen wir auf eine dezentrale Energieversorgung, dabei spielen die Stadtwerke eine entscheidende Rolle.“

Sie haben eine Studie zur Kraft-Wärme-Kopplung vorgelegt. Welche Rolle spielen Blockheizkraftwerke beim Umbau der Energiewirtschaft?

Eine sehr wichtige Rolle. Anfang Januar habe ich das erste Mikro-Pellet-Blockheizkraftwerk in Nordrhein-Westfalen eingeweiht. Die Anlage versorgt einen landwirtschaftlichen Betrieb in Schmallenberg-Selkentrop mit Energie und Wärme aus Holzpellets. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Blockheizkraftwerke in eine dezentrale Energieversorgung einbinden lassen.

Insbesondere der Bau von Wind­rädern stößt in der Bevölkerung immer wieder auf Widerstand. Wie können die Bürger beim Ausbau erneuerbarer Energien besser eingebunden werden?

Durch einen intensiven Dialog. Wir haben eigens für die Beratung von Kommunen sowie von Bürgerinnen und Bürgern bei der EnergieAgentur.NRW die Informations- und Beratungsplattform EnergieDialog.NRW ins Leben gerufen. Gerade im Vorfeld von Planungen wollen wir Hilfestellungen bieten. Zum Zweiten natürlich durch die direkte Beteiligung an so genannten Bürgerwindparks.

Wie beurteilen Sie die Rolle von Kommunen und Stadtwerken beim Klimaschutz?

Beiden kommt eine Schlüsselrolle zu. In Nordrhein-Westfalen setzen wir auf eine dezentrale Energieversorgung. Dabei spielen die Stadtwerke eine entscheidende Rolle, etwa beim Ausbau des Kraft-Wärme-Netzes an Rhein und Ruhr sowie beim Bau neuer Gaskraftwerke. Unsere Studie hat aufgezeigt, dass in Nordrhein-Westfalen ein beachtliches Potenzial für Kraft-Wärme-Kopplung besteht. Grundsätzlich können 35 Prozent der CO2-Emissionen und 35 Prozent der Rohstoffe eingespart werden, wenn Elektrizität und Wärme gleichzeitig produziert werden. Bei der Windenergie wollen viele Kommunen selbst aktiv werden. Das begrüßen wir natürlich, weil es dazu beiträgt, die Struktur der Energieversorgung umzugestalten.

Interview: Alexander Schaeff

Remmel, JohannesJohannes Remmel ist seit 2010 Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1988 bis 1995 war Remmel Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Siegen. Seit 1995 ist er Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen.



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