Stadtwerke NettetalManagement-System schafft Ordnung

Die Stadtwerke Nettetal haben ihr Dokumenten- und Prozess-Management optimiert.
(Bildquelle: Stadtwerke Nettetal)
Marc ist Auszubildender bei den Stadtwerken Nettetal in Nordrhein-Westfalen. Wenn er heute von seiner Tour zurückkommt, kann sich sein Vorgesetzter Peter Klocke sicher sein, dass der junge Kollege seine Arbeiten vorschriftsmäßig erledigt hat. Auch ohne aufwendige Einweisung durch einen erfahrenen Kollegen. Das war nicht immer so. „Früher fehlten oft klare Prozessbeschreibungen, sie waren in Papierordnern versteckt oder lagen unstrukturiert auf dem Laufwerk“, erinnert sich der Bereichsleiter. Jedem neuen Mitarbeiter musste erst erklärt werden, welche Schritte zu beachten, welche Checklisten und Informationen zu verwenden sind. Da auf dem Server der Stadtwerke unterschiedlichste Dateiversionen lagen und keiner auf Anhieb wusste, welche aktuell war, verzögerte sich der Einarbeitungsprozess entsprechend.
Dokumente immer aktueller
„Heute schicke ich dem Mitarbeiter einfach einen Link und er legt los“, freut sich Klocke, der für die Netzorganisation verantwortlich ist. Denn inzwischen ist das Dokumenten- und Prozess-Management der Stadtwerke deutlich optimiert: Der genannte Link führt in ein Verzeichnis der Software-Lösung orgavision. Das gleichnamige Berliner Unternehmen hat ein Programm entwickelt, das Dokumente sortiert und verwaltet. Im Fall der Stadtwerke Nettetal beispielsweise Leitfäden und Formulare, die benötigt werden, um einen Zähler selbstständig zu wechseln – inklusive Vermerk, an wen die gesammelten Stände übermittelt werden müssen.
Eigenverantwortliche Mitarbeiter sind nur ein netter Nebeneffekt der kontinuierlich im orgavision-System abgelegten Dokumente. Die Stadtwerke haben dort inzwischen 3,3 Gigabyte an Daten sortiert. Mehr als 3.000 Dateien, 1.000 Ordner und rund 60 Prozesse haben Klocke und seine 115 Kollegen bereits hinterlegt. Darunter Besprechungsprotokolle oder Prozesse zur Straßenbeleuchtung sowie Leitfäden für die Inbetriebnahme von Hausanschlüssen und Zählerprüfungen. Der eigentliche Vorteil des partizipativen Dokumentensystems liegt für den studierten Juristen in der Garantie, dass alle Dokumente nur einmal und in aktueller Version vorliegen. „Mühsames Suchen und Ausmisten von Schubladen gibt es bei uns nicht mehr“, bilanziert Klocke, der für 45 Mitarbeiter verantwortlich ist.
Schrittweise Einführung
Ein gutes Beispiel sind die jährlichen Datenabfragen der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Energieregulierung. Rund 20 Beschäftigte tragen in die Excel-Listen der Bonner Behörde Daten ein, die sie in ihren Abteilungen erheben. Zum Ende der Bearbeitungsfrist kontrolliert der Bereichsleiter die ausgefüllte Datei, sendet sie an die BNetzA und legt sie in orgavision im dafür angelegten Archiv ab. „Das Überwachen dieses Vorgangs und das Zusammenbringen verschiedener Dateiversionen verursachte ohne orgavision einen immensen Aufwand“, urteilt Klocke. Die Verteil- und wieder Einsammelaktion raubte ihm mindestens fünf Tage Arbeitszeit. Dank Einführung der Software zur Dokumentenlenkung investiert der Bereichsleiter heute nur noch einen halben Tag in diesen Prozess. Auch die Kollegen sparen beim Ausfüllen Zeit und niemand kann mehr versehentlich die Daten löschen, die ein Kollege eingetragen hatte. „orgavision hat hier deutliche Effizienzpotenziale freigelegt“, betont Klocke.
Kritiker schnell überzeugt
Doch auch er weiß, dass neue Online-Werkzeuge gerne von Bewahrern torpediert werden. Aus diesem Grund haben die Stadtwerke Nettetal orgavision schrittweise eingeführt. Nach einer Testphase entschieden sich Klocke und ein abteilungsübergreifendes Team für den Software-Kauf. Da das System webbasiert läuft, musste nichts installiert werden. Die Daten liegen auf einem Server des orgavision-Rechenzentrums, das nach höchsten Standards zertifiziert ist. Eine Kleingruppe begann dann mit dem Strukturaufbau und befüllte das Programm mit den ersten Formularen, Gesetzestexten, Listen und anderen Schriftstücken. Das ging relativ zügig, weil viele Dateien in Laufwerken vorhanden waren und einfach an die passende Stelle in die Struktur von orgavision hochgeladen und von dort beliebig verlinkt werden konnten. Anschließend startete die interne Schulung der ersten Mitarbeiter. In konzentrischen Kreisen weitete sich das Dokumenten-Management-System so über einen Zeitraum von rund 18 Monaten unternehmensweit aus.
Über diese schleichende Einführung gelang es, den Nutzen des Programms schnell offenzulegen. „Im Schnitt“, sagt Klocke, „gehen wir davon aus, dass jeder Mitarbeiter für jede Minute, die in die Software investiert wird, mindestens zwei Minuten Sucharbeit spart.“ Diese Bilanz überzeugt selbst die größten Kritiker.
Kommentierbare To-do-Liste
Aktuell laufen etwa ein Dutzend Projekte über das System. Wurden früher allen Beteiligten Besprechungsprotokolle per E-Mail zugesandt, schickt der Projektleiter nun nur noch einen Link an sein Team, das aus internen und externen Teilnehmern besteht. Die To-do-Liste ist per Lese- und Schreibrecht geregelt und auch für Dienstleister von außen einseh- und kommentierbar. Statt unterschiedlichste Bearbeitungsstände aus verschiedenen Protokollen an diversen Orten zusammensuchen zu müssen, sieht jeder Projektteilnehmer in einem zentral abgelegten Dokument, wer wann welche Arbeiten zu erledigen hat. Die Kommunikation findet direkt über das Protokoll statt. Dort stehen Kommentare und alle Beteiligten können via Historie den Prozessablauf tagesaktuell verfolgen – was wiederum eine hohe Transparenz schafft.
Durch das neue Dokumenten-Management haben die Stadtwerke auch wiederentdeckt, wo sie überall Mitglied sind. Kollegen, welche die Mitgliedschaften über Jahre betreut haben, sind in Rente gegangen – und das geldwerte Wissen gleich mit. Da der Energieversorger nun alles ins Dokumentensystem einpflegt, werden bei dieser Gelegenheit alle alten Verträge auf den Prüfstand gestellt. „Wir können hier richtig Geld sparen“, sagt Klocke, der als nächstes Projekt das Qualitätsmanagement-Handbuch der Stadtwerke Nettetal zu einem integrierten Management-System weiterentwickelt.
Dieser Beitrag ist in der Juli/August-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
EWE: Eigenes SOC für IT- und OT-Systeme
[25.03.2026] Der Energie- und Telekommunikationskonzern EWE baut seine Cyber-Abwehr mit einem eigenen Security Operations Center für IT- und OT-Systeme aus. Das Angebot richtet sich bundesweit an Unternehmen und KRITIS-Betreiber und reagiert auf steigende Anforderungen durch NIS2, KI-gestützte Angriffe und komplexe Cloud-Umgebungen. mehr...
Advertorial: Forderungsmanagement auslagern
[19.03.2026] Der Fachkräftemangel zwingt Energieversorger zum Umdenken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Forderungsmanagement. Die Lösung: Ein spezialisierter Partner übernimmt die komplette Zahlungsabwicklung – von der ersten Buchung bis zum Inkasso. mehr...
beegy: EEBUS-Zertifikat erhalten
[19.03.2026] Das Heim-Energiemanagementsystem von beegy ist nach dem herstellerübergreifenden EEBUS-Standard zertifiziert. Damit erfüllt die Lösung zentrale Vorgaben für interoperables Energiemanagement und wird für Energieversorger im Prosumer-Markt unmittelbar einsetzbar. mehr...
kraftwerk Software Gruppe: Energieversorger wechseln auf cloudbasierte Plattform
[18.03.2026] Die Stromversorgung Greding und die Stadtwerke Hemau stellen ihre IT-Landschaft gemeinsam auf eine cloudbasierte Plattform um. Das Projekt soll Prozesse vereinheitlichen, Synergien heben und den Weg für weitere Digitalisierungsschritte ebnen. mehr...
Stadtwerke Lübeck: Erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen
[13.03.2026] Die Stadtwerke Lübeck haben ihr erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen, das sensible Daten künftig direkt vor Ort verarbeitet und speichert. Das Projekt soll die digitale Souveränität der Region stärken – und stößt schon zum Start auf große Nachfrage. mehr...
Nexiga: Plattform analysiert Strommarkt-Dynamiken
[05.03.2026] Das Unternehmen Nexiga bringt mit dem Hellbrise Monitor eine neue Datenplattform zur Analyse von Strommarkt-Dynamiken an den Start. Das Tool soll Einspeisespitzen, negative Preise und strukturelle Risiken der Energiewende transparent machen und richtet sich an Versorger, Netzbetreiber, Forschung und Politik. mehr...
VertiGIS: Vorarlberger Energienetze erneuert Geo-Informationssystem
[04.03.2026] Das Unternehmen Vorarlberger Energienetze stellt sein Geo-Informationssystem auf die dritte Generation um und setzt dabei auf Technologie von VertiGIS. Der Wechsel ist wegen des auslaufenden Altsystems bis 2028 zwingend und betrifft Datenqualität, Netzbetrieb und künftige KI-Anwendungen gleichermaßen. mehr...
evm: KI-Chatbot entlastet Kundenservice
[03.03.2026] Das kommunale Unternehmen Energieversorgung Mittelrhein (evm) zieht eine Zwischenbilanz zum Einsatz seines KI-Chatbots Eva. Demnach wurden allein im Jahr 2025 mehr als 40.000 Gespräche geführt. mehr...
WEMAG: Wechsel auf S/4HANA-Plattform
[03.03.2026] Die WEMAG-Gruppe hat ihre IT-Systeme grundlegend umgestellt. Nach einer Projektzeit von 18 Monaten nutzt das Unternehmen nun die S/4HANA-Plattform von Thüga SmartService. Dabei wurden 92 Buchungskreise und knapp 500 Nutzerinnen und Nutzer migriert. mehr...
Plattformstrategie: Hybrid denken, souverän handeln
[26.02.2026] Die Erlanger Stadtwerke sind mit Microsoft 365 auf eine Plattform umgestiegen, die Mitarbeitende spürbar entlastet und die Zusammenarbeit effizienter gestaltet. Im Sinne der digitalen Souveränität wurde für die Softwarearchitektur ein hybrider Ansatz gewählt. mehr...
Wuppertaler Stadtwerke: IT-Partnerschaft mit rku․it besiegelt
[23.02.2026] Die Wuppertaler Stadtwerke bauen ihre IT mit der NextGen-Plattform von rku.it aus. Die strategische Partnerschaft soll Prozesse im SAP-Umfeld modernisieren und den kommunalen Versorger langfristig digital absichern. mehr...
cortility: Zusatzmodule an SAP S/4HANA angepasst
[20.02.2026] Das Unternehmen cortility hat mehrere Zusatzmodule für SAP S/4HANA Utilities überarbeitet. Die Lösungen nutzen die neue Systemarchitektur und lassen sich ohne große Anpassungen integrieren. Weitere Erweiterungen sind angekündigt. mehr...
Salesfive: CRM-Vorlage für Stadtwerke
[20.02.2026] Die Energieversorgung Oberhausen und Salesfive präsentieren eine CRM-Lösung für Stadtwerke. Die auf Praxiserfahrungen basierende Vorlage soll den Kundenservice schneller und effizienter machen. Laut den Unternehmen ist der Start innerhalb weniger Wochen möglich. mehr...
Martin: Umstieg auf Stackable Data Platform
[18.02.2026] Das Unternehmen Martin für Umwelt- und Energietechnik analysiert Betriebsdaten seiner Waste-to-Energy-Anlagen mit der Stackable Data Platform zentral in einer Open-Source-Umgebung. Damit will das Unternehmen Emissionen präziser steuern, Wartungen vorausschauend planen und als Teil Kritischer Infrastruktur datensouverän bleiben. mehr...
Kisters: Neue Plattform für den Energiehandel
[12.02.2026] Das Unternehmen Kisters präsentiert auf der E-world energy & water 2026 eine neue Software für das Portfoliomanagement. Die Lösung richtet sich an Energiehändler, Stadtwerke und Dienstleister. Sie soll Prozesse automatisieren und den Handel mit Strom und Gas effizienter machen. mehr...












