Donnerstag, 16. Juli 2026

BDEW/EYFortschritte bei der Energiewende

[02.06.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung sind in Deutschland 2025 weiter vorangekommen. Das geht aus dem aktuellen Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY hervor. Gleichzeitig sehen die Herausgeber erheblichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen.
Titelbild des „Fortschrittsmonitors 2026 Energiewende“ von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu sehen ist eine Person mit Schutzhelm und Sicherheitsgeschirr, die auf dem Maschinenhaus einer Windenergieanlage sitzt und über eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Windrädern blickt. Links im Bild steht der Schriftzug „Fortschrittsmonitor 2026 Energiewende“ in einem farbigen Rahmen. Unten rechts sind die Logos von EY und BDEW platziert. Die Szene vermittelt den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland.

Fortschrittsmonitor: Die Energiewende schafft auch die Grundlage für ein resilientes Energiesystem.

(Bildquelle: BDEW/EY)

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat gemeinsam mit EY die vierte Ausgabe des Fortschrittsmonitors Energiewende veröffentlicht. Dem Bericht zufolge sind vor allem beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie bei der Nutzung von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen Fortschritte erzielt worden. Nach Angaben von BDEW und EY stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch 2025 auf 56 Prozent. Wachstumstreiber war die Photovoltaik. Gleichzeitig wurden 2025 so viele Elektroautos neu zugelassen wie noch nie. Zudem entwickelten sich Wärmepumpen erstmals zur meistverkauften Heizungsart.

Zahlreiche Hürden bleiben bestehen

Der Bericht zeigt jedoch auch, dass zahlreiche Hürden bestehen bleiben. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, seien ein schnellerer Ausbau der Infrastruktur, digitale Netze, zusätzliche Speicher, steuerbare Kraftwerksleistung, der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sowie verlässliche Investitionsbedingungen notwendig. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sagte: „Die Energiewende ist ein Standort- und Sicherheitsprojekt. Sie senkt langfristig Kosten und reduziert Importabhängigkeiten. Dafür braucht es zwingend politische Verlässlichkeit und mehr Umsetzungsgeschwindigkeit.“

Treibhausgasemissionen gehen zurück

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren entwickelt sich das Energiesystem grundsätzlich in Richtung einer stärker auf erneuerbare Energien gestützten Versorgung. Zugleich verlangsamt sich der Rückgang der Treibhausgasemissionen. Gegenüber 2024 sanken die Emissionen 2025 laut Bericht lediglich um 0,1 Prozent. Um das Klimaschutzziel für 2030 zu erreichen, wären demnach ab 2026 jährliche Rückgänge von mehr als sieben Prozent erforderlich.

Beim Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung bleibt die Photovoltaik der wichtigste Treiber. Mit knapp 18 Gigawatt neu installierter Leistung wurde 2025 erneut ein Rekordwert erreicht. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch liegt damit leicht über dem Zielpfad.

Verzögerungen bei der Wasserstoffwirtschaft

Der Ausbau der Windenergie gewann zwar an Dynamik, blieb jedoch hinter den erforderlichen Werten zurück. An Land kamen netto 4,6 Gigawatt hinzu, auf See 0,5 Gigawatt. Fortschritte bei Planungs- und Genehmigungsverfahren seien erkennbar, diese blieben jedoch weiterhin ein Engpass.

Beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sieht der Monitor deutliche Verzögerungen. Zwar sei die Wasserstoffproduktion 2024 gestiegen, sie basiere jedoch fast vollständig auf fossilen Energieträgern. Das Ziel von 10 Gigawatt Elektrolysekapazität bis 2030 erscheine zunehmend schwer erreichbar. Von angekündigten Projekten mit bis zu 13 Gigawatt Leistung seien bislang lediglich rund 1,3 Gigawatt finanziell gesichert, im Bau oder bereits in Betrieb.

Deutlicher Zuwachs neuer Netznutzer erwartet

Auch die Energienetze stehen laut Bericht vor großen Herausforderungen. Die geplanten Investitionen der Übertragungsnetzbetreiber stiegen 2025 auf 22,2 Milliarden Euro, die der Verteilnetzbetreiber auf elf Milliarden Euro. Bis 2030 werde ein deutlicher Zuwachs neuer Netznutzer erwartet, darunter Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. 

Im Wärmesektor lag der Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme am Wärme- und Kältebedarf 2025 bei rund 20,7 Prozent. Das liegt deutlich unter der Zielmarke von 32 Prozent klimaneutraler Wärme bis 2030. Positiv bewerten die Autorinnen und Autoren den Anstieg des Wärmepumpenbestands auf rund 2,2 Millionen Geräte. Die Fernwärme verharrte dagegen bei einem Marktanteil von etwa zehn Prozent. Nach Angaben des Berichts haben inzwischen 56 Prozent der Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen.

Großer Rückstand des Verkehrssektors

Besonders groß bleibt der Rückstand nach Einschätzung von BDEW und EY im Verkehrssektor. Die Emissionen lagen 2025 bei 146 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten und damit deutlich über dem Zielwert von 73 Millionen Tonnen für das Jahr 2030. Der Anteil rein elektrischer Pkw an den Neuzulassungen stieg auf rund 19 Prozent. Der Hochlauf verlaufe jedoch weiterhin zu langsam.

Positiv entwickelte sich laut Monitor die Lade-Infrastruktur. Die öffentliche Ladeleistung erreichte 2025 rund 10 Gigawatt und übertraf damit das Ziel der europäischen Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) von rund vier Gigawatt deutlich. EY-Partner Metin Fidan erklärte: „Die Energiewende ist kein reines Transformationsprojekt, sondern eine strategische Chance: Sie stärkt Wettbewerbsfähigkeit, reduziert Abhängigkeiten und schafft die Grundlage für ein resilientes Energiesystem.“





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