Donnerstag, 23. Juli 2026

BrüsselEnergiefahrplan für Europa

[07.11.2013] Die EU-Kommission hat ein Leitlinienpaket zur Ausgestaltung eines europäischen Energiebinnenmarkts vorgelegt. Erneuerbare Energien sollen wettbewerbsfähiger und marktorientierter werden. Interessenverbände in Deutschland begrüßten die Vorschläge, verwiesen aber auch auf regionale Unterschiede.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger zum Leitlinienpaket: „Die Energieversorgung muss kosteneffizient sein und den sich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung tragen."

EU-Energiekommissar Günther Oettinger zum Leitlinienpaket: „Die Energieversorgung muss kosteneffizient sein und den sich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung tragen."

(Bildquelle: Europäische Kommission)

Europa ist gespalten. Während sich Länder wie Deutschland auf die Energiewende vorbereiten, wird andernorts weiterhin auf die konventionelle Stromerzeugung aus Kohle und Kernkraft gesetzt. Dies hat Einfluss auf die Förder- und Ausbaustrategien der einzelnen Mitgliedstaaten und damit auch auf den Energiebinnenmarkt als Ganzes. Werden staatliche Eingriffe nicht sorgfältig ausgestaltet, können in Europa Wettbewerbsverzerrungen entstehen, die zu höheren Energiepreisen für Privathaushalte als auch für Unternehmen führen. Die EU-Kommission hat daher am Dienstag (5. November 2013) den Mitgliedstaaten mehrere Leitlinien für staatliche Interventionen im Stromsektor vorgeschlagen. Ziel sei es, den Regierungen Informationen, Strategien und nachahmenswerte Verfahren an die Hand zu geben, damit sie ihre nationalen Regelungen – insbesondere bei der Förderung erneuerbarer Energien – in die richtigen Bahnen lenken können.

Förderung nach Maß

Die Europäische Kommission empfiehlt, die finanzielle Unterstützung im Stromsektor auf das notwendige Maß zu beschränken und erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen. Die Förderregelungen sollten möglichst flexibel sein und den sinkenden Erzeugungskosten Rechnung tragen. Mit zunehmender Reife könnten die Technologien allmählich den Marktpreisen ausgesetzt und die Subventionierung eingestellt werden. Die Mitgliedstaaten sollten zudem ihre Strategien zur Förderung erneuerbarer Energien besser aufeinander abstimmen, um die Kosten für die Verbraucher niedrig zu halten. Auch beim Thema Reservekapazität gebe es Handlungsbedarf: So sollten die Regierungen alle Wettbewerbsverzerrungen beseitigen, die Anreize für Investitionen in Erzeugungskapazitäten verhindern. Laut Kommission kommen als Ursachen regulierte Preise oder hohe Subventionen für erneuerbare Energien infrage. Zudem müssten Stromerzeuger verstärkt auf Marktsignale reagieren und Flexibilität auf der Nachfrageseite unterstützen. Dabei dürfe nicht nur in nationalen Kategorien gedacht werden. Die Reservekapazitätsmechanismen sollten auch die europäische Perspektive miteinbeziehen.
Die EU-Kommission betont, dass es sich bei dem Leitlinienpaket nicht um einen verbindlichen Rechtsakt handelt. Dennoch führe es die wichtigsten Grundsätze auf, welche die Kommission bei der Prüfung staatlicher Interventionen zur Förderung von erneuerbaren Energien, Kapazitätsmechanismen oder nachfrageseitigen Maßnahmen anwendet. Insofern sei sie maßgeblich für die künftige Durchsetzung der EU-Regeln für staatliche Beihilfen oder des EU-Energierechts.

Subsidiarität erhalten

In Deutschland wurde die Mitteilung der Europäischen Kommission recht positiv aufgenommen. Hildegard Müller, Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), begrüßte die Vorschläge im Leitlinienpaket. Nationale Alleingänge bei der Versorgungssicherheit oder auch die nationale Bepreisung von CO2 wie beispielsweise in Großbritannien seien nicht zielführend. „Insofern ist die Mitteilung der Europäischen Kommission ein wichtiger Schritt, um den europäischen Binnenmarkt zu verwirklichen“, so Müller. Erfreulich sei, dass die Europäische Kommission der vom BDEW vorgeschlagenen Strategischen Reserve grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Gerade in einer Übergangsphase sei sie ein kostengünstiges, einfach einzuführendes und reversibles Instrument der Versorgungssicherheit. Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sprach sich grundsätzlich für die Pläne aus, warnte allerdings vor einer unsachgemäßen Angleichung regionaler Unterschiede. VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck: „Wir unterstützen die energiepolitischen Ziele der EU und setzen uns für eine sichere und klimaschutzorientierte Energieversorgung ein. Diese Ziele werden am besten in einem funktionierenden Energiemarkt auf der Grundlage eines fairen und offenen Wettbewerbs verwirklicht.“ Dennoch sollte die EU-Kommission sich nicht in Details ergehen oder uniforme Lösungen für alle Mitgliedsstaaten vorgeben, sondern eher einen ordnungspolitischen Rahmen vorgeben. „Die konkrete Ausgestaltung sollte dann an die jeweiligen nationalen Gegebenheiten angepasst auf nationalstaatlicher Ebene umgesetzt werden können“, so Reck. Aus Sicht des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) ist das Subsidiaritätsprinzip jedoch kaum gefährdet: „Brüssel bestimmt keine Gewinner und Verlierer der Energiewende“, sagt BEE-Geschäftsführer Hermann Falk. „Brüssel hebt Beispiele für eine erfolgreiche Förderpolitik heraus, lässt aber den Mitgliedstaaten die Freiheit, flexibel nach ihren nationalen Gegebenheiten zu entscheiden.“

Marc Tosenberger




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Sokratherm: Politische Entscheidungen verbessern Bedingungen für KWK

[22.07.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz und ein EuGH-Urteil stärken die Rahmenbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Entscheidungen könnten den Einsatz von Blockheizkraftwerken erleichtern und die anstehende Reform des KWK-Gesetzes beeinflussen. mehr...

EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche

[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...

bericht

Energiewende: Hybridlösungen statt neuer Lock-ins

[14.07.2026] Die Kraftwerksstrategie des Bundes setzt auf zentrale Großprojekte – doch die kommen zu spät und schaffen neue Abhängigkeiten. Kommunale Hybridlösungen aus KWK, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Speichern bieten einen schnelleren, resilienteren Weg. mehr...

Naturstrom: Weniger Negativpreise

[07.07.2026] An der Strombörse gab es im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Stunden mit negativen Preisen als im Vorjahr. Eine Analyse zeigt, warum die Preise trotz der globalen Energiekrise insgesamt stabil blieben und welche Rolle erneuerbare Energien und Flexibilität dabei spielen. mehr...

Ein großer Mobilkran richtet auf einer Freifläche am Waldrand einen Gittermast einer Hochspannungsfreileitung auf. Mehrere Monteure begleiten die Montage, während weitere Mastsegmente am Boden bereitliegen. Über der Baustelle erstreckt sich ein blauer Himmel mit großen weißen Wolken.

TenneT: Bund steigt ein

[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...

Großer Solarpark mit langen Reihen von Photovoltaikmodulen vor mehreren Windenergieanlagen. Die Anlage erstreckt sich über eine offene Landschaft unter einem wolkigen Himmel und veranschaulicht die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung.

BDEW/ZSW: BDEW/ZSW

[02.07.2026] Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil an der Stromversorgung in Deutschland erreicht. Vorläufigen Berechnungen von ZSW und BDEW zufolge stammten 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Gedämmte Fernwärmeleitungen verlaufen in mehreren Bögen über das Außengelände einer Energieanlage. Die groß dimensionierten silberfarbenen Rohre führen entlang eines modernen Technikgebäudes und veranschaulichen die Infrastruktur eines Wärmenetzes.

Städtetag / VKU: Verlässliche Regeln für die Wärmeplanung

[01.07.2026] Zum Stichtag für die Veröffentlichung kommunaler Wärmepläne fordern der Deutsche Städtetag und der Verband kommunaler Unternehmen ein umfassendes Wärmepaket der Bundesregierung. Nach Angaben beider Verbände sorgen geplante Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz für Unsicherheit bei Kommunen und Stadtwerken. mehr...

Energieeffizienzgesetz: Stellungnahmen zur Gesetzesnovelle

[26.06.2026] Die Bundesregierung hat die Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen und mehrere Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren angepasst. Verbände aus Digitalwirtschaft und Energiewirtschaft begrüßen den Abbau von Bürokratie, sehen aber weiterhin Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Regelungen. mehr...

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

BDEW Kongress 2026: Branche fordert Planungssicherheit

[11.06.2026] Die Energiebranche fordert von der Bundesregierung zügige Entscheidungen bei zentralen energiepolitischen Vorhaben. Beim BDEW Kongress 2026 warnten Verbandsvertreter vor Verzögerungen bei wichtigen Gesetzen und forderten mehr Planungssicherheit für Investitionen. mehr...

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), spricht auf der Bühne des BDEW-Kongresses 2026 an einem Rednerpult. Hinter ihr ist das Kongresslogo auf einer großflächigen, violett beleuchteten Bühnenwand zu sehen. Im Vordergrund stehen die roten Buchstaben des BDEW-Logos. Die Aufnahme zeigt ihren Auftritt während der Eröffnung der Fachveranstaltung.

BDEW Kongress 2026: Verband drängt auf schnelle Beschlüsse

[11.06.2026] Der BDEW fordert von der Bundesregierung ein abgestimmtes Energiepaket für 2026. Nach Ansicht des Verbands müssen mehrere zentrale Gesetzesvorhaben zügig beschlossen werden, um Investitionen in die Energieinfrastruktur abzusichern. mehr...

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche spricht auf dem BDEW-Kongress 2026 an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Hinter ihr zeigt eine überdimensionale Leinwand eine Nahaufnahme der Ministerin während ihrer Rede. Der Bühnenhintergrund ist in violetten und magentafarbenen Tönen gestaltet und trägt das Logo „BDEW Kongress 2026“.

BDEW Kongress 2026: Reiche wirbt für Energiekonsens

[11.06.2026] Auf dem BDEW Kongress setzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein Zeichen. Um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten, sei ein Energiekonsens zwischen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft notwendig. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn politische Ziele und energiewirtschaftliche Realität zusammengeführt würden. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...