Freitag, 6. November 2026

EU-KommissionGrünes Licht für KWKG und AbLaV

[25.10.2016] Die EU-Kommission hat das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und die Verordnung zu Abschaltbaren Lasten beihilferechtlich genehmigt.
Die Europäische Kommission hat die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und die Verordnung zu abschaltbaren Lasten beihilferechtlich freigegeben.

Die Europäische Kommission hat die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und die Verordnung zu abschaltbaren Lasten beihilferechtlich freigegeben.

Die beiden Gasmotoren der BHKW Eisenhut I und II auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Tübingen erzeugen jährlich 12 Millionen Kilowattstunden Strom.

(Bildquelle: Stadtwerke Tübingen GmbH)

Die Europäische Kommission hat jetzt die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) und die Verordnung zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) beihilferechtlich freigegeben. Sigmar Gabriel (SPD), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sagt: „Jetzt kann die Förderung von KWK-Anlagen nach dem neuen KWKG endlich starten. Es ist ein gutes Signal, dass in diesem wichtigen Bereich für die nächsten Jahre Rechtssicherheit geschaffen wurde.“ Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mitteilt, konnte für die Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eine lückenlose Förderung erreicht werden. Diese könne jetzt rückwirkend zum 1. Januar 2016 gezahlt werden. Zu diesem Termin war das KWKG bereits in Kraft getreten. Da die KWK-Förderung nach Ansicht der EU-Kommission eine staatliche Beihilfe darstellt, darf diese aber erst nach der Genehmigung durch die Europäische Kommission ausgezahlt werden. Das für die Abwicklung zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werde in Kürze mit dem Versand der Förderbescheide beginnen.

Ausschreibungen auch für mittelgroße Anlagen

Die wichtigste Neuerung betrifft laut dem BMWi mittelgroße Anlagen zwischen einem und 50 Megawatt elektrischer Nennleistung. Deren Förderung soll künftig ausgeschrieben werden. Die erforderliche Verordnung zur Umsetzung der Ausschreibung werde im Jahr 2017 erlassen, sodass die Ausschreibungen im Winter 2017/2018 beginnen können. Die EU-Kommission hat außerdem angekündigt, die Regelung zur Reduzierung der KWKG-Umlage für große Stromverbraucher näher zu prüfen. Die Bundesregierung geht auch hier von einer positiven Entscheidung aus. Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb, erklärt: „KWK-Anlagen erzeugen nicht nur Strom, sondern ermöglichen auch die Nutzung der dabei erzeugten Wärme. Die von uns heute genehmigte deutsche Regelung zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung kann einen wichtigen Beitrag zu den Energie- und Klimazielen der EU leisten.“ Die Prüfung der Kommission habe ergeben, dass die Förderung die Integration der Kraft-Wärme-Kopplung in den Strommarkt verbessert und mit den EU-Beihilfevorschriften, insbesondere den EU-Leitlinien für staatliche Umweltschutz- und Energiebeihilfen aus dem Jahr 2014, im Einklang steht. Die Maßnahme biete den Betreibern von KWK-Anlagen einen Anreiz, ihre Anlagen dann zu betreiben, wenn sie benötigt werden, das heißt, wenn die Stromnachfrage besonders hoch ist. Da die Betreiber den festen Zuschlag nur für eine begrenzte Zahl von Betriebsstunden, so genannte Volllast-Betriebsstunden, erhalten, liege es in ihrem Interesse, ihre Anlagen zu betreiben, wenn der Marktpreis besonders hoch ist. Vestager: „Im Einklang mit den Leitlinien erhalten KWK-Anlagen keine Förderung, wenn die Strompreise negativ sind, das heißt wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt.“ Die Ausschreibungen hingegen sorgten für Kosteneffizienz bei der KWK-Förderung. Anlagen mit einer Leistung von über 50 Megawatt dürften nicht an den Ausschreibungen teilnehmen, um zu vermeiden, dass eine begrenzte Anzahl großer Anbieter in der Lage wäre, die gesamte Ausschreibungskapazität abzudecken und so kleinere Lieferanten vom Wettbewerb ausschließen könnte.

Bedeutung Abschaltbarer Anlagen bestätigt

Außerdem hat die Kommission bestätigt, dass die Neufassung der Verordnung zu Abschaltbaren Lasten (AbLaV) mit den europäischen Beihilferegeln vereinbar ist. Die AbLaV ermöglicht es den Übertragungsnetzbetreibern, Verträge mit industriellen Großverbrauchern abzuschließen, die ihren Stromverbrauch kurzfristig reduzieren können. Damit diene sie als flexibles Instrument für Notfälle der Unterfrequenz im Netz, für den Systembilanzausgleich und für die Engpassentlastung. Die Neufassung der AbLaV ist am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten. Laut der Europäischen Kommission hat Deutschland nachgewiesen, dass sein Stromsystem mit einem stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix zunehmend Flexibilität im Stromnetz erfordere. Deshalb sei die EU-Kommission zu dem Schluss gekommen, dass Netzbetreiber durch die AbLaV besser auf eine kurzfristige Volatilität im Stromnetz reagieren könnten. Auch sei die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass die AbLaV die kurzfristige Zuverlässigkeit und die langfristige Versorgungssicherheit des deutschen Stromnetzes im Einklang mit den EU-Vorschriften über staatliche Beihilfen verbessern wird. Die Kostenwirksamkeit der Maßnahme werde durch wöchentliche wettbewerbliche Auktionen gewährleistet. Die Auktionen stehen einem breiten Spektrum von Teilnehmern offen: Alle Stromkunden mit einem Verbrauch von mehr als zehn Megawatt, das heißt mittlere und große Unternehmen, können Netzbetreibern unterbrechbare Kapazitäten anbieten. Kleinere Verbraucher können ebenfalls teilnehmen, wenn sie ihre Angebote zur Erreichung der Zehn-Megawatt-Schwelle bündeln.



Stichwörter: Politik, AbLaV, EU-Kommission, KWKG


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Kraftwerksausschreibung: Kritik an Marktkonzentration

[05.11.2026] Bei der ersten Ausschreibung für gesicherte Kraftwerksleistung haben sich vor allem RWE und LEAG durchgesetzt. Während die Bundesnetzagentur den intensiven Wettbewerb begrüßt, kritisieren Branchenverbände die Konzentration der Zuschläge auf zwei Energiekonzerne und die Benachteiligung von Batteriespeichern. mehr...

Kraftwerksstrategie: Erste Ausschreibung abgeschlossen

[04.11.2026] Die erste Ausschreibung für neue Gaskraftwerke und Langzeitkapazitäten nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) ist abgeschlossen. Die Ergebnisse wertet Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche als Erfolg. mehr...

Berlin: Solarpflicht wird evaluiert

[04.11.2026] In Berlin sind inzwischen rund 69.000 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 583 Megawattpeak installiert. Drei Jahre nach Einführung der Solarpflicht prüft der Senat nun, ob das Gesetz angepasst werden muss. mehr...

BMI: Sabotageschutz für Energieanlagen ausgeweitet

[02.11.2026] Die Bundesregierung will den Schutz Kritischer Infrastrukturen vor Sabotage verstärken. Künftig sollen auch Beschäftigte in bestimmten Energieanlagen, virtuellen Kraftwerken und Flüssigerdgas-Terminals einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. mehr...

EEG-Finanzierung: Förderbedarf für 2027 liegt bei 17,5 Milliarden Euro

[29.10.2026] Der Finanzierungsbedarf für die Förderung Erneuerbarer Energien wird 2027 voraussichtlich 17,5 Milliarden Euro betragen. Ausschlaggebend für die Belastung des Bundeshaushalts ist vor allem die Differenz zwischen den garantierten Vergütungen für Ökostrom und den Erlösen am Strommarkt. mehr...

ASEW: Strom-Umlagen steigen 2027 um knapp 23 Prozent

[27.10.2026] Die Strom-Umlagen steigen 2027 um insgesamt 22,9 Prozent. Vor allem höhere Kosten für die Stromnetze treiben die Belastung nach oben. Auch bei den Netzentgelten und Gaspreisen müssen Verbraucher mit steigenden Kosten rechnen. mehr...

BMWE: Bund und Länder wollen Netzfinanzierung erleichtern

[15.10.2026] Bund und Länder haben sich auf gemeinsame Eckpunkte zur Finanzierung von Stromverteil- und Wärmenetzen verständigt. Ein neues Finanzierungsinstrument soll die Eigenkapitalbasis von Stadtwerken stärken und Investitionen in die Energieinfrastruktur erleichtern. mehr...

VKU: Strategie für grüne Gase gefordert

[15.10.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt erste Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Grüngasquote, sieht aber noch erhebliche offene Fragen. Vor allem müsse die Bundesregierung klären, woher die benötigten Mengen an grünen Gasen kommen sollen und welche Kosten auf die Verbraucher zukommen. mehr...

BDEW: Stromsteuersenkung für alle gefordert

[15.10.2026] Der BDEW begrüßt die Ankündigung der CDU, die Stromsteuer bei ausreichendem Haushaltsspielraum für alle Verbrauchergruppen zu senken. Der Verband fordert eine schnelle und dauerhafte Absenkung auf das europäische Mindestmaß. mehr...

Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt

[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...

Grünes Licht für E-Mobilität: Baden-Württemberg födert den Kauf von E-Fahrzeugen und den Bau von Ladesäulen.

MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern

[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...

Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik

[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...

Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln

[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...

Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards

[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...

Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken

[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...