Freitag, 26. Juni 2026

IT-OutsourcingStrategische Kompetenzen

[01.04.2014] IT-Outsourcing macht flexibel und sichert den Zugang zu modernsten Technologien. Das sind aber nicht die einzigen Argumente, die für das Auslagern von IT-Services sprechen. ISG-Experte Ronald Paschen nennt im stadt+werk-Interview einen weiteren wichtigen Aspekt.
Ronald Paschen ist Partner des Beratungsunternehmens Information Service Group (ISG).

Ronald Paschen ist Partner des Beratungsunternehmens Information Service Group (ISG).

(Bildquelle: Information Service Group (ISG))

Herr Paschen, die Energiewirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Was bedeutet das für die IT?

Von der Steuerung von Kraftwerken mal ganz abgesehen, wandern viele Bereiche aus dem Kerngeschäft der Energieversorger in den IT-Bereich, wie Smart Metering und damit zusammenhängend intelligente Netze. Daneben gibt es Themen, die stark verwoben sind mit der klassischen administrativen IT, wie etwa das Customer Relationship Management. Für die Energieversorger stellt sich jetzt die Frage, welche dieser unterschiedlich weit vom eigentlichen Geschäft entfernten IT-Bereiche als Kernkompetenz definiert und welche IT-Services am Markt beschafft werden sollen.

Sie haben ein Projekt eines großen Energieversorgers begleitet, bei dem es um die Erbringung von Datacenter-, Netzwerk- und Workplace-Services ging. Wo lagen die Herausforderungen?

Es ging bei dem Projekt zunächst darum, herauszufinden, welche Teile der IT-Infrastruktur das Unternehmen weiterhin selbst betreiben möchte. Das alleine ist schon eine große Herausforderung. Die zweite Aufgabe war es, das Sourcing-Modell zu entwickeln. Es musste geklärt werden, ob mehrere oder nur ein Unternehmen beauftragt werden soll und wie die IT künftig gesteuert werden kann.

Worum ging es konkret in dem Outsourcing-Projekt?

Es wurden aus vergaberechtlichen Gründen vier Lose ausgeschrieben: zentrale Services im Rechenzentrum, dezentrale Dienstleistungen für die Arbeitsplatzrechner und Netzwerk- und Collaboration-Services. Das vierte Los betraf die Integration der drei Bereiche. Der Auftrag wurde schließlich an zwei Dienstleister vergeben, einer übernahm die zentralen und dezentralen Dienste sowie die Integrationsleistungen, der andere die Netzwerk- und Collaboration-Services. Innerhalb von vier Monaten wurden die Dienste und alle Assets überführt.

„Es ist günstiger, die Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln.“
Welche Erfahrungen wurden gemacht?

Man kann heute schon sagen, dass die mit dem Outsourcing-Projekt verbundenen Ziele auch erreicht wurden. Der Kunde hat zudem Erfahrungen gesammelt, wie die Verträge gesteuert werden können. Mit diesem Wissen kann ein Sourcing-Modell der nächsten Generation entwickelt werden. Denn es ist klar, dass das Thema mit der Auftragsvergabe nicht abgehakt ist. Das Sourcing-Modell muss immer an neue Aufgabenstellungen angepasst werden.

Welche IT-Services eignen sich besonders für das Auslagern?

Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Energieversorger einen Wettbewerbsvorteil hat, nur weil er ein Rechenzentrum selbst betreibt. Deshalb eignen sich insbesondere alle standardisierten Leistungen und alle Applikationen abseits des Kerngeschäfts, wie die Buchhaltungs- oder Personalabrechnungssysteme.

Wo liegen die wesentlichen Vorteile?

Ein klassisches Argument für IT-Auslagerung lautet, dass es günstiger ist, die Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln. So kann man flexibler agieren, was den Abruf von Leistungen betrifft. Zudem hat man direkten Zugang zu modernsten Technologien und innovativen IT-Konzepten. Ich glaube aber, dass diese Vorteile für viele Kunden gar nicht mehr ausschlaggebend sind. Ein Blick auf die Altersstruktur der Mitarbeiter zeigt, dass viele Abteilungen in wenigen Jahren nicht mehr genügend Personal haben. Da gerade IT-Spezialisten schwer zu finden sind, lautet die Frage, wie fehlendes Wissen und mangelnde Personalressourcen künftig ausgeglichen werden können.

Auf was ist bei der Vertragsgestaltung mit den Dienstleistern besonders zu achten?

Es gibt einige Faktoren, die man grundsätzlich nicht außer Acht lassen sollte. Etwa die saubere Beschreibung der Art und der Qualität der Leistung, die man einkaufen will. Zudem muss genau geklärt werden, wie die Leistungen abgerechnet werden, denn hier liegen häufig die Ursachen für Konflikte. Bei Energieversorgern ist eine genaue Spezifikation der regulatorischen Anforderungen erforderlich. Die Kunden erwarten außerdem, dass die Dienstleister sie dabei unterstützen, auf Veränderungen zu reagieren. Sie müssen bei beschränkten Budgets innovativ sein und den Kunden helfen, die IT-Prozesse zu optimieren.

Worauf müssen sich aus Ihrer Sicht die IT-Abteilungen der Energieversorger künftig einstellen?

Die IT-Leiter stehen vor einem Paradigmenwechsel. Sie verantworten zwar weiterhin ein großes IT-Budget, müssen aber keinen großen Personalstamm mehr führen, sondern nur noch ein kleineres Team zur Steuerung der IT. Die Skills zur Steuerung aufzubauen, ist die große Herausforderung, die nach Unterzeichnung des Outsourcing-Vertrags zu meistern ist. Die IT-Abteilungen müssen zudem ein Mindestmaß an operativen Fähigkeiten behalten. Sonst können sie nicht glaubhaft machen, dass sie ausgelagerte Dienste auch wieder selbst übernehmen können, wenn das Outsourcing nicht funktioniert. Alles, was aus strategischer Sicht nötig ist, also Steuerungs- und IT-Architektur-Kompetenzen, sollten im Unternehmen verbleiben.

Interview: Alexander Schaeff

Paschen, RonaldRonald Paschen ist Partner des Beratungsunternehmens Information Service Group (ISG). Der Wirtschaftsinformatiker berät Kunden in allen Aspekten des Sourcings, von der Erarbeitung von Strategien und der Bewertung bestehender Sourcing-Modelle über Sourcing-Transaktionen bis hin zu deren Implementierung.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

Mannheim: Kläranlage erhält digitales Prozessleitsystem

[26.06.2026] Die Mannheimer Kläranlage arbeitet künftig mit einem durchgängigen digitalen Prozessleitsystem. Die Modernisierung soll die Betriebssicherheit erhöhen, Ressourcen sparen und die Anlage auf strengere Vorgaben in der Wasserwirtschaft vorbereiten. mehr...

Advertorial: Das Zusammenspiel entscheidet

[25.06.2026] Stadtwerke stehen vor einer neuen Phase der Digitalisierung: Kundenerwartungen steigen, IT-Landschaften werden komplexer, Fachwissen geht verloren. Operative Handlungsfähigkeit zu erhalten und sich gleichzeitig zukunftsfähig aufzustellen, wird zur obersten Priorität. mehr...

deeeper.technology: Start von KI-Plattform

[24.06.2026] Das Unternehmen deeeper.technology hat mit den Deeeper Energy Maps eine KI-Plattform gestartet, die Energiedaten gebündelt auf einer interaktiven Karte darstellt. Die Lösung soll Projektentwicklern und Beratern die Standortbewertung deutlich erleichtern. mehr...

Kisters: Plattform für Steuerbarkeitstests

[23.06.2026] Netzbetreiber müssen jährlich die Steuerbarkeit von Erzeugungsanlagen prüfen und die Ergebnisse an die Übertragungsnetzbetreiber melden. Der Softwareanbieter Kisters hat seine Redispatch-2.0-Plattform dafür erweitert. mehr...

interview

Interview: Tief integrierte Systeme

[16.06.2026] Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Automatisierung und effizientere Prozesse. Andreas Weber von Kraftwerk Software erklärt im Interview, warum KI erst dann ihr volles Potenzial entfaltet, wenn sie in die Systemarchitektur integriert ist. mehr...

FairEnergie: Umstieg auf Intense-Lösung

[09.06.2026] FairEnergie ersetzt seine bisherige SAP-IS-U-Landschaft durch die cloudbasierte Plattform TENTAC auf Basis von SAP S/4HANA Utilities. Der Reutlinger Versorger setzt dabei auf Standardprozesse und integrierte Abläufe, um Kosten zu senken und kundenbezogene Prozesse zu vereinfachen. mehr...

SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

GISA: GASAG senkt Cloud-Kosten

[08.06.2026] Die GASAG hat ihre SAP-Systemlandschaft in der Microsoft-Azure-Cloud überarbeitet. Nach Angaben des IT-Dienstleisters GISA sanken dadurch die monatlichen Speicherkosten deutlich, während sich die Leistungsfähigkeit der Systeme erhöhte. mehr...

bericht

Energiemanagement: Cyber-Sicherheit beginnt im Haus

[04.06.2026] PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox kommunizieren über digitale Schnittstellen miteinander und mit der Außenwelt. Heim-Energiemanagementsysteme fungieren dabei als zentrale Schaltstelle. Doch mit der Vernetzung steigt auch die Angriffsfläche. mehr...

Berlin: Neues Konzept soll KRITIS schützen

[27.05.2026] Berlin verschärft den Schutz Kritischer Energieinfrastrukturen mit einem neuen TOP-Konzept aus technischen, organisatorischen und physischen Maßnahmen. Anlass sind Brandanschläge auf die Stromversorgung, die zuletzt ganze Stadtteile beeinträchtigten und nun umfangreiche Investitionen sowie neue Sicherheitsstandards auslösen. mehr...

SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

IBM/Natuvion: Cloud-Umstieg beschleunigen

[26.05.2026] Das zentrale SAP-ERP-System (SAP ECC) wird ab 2027 nicht mehr gewartet. Um Energieversorgern den Umstieg auf die Cloud-Plattform SAP S/4HANA Utilities zu erleichtern, haben IBM und Natuvion deshalb eine Zusammenarbeit vereinbart. mehr...

Modernes Gebäude der Stadtwerke Hilden mit großer Glasfassade und silberner Metallverkleidung an einer ruhigen Straße bei sonnigem Wetter. Vor dem Eingangsbereich befinden sich Grünanlagen, kleine Bäume und ein gepflasterter Gehweg.

Stadtwerke Hilden: Neues CRM-System eingeführt

[21.05.2026] Die Suche nach einer neuen Ticketing-Lösung führte bei den Stadtwerken Hilden zur Einführung eines umfassenden CRM-Systems. mehr...

Elvaco: ISO-Zertifizierung erhalten

[20.05.2026] Elvaco hat die Zertifizierung nach ISO/IEC 27001 erhalten und stärkt damit sein Informationssicherheits-Management für Gebäude- und Energiedaten. Die Zertifizierung reagiert auf strengere EU-Vorgaben und wachsende Anforderungen an sichere Datenketten in vernetzten Metering- und Smart-Building-Systemen. mehr...

50Hertz: Netzsoftware als Open Source veröffentlicht

[18.05.2026] Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz stellt die Software ToOp zur Bewältigung von Netzengpässen als Open-Source-Projekt bereit. Nach Angaben des Unternehmens soll das Tool Netzbetreiber in Europa bei der Steuerung von Stromflüssen unterstützen. mehr...

nscharfe Aufnahme eines modernen Büro- oder Veranstaltungsraums. Im Vordergrund ist auf einer Glasfläche der Schriftzug „Future Energy Lab“ zu sehen. Im Hintergrund stehen mehrere verschwommene Personen an einem Stehtisch im Gespräch.

Cyber-Sicherheit: Den Ernstfall trainieren

[18.05.2026] Ein Übungskonzept soll die Sicherheit Kritischer Infrastrukturen erhöhen. Das Konzept für KRITIS-Betreiber wurde Fraunhofer IOSB-AST mit dem Future Energy Lab der Deutschen Energie-Agentur entwickelt. mehr...

Eine Drohne steht auf einem rot-weiß markierten Landeplatz am Straßenrand vor einem Servicefahrzeug von WEMAG Netz. Das Fahrzeug ist mit einer Leiter ausgestattet und parkt neben einer ländlichen Straße mit kahlen Bäumen und freiem Feld im Hintergrund. Die Szene wirkt sonnig und zeigt den Einsatz moderner Drohnentechnik zur Kontrolle von Stromnetzen.

WEMAG: Drohnen überwachen Stromnetze

[13.05.2026] Der Einsatz von Drohnen in der Energiebranche nimmt zu. Auch der Stromnetzbetreiber WEMAG Netz setzt auf die Flugsysteme, um Stromleitungen schneller zu kontrollieren und Schäden frühzeitig zu erkennen. mehr...