Freitag, 10. April 2026

UmfrageMehrheit empfindet Energie-Abhängigkeit als Bedrohung

[10.04.2026] Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Abhängigkeit von Energieimporten als Bedrohung. Eine aktuelle Umfrage zeigt zugleich klaren Rückhalt für mehr erneuerbare Energien und Speicher – und stellt politische Pläne infrage.

78 Prozent der Bevölkerung empfindet die Abhängigkeit von Energie-Importen als bedrohlich.

(Bildquelle: BSW-Solar)

Die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten stößt in der Bevölkerung auf breite Skepsis. Wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) berichtet, empfinden 78 Prozent der Bürger diese Abhängigkeit als bedrohlich. Grundlage ist eine repräsentative YouGov-Umfrage unter Wahlberechtigten, die Ende März durchgeführt wurde.

68 Prozent der Befragten sprechen sich demnach dafür aus, die Importe von Öl und Erdgas durch einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien und von Speichern zu verringern. Der Verband leitet daraus einen klaren politischen Auftrag ab und fordert von der Bundesregierung, den Ausbau nicht zu bremsen, sondern zu beschleunigen.

„Wiederholte geopolitische Krisen und explodierende Energiepreise haben vielen Menschen die Augen geöffnet“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Ein schneller Ausbau heimischer erneuerbarer Energien könne die Abhängigkeit von fossilen Importen deutlich senken, die wirtschaftliche Resilienz stärken und die Strompreise für Verbraucher drücken.

Kritisch bewertet der Verband Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die Förderung von Solarstromanlagen sowie den Netzzugang für Solar- und Windkraftwerke ab 2027 deutlich einzuschränken. Diese Maßnahmen stünden im Widerspruch zum erklärten Bürgerwillen und könnten den Ausbau erneuerbarer Energien verlangsamen. Dadurch würde die Importabhängigkeit länger bestehen bleiben, was laut Körnig erhebliche Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft nach sich ziehen könnte.

Technisch und energiewirtschaftlich gewinnt die Photovoltaik weiter an Bedeutung. Nach Angaben des Umweltbundesamts ersetzt Solarstrom zu 33 Prozent Strom aus Erdgas, zu 55 Prozent aus Steinkohle und zu zwölf Prozent aus Braunkohle. Mit einem Anteil von rund 18 Prozent an der inländischen Stromerzeugung hat die Photovoltaik inzwischen sowohl Braunkohle als auch Erdgas überholt.

Da Solaranlagen nur geringe Betriebskosten verursachen, verdrängen sie teurere Gaskraftwerke aus dem Markt und senken so die Börsenstrompreise. Eine Analyse des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag des Verbands beziffert die Einsparungen für Haushalte, Gewerbe und Industrie bereits auf mehr als sechs Milliarden Euro jährlich.

Auch wissenschaftliche Auswertungen bestätigen den Effekt. Analysen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigen, dass der Ausbau erneuerbarer Energien seit 2022 dazu beigetragen hat, die Auswirkungen steigender Gaspreise auf den Strommarkt abzumildern. Vollständig unabhängig von geopolitischen Schocks sei das Energiesystem jedoch noch nicht.

Parallel sinkt der Förderbedarf für neue Photovoltaikanlagen. Laut Fraunhofer liegt die Subvention pro erzeugter Kilowattstunde inzwischen unter 2,7 Cent. Damit hat sich die Fördereffizienz in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als 90 Prozent verbessert. Staatliche Förderung deckt nur noch die Differenz zwischen Marktpreis und Erzeugungskosten.





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