Donnerstag, 9. Juli 2026

InterviewGemeinsam innovative Ansätze finden

[18.09.2020] Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat das Geschäft mit der öffentlichen Hand und den Versorgungsunternehmen zusammengelegt. Über die Gründe und mögliche Synergieeffekte sprach stadt+werk mit Nikolaus Hagl, Leiter Public & Energy.
Nikolaus Hagl

Nikolaus Hagl

(Bildquelle: K21 Media)

Herr Hagl, SAP hat kürzlich die Geschäftsbereiche Öffentlicher Dienst und Energie zusammengeführt. Was sprach für diesen Schritt?

Wir haben in den vergangenen Jahren starke Trends gesehen, die sich in unserer Gesellschaft niederschlagen. Stichworte wie Digitalisierung oder Klimawandel sind uns aus unserem Alltagsleben bekannt. Taucht man tiefer ein, wird klar, dass es gerade auf kommunaler Ebene immer mehr Schnittmengen geben wird. Soll der Kampf gegen den Klimawandel gelingen, wird die Sektorkonvergenz unausweichlich. Neue Mobilitätskonzepte funktionieren beispielsweise nur im Zusammenspiel von Kommune, Verkehrsbetrieben und Energieversorgern sowie weiteren Playern, etwa aus dem Bereich Telekommunikation oder der Automobilindustrie. Themen wie Smart Lighting, Smart Charging und Smart Waste basieren auf den Infrastrukturen der Ver- und Entsorgungsunternehmen. Wenn man also nachhaltig Energie sparen möchte, braucht es die Zusammenarbeit vieler, insbesondere auch auf kommunaler Ebene. Durch die Zusammenlegung der Bereiche Public Services und Energy bündeln wir das nötige Know-how und versuchen, gemeinsam mit unseren Kunden innovative Ansätze zu finden.

Welche Synergien erwarten Sie beispielsweise beim Thema Smart City?

Mit Smart City werden Entwicklungskonzepte beschrieben, die Kommunen fortschrittlicher, effizienter und auch grüner machen sollen. Um das zu erreichen, bedarf es eines technologischen Unterbaus. Exemplarisch zu nennen ist hierbei der Wunsch der Kommunen, mittels intelligenter Sensorik im Stadtgebiet Verkehrsflüsse zu steuern und die Parkraumbewirtschaftung zu optimieren. Allerdings haben sie in der Regel nicht das Wissen oder die Organisationsstruktur, um derartige Netze selbst aufzubauen. Kommunale Unternehmen, wie die Stadtwerke, bieten sich als Infrastrukturbetreiber förmlich an und können technologische Plattformen bereitstellen.

Derzeit wird die Lösung SAP Cloud for Utilities entwickelt. Wie ist der Stand?

Das gesamte Programm baut auf Erweiterungen bereits existierender und erprobter Lösungen auf, erfordert aber in Teilen auch Neuentwicklungen. Die hohe Modularität der Lösung erlaubt es unseren Kunden, schrittweise und entlang ihrer Digitalisierungsstrategie von der neuen Lösung zu profitieren. Im Dezember 2019 konnten wir erste Kunden produktiv setzen, die mit der Marktkommunikation in die Cloud gegangen sind. Andere Kunden hatten den Fokus auf Marketing-, Vertriebs- und Serviceprozessen und arbeiten hier schon produktiv in der Cloud. Nun haben wir Verteilnetzbetreiber als Partner gewinnen können, mit denen wir cloudbasiert neue und automatisierte Lösungen für die energiewirtschaftlichen Prozesse umsetzen.

Welche Vorteile wird die neue SAP-Standard-Software bieten?

Die internationale Akzeptanz bei den Versorgern soll die Skalierung bringen, sodass wir immer weiter optimieren können. Zudem können wir durch die Nutzung standardisierter Cloud-Lösungen auf die Erfahrungen von über 25 Industriebereichen zurückgreifen. Wir glauben, dass dies durch das Zusammenwachsen der Industrien immer wichtiger wird, um Energie- und Nicht-Energieprodukte zu verkaufen. Derartige Commerce-Lösungen sind in anderen Branchen bereits etabliert. Beim Einsatz von Cloud-Lösungen sehen wir bei den Versorgern eine Entlastung im operativen Betrieb. Auch unsere Stadtwerke kämpfen um die besten Köpfe in der IT. Sie sollten sich aber zunehmend um innovative Themenstellungen kümmern anstatt um Routineaufgaben wie den Betrieb.

„SAP-Philosophie war es immer, offene Systeme anzubieten.”

Wird es auch eine On-Premises-Version für den Betrieb auf eigenen Servern geben?

Die Entwicklung, die im Cloud-for-Utilities-Programm angestoßen wurde, zielt auf den nativen Betrieb in der Cloud ab. Dennoch sind uns Transformationsschwerpunkte unserer Kunden wichtig. Mit SAP S/4HANA Utilities haben wir die Möglichkeit, umfassende energiewirtschaftliche Prozesse basierend auf moderner Technologie auch im On-Premises-Bereich anzubieten. Das ist vielen Stadtwerken und insbesondere Netzbetreibern immer noch wichtig.

Derzeit drängen neue Wettbewerber offensiv auf den Markt. Kommt SAP dadurch unter Druck?

Wir haben uns seit jeher in Deutschland im starken Wettbewerb gesehen. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts. Dennoch war es immer SAP-Philosophie, offene Systeme anzubieten, die einen Datenaustausch auch mit Non-SAP-Systemen sicherstellen. Die Kunden müssen ganz einfach ihre Geschäftsprozesse effektiv in den IT-Systemen umsetzen und die Software-Auswahl an ihren Geschäftsbedürfnissen ausrichten. Die Modularisierung wird aber weiter zunehmen – zumindest bei einigen Marktrollen. Eine Antwort darauf ist die SAP-Business-Technology-Plattform. Mit ihr werden das Datenbank- und Daten-Management, die Anwendungsentwicklung und Integration sowie die Nutzung von Analyselösungen und intelligenten Technologien stark vereinfacht, weil bereits vorgefertigte Services und Integrationen genutzt werden können.

Wie wird die IT-Architektur gerade der kommunalen Unternehmen aus Ihrer Sicht künftig aussehen?

Die IT-Architekturen der Energiewirtschaft haben sich in den vergangenen 20 Jahren extrem verändert. Durch die Liberalisierung, die Energiewende und jetzt die Digitalisierung ist die Komplexität stark gestiegen. Nun gilt es, komplexe Systeme zu vereinfachen und die IT-Landschaften zu modernisieren. Die Anpassungen in den Geschäftsmodellen sowie die fortschreitende Technologie erfordern einen viel breiteren Einsatz von spezifischen IT-Systemen und Anwendungen. Diese gilt es intelligent zu verknüpfen, damit sie leichtgewichtig im Betrieb sind. Dabei muss man jedoch von Anfang an daran denken, wie ein Gesamtsystem aussehen könnte und nicht im Silodenken verharren. SAP bietet hier die Breite an Technologie und Geschäftsprozessen, um flexibel zu reagieren. Die Einbindung von Drittlösungen wird dann entscheidend für den Erfolg. Hier unterstützt SAP ebenfalls.

Interview: Alexander Schaeff


Stichwörter: Unternehmen, SAP,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Unternehmen

Call for Applications: Förderung von hessischen Energie-Start-ups

[09.07.2026] Der hessische Energie-Akzelerator genesis startet in die dritte Runde und öffnet erneut die Bewerbung für Green-Energy-Start-ups. Bis zum 31. Juli 2026 können sich junge Unternehmen aus Hessen um Unterstützung bei Validierung, Marktzugang und Skalierung bewerben. mehr...

STAWAG: Vorstand für weitere fünf Jahre verlängert

[07.07.2026] Wilfried Ullrich bleibt für weitere fünf Jahre Vorstand von STAWAG. Der Aufsichtsrat setzt damit in einer Phase der Energie- und Wärmewende auf Kontinuität an der Unternehmensspitze. mehr...

German Brand Award: Badenova hat Auszeichnung erhalten

[06.07.2026] Der regionale Energieversorger Badenova ist beim German Brand Award 2026 doppelt ausgezeichnet worden. Prämiert wurde der neue Markenauftritt, der den Wandel des Unternehmens zur Gestalterin der Energie- und Wärmewende sichtbar machen soll. mehr...

Stadtwerke Bochum: Milliardeninvestitionen geplant

[03.07.2026] Nach einem Gewinn von über 100 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 planen die Stadtwerke Bochum Investitionen von rund einer Milliarde Euro bis 2030 an. Schwerpunkte sind der Ausbau der Wärme- und Strominfrastruktur sowie die Digitalisierung der Energienetze. mehr...

Modernes Bürogebäude des Energieversorgers Entega mit mehreren Fahnenmasten, auf denen Entega-Flaggen wehen. Vor dem Gebäude befinden sich eine gepflegte Rasenfläche, ein Parkplatz mit Fahrrädern und Autos sowie Bäume. Der Himmel ist klar und sonnig.

Entega: Planzahlen übertroffen

[02.07.2026] Entega hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem höheren Betriebsergebnis als geplant abgeschlossen. Nach Unternehmensangaben sollen in den kommenden Jahren rund 1,1 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze, Glasfaser sowie die Wasserinfrastruktur in Südhessen investiert werden. mehr...

Mainova: Starkes operatives Geschäft

[02.07.2026] Mainova hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem höheren bereinigten Konzernergebnis abgeschlossen. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen Investitionen von rund 2,7 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren an. mehr...

Außenansicht der RheinEnergie-Unternehmenszentrale: Das moderne, mehrgeschossige Bürogebäude mit heller Metall-Glas-Fassade trägt gut sichtbar den Schriftzug „RheinEnergie“. Im Vordergrund liegen eine gepflegte Rasenfläche und ein zylindrischer Lüftungsbau, links verläuft ein Fuß- und Radweg entlang einer Baumreihe. Der Himmel ist wolkenlos und blau.

RheinEnergie: Ergebnis gesteigert

[30.06.2026] RheinEnergie hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Ergebnis vor Ertragsteuern von 275,6 Millionen Euro abgeschlossen. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Überschüsse vor allem Investitionen in Energie-, Wärme- und Wasserinfrastruktur sowie in den Ausbau erneuerbarer Energien ermöglichen. mehr...

bericht

Trianel: Prognose deutlich übertroffen

[29.06.2026] Trianel hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Vorsteuerergebnis von über 46 Millionen Euro abgeschlossen und die eigene Planung nach Unternehmensangaben um fast 50 Prozent übertroffen. Zwar blieben Umsatz und Gewinn unter den außergewöhnlich hohen Vorjahreswerten, die Geschäftsführung wertet das Ergebnis jedoch als Beleg für die Stabilität des Geschäftsmodells. mehr...

evm: Gewinn mit neuen Kunden

[29.06.2026] Einen Gewinn von rund 56 Millionen Euro erzielt die Energieversorgung Mittelrhein im Geschäftsjahr 2025. Nun will der Koblenzer Versorger verstärkt in Stromnetze sowie Wind- und Solarparks investieren. mehr...

Stadtwerke Krefeld: Stabiles Ergebnis für 2025

[26.06.2026] Die SWK haben ihr Geschäftsjahr 2025 trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit einem stabilen Ergebnis abgeschlossen und investieren weiter in Energie-, Verkehrs- und Entsorgungsinfrastruktur. mehr...

TWL: Planzahlen deutlich übertroffen

[25.06.2026] Die Technischen Werke Ludwigshafen haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem Jahresüberschuss von 9,1 Millionen Euro abgeschlossen. Damit lag das Ergebnis deutlich über dem geplanten Wert von 3,8 Millionen Euro. Zugleich erhöhte das Unternehmen seine Investitionen in Netze und Infrastruktur. mehr...

Thüga: Neuer Chef des Aufsichtsrats

[25.06.2026] Der Aufsichtsrat der Thüga Holding hat Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Die Wahl erfolgte im Zuge der turnusmäßigen Neukonstituierung des Gremiums nach der Hauptversammlung 2026. mehr...

Mehrere Fahnen der Stadtwerke Osnabrück wehen an Fahnenmasten vor einem klaren blauen Himmel. Die Sonne scheint durch die Baumkronen im Vordergrund und erzeugt einen Lichtreflex. Auf den Fahnen sind das Logo und der Schriftzug der Stadtwerke Osnabrück zu erkennen.

Stadtwerke Osnabrück: Mit schwarzer Null über Plan

[23.06.2026] Die Stadtwerke Osnabrück haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem höheren Jahresüberschuss abgeschlossen als geplant. Gleichzeitig investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben so viel wie nie zuvor in Netze und Infrastruktur. mehr...

Stadtwerke Hanau: Standardprodukte sichern Gewinn

[22.06.2026] Die Stadtwerke Hanau haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem Gewinn von 11,2 Millionen Euro abgeschlossen. Nach Angaben des Unternehmens trug vor allem das Strom- und Erdgasgeschäft zum Ergebnis bei. mehr...

Stadtwerke Münster: Weitere Investitionen geplant

[22.06.2026] Die Stadtwerke Münster haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem Jahresüberschuss von fast 14 Millionen Euro abgeschlossen. Der kommunale Versorger investierte zugleich knapp 60 Millionen Euro in Energie-, Wärme- und Glasfaserprojekte. mehr...