Montag, 8. Dezember 2025

BDEWIm Dreiklang zu mehr Wachstum

[08.05.2019] Mehr Erneuerbare, mehr Elektromobilität, mehr Power to Gas – in diesen Feldern erwartet die Energiewirtschaft neue Geschäftschancen und sieht sich deshalb auf dem Weg zur Wachstumsbranche.
BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer: In der Energiebranche herrscht Aufbruchstimmung und Optimismus.

BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer: In der Energiebranche herrscht Aufbruchstimmung und Optimismus.

(Bildquelle: BDEW)

Nach Jahren heftiger politischer Debatten und massiver Umbrüche kann die Energiebranche nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wieder zur Wachstumsbranche werden. Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärte gestern (7. Mai 2019) in Berlin: „Um die Energiewelt von morgen aufzubauen, muss massiv in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und in neue Speichertechnologien investiert werden. Die Branche hat zudem die große Chance, sich mit der Mobilität ein ganz neues Geschäftsfeld zu erschließen.“ In der Energiebranche herrsche deshalb Aufbruchstimmung und Optimismus.

Unternehmen erwarten gute Geschäfte

Zur positiven Stimmung passe, dass laut einer Branchen-Umfrage von BDEW und Ernst & Young fast drei Viertel der Unternehmen für 2019 gute oder sehr gute Geschäfte erwarten – dieser Wert liege um elf Prozentpunkte über dem Vorjahr.
Basis für das neue Wachstum seien die energie- und klimapolitischen Beschlüsse mit Blick auf das Jahr 2050. Kapferer: „Aus der dringenden Notwendigkeit, zügig Treibhausgas-Emissionen zu senken, entstehen Wachstumschancen: Daher unser Motto: 2050 – Wir wachsen mit Energie.“ Die Wachstumschancen lassen sich nach den Worten von Kapferer mit dem Dreiklang „Mehr Erneuerbare, mehr Elektromobilität, mehr Power to Gas“ beschreiben. Die Energiewirtschaft nutze auf diesen Feldern die laufenden Transformationsprozesse und wachse buchstäblich über sich hinaus.

Drei Wachstumsmotoren

Die Wachstumspotenziale lassen sich aus BDEW-Sicht an konkreten Zahlen und Potenzialen für neue Geschäftsmodelle illustrieren:

Stromerzeugung: Im vergangenen Jahr waren insgesamt 120 Gigawatt (GW) Erneuerbare-Energien-Anlagen im Bereich der Stromerzeugung installiert. Um das Ziel von 65 Prozent erneuerbarer Energien bis 2030 zu erreichen, müssen nach einer vorläufigen Abschätzung des BDEW im gleichen Zeitraum bis zu 100 GW zugebaut werden. Das bedeute einen Zuwachs von 83 Prozent.
Im Jahr 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk den Markt verlassen, die Kernkraft ist bereits im Jahr 2022 Geschichte. Damit müssten innerhalb von knapp 20 Jahren 50 Gigawatt gesicherte Leistung – das entspreche mehr als der Hälfte der gegenwärtigen konventionellen Kapazität – aus dem System genommen und durch Windenergie und Solaranlagen, Speicher sowie klimafreundliche Gaskraftwerke ersetzt werden.

Elektromobilität: Mit einer wachsenden Zahl an E-Fahrzeugen wächst der Bedarf an Ladesäulen, es wächst die Nachfrage nach verbraucherorientierten Komplettlösungen. So kommen Strombezug, Elektrofahrzeugpark und Ladesäulen-Management aus einer Hand. Heute werden laut BDEW über 75 Prozent der öffentlich zugänglichen Ladesäulen von der Energiewirtschaft betrieben. Sollte der Anteil der E-Pkw-Neuzulassungen von aktuell zwei Prozent auf zehn Prozent steigen, müssten im öffentlichen Raum jährlich mindestens 9.000 neue Ladepunkte errichtet werden und mehrere Hunderttausend private Ladepunkte am Wohnort und am Arbeitsplatz des E-Auto-Fahrers entstehen. Neun Millionen E-Autos bis 2030 erfordern etwa 24 Terrawattstunden Strom jährlich. Dies entspreche rund vier Prozent des Bruttoinlandstromverbrauchs 2018.

Power-to-Gas: Die Nachfrage nach Technologien, die eine verlässliche und stabile Nutzung von grünem Strom in allen Sektoren ermöglichen, wird nach Auffassung des Branchenverbands steigen. Diese Technologie existiere bereits: Power to Gas. Deutschlandweit gebe es mehr als 30 Pilotprojekte mit einer Elektrolyse-Leistung von insgesamt rund 25 MW. Zuletzt seien mehrere größere Projekte angekündigt, deren jeweilige Elektrolyse-Leistung im dreistelligen MW-Bereich liegen. Je nach Studie könnten in den kommenden Jahre Power-to-Gas-Kapazitäten mit einer Leistung von bis zu 15 GW entstehen.



Stichwörter: Politik, BDEW


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Energiepolitik: Länder warnen vor Ausbremsen der Energiewende

[02.12.2025] Sieben Bundesländer fordern vom Bund mehr Klarheit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik. Ein gemeinsames Positionspapier warnt vor Einschnitten bei Förderprogrammen und beim Ausbau der Erneuerbaren. mehr...

Bundesnetzagentur: Monitoringbericht 2025 erschienen

[01.12.2025] Der Monitoringbericht 2025 von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur sieht den Wettbewerb auf den Energie­märkten weiterhin als verlässlichen Stabilitätsanker. Trotz der Turbulenzen der vergangenen Jahre zeigen die Daten für 2024 eine hohe Wechselbereitschaft, fallende Preise und eine Stromerzeugung, die sich deutlich in Richtung erneuerbarer Energien verschiebt. mehr...

Biogasrat: Kritik an Referentenentwurf

[01.12.2025] Der Biogasrat kritisiert den Referentenentwurf zum Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpaket als unzureichend und warnt vor Rückschritten bei Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Der Verband fordert verlässliche Regeln für den Netzanschluss von Biomethananlagen, den Erhalt bestehender Privilegien und klare Vorgaben zur Investitionssicherheit. mehr...

Deutscher Bundestag: Anhörung zu Wasserstoffgesetz

[26.11.2025] Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie jetzt eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Dabei zeigte sich ein breiter Wunsch nach mehr Tempo und einem deutlich erweiterten Anwendungsbereich des geplanten Gesetzes. mehr...

Lausitz: EU genehmigt Entschädigung für Kohleausstieg

[24.11.2025] Die EU-Kommission hat die Entschädigungsregelung für den Braunkohleausstieg der LEAG genehmigt und damit Milliardenhilfen für die Lausitz freigegeben. Für Brandenburg und Sachsen bedeutet das Planungssicherheit beim Strukturwandel und bei der Rekultivierung der Tagebaue. mehr...

Stiftung Umweltenergierecht: Landesregeln zur Beteiligung sind widersprüchlich

[21.11.2025] Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Landesregeln zur finanziellen Beteiligung an erneuerbaren Energien teils widersprüchlich wirken und den Ausbau bremsen können. Laut der Stiftung Umweltenergierecht schafft die Vielfalt der Vorgaben Unsicherheit und in manchen Fällen sogar rechtliche Risiken. mehr...

Umweltministerkonferenz: Willingmann wirbt für stärkere Nutzung von Flusswärme

[21.11.2025] Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann hat bei der Umweltministerkonferenz für die stärkere Nutzung von Flüssen als klimafreundliche Wärmequelle geworben. Auslöser ist ein Projekt in Tangermünde, das der Elbe Wärme entziehen und ganze Stadtquartiere versorgen soll. mehr...

Berlin: Fünftes Solarpaket vereinbart

[20.11.2025] Reinickendorf und die Berliner Stadtwerke bringen das fünfte gemeinsame Solarpaket auf den Weg und erweitern die Photovoltaikleistung auf öffentlichen Dächern. Bis Mitte 2026 sollen zehn neue Anlagen mit zusammen 827 Kilowatt ans Netz gehen. mehr...

BSW-Solar: Verband begrüßt Bauänderung

[18.11.2025] Der Bundestag erleichtert den Bau von Strom-, Wärme- und Wasserstoffspeichern: Eine Änderung des Baurechts und neue Regeln zur Netzentgeltbefreiung sollen Projekte beschleunigen und wirtschaftlicher machen. Der Bundesverband Solarwirtschaft begrüßt die Beschlüsse und sieht darin einen Schub für den Speicherausbau. mehr...

BDEW/VKU: Wichtiger Schritt für die Energiewende

[17.11.2025] Die schwarz-rote Koalition hat sich auf neue Regeln für den Bau steuerbarer Kraftwerke sowie auf einen Deutschlandfonds zur Finanzierung der Energie-Infrastruktur geeinigt. Die Branchenverbände BDEW und VKU bewerten dies als Schritt in die richtige Richtung. Kritik gibt es jedoch dafür, dass die Kraft-Wärme-Kopplung im Beschluss der Koalition keine Rolle spielt. mehr...

Baden-Württemberg: Klima-Kooperation mit Kalifornien

[17.11.2025] Baden-Württemberg und Kalifornien wollen ihre Kooperation zu Klima, Energie und Umwelt weiter ausbauen. Auf der Weltklimakonferenz in Belém unterzeichneten beide Regierungen eine neue gemeinsame Erklärung. mehr...

Energiepolitik: Einigung im Koalitionsausschuss

[14.11.2025] Die schwarz-rote Koalition hat sich auf eine Kraftwerksstrategie und ein umfassendes Strompreispaket geeinigt, das Wirtschaft und Verbraucher spürbar entlasten soll. Mit Ausschreibungen für zwölf Gigawatt neuer Kraftwerkskapazitäten will die Regierung zudem Versorgungssicherheit gewährleisten und den Industriestandort stärken. mehr...

Dr. Karin Thelen, Geschäftsführerin Regionale Energiewende der Stadtwerke München (SWM), im Unternehmenssitz der SWM.

Wärme-Gesetz: SWM fordern Nachbesserungen

[06.11.2025] In einer Anhörung des Bundestags haben die Stadtwerke München die Pläne der Bundesregierung zum schnelleren Ausbau klimaneutraler Wärmequellen begrüßt. SWM-Managerin Karin Thelen betrachtet den Gesetzentwurf zwar als wichtigen Schritt, fordert jedoch verbindliche Fristen, klare Zuständigkeiten und einfachere Verfahren. mehr...

Zwei große Fernwärmerohre werden in einem aufgeschütteten Graben entlang einer Straße verlegt, im Hintergrund sind Bauarbeiten und Gebäude zu sehen.
bericht

BDEW: Kein überhöhtes Preisniveau bei Fernwärme

[06.11.2025] Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrüßt die Einschätzung der Monopolkommission zum Wettbewerb im Energiesektor, sieht aber bei der Bewertung der Fernwärme Nachbesserungsbedarf. Auch zur Elektromobilität äußert sich der Verband zustimmend – mit Einschränkungen. mehr...

Thüga: Klare Regeln beim Gas-Gesetz gefordert

[06.11.2025] Thüga fordert beim geplanten Gas-Gesetz klare Regeln für den Umbau der Verteilnetze hin zu Wasserstoff und Biomethan. Vorstandschef Constantin H. Alsheimer warnt vor überzogenen Vorgaben und ungelöster Finanzierung. mehr...