KlimaschutzMerkel soll Zeichen setzen
In einem offenen Brief haben mehr als 50 deutsche und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu mehr Klimaschutz aufgefordert. Wie die Agentur Solar Consulting mitteilt, drücken die Forschenden in ihrem Schreiben die Sorge aus, dass die Welt Gefahr laufe, bereits 2035 wichtige Schwellenwerte zu überschreiten, die den Klimawandel nicht mehr rückgängig machen könnten. Merkel solle daher zum Ende ihrer Amtszeit ein Zeichen setzen und die umgehende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft auf erneuerbare Energiequellen bis Mitte der dreißiger Jahre einleiten. Die Bundesregierung plane die Klimaneutralität aktuell erst 2045 – zehn Jahre später als nun gefordert.
Initiator des offenen Brief ist laut Solar Consulting Prof. Dr. Eicke Weber, der ehemalige Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg. Unterzeichnet haben den Brief unter anderem Prof. Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Dr. Heike Wex vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig sowie Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group Berlin und ehemaliger Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. In ihrem Appel fordern die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner die Bundeskanzlerin auf, zum Ende ihrer Amtszeit dabei zu helfen, die Wirtschaft und das Energiesystem bis 2035 in Richtung 100 Prozent Erneuerbare umzustellen.
Bestehende Barrieren beseitigen
Dazu müssten insbesondere die bestehenden Barrieren zum Ausbau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie anderen Erneuerbaren beseitigt werden. Technisch und wirtschaftlich sei das längst möglich: Forschung und Wirtschaft haben in den vergangenen 20 Jahren die Grundlagen dafür geschaffen, eine rasche Transformation des Energiesystems auf regenerative Energien vorzunehmen. Allein die Kosten der Solarstromerzeugung seien seit dem Jahr 2001 hierzulande um mehr als den Faktor zehn gesunken, von 50 Cent pro Kilowattstunde auf derzeit unter fünf Cent. In sonnenreichen Gegenden der Erde werden Anlagenbetreiber bald Solarstrom für einen Cent pro Kilowattstunde ernten können – mit der Aussicht, damit praktisch unbegrenzt auch preiswerten grünen Wasserstoff bereit zu stellen.
Vor diesem Hintergrund und dem erwarteten Ausbau der Solarstromerzeugung weltweit empfehlen die Forscherinnen und Forscher dringend den Aufbau einer europäischen Photovoltaikproduktion. Nur so könne man von den Milliardenumsätzen profitieren und unabhängig von Herstellern aus dem Ausland werden. In Europa werden aktuell nur 0,4 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen hergestellt.
Bereits vor zehn Jahren, am 30. März 2011, hatten viele der nun Unterzeichnenden einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschickt. Grund war die Atomkatastrophe in Fukushima am 11. März. Die Forschenden forderten damals ein beschleunigtes Ausstiegsszenario aus der Atomenergie, wie es dann auch realisiert wurde, und einen umfassenden Einstieg in erneuerbare Energien, der leider zu langsam in Gang kam.
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