Sonntag, 12. Juli 2026

Baden-WürttembergKWK macht Kommunen energieeffizient

[19.12.2014] Vertreter der Wissenschaft, Landes- und Kommunalpolitik diskutierten in Stuttgart Maßnahmen für mehr Energieeffizienz in Baden-Württemberg. Deutlich wurde: Viele Akteure müssen mitgenommen werden. Außerdem spielen die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Kommunen eine wichtige Rolle.
Die Energieeffizienz in Baden-Württemberg sorgte auf dem siebten Parlamentarischen Abend in Stuttgart für Diskussionen.

Die Energieeffizienz in Baden-Württemberg sorgte auf dem siebten Parlamentarischen Abend in Stuttgart für Diskussionen.

v.l.: Maike Schmidt, Fachgebietsleiterin Systemanalyse am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW); Professor Frithjof Staiß, Geschäftsführendes Mitglied am ZSW; Gudrun Heute-Bluhm, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

(Bildquelle: KEA/ZSW/Martin Stollberg)

Energieeffizienz jetzt! – Macht die Politik ernst? Unter diesem Motto luden die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) vergangene Woche (11. Dezember 2014) zum vierten Parlamentarischen Abend nach Stuttgart ein. Vertreter der Wissenschaft und der Landes- und Kommunalpolitik tauschten sich vor allem über Maßnahmen für mehr Energieeffizienz im Ländle aus. Energieeffizienz trägt wesentlich zum Erreichen der im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 festgelegten Ziele bei. Daran erinnerte Professor Frithjof Staiß, Geschäftsführendes Mitglied am ZSW, in seinem Vortrag. Zwei Drittel der angestrebten Minderung von Treibhausgasemissionen sollen über den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) (20375+wir berichteten) erreicht werden. Mehr aus Energie machen kann laut Maike Schmidt, Fachgebietsleiterin Systemanalyse am ZSW, vor allem die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): „Keine andere Technologie macht den Energieeinsatz so effizient, wie die KWK.“

Kommunen sind gefragt

Kommunen sind die natürlichen Partner der Energiewende, so der O-Ton von Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg. „Ohne die Städte ist die Energiewende nicht denkbar. Sie leisten wertvolle Netzwerkarbeit zwischen Energieerzeugern und Abnehmern. Städte und Gemeinden sind es außerdem, die den Transmissionsriemen zu den Bürgern herstellen müssen.“ Etwa im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung ist die Mittlerfunktion zwischen Unternehmen und Privaten bedeutend. Denn es macht Sinn, dass umliegende Gebäude mit einer Anlage versorgt werden, die in einem Unternehmen realisiert wird. Oft sei das Potenzial hinter der KWK aber nicht bekannt. Es werde an Einzelanlagen gedacht, während Contracting-Möglichkeiten meist unbekannt sind. Aus ihrer 19-jährigen Erfahrung als Oberbürgermeisterin von Lörrach weiß sie außerdem: „Unternehmen sind sehr auf ihr Kerngeschäft konzentriert und beschäftigen sich deshalb gar nicht mit diesem Thema.“ An dieser Stelle sind kommunale Akteure gefragt. Bürgermeister müssen beispielsweise auf die Unternehmen zugehen. Ein guter Beratungsansatz könnte sein, dass Contracting für die Unternehmen mit einem Outsourcing im Management einhergeht. „Es muss klar gemacht werden, dass sie sich, nachdem sie den Contracting-Antrag auf den Weg gebracht haben, um nichts weiter kümmern müssen, im Gegenteil – damit sogar eine Dienstleistung verbunden ist.“ Diese vermittelnde Position müsse ebenfalls die kommunale Ebene übernehmen. Sie neutralisiert das Verhältnis zwischen Unternehmer und Anwohnern. „Wenn es gelingt, in einem KWK-Projekt Unternehmen und Bürger zusammenzuschalten, dann hat man mit Blick auf die kommunalen Möglichkeiten viel getan“, so Heute-Bluhm. Da es sich bei Vernetzungsaktivitäten aber um ein komplexes Thema handelt, müssen laut Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA, zunächst einfache Dinge umgesetzt werden. „Der erste Schritt muss darin bestehen, die niedrig hängenden Früchte in einem Unternehmen zu sichten. Das könnte beispielsweise die Art und Weise des Anlagenbetriebs betreffen.“ So lassen sich schnell Erfolge einstreichen. Vernetzungsaktivitäten sollten erst in späteren Schritten angestrebt werden. Als vernetzende Einrichtung bieten sich laut Kienzlen die Stadtwerke an. „Deren originäre Funktion ist es, das Bindeglied zwischen Lieferant und Abnehmer zu sein. Wo es keine Stadtwerke gibt, ist es viel schwieriger diesen Mittler zu finden.“ Heute-Bluhm ergänzt: „Unternehmen wollen zudem einen direkten Ansprechpartner und nicht in Netzwerken diskutieren. Auch hier erweisen sich die Stadtwerke in ihrer Mittlerfunktion als Vorteil.“

Partner benötigt

Im Contracting sieht auch Martin Sawillion, Prokurist Fachrichtung Maschinenbau und Leiter Förderprogramme, Kooperation UM bei der KEA, ein starkes Entwicklungsfeld für Energieversorger. „Dahinter verbirgt sich doch eine richtige Win-Win-Win-Strategie“, sagt er. Laut Volker Kienzlen geht der Gewinn für die Kommune beim Einspar-Contracting sogar weit über die Finanzierung hinaus. „Es ist für Kommunen wirtschaftlich interessant, wenn sie die komplette Planung, Konzeption und den Bau an einen Dritten abgeben können. Es hilft, jemanden zu haben, der garantiert, dass eine bestimmte Einsparung erreicht wird.“ Auch Gudrun Heute-Bluhm betont, dass Kommunen einen Partner brauchen, der ihnen bei diesen Themen das nötige Know-how liefert, sie auf Synergieeffekte aufmerksam macht, als Transmissionsriemen in die Ministerien dient oder dabei unterstützt, Contracting-Offensiven in Rechtsform umzusetzen. Ein solcher Partner sei beispielsweise die KEA. „Auf kommunaler Ebene bestimmen zudem konkrete Handlungsanweisungen das Leben“, sagt Heute-Bluhm. „Auch Erfolgserlebnisse sind wichtig. Großwettbewerbe wie der european energy award ermöglichen es zum einen, eigene Erfolge zu zeigen. Zum anderen sehen die Teilnehmer dort, wie solche Vorhaben bei anderen Kommunen gelingen.“

Individuell entscheiden

Dass die Klimaschutzziele auf die Möglichkeiten der einzelnen Kommune heruntergebrochen werden sollten, betonte Volker Kienzlen. „Standortbedingt kann nicht jede Kommune die baden-württembergischen 50-80-90-Ziele – 50 Prozent Energie sparen, 80 Prozent erneuerbare Energien, 90 Prozent weniger Treibhausgase – erreichen. Beispielsweise entsteht Biomasse vor allem auf dem Land und weniger in der Stadt. Auch Windräder sollten dort errichtet werden, wo sie Ertrag bringen – und nicht in Stuttgart auf dem Schlossplatz, nur, damit diese Ziele erreicht werden.“ Der ländliche Raum muss laut Kienzlen wieder mehr zum Energieexporteur werden. Ländliche Gemeinden müssten Überschuss produzieren, der in den Ballungszentren genutzt werden kann. „Wir steuern wieder auf eine energetische Vernetzung zwischen Stadt und Land zu.“ Damit Kommunen die Energiewende erfolgreich voranbringen können, fordern sie von Baden-Württemberg unter anderem entsprechende Rahmengesetze – eine Forderung, die das Land jedoch nur bedingt erfüllen kann, da die Gesetze rund um die Energiepolitik vorrangig von der Bundes- oder EU-Ebene ausgehen. Das sagt Johannes Stober (SPD), Mitglied des Landtags Baden-Württemberg. Was aber wünscht sich die Landesebene von den Kommunen? „Es müssen Dialoge geführt werden, zwischen dem, der die Rahmengesetzgebung macht, und dem, der sie umsetzt“, sagt Stober. „Vor allem bei Energiewendemaßnahmen wie dem Netzausbau oder der Errichtung von Windkraftanlagen entstehen Streitigkeiten um den Standort. Wenn eine solche Anlage am vorgeschlagenen Standort abgelehnt wird, sollten alternative Vorschläge gemacht werden – und zwar in der eigenen Region und nicht abgeschoben an andere.“

Verena Barth




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Naturstrom: Weniger Negativpreise

[07.07.2026] An der Strombörse gab es im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Stunden mit negativen Preisen als im Vorjahr. Eine Analyse zeigt, warum die Preise trotz der globalen Energiekrise insgesamt stabil blieben und welche Rolle erneuerbare Energien und Flexibilität dabei spielen. mehr...

Ein großer Mobilkran richtet auf einer Freifläche am Waldrand einen Gittermast einer Hochspannungsfreileitung auf. Mehrere Monteure begleiten die Montage, während weitere Mastsegmente am Boden bereitliegen. Über der Baustelle erstreckt sich ein blauer Himmel mit großen weißen Wolken.

TenneT: Bund steigt ein

[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...

Großer Solarpark mit langen Reihen von Photovoltaikmodulen vor mehreren Windenergieanlagen. Die Anlage erstreckt sich über eine offene Landschaft unter einem wolkigen Himmel und veranschaulicht die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung.

BDEW/ZSW: BDEW/ZSW

[02.07.2026] Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil an der Stromversorgung in Deutschland erreicht. Vorläufigen Berechnungen von ZSW und BDEW zufolge stammten 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Gedämmte Fernwärmeleitungen verlaufen in mehreren Bögen über das Außengelände einer Energieanlage. Die groß dimensionierten silberfarbenen Rohre führen entlang eines modernen Technikgebäudes und veranschaulichen die Infrastruktur eines Wärmenetzes.

Städtetag / VKU: Verlässliche Regeln für die Wärmeplanung

[01.07.2026] Zum Stichtag für die Veröffentlichung kommunaler Wärmepläne fordern der Deutsche Städtetag und der Verband kommunaler Unternehmen ein umfassendes Wärmepaket der Bundesregierung. Nach Angaben beider Verbände sorgen geplante Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz für Unsicherheit bei Kommunen und Stadtwerken. mehr...

Energieeffizienzgesetz: Stellungnahmen zur Gesetzesnovelle

[26.06.2026] Die Bundesregierung hat die Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen und mehrere Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren angepasst. Verbände aus Digitalwirtschaft und Energiewirtschaft begrüßen den Abbau von Bürokratie, sehen aber weiterhin Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Regelungen. mehr...

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

BDEW Kongress 2026: Branche fordert Planungssicherheit

[11.06.2026] Die Energiebranche fordert von der Bundesregierung zügige Entscheidungen bei zentralen energiepolitischen Vorhaben. Beim BDEW Kongress 2026 warnten Verbandsvertreter vor Verzögerungen bei wichtigen Gesetzen und forderten mehr Planungssicherheit für Investitionen. mehr...

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), spricht auf der Bühne des BDEW-Kongresses 2026 an einem Rednerpult. Hinter ihr ist das Kongresslogo auf einer großflächigen, violett beleuchteten Bühnenwand zu sehen. Im Vordergrund stehen die roten Buchstaben des BDEW-Logos. Die Aufnahme zeigt ihren Auftritt während der Eröffnung der Fachveranstaltung.

BDEW Kongress 2026: Verband drängt auf schnelle Beschlüsse

[11.06.2026] Der BDEW fordert von der Bundesregierung ein abgestimmtes Energiepaket für 2026. Nach Ansicht des Verbands müssen mehrere zentrale Gesetzesvorhaben zügig beschlossen werden, um Investitionen in die Energieinfrastruktur abzusichern. mehr...

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche spricht auf dem BDEW-Kongress 2026 an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Hinter ihr zeigt eine überdimensionale Leinwand eine Nahaufnahme der Ministerin während ihrer Rede. Der Bühnenhintergrund ist in violetten und magentafarbenen Tönen gestaltet und trägt das Logo „BDEW Kongress 2026“.

BDEW Kongress 2026: Reiche wirbt für Energiekonsens

[11.06.2026] Auf dem BDEW Kongress setzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein Zeichen. Um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten, sei ein Energiekonsens zwischen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft notwendig. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn politische Ziele und energiewirtschaftliche Realität zusammengeführt würden. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...

Titelbild des „Fortschrittsmonitors 2026 Energiewende“ von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu sehen ist eine Person mit Schutzhelm und Sicherheitsgeschirr, die auf dem Maschinenhaus einer Windenergieanlage sitzt und über eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Windrädern blickt. Links im Bild steht der Schriftzug „Fortschrittsmonitor 2026 Energiewende“ in einem farbigen Rahmen. Unten rechts sind die Logos von EY und BDEW platziert. Die Szene vermittelt den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland.

BDEW/EY: Fortschritte bei der Energiewende

[02.06.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung sind in Deutschland 2025 weiter vorangekommen. Das geht aus dem aktuellen Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY hervor. Gleichzeitig sehen die Herausgeber erheblichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. mehr...

EEG-Novelle: Bayern und Baden-Württemberg fordern Änderungen

[02.06.2026] Baden-Württemberg und Bayern fordern im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen und bessere Bedingungen für Projekte im Süden, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu stärken. mehr...

Energieministerkonferenz: Geschlossenes Signal für die Energiewende

[27.05.2026] Die Energieministerkonferenz auf Norderney hat sich geschlossen für den weiteren Ausbau der Energiewende ausgesprochen und zugleich neue Maßnahmen für Versorgungssicherheit, Netzausbau und Kraftwerksplanung beschlossen. mehr...