BremenErster Klimaturm soll Quartier versorgen

Die Fassade des Klimaturmes auf der Bremer Überseeinsel wird von dem Künstler Johann Büsen gestaltet (KI-Visualisierung).
(Bildquelle: Towergy GmbH/Stadt.Energie.Speicher GmbH)
Mit dem Klimaturm bringt das Bremer Unternehmen Towergy eine neu entwickelte Luft-Wasser-Großwärmepumpe für den Einsatz in dicht bebauten Quartieren an den Start. Wie das Unternehmen mitteilt, geht die erste Anlage Ende Juni auf der Bremer Überseeinsel in Betrieb. Sie wird den Klimacampus Bremen sowie benachbarte Künstlerateliers mit Wärme versorgen.
Der Klimaturm richtet sich an Wohnsiedlungen und Quartiere, in denen Platzmangel und Schallschutz hohe Anforderungen an die Energieversorgung stellen. Nach Angaben von Towergy kann die Anlage je nach Anwendung bis zu 400 Neubau- oder 200 Bestandswohnungen mit erneuerbarer Wärme und Kälte versorgen. Das Unternehmen plant weitere Projekte und will zum Jahresende die Serienproduktion in einer eigenen Halle in Bremerhaven aufnehmen.
Technisch basiert das System auf einer Luft-Wasser-Großwärmepumpe mit vierseitiger Luftansaugung. Die Abluft wird über die Turmspitze abgeführt. Im Turm integrierte Ventilatoren mit Schalldämpfern sollen die Geräuschemissionen deutlich reduzieren. Elektrotechnik und Pumpen für den direkten Anschluss an bestehende Wärmenetze sind bereits integriert. Die zum Patent angemeldete vertikale Bauweise steht in vier Leistungsstufen mit 0,3 bis 1,5 Megawatt (MW) thermischer Leistung zur Verfügung.
Je nach Ausführung misst der Klimaturm zwischen elf und 14 Metern Höhe. Die Grundfläche liegt zwischen 3,8 × 3,8 und 5,6 × 5,6 Metern. Dank vorgefertigter Module soll sich die Anlage innerhalb weniger Wochen installieren lassen. Die Fassade kann individuell gestaltet, begrünt oder als Werbefläche genutzt werden. Zudem lassen sich zwei Wallboxen integrieren. Selbst die größte Ausführung erreicht laut Hersteller in zehn Metern Entfernung einen Schalldruckpegel von weniger als 35 Dezibel A.
Towergy-Geschäftsführer Tobias Werner bezeichnet den Klimaturm als besonders leise und platzsparend. Durch integrierte Schalldämpfer und massive Außenwände könne die Anlage auch nachts in reinen Wohngebieten betrieben werden. Rolf-Peter Strauß, Professor an der Hochschule Bremen und Mitgründer des Unternehmens, sieht darin eine Lösung für Quartiere mit begrenzten Flächen und hohen Anforderungen an den Schallschutz.
Für den wirtschaftlichen Betrieb setzt Towergy auf eine selbstlernende Steuerung. Sie analysiert Wetterprognosen, Börsenstrompreise sowie den erwarteten Wärme- und Kältebedarf der kommenden 72 Stunden. Auf dieser Basis optimiert die Regelung den Fahrplan der Wärmepumpe. Das System soll bevorzugt dann arbeiten, wenn Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar und zugleich günstig ist.
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