BDEW

Sonntag, 5. Juli 2020
Sie befinden sich hier: Startseite > Themen > Windenergie > Ausdauer ist gefragt

Interview:
Ausdauer ist gefragt


[16.9.2019] Für eine Windkraftanlage genügte früher noch ein einfacher Bauantrag. Warum die Antragsunterlagen heute Dutzende von Aktenordnern füllen, erklärt Bernhard Bögelein vom Projektentwickler juwi.

Bernhard Bögelein Herr Bögelein, im thüringischen Mohlis baut die juwi-Gruppe derzeit ihr tausendstes Windrad. Was waren die größten Herausforderungen in der Planungsphase?

Bei diesem Projekt war es nicht zuletzt der sieben Kilometer entfernte Bundeswehrstandort in Gleina, der uns gefordert hat. Die dortige Radaranlage hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet. Als Träger öffentlicher Belange hatte die Bundeswehr Vetorecht bei den Planungen.

Wie konnten Sie das Projekt dennoch retten?

Wir konnten in Zusammenarbeit mit dem Flug- und Rüstungskonzern EADS als Gutachter nachweisen, dass die Radaranlage durch unsere vier Anlagen nicht gestört wird. Das war extrem aufwendig. Der Anlagentyp wurde deshalb so gewählt, dass Turm und Gondel besonders schlank sind und wenig Störpotenzial bieten. Vor allem aber wurden die Anlagenstandorte in einem monatelangen Trial-and-Error-Prozess auf den Planungskarten immer wieder verschoben – solange bis Gutachter und Bundeswehr grünes Licht gaben.

„Der Berg an Themen wird immer höher.”

Welche weiteren Aspekte sind heute für eine Genehmigung zu berücksichtigen?

Eine zentrale Rolle bei fast jedem Projekt spielt der Artenschutz. In gut einem Kilometer Entfernung zu den Anlagenstandorten wurden im Laufe der Voruntersuchungen Horste von Rot- und Schwarzmilan gesichtet. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens haben wir deshalb Maßnahmen zum Schutz der Greifvögel entwickelt – darunter ein Mahdkonzept, das dafür sorgt, dass die Anlagen abgeschaltet werden, wenn erhöhte Kollisionsgefahr besteht.

Ist der Aufwand für eine Genehmigung größer geworden?

In den Anfangsjahren der Windenergie war noch ein einfacher Bauantrag ausreichend, heute füllen die Antragsunterlagen Dutzende von Aktenordnern. Unser Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung für Mohlis war ein Großauftrag für die Druckerei: 72 Aktenordner haben wir beim zuständigen Landratsamt eingereicht. 16 Einzelgutachten zu allen möglichen Themen waren notwendig: vom üblichen Turbulenzgutachten bis zu eher außergewöhnlichen Dokumenten wie dem bereits erwähnten Mahdgutachten – und das alles, obwohl der Standort im Entwurf des Regionalplans enthalten war.

Können die Genehmigungsbehörden diesen Umfang zeitlich und fachlich angemessen bearbeiten?

Das ist tatsächlich auch für die Genehmigungsbehörden eine Herausforderung. Deshalb empfehlen wir den zuständigen Behörden eine externe Begleitung, welche bei den formellen Anforderungen eines Verfahrens unterstützt. Das hat sich auch wirklich bewährt. Der Berg an Themen, die für die Genehmigung einer Windenergieanlage abgearbeitet werden müssen, ist immer höher geworden. Ohne Ausdauer und tiefes Fachwissen ist die Entwicklung eines Windenergieprojekts heute nicht mehr möglich – das gilt sowohl für den Projektentwickler als auch für die Genehmigungsbehörde und ihre Fachleute.

Interview: Alexander Schaeff

Bögelein, Bernhard
Bernhard Bögelein ist seit dem Jahr 2004 als Leiter der Abteilung Genehmigungsplanung beim Projektentwickler juwi unter anderem für die Planung und Entwicklung von Windenergieanlagen zuständig. Er studierte Politische Wissenschaft, Geografie und Öffentliches Recht an der TU Darmstadt und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

https://www.juwi.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli/August 2019 von stadt+werk im Schwerpunkt Windenergie erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Windenergie, juwi,

Bildquelle: juwi

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Windenergie

Windbranche: Warten auf den Startschuss
[3.7.2020] Während die Windenergie einen Rekord bei der Stromerzeugung verzeichnet, herrscht Stillstand beim Zubau. Die Branche wartet weiter auf einen Startschuss für einen Investitionsspurt. mehr...
Stromerzeugung 2020: Erneuerbare im 1. Halbjahr vorn
[2.7.2020] Ein Rekordanteil erneuerbarer Energien von 55,8 Prozent ergab sich bei der Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2020. Die Stromproduktion aus Kohle hingegen ist drastisch gesunken. mehr...
Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2020.
Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog: Power-to-Heat in Modellprojekt
[1.7.2020] Die Agentur für Erneuerbare Energien zeichnet im Juni die Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog als Energie-Kommune des Monats aus. Grund ist die Power-to-Heat-Nutzung in einem vorbildlichen Modellprojekt. mehr...
In der AEE Energie-Kommune des Monats Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog wird Windstrom und Wärme gekoppelt.
Mainova: Sechs Windparks im Süden erworben
[29.6.2020] Der Frankfurter Energiedienstleister Mainova hat sechs Windparks in Bayern und Baden-Württemberg erworben. Sie verfügen über eine Gesamtleistung von 25 Megawatt. mehr...
Mainova hat sechs Windparks in Bayern und Baden-Württemberg erworben.
Max Bögl / Siemens: Erstes Projekt in Coesfeld
[25.6.2020] Der deutsche Hybridturmhersteller Max Bögl Wind und Siemens Gamesa Renewable Energy haben einen Partnerschaftsrahmenvertrag unterzeichnet. Ein in Coesfeld entstehender Windpark mit 13 Windenergieanlagen ist das Auftaktprojekt. mehr...

Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 3/4 2020
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2020
stadt+werk, Sonderheft Juni 2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Windenergie:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen