Donnerstag, 1. Oktober 2020

WWF Deutschland:
Baustopp für Wasserkraftwerke gefordert


[25.8.2020] In der Studie „Lasst den Flüssen ihren Lauf“ fordert WWF Deutschland den Stopp des Neubaus von Wasserkraftwerken in Bayern. Scharfe Kritik an der Naturschutzorganisation üben die Wasserkraft-Verbände VWB und LVBW.

WWF Deutschland fordert den Stopp des Neubaus von Wasserkraftwerken in Bayern. WWF Deutschland hat am Mittwoch vergangener Woche (19. August 2020) die Studie „Lasst den Flüssen ihren Lauf“ zum Zustand der Fließgewässer in Bayern veröffentlicht. Demnach werden die Flüsse im Freistaat von 57.000 Querbauwerken zerschnitten. Nur elf Prozent dieser Barrieren seien frei durchgängig, könnten also problemlos von Fischen überwunden werden. Dies habe eine Analyse von Daten des Bayerischen Landesamts für Umwelt ergeben.

Flüsse leiden an Verstopfung

Laut der Naturschutzorganisation blockiert rein rechnerisch alle 500 Meter eine Barriere den Weg der Fische sowie den Durchgang des Sediments in Form von Sand und Geröll. Wolfgang Hug, Leiter des WWF-Büros in Bayern, erklärt: „Die bayerischen Flüsse leiden an Verstopfung, fließen kaum noch natürlich.“ Obwohl kein größerer Fluss in Bayern frei von Wasserkraft ist, seien trotz geringer Stromausbeute zahlreiche weitere Projekte in Planung. Gerade einmal 1,5 Prozent des bayerischen Stroms würden von den rund 4.000 Kleinwasserkraftwerken erzeugt. In der Studie fordert der WWF deshalb den sofortigen Stopp des Neubaus von Wasserkraftwerken und stattdessen ein ambitioniertes Rückbau-Programm für Barrieren.

Verbände sind fassungslos

Für die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) und den Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) ist diese Forderung nicht nachvollziehbar. Der VWB-Vorsitzende Fritz Schweiger kommentiert: „Wir sind fassungslos ob der einseitigen Darstellung und der pauschalen Schuldzuweisung durch den WWF.“ Die Forderung eines Baustopps basiere auf falschen Voraussetzungen und Interpretationen. Wasserkraftanlagen befinden sich laut VWB lediglich an 4.000 der 57.000 Querbauwerke. „Das ist ein Bruchteil, und außerdem sind viele von ihnen in den vergangenen Jahren ökologisch verbessert worden“, sagt Schweiger. Die Wasserkraftanlagen könnten somit nicht die alleinige Ursache für die vom WWF konstatierte mangelhafte Qualität und Durchgängigkeit von 85 Prozent der bayerischen Flussgewässer sein. Hans-Peter Lang vom LVBW ergänzt: „Es gibt sehr viele, sehr unterschiedliche Umgebungsbedingungen, die einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität haben. Man macht es sich sehr einfach, wenn man einfach nur den Wasserkraftanlagen die Schuld für alle Defizite in die Schuhe schiebt.“

Kleine Wasserkraft ist nicht klein

Laut WWF werden die Flüsse im Freistaat Bayern von 57.000 Querbauwerken zerschnitten. Die beiden Verbände machen auch darauf aufmerksam, dass die kleine Wasserkraft nicht klein ist. Dazu sagt der VWB-Vorsitzende Schweiger: „Immerhin erzeugen die Anlagen über eine Milliarde Kilowattstunden Strom im Jahr. Damit kann rechnerisch der Strombedarf aller Haushalte in der Oberpfalz gedeckt werden.“ Darüber hinaus sei Strom aus Wasserkraftanlagen CO2-frei, er werde regional erzeugt und vermeide damit Energieverluste und trage zur Stabilisierung örtlicher öffentlicher Stromversorgungsnetze bei. „Wir fordern eine sachliche Auseinandersetzung mit der Wasserkrafttechnologie und keine ideologiegetriebene Fehlinterpretation von Tatsachen, um eine für die Energiewende und den Klimaschutz notwendige Technologie zu verunglimpfen“, appellieren Fritz Schweiger und Hans-Peter Lang im Namen ihrer Verbände. (al)

WWF-Publikation „Lasst den Flüssen ihren Lauf – Ein Hintergrundbericht zum Zustand der Fließgewässer in Bayern“ (PDF, 13,6 MB) (Deep Link)
https://www.wasserkraft-bayern.de
https://www.lvbw-wasserkraft.de

Stichwörter: Wasserkraft, WWF, VWB, LVBW

Bildquelle v.o.n.u.: Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB), Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB)

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Wasserkraft

RENEXPO Interhydro 2020: Wissensaufbau im Fokus
[30.9.2020] Auf der RENEXPO Interhydro wird es dieses Jahr keinen Ausstellungsbereich geben. Dieser ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht zufriedenstellend umsetzbar, teilt das Messezentrum Salzburg mit. Die Konferenz soll aber stattfinden. mehr...
Schachtkraftwerk: Pilotanlage besteht Härtetest
[10.9.2020] Das Schachtkraftwerk in Großweil hat die erste Million Kilowattstunden klimafreundlichen Strom produziert. Damit ist die Gemeinde Großweil fast CO2-neutral. mehr...
Blick auf die beiden Schächte des weltweit ersten Schachtkraftwerks in der Loisach bei Großweil, in denen sich die Turbinen und Generatoren befinden.
Wasserkraft: Große Revision für Kraftwerksgruppe Pfreimd Bericht
[14.8.2020] In der Kraftwerksgruppe Pfreimd wird Wasserkraft dreifach verwendet: für die Erzeugung und Speicherung der Energie sowie für die Stabilisierung der Netze. Ziel der aktuellen Revision ist es, das Kraftwerk für den veränderten Energiemarkt fit zu halten und einen Beitrag für den Übergang zur Klimaneutralität zu leisten. mehr...
ENGIE Deutschland investiert mehr als zehn Millionen Euro in die Generalüberholung der Kraftwerksgruppe Pfreimd.
Wasserkraftwerk: Strom aus dem Schacht
[5.8.2020] Im bayerischen Fluss Loisach ist das erste Schachtwasserkraftwerk in Betrieb gegangen. Die Turbine liegt in einem Schacht im Flussbett, Fische können darüber hinweg schwimmen. mehr...
Im bayerischen Fluss Loisach ist das erste Schachtwasserkraftwerk in Betrieb gegangen.
Schluchseekraftwerk: Mehr Strom aus dem Strom
[13.7.2020] Das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern wurde fünf Jahre lang generalüberholt und kann nun seine Produktion steigern. 13.000 Haushalte kann es zusätzlich mit Strom aus Wasserkraft versorgen. Rund 43 Millionen Euro hat das Unternehmen RADAG in die Modernisierung investiert. mehr...
Wurde generalüberholt und kann nun 13.000 Haushalte mehr beliefern: das Schluchseekraftwerk.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 9/10 2020
stadt+werk, Ausgabe 7/8 2020
stadt+werk, Sonderheft Juni 2020
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2020

GIS Consult GmbH
45721 Haltern am See
GIS Consult GmbH
Redtree GmbH
44575 Castrop-Rauxel
Redtree GmbH
VIVAVIS AG
76275 Ettlingen
VIVAVIS AG
IVU Informationssysteme GmbH
22846 Norderstedt
IVU Informationssysteme GmbH

Aktuelle Meldungen