Donnerstag, 28. Oktober 2021

Energetische Sanierung:
Modell für die Wärmeplanung


[15.2.2021] Kommunen sind wichtige Akteure bei der Umsetzung der Wärmewende. Im Rahmen des Projekts KoWaP soll ein Planungsinstrument für die kommunale Wärmeleitplanung entwickelt werden, welches insbesondere bei energetischen Sanierungen zum Einsatz kommen kann.

Im Rahmen des Projekts KoWaP soll ein Planungsinstrument für die kommunale Wärmeleitplanung entwickelt werden. Städte, Gemeinden und Kreise sind wichtige Akteure zur Umsetzung der Wärmewende vor Ort. Denn diese kann nur gelingen, wenn die nationalen Wärmewendeziele auf die lokale Planungsebene übertragen werden und in konkrete Umsetzungshandlungen münden. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, setzt etwa Baden-Württemberg mit der Novelle seines Landesklimaschutzgesetzes seit Oktober 2020 als erstes Bundesland darauf, ausgewählte Kommunen zu einer Wärmeplanung zu verpflichten.

Neues Modell entwickeln

Eine bundesweite Verpflichtung zu solchen Planungen besteht bislang nicht, weil dafür einheitliche rechtliche Grundlagen fehlen. Vor diesem Hintergrund soll im Projekt „Kommunale Wärmeleitplanung – Entwicklung eines neuen Planungsinstruments für die kommunale Wärmeleitplanung unter Verknüpfung von planungsrechtlichen und förderrechtlichen Elementen (KoWaP)“ ein neues Instrument oder Modell entwickelt werden. Darüber hinaus wird untersucht, wie dieses in den geltenden Rechtsrahmen integriert werden könnte. Das würde Kommunen das rechtliche Werkzeug in die Hand geben, um die Wärmewende stärker als bislang mit planerischen Mitteln zu gestalten.
Weil die bisherigen Bemühungen in diesem Bereich selten über die reine Planung hinausreichen, werden im Rahmen des Projekts KoWaP bestehende Fördermöglichkeiten analysiert und ein neues Instrument zur Förderung von entsprechenden Maßnahmen konzipiert: Als umsetzungsorientierter Baustein einer kommunalen Wärmeleitplanung sollen auf fachlicher Grundlage Bereiche unterschiedlicher Wärmeversorgungsoptionen identifiziert werden. Die fachliche und räumliche Abgrenzung erfolgt auf Basis energetischer Daten. Daran können sich etwaige Fördermechanismen künftig orientieren, sodass konkrete Umsetzungshandlungen zielgenauer als bislang gefördert werden können.

Transdisziplinäre Betrachtung

Das Vorhaben verfolgt einen transdisziplinären Ansatz, der – ausgehend von fachplanerischen Untersuchungen – sowohl die sozial- als auch die rechtswissenschaftliche Perspektive abdeckt und einen engen Austausch mit Akteuren aus der Praxis vorsieht.
Die Stiftung Umweltenergierecht führt innerhalb des Projekts KoWaP die rechtswissenschaftlichen Untersuchungen durch. Ziel ist es, zu bewerten, welche Elemente einer kommunalen Wärmeleitplanung bereits im bestehenden Rechtsrahmen abgebildet werden können und inwieweit es Veränderungen für die Einführung und Verankerung der Wärmeleitplanung als eigenständige, neuartige (Fach-)Planung bedarf. Zudem werden Möglichkeiten und Grenzen einer Rechtsfortentwicklung untersucht.
Die bisherige Praxis in Bezug auf energetische Sanierungen im urbanen Bereich geht in der Regel von einer zuvor erstellten, meist stadtplanerisch motivierten Grenzziehung des Untersuchungs- und Projektgebiets aus. Energiebezogene Nachbarschaftseffekte und -synergien können so nicht berücksichtigt werden. Die bisherige Praxis der Abgrenzung von Sanierungsgebieten beeinflusst Vorgehen, Ergebnis und Schlussfolgerungen für die Umsetzung. Aus Energiedaten, die aus Abgrenzungen von Bereichen resultieren, kann eine Art Planungsmatrix auf strategischer Ebene erstellt werden.

Planerische Leitplanken

Ein strategischer Ansatz der Wärmeleitplanung ermöglicht den Kommunen, einen Orientierungs- und somit einen räumlich ausreichend konkreten Handlungsrahmen für die Zielerreichung zu setzen. Gleichzeitig werden so planerische Leitplanken für die nachfolgende Detailplanung gesetzt, mit der die Kommune auf Ebene der strategischen Planung nicht weiter belastet wird. Analog dazu weisen Kommunen beispielsweise Eignungsgebiete für Windenergie aus, ohne im Detail die Wirtschaftlichkeit belegen und die technischen Details planen zu müssen. Im Rahmen von KoWaP werden energieplanerische Ansätze verglichen und unter anderem auf ihre Eignung für die Ableitung von räumlich gelenkten Fördertatbeständen hin untersucht. Fachlich wird dieses Vorhaben von der Hochschule Bremen begleitet.

Regionale Erfahrungswerte

Im Zuge der empirischen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zur Anwendungspraxis kommunaler Wärmeplanung werden durch das Forschungsinstitut adelphi research Experteninterviews und Fach-Workshops mit kommunalen Vertretern durchgeführt, um deren bisherige Erfahrungen sowie Wünsche und Anforderungen an ein zukünftiges Planungsinstrument im weiteren Projektverlauf berücksichtigen zu können. Übergreifendes Ziel ist es, regional unterschiedliche kommunale Erfahrungswerte zu wärmebezogenen Planungsverfahrungen zu erhalten, Einschätzungen zu den Zuständigkeiten und Kompetenzen der Kommunen abzurufen, sowie Leuchtturmprojekte und Reallabore für neue Planungskonzepte zu erfassen.

Regionale Fach-Workshops

Um die kommunalen Erfahrungswerte noch stärker einzubeziehen, werden zudem in einem fachlichen Beirat Vertreter der Bundes- und Landesebene, sowie Akteure der kommunalen Ebene eingebunden. Die erzielten Zwischenergebnisse werden in regionalen Fach-Workshops diskutiert und kommuniziert. Am Ende des Projekts sollen Handlungsempfehlungen für ein Wärmeleitplanungsinstrument oder -modell und dessen Implementierung entwickelt werden. Sie werden der Fachöffentlichkeit vorgestellt und so ein weiteres Mal gespiegelt.
Gestartet ist das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt im Juni 2020. Es wird unter der Leitung von Oliver Antoni durch die Stiftung Umweltenergierecht in Zusammenarbeit mit adelphi research und der Hochschule Bremen durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert (Förderkennzeichen 03EI5214A).

Victoria Balling, Andreas Schneller, Jürgen Knies

Victoria Balling, Andreas Schneller, Jürgen Knies
Victoria Balling ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Umweltenergierecht. Andreas Schneller ist Manager bei adelphi research und leitet energiepolitische Projekte im Auftrag von Bundesministerien und der EU-Kommission. Dr. Jürgen Knies hat die Professur Infrastrukturplanung für energie- und umwelttechnische Anlagen an der Hochschule Bremen inne.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Januar/Februar 2021 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Energieeffizienz, Wärmewende, KoWaP

Bildquelle: Dreadlock/stock.adobe

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige

hb2110

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Energieeffizienz

Bremen: Umstellung der öffentlichen Beleuchtung
[27.10.2021] In Bremen beginnt nächstes Jahr ein umfassendes Umrüstungsprojekt, in Zuge dessen veraltete Straßenbeleuchtung mit LED-Leuchten ausgestattet wird. Auslöser des Projekts ist eine Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). mehr...
Baden-Württemberg: Kommunen mit Vorbildcharakter
[7.10.2021] Das Umweltministerium in Baden-Württemberg hat jetzt Stadt- und Landkreise für ihr Engagement im Bereich Energieeffizienz mit dem Leitstern Energieeffizienz ausgezeichnet. Rottweil, Göppingen und Freiburg belegen die ersten drei Plätze. Sie haben Vorbildcharakter. mehr...
Drei Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg wurden jetzt vom landeseigenen Umweltministerium jeweils mit einem Leitstern Energieeffizienz ausgezeichnet.
Mönchengladbach: Innovative Quartierslösung
[4.10.2021] Im Quartier Seestadt in Mönchengladbach soll jetzt ein innovatives Energiekonzept zur Versorgung entstehen. Umgesetzt wird es von den Unternehmen Catella und Stadtentfalter. mehr...
Herzstück des Quartiers Seestadt wird ein circa 20.000 Quadratmeter großer See sein.
Wedel: Spatenstich für größte PtH-Anlage
[24.9.2021] Für eine Power-to-Heat-Anlage erfolgte in Wedel der Spatenstich. Sie wird die größte ihrer Art in Deutschland sein und 80 MW leisten. mehr...
Spatenstich für die PtH-Anlage in Wedel.
enercity: HafenCity grün gewärmt und gekühlt
[23.9.2021] enercity liefert klimafreundliche Kälte in der Hamburger HafenCity. Ein neues Schulungszentrum zweier Berufsgenossenschaften bezieht dort als erstes Gebäude Kälte. Diese entsteht aus nahezu CO2-freier industrieller Abwärme von Aurubis. mehr...
In der Hamburger HafenCity entsteht eine klimafreundliche Kälteversorgung.

Suchen...

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 9/10 2021
stadt+werk, Ausgabe 7/8 2021
stadt+werk, Ausgabe Sonderheft 2021
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Energieeffizienz:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen